Arthur C. Clarke

Clarke ist ein fähiger Autor, der interessant und spannend schreiben kann. Wenn man seinen Namen hört, wird man wohl zuerst an 2001 - A Space Odyssee denken.
* 16. Dezember 1917 (Minehead, Somerset, England) - † 19. März 2008 (Colombo, Sri Lanka)

Rendezvous with Rama

Rendezvous with Rama (Juni 1973)
Bantam (Dezember 1990)

Arthur C. Clarke: Rendezvous with Rama
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Im Jahr 2131 stellt sich heraus, das etwas, das man bislang für einen Asteroiden gehalten hat (31/439) tatsächlich eine künstliches Gebilde ist, das sich auf Sonnenkurs befindet.

Nur ein Raumschiff hält sich in der Nähe auf: die Endeavor unter Commander Bill Norton. Er uns seine Mannschaft beginnen, das inzwischen Rama (nicht nach der Margerine sondern nach der Hindu-Gottheit) genannte Gebilde zu untersuchen. Sie finden einen Weg in das Innere des gigantischen Raumschiffs ...

Clarke verwendet viel Zeit darauf, Entwicklung der Menschheit bis zum Zusammentreffen mit Rama zu schildern. Das Innere Ramas wird eindrücklich geschildert - nur bleiben dabei leider die Charaktere auf der Strecke. Und das ist nicht im chrichtonschen Sinne gemeint. Clarkes Figuren bleiben Pappkameraden, die Funktionen im Rahmen der Handlung zu erfüllen haben, aber kein Eigenleben entwickeln.

Und es gäbe viel zu erzählen. Norton hat zwei Frauen auf zwei Planeten, außerdem schläft er mit der Bordärztin - aber alles wird nur angesprochen ohne irgendwelche Konsequenzen für das Verhalten zu entwickeln. Norton und seine Crew sind so, wie sich Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer wünschen: seelenlose Maschinen, für die nur ihre Aufgabe zählt.

Ein Punkt hat mich beim Lesen irritiert: Es ist immer wieder die Rede davon, daß das Jahrtausende alte Schiff wie neu aussieht. Im luftleeren Raum vorstellbar. Aber irgendwann entdecken die Erdlinge, daß es eine atembare Atmosphäre gibt. Und das heißt: Sauerstoff.

Bitte korrigieren Sie mich, falls ich mich irren sollte. Sauerstoff ist eines der reaktionsfreudigsten Gase. Wo Sauerstoff ist, ist auch Verfall. Aber von Verfall ist im Roman keine Rede.

Rendezvous with Rama erhielt etliche Preise, hätte ein Einzelbuch sein sollen, wurde dann aber der Startpunkt für eine Serie (die von Clarke nur durchgesehen, aber nicht geschrieben wurden.

Aus meiner Sicht ist es eines von Clarkes schwächeren Büchern.


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Science Fiction Stories 37

The wind from the sun (1971)

Ullstein (1974)
Herausgegeben von Walter Spiegl.

16 Kurzgeschichten, Erzählungen, Essays von Clarke, alle aus den 60er Jahren.
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2001 - A space odyssey

2001 - A space odyssey (1968)

Signet (1968)

Der Roman basiert auf dem Drehbuch zum Film, das wiederum auf einer Kurzgeschichte von Clarke basiert.

Das Buch ist besser als der quälend langatmige Film.

Parodie in Mad-Extra 5.
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2010 - Odyssee two

2010 - Odysee two (1982)

Granada (1985)

Neun Jahre sind seit dem Verschwinden von David Bowman vergangen. Ein russisch-amerikanisches Team macht sich auf, das Rätsel zu lösen.
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2061 - Odyssey three

2061 - Odyssey three (1987)

Grafton (1988)

Noch eine Fortsetzung zu Odyssey. Lesbar, spannend aber eben nur eine Fortsetzung.
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Colette

Gigi

Gigi (1945)
rororo (1960)

Sidonie-Gabrielle Claudine Colette
* 28. Januar 1873 (Saint-Sauveur-en-Puisaye, Département Yonne (Burgund)) - † 3. August 1954 (Paris)

Ein junges Mädchen reift zur Frau und einige Männer wollen das für sich selbst ausnutzen.

Eine von vier Erzählungen, die in diesem Band versammelt sind. Ich war von der Qualität überrascht. Unbedingt zu empfehlen.

Die titelgebende Geschichte war Vorlage für ein Filmmusical (mit Maurice Chevalier, Louis Jourdan und Leslie Caron in der Titelrolle) von Lerner und Loewe, die durch My Fair Lady weltberühmt wurden.
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Max Allan Collins

Ein Veteran kehrt heim

The Baby Blue Rip-Off (1983)

Bastei (1987)
* 3. März 1948 (Muscatine, Iowa)

Collins hat einige Jahre den Dick Tracy-Comic Strip geschrieben, außerdem hat er sich als Batman-Autor einen Namen gemacht.

Ehrlich, ich weiß nicht, ob ich diesen Krimi um den Krimiautor und Vietnam-Veteran Mallory je gelesen habe.
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Carlo Collodi

Pinocchios Abenteuer

Le Avventure Di Pinocchio: Storia Di Un Burattino (1881)
Ravensburger (1978)
Mit Zeichnungen von Rolf Rettich.
Carlo Lorenzini
* 24. November 1826 (Florenz) - † 26. Oktober 1890 (Florenz)

Gepetto schnitzt sich eine Marionette, der eine Fee Leben einhaucht. Doch Pinocchio erweist sich als Kind, dem die Maßstäbe fehlen. Er gerät immer mehr in Probleme.

Der Stoff wurde mehrfach verfilmt. Am Besten hat mir die Disney-Version gefallen. Eine TV-Serie mit Gina Lollobridgia ist auch noch in guter Erinnerung. Lange nicht mehr wiederholt wurde eine mitreißende Musicalversion mit Danny Kaye als Gepetto.
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Marcus Conradt, Felix Huby

Der Eugen

Der Eugen (1987)
Bleicher Verlag (1987)

Marcus Conradt, Felix Huby: Der Eugen
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Es war einmal eine Fernsehserie ... und dieses "Es war einmal" ist inzwischen rund 30 Jahre her. Ich hätte geschworen, daß die Serie noch nicht so alt ist.

Der Eugen war eine Serie aus 7,5 Minuten dauernden Folgen, kaum mehr als schwäbische Witze, aber mit einer Besetzung, die noch heute als gelungen gelten muß. Walter Schultheiß, seine Frau Trudel Wulle, die unterschätzte Ilse Künkele und Thomas Reiner (unser aller Schmidt-Brauner). Und die jüngere Generation wurde vertreten von Regina Faerber und Alexander Gittinger.

Es ging um ein kleines Weingut, um die großen und kleinen Erlebnisse der Familie und Angestellten.

Und das ganze war den Darstellern auf den Leib geschrieben worden.

Man merkt das, wenn man dieses Buch liest, in dem 14 der 68 Geschichten versammelt sind. Ich habe die Serie seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, weil ich sie damals nicht aufgenommen habe und Wiederholungen ... ich weiß nicht, ob sie je wiederholt wurde.

Wenn ich diese Geschichten lese, höre ich Schultheiß, Wulle, Künkele und vor allem Thomas Reiner. Je weniger auf Erzähltexte zurückgegriffen wird, je mehr die Autoren also darauf verzichten, ihre Drehbücher auszuschmücken, desto besser sind die Geschichten.

Der Eugen ein Juwel des alten SDR.

Das Buch weckt Erinnerungen.
Mein Exemplar ist von Marcus Conradt, Felix Huby und einer dritten Person signiert.


Ich hab das Buch gebraucht gekauft - und ernsthaft, ich habe keinen blassen Schimmer, von wem die dritte Unterschrift stammt.

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Neues vom Eugen

Neues vom Eugen (1990)
Bleicher Verlag (1990)

Marcus Conradt, Felix Huby: Neues vom Eugen
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Ach ja.

Man kann wirklich wehmütig werden.

Weitere 14 Geschichten um den Eugen und seine Familie. Es beginnt mit einem Brand auf dem Weingut und es endet mit einer Doppelhochzeit.

Selbst in traurigen Situationen (ein Todesfall) wird noch gezeigt, daß der Schwabe einen sehr, sehr trockenen Humor hat. Und dabei wird es nicht peinlich. Wirklich sehr gelungen.

Bei der Lektüre höre ich die Schauspieler sprechen. Es ist unmöglich, sich andere Stimmen vorzustellen.

Bei YouTube taucht die Serie nicht auf, im Fernsehen auch nicht - und bei Amazon muß man 60 Euro für 60 Folgen aufwenden (die Serie umfaßt 68 Folgen, d.h. die Serie wurde nicht vollständig veröffentlicht). Schade. Wirklich Schade.

Ein Buch, das ich allen, die sich zutrauen Schwäbisch zu lesen, dringend ans Herz lege.


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Gerard F. Conway

Mindship

Mindship (1974)

Daw (1974)
Gerard F. Conway? Das ist Gerry Conway, der u.a. für Diagnose: Mord Drehbücher geschrieben hat. Das ist Gerry Conway, der Gwen Stacy tötete, das ist Gerry Conway, dem wir einige der besten Batman-Geschichten zu verdanken haben (meist in Detective Comics).
* 10. September 1952 (New York City)

Raumschiffe werden durch die Kraft der Gedanken bewegt. Für diese Aufgabe sind nur ganz besondere Menschen geeignet. Einer ist Kilgarin, der gegen seinen Willen gezwungen wird, ein weiteres Mal diese Aufgabe zu erfüllen.
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James Fenimore Cooper

Ein Autor, der mehr als den Lederstrumpf geschrieben hat, auch wenn heute nur noch der wirklich bekannt ist.

15. September 1789 (Burlington, New Jersey) - 14. September 1851 (Cooperstown, New York)

Lederstrumpf 1. Teil

Leatherstocking Tales (1823-1841)
Ueberreuter (1977)

Cooper: Lederstrumpf
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Enthält:

Der Wildtöter
The deerslayer
1841

Ich hatte die Lederstrumpf-Erzählungen nicht in besonders guter Erinnerung. Schlecht geschrieben. Deshalb hab ich sie, als ich 2014/15 die Ueberreuter-Bücher erneut las, ans Ende gestellt.

Ja, zumindest Der Wildtöter ist keine leichte Lektüre. Fast jede der Figuren hat mehrere Namen, die der Autor auch im Erzähltext (auch in unterschiedlichen Kombinationen) anwendet. Das verkompliziert die Lektüre unnötig.

Auch wenn die Mingos (oder Irokesen) ganz klar die Feinde sind, wird ihnen doch ihre Ehre nicht aberkannt. Innerhalb ihres eigenen Beurteilungssystems verhalten sie sich anständig.

Warum Hutter mit zwei überaus attraktiven Töchtern auf einem See lebt, ist mir nicht so richtig klar. Ja, es gab mal eine Ehefrau, ja, es gab mal einen Sohn (der anders als die Ehefrau später nicht mehr erwähnt wird), aber es bleibt dabei, daß Hutter mit zwei erwachsenen Töchtern alleine lebt - und wie sich später herausstellt, sind das noch nicht mal seine leiblichen Töchter. Also für mich hört sich das an, als gäbe es da eine Geschichte, die Cooper nicht erzählt.

Den Verriß von Mark Twain habe ich nur überflogen (ich kann längere Texte einfach nicht am Computer lesen). Ja, er hat recht. Auch ich hatte den Eindruck, daß Cooper den See im Laufe der Erzählung schrumpfen läßt, um den Überfall der Huronen (= Irokesen = Mingos) glaubhafter erscheinen zu lassen.

Beeindruckt hat mich die Stille an diesem See, die Cooper ganz wunderbar vermitteln kann.

An einigen Stellen wird ziemlich dick aufgetragen. Warum mußte sich am Schluss noch herausstellen, daß Hutter nicht der Vater der beiden Frauen war?

Warum wurde Hetty als schwachsinnig bezeichnet (und von den Indianern entsprechend akzeptiert)? Mir erscheint sie viel mutiger und vernünftiger als die anderen Figuren.

Warum reagieren die Indianer so stark auf zwei Schachfiguren?

Warum ist Natty Bumppo bei Indianern aufgewachsen?

Ich weiß es nicht.

Nein, eine perfekte, völlig runde Geschichte ist Der Wildtöter nicht.

Und Helmut Lange ist als Wildtöter unübertroffen.


Der letzte Mohikaner
The last of the Mohicans
1826

Die Töchter von Oberst Munro wollen in Begleitung von Major Heyward getrennt von der Truppe das Fort William Henry erreichen. Ihr indianischer Scout Magua führt die Gruppe (der sich unterwegs der Psalmensänger David Gamut anschließt) jedoch auf einen falschen Weg. Glücklicherweise begegnet die Gruppe unterwegs Falkenauge und seinen Begleitern (Chingachgook und dessen Sohn Uncas). Mit deren Hilfe gelingt es den Huronen zu entkommen und schließlich das Fort William Henry zu erreichen. Doch nachdem dieses dem Feind übergeben wurde, gelangen die beiden Frauen in indianische Gefangenschaft ...

Die Geschichte ist vor dem Wildtöter entstanden. Mir kommt es vor, als wären dieser Wildtöter und dieser Chingachgook keine Weiterentwicklungen sondern völlig andere Personen. Ja, sie sind älter, aber weder ist Wildtöter hier der große Indianerversteher noch ist Chingachgook der edle Wilde.

Die Geschichte ist ... nun, etwas an den Haaren herbeigezogen. Wieder sind es zwei Schwestern, die im Mittelpunkt stehen. Wieder wird eine die Geschichte nicht überleben.

Im Prinzip liefert Cooper die Vorlage für die Indianer-Romane von Karl May. Die bösen Indianer nehmen die guten Weißen gefangen. Die Helden befreien die Gefangenen usw. Mit David Gamut ist das Vorbild für die vielen schrägen Figuren Mays gefunden.

Aufhänger der Geschichte ist das (reale) Fort William Henry-Massaker (nach dem 08.08.1757). General Montcalm durfte seinen Namen behalten, Lieutenant-Colonel George Monro wurde zu Munro (lt. Wikipedia wurde auch das Vorbild ab und zu als Munro benannt).

Auch der alte (und weise/weißhaarige) Häuptling Tamenund hat ein reales Vorbild, das bei seinem Tod zwar stolze 76 Jahre hinter sich hatte, aber zum Zeitpunkt der Handlung fast ein halbes Jahrhundert tot war (der Cooper-Tamenund ist zum Zeitpunkt der Handlung ca. 100 Jahre alt).

Die beiden Munro-Töchter sind eine Erfindung Coopers. Cora ist dunkelhaarig, Alice ist blond.

Als Abenteuer ist die Geschichte ganz okay, aber man muß sich bewußtmachen, daß Cooper kein reales Abbild des Westens sondern eine romantische Geschichte liefert (die Liebe von Uncas zu Cora wirkt allerdings von Anfang an etwas aufgesetzt. Liebesgeschichten waren nicht Coopers Stärke.)


Betrachten wir den Anfang der Geschichte im Übersetzungsvergleich:

James Fenimore Cooper Dr. Leonhard Tafel (1841) ? (1950) Helga Parech (Bearbeitung für Ueberreuter)
CHAPTER 1

"Mine ear is open, and my heart prepared:
The worst is wordly loss thou canst unfold:—
Say, is my kingdom lost?"—Shakespeare


It was a feature peculiar to the colonial wars of North America, that the toils and dangers of the wilderness were to be encountered before the adverse hosts could meet.
Erstes Kapitel.

Mein Ohr ist offen und mein Herz bereit.
Nur weltlichen Verlust, nicht Schlimmres kannst Du melden.
Sage, ist mein Reich verloren?
Shakespeare.

Es war eine Eigenthümlichkeit der Kriege, welche in den Kolonien Nordamerikas geführt wurden, daß die Mühseligkeiten und Gefahren der Wildnisse zu bestehen waren, ehe noch die feindlichen Heere sich begegnen konnten.
1. Kapitel

Es war eine Eigenart der Kriege, die in den Kolonien Nordamerikas geführt wurden, daß zuvor große Mühen und Gefahren der Wildnis zu überwinden waren, ehe sich die feindlichen Heere begegnen konnten.
1

Es war bezeichnend für die nordamerikanischen Kolonialkriege, daß die feindlichen Herre erst dann aufeinandertreffen konnten, nachdem sie eine gefährliche und fast unwegsame Wildnis überwunden hatten.


Die beiden letzten letzten Übersetzungen stammen aus Bearbeitungen für die Jugend. Sie sind - offensichtlich - stark gekürzt. Shakespeare kann man deutschen Jugendlichen nicht zumuten.

Die Übersetzung von Dr. Tafel ist zwar in der Wortwahl etwas angestaubt und im Satzbau etwas verworren ("Es war eine besondere Eigenart der nordamerikanischen Kolonialkriege" würde das selbe sagen, wie der gedrechselte Satz von Dr. Tafel, nimmt das Original aber ernst.

Auch der unbekannte Übersetzer der Nachkriegsausgabe, hält sich mehr oder weniger an den Text ("daß zuvor große Mühen und Gefahren der Wildnis zu überwinden waren, ehe sich die feindlichen Heere begegnen konnten" wäre besser mit "daß die Anstrengungen und Gefahren der Wildnis bewältigt werden mussten bevor die gegnerischen Truppen aufeinander treffen konnten" übersetzt worden.

Die Übersetzung des Ueberreuter-Verlags gibt den Inhalt zwar wieder, entfernt sich aber viel zu weit von den Formulierungen des Autors.


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Lederstrumpf 2. Teil

Leatherstocking Tales (?)
Ueberreuter (1977)

Cooper: Lederstrumpf
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Enthält:

Der Pfadfinder
The Pathfinder
1840

  • Als vorletzte Geschichte entstanden, bildet die Geschichte den mittleren Teil der Lederstrumpf-Erzählungen.
  • Lederstrumpf (und Chingachgook) begleiten eine aus eine junge Frau und ihren Onkel, einen britischen Kapitän, zum Vater des Mädchens, einem britischen Sergeanten. Dessen Trupp wird kurz nach der Ankunft der kleinen Gruppe beauftragt, zu einem abgelegenen, verborgenen Fort umzuziehen, um gegen die Franzosen vorzugehen.
  • Wahrscheintich die raffinierteste Lederstrumpf-Erzählung. Natty verliebt sich, sein junger Konkurrent gerät unter Spionageverdacht und ausgerechnet der Frau des bösesten aller Indianer (in dieser Geschichte) hat Natty es zu verdanken, daß seine Angebetete die Geschichte überlebt.
  • Am Anfang dachte ich: Oh, wie langweilig. Schon wieder wird eine Gruppe von einem Indianer begleitet, der kein Delaware ist (Pfeilspitze bzw. im Original Arrowhead), schon wieder weiß Natty sofort, daß man diesem Kerl nicht trauen kann - und schon wieder hat Natty recht. Daß seiner Frau, die Freundschaft zu Mabel Dunham fast wichtiger ist, als die Liebe zu ihrem Mann, war dann doch eine Überraschung.
  • Cooper kann hier aus seinem seemännischen Erfahrungsschatz schöpfen.

Die Ansiedler
The Pioneers
1823

  • Die erste Geschichte. Lederstrumpf ist hier bereits 70 Jahre alt.
  • Lederstrumpf lebt mit Chingachcook, der sich jetzt John Mohegan nennt, in der Nähe einer kleinen, aufstrebenden Ortschaft. Wegen eines erlegten Hirsches, gerät er in die Mühlen der Justiz.
  • Die beste Geschichte des Lederstrumpf-Zyklus. Cooper gelingt es hier, den Unterschied zwischen Stadtmenschen und Bewohnern der Wildnis herauszuarbeiten. Stellenweise ähnelt Lederstrumpfs Appell, die Natur zu erhalten, den Reden, die man von Grünen der ersten Stunde kennt. Den Grünen, die noch für Umweltschutz waren - und nicht nur eine mit Tarnastrich versehene CDU.
  • Natürlich gibt es auch hier wieder eine Liebesgeschichte, diesmal um einen jüngeren Kumpel von Lederstrumpf.
  • Am Schluss zieht sich Lederstrumpf mit seinem Hund in die Wildnis zurück.

Die Prärie
The Prairie
1827

  • Die dritte Geschichte. Lederstrumpf ist hier fast unglaubliche 80 Jahre alt.
  • Lederstrumpf begegnet der Siedlerfamilie Bush und gerät in ihre Kämpfe mit Sioux und Pawnee.
  • Die schlechteste Geschichte, denn hier fehlt es an einem psychologischen Unterbau. Ja, man wird mit interessanten Charakteren bekannt gemacht, aber mal kämpfen die Bushs gegen die Sioux, dann an deren Seite, dann wieder gegen die Sioux, ganz so, wie es der Autor gerade braucht. Das passt einfach nicht.
  • Daß Lederstrumpf mitten in der Prärie, auf einen Enkel von Major Duncan Heyward trifft (der in Der letzte Mohikaner auftritt, eine Geschichte, die erst 10 Jahre später geschrieben wurde, wirkt an den Haaren herbeigezogen.
  • Am Schluss (jenseits der Haupthandlung) stirbt Lederstrumpf.

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Der rote Freibeuter

The Red Rover (1827)
Ueberreuter (1977)

Cooper: Der rote Freibeuter
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Der rote Freibeuter bedroht die Schifffahrt vor Rhode Island. Der junge Harry Wilder heuert auf einem Schiff an, wird von dem Kapitän aber schnell als Ersatz für den Kapitän eines anderen Schiffes ausgewählt. Weder Wilder noch sein Kapitän sind ehrlich. Sie könnten Freunde sein, werden aber zu erbitterten Feinden - die Konfrontation auf hoher See ist unvermeidlich.

Einer der großen Piraten-Romane. In Deutschland wohl eher unbekannt. Die hier vorliegende Fassung ist gekürzt.

Einiges an dem Roman ist verwirrend. Wer die Hauptperson ist (Heidegger oder Wilder/Arche/deLancy) wird nie ganz klar. Die beiden Begleiter Harrys (Dick Fid und Scipio Africanus) scheinen eine große Wichtigkeit zu besitzen, werden aber bestenfalls am Rande erwähnt.

Das erste Kapitel ist bemerkenswert (und verwirrend).

Schneider David Homespun und ein noch unbekannter Namensloser (bei dem man völlig korrekt vermutet, daß es sich um den roten Freibeuter handelt, obwohl er blond ist und grün trägt) tauchen auf. Übergangslos werden Harry Wilder, Dick Fid und Sip (Scipio Africanus) eingeführt, begegnen dann sofort dem Namenslosen, dann tauchen völlig unvermittelt Mrs. Wyllis und Miss Grayson auf. Alles innerhalb weniger Seiten, und ohne wirklichen Übergang. Man hat das Gefühl, als wäre man auf einer Bühne, auf der eine Person nach der anderen vorbeischaut, um sich dem Publikum vorzustellen.

Danach wird das Buch besser, auch wenn es verwirrend bleibt. Harry Wilder/Arche/deLancy hat derart viele Nachnamen, daß man aufpassen muß, alle Umbenennungen mitzubekommen. Leider passt sich der Erzähler jeweils dem Kenntnisstand an, was die Lektüre nicht gerade leicht macht.

Schließlich stellt sich heraus, daß Wilder/Arche/deLancy der Sohn der Mrs. Wyllis ist.

Gegen Ende des vorletzten Kapitels jagt Kapitän Heidegger sein Schiff in die Luft. Wäre der Roman damit beendet, wäre er gut gewesen. Leider schließt Cooper noch ein Kapitel an. Nach Jahren taucht im Haus von Harry Wilder/Arche/deLancy der längst überraschenderweise doch noch lebende Heidegger auf. Und bevor er seinen letzten Atemzug tut, stellt sich heraus, daß er der Bruder von Mrs. Wyllis und damit der Onkel von Harry Wilder/Arche/deLancy ist. Warum? Es macht keinen Sinn.

Comic-Fassung bei BSV.


Schauen wir uns den Anfang der Geschichte im Übersetzungsvergleich an

James Fenimore Cooper Richard Zoozmann (1911) Hans R. Hecke (Bearbeitung für Ueberreuter)
Chapter I.

Par. "Mars dote on you for his novices."

All's Well that ends Well.


No one, who is familiar with the bustle and activity of an American commercial town, would recognize, in the repose which now reigns in the ancient mart of Rhode Island, a place that, in its day, has been ranked amongst the most important ports along the whole line of our extended coast.
Erstes Kapitel

Wer nur einigermaßen mit dem Gewühl und dem Leben einer Handelsstadt bekannt ist, wurde in dem stillen, geschäftslosen Newport den Platz nicht wiedererkennen, der in früheren Zeiten für einen der wichtigsten und besuchtesten Häfen an der ausgedehnten Küstenstrecke von Nordamerika galt.
Der grüne Frack

Ein herrlicher Oktobertag des Jahres 1759 blaute über Stadt und Hafen von Newport auf Rhode Island im damals britischen Neuengland.


Man braucht gar nicht lange schauen. Zum einen fehlt in beiden deutschen Übersetzungen das vorangestellte Zitat. Zum anderen ist die Ueberreuter-Fassung brutal gekürzt. Was dort der Anfang ist, kommt erst nach einer halben Ewigkeit im Originaltext.

Auffällig ist zudem das "wurde" in der Zoozmann-Übersetzung (die einzige, die ich im Netz finden konnte). Warum kein Umlaut? Ich weiß es nicht.

Cooper macht schon im ersten Satz deutlich, daß es ihm um eine amerikanische Geschichte aus Sicht eines Amerikaners geht ("American commercial town", "our extended coast") Damit wird auch klar, warum im letzten Kapitel soviel Wert auf das Sternenbanner gelegt wird. Bei Ueberreuter bleibt das völlig im Dunkeln.

"Der rote Freibeuter" hat in Deutschland das Schicksal vieler Bücher erlitten, die unter Jugendliteratur einsortiert und deshalb brutal gekürzt wurden.


Für mich ist ganz klar, daß Jean-Michel Charlier dieses Buch (oder zumindest die Geschichte) gekannt haben muß, als er Barbe Rouge schuf. Es gibt einfach zu viele Gemeinsamkeiten.

  • Harry Wilder und Eric sind beide Waisen, die auf einem verlassenen Schiff gefunden wurden.

  • Beide werden von einem Schwarzen und einem Einbeinigen begleitet (auch wenn Sid erst am Ende ein Holzbein hat).

  • In beiden Fällen ist der Kapitän zwar Pirat aber doch anständig.


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Simon Cox

* 11.12.1966

Illuminating Angels & Demons

Illuminating Angels & Demons (2004)
Michael O'Mara Books (2004)

Simon Cox: Illuminating Angels & Demons
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Das Buch liefert (in lexikalischer Form) Hintergrundinformationen zu Angels & Demons von Dan Brown.

Und das macht er wirklich gut. Anders als andere Autoren ähnlicher Werke schlägt er den Leser nicht mit Zitaten tot, es gibt keine Diskussionen. Es gibt nur die Informationen, die man sonst mühsam selbst zusammen suchen müßte, ohne daß jemals zu tun.

Obendrein ist es sehr angenehm zu lesen.
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Stephen Cox

The Munsters - Eine Familie mit Biß

The Munsters - television's first family of fright (1989)
Heyne (1992)

* 1966

Cox
The Munsters ist eine ungemein komische amerikanische, schwarz-weiß Comedy-Serie um einige Monster von nebenan. Lange Zeit liefen wenige Folgen der Serie nur unsynchronisiert in der ARD, dann wurde synchronisiert. Heute begegnet man nur noch den - deutlich schlechteren - Filmen, die in späteren Jahren mit anderen Schauspielern gedreht wurden.
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Brian Cronin

* someday, somewhere - I hope.

Was Superman a spy?

Was Superman a spy? (2009)
Plume (2009)

Brian Cronin: Was Superman a spy?
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Cronin betreibt die wöchentliche Kolumne Comic Book Legends Revealed*, in der Comicmythen auf ihren Wahrheitsgehalt abgeklopft werden. Braucht man das als Buch?

Ja.

Unbedingt.

Ohne Zweifel.

Zum einen ist es nicht besonders angenehm, längere Textpassagen am Computer zu lesen. Ein Buch ist immer ein Wert an sich.

Zum anderen macht dieses Buch wirklich Spaß. Cronin beleuchtet Aspekte der (amerikanischen) Comicgeschichte, die bislang in dieser Informationsdichte noch nicht offengelegt wurden.

Ja, das Buch hat einen Nachteil gegenüber der Internetkolumne: Alle Abbildungen sind nur in schwarz-weiß.

Ansonsten ein Buch, das jedem Comicfan unbedingt zu empfehlen ist - und falls jemals ein Übersetzer dafür gesucht wird, würde ich mich gerne zur Verfügung stellen.



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Why does Batman carry Shark Repellent?

Why does Batman carry Shark Repellent? (2012)
Plume (2012)

Brian Cronin: Why does Batman carry Shark Repellent?
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Zum Teil Wiederholungen aus Cronins Kolumne. Zu einem nich geringen Teil aber auch neue Artikel und Listen aus der Hand bekannter Comicprofis (wie Dave Gibbons, Geoff Johns, Peter David und anderen). Großartiges Lesevergnügen.

Einziger Wermutstropfen: Cronin ist Amerikaner und als solcher natürlich auf die US-Comicszene fixiert. An einigen Stellen würde ich mir wünschen, er hätte ein breiteres Spektrum.

Vielleicht klappt's ja beim nächsten Mal.

Für jeden Comicfan ist das Buch ein unbedingtes Muß.
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Anthony Crowell

Female perversion in marriage

Anthony Crowell: Female perversion in marriage
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Ein Buch das sich mit der Sexualität der Frau beschäftigt (vor allem mit all dem, das Amerikaner als nicht normal ansehen). Ein Sachbuch, das jedoch ziemlich reißerisch und mit erhobenem Zeigefinger daher kommt.
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John Crowley

Geschöpfe

Beasts (1976)
Heyne (1980)
* 1. Dezember 1942 (Presque Isle, Maine)

Crowley
Forscher haben Tiere mit Menschen gekreuzt. In den Staaten, die früher einmal die USA bildeten, versucht eine faschistische Bewegung einerseits die USA wieder erstehen zu lassen, anderer die Tiermenschen auszurotten.
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