Karl May
Karl Friedrich May
25.02.1842 (Hohenstein-Ernstthal) - 30.03.1912 (Radebeul)



Irgendein Buch von Karl May hat wohl jeder männliche Deutsche irgendwann gelesen (bei Frauen bin ich mir da nicht so sicher), irgendeinen Film gesehen. Wer Winnetou hört denkt Pierre Brice (einige wenige auch Konrad Halver).

Karl May hat keine große Literatur geschrieben und hat doch wahrscheinlich mehr Autoren beeinflusst als Thomas Mann das je tun wird. Das positive Image, das Indianern hierzulande anhängt, haben sie diesem Mann aus Sachsen zu verdanken, der eine Welt erschaffen hat, die nichts mit dem realen Westen Amerikas (oder dem vorderen Orient) zu tun hat, in die man sich jedoch gerne zurückzieht. Andere Autoren (wie z.B. Tolkien) werden dafür weltweit geachtet und verehrt, May wird mit dem Stigma Jugend-Literatur versehen.

Den meisten Lesern dürfte Karl May in Form der grünen Bände aus dem Karl-May-Verlag in Bamberg bekannt sein. Mit Karl May haben diese Bände allerdings nicht mehr viel zu tun. Etliches wurde um- oder gar neugeschrieben - was dann auch verhindert, dass der Verlag das Copyright verliert.

Andere Verlage bedienen sich häufig der copyright-freien Texte aus dem H. G. Münchmeyer-Verlag. Aber auch das sind bearbeitete Fassungen, auch wenn sie sehr viel näher am Original sind.

Eine historisch-kritische Ausgabe wurde bei Haffmann versucht, aber .. wer kennt Haffmann? Wer gibt viel Geld für ein Buch aus, das er auf dem Flohmarkt für wenige Cents erhält?

Im Internet sucht man fundierte Hintergrundartikel leider vergeblich - zumindest ist es mir nicht gelungen, etwas wirklich interessantes zu finden. Egal, wie sie sich nennen, ob Karl May Gesellschaft oder Fans, im Grunde wird immer auf irgendwelche Bücher verwiesen, die man bei einem Internetbuchhändler bestellen kann.

Ach ja, mir sind Karl-May-Hörspiele lieber als die Filme, da sie wenigstens die Geschichten nicht verfälschen.


Jahr
Titel der Erstveröffentlichung
Titel des Karl May Verlags

1893 Winnetou der Rote Gentleman Band 1 Winnetou 1
1893 Winnetou der Rote Gentleman Band 2 Winnetou 2
1893 Winnetou der Rote Gentleman Band 3 Winnetou 3
1910 Winnetou Band 4 Winnetous Erben
1891 Der Schatz im Silbersee Der Schatz im Silbersee
1897 Weihnacht Weihnacht
1894 Old Surehand Band 1 Old Surehand 1
1895 Old Surehand Band 2 Kapitän Kaiman
1897 Old Surehand Band 3 Old Surehand 2
1894 Der Ölprinz Der Ölprinz
1890 Die Helden des Westens Unter Geiern
1892 Durch Wüste und Harem Durch die Wüste
1892 Durchs wilde Kurdistan Durchs wilde Kurdistan
1892 Von Bagdad nach Stambul Von Bagdad nach Stambul
1892 In den Schluchten des Balkan In den Schluchten des Balkan
1892 Durch das Land der Skipetaren Durch das Land der Skipetaren
1892 Der Schut Orientzyklus
1893 Orangen und Datteln Sand des Verderbens
1899 Am Jenseits Am Jenseits
1898 Im Reiche des silbernen Löwen Band 1 Der Löwe der Blutrache
1898 Im Reiche des silbernen Löwen Band 2 Bei den Trümmern von Babylon
1902 Im Reiche des silbernen Löwen Band 3 Im Reiche des silbernen Löwen
1903 Im Reiche des silbernen Löwen Band 4 Das versteinerte Gebet
1909 Ardistan und Dschinnistan Band 1 Ardistan
1909 Ardistan und Dschinnistan Band 2 Der Mir von Dschinnistan
1890 Die Sklavenkarawane Die Sklavenkarawane
1896 Im Lande des Mahdi Band 1 Menschenjäger
1896 Im Lande des Mahdi Band 2 Der Mahdi
1896 Im Lande des Mahdi Band 3 Im Sudan
1883-1896 Auf fremden Pfaden (Zuordnung unklar)
1901 Und Friede auf Erden Und Friede auf Erden
1892 Der blaurote Methusalem Satan und Ischariot
1894 Am Stillen Ozean Sammlung von Kurzgeschichten
1894 Am Rio de la Plata Südamerika-Dilogie
1894 In den Kordilleren Südamerika-Dilogie
1892 Das Vermächtnis des Inka Das Vermächtnis des Inka
1896 Satan und Ischariot Band 1 Die Felsenburg
1896 Satan und Ischariot Band 2 Krüger Bei
1896 Satan und Ischariot Band 3 Satan und Ischariot
1875 Im fernen Westen (Zuordnung unklar)
1879-1909 Unter heißer Sonne (Zuordnung unklar)
1884 Das Geheimnis des Bettlers (Zuordnung unklar)
1884 Der Schatz des Mixtekas (Zuordnung unklar)
1884 Der Fürst des Felsens (Zuordnung unklar)
1884 Verschollen (Zuordnung unklar)
1884 Rebellen der Sierra (Zuordnung unklar)
1884 Am Teich der Krokodile (Zuordnung unklar)
1884 Der Kaiser von Mexiko (Zuordnung unklar)
1887 Verschwörung in Stambul (Zuordnung unklar)
1887 Die Königin der Wüste (Zuordnung unklar)
1887 Jagd durch die Prärie (Zuordnung unklar)
1887 Arizona (Zuordnung unklar)
1887 Der Engel des Verbannten (Zuordnung unklar)
1887 Die Kosaken (Zuordnung unklar)
1885 Im Auftrag seiner Majestät (Zuordnung unklar)
1885 Napoleons letzte Schlacht (Zuordnung unklar)
1885 Die Spione von Paris (Zuordnung unklar)
1885 Hinter feindlichen Linien (Zuordnung unklar)
1885 Entscheidung in Sedan (Zuordnung unklar)
1886 Der Herr der tausend Masken (Zuordnung unklar)
1886 Der Schmugglerkönig (Zuordnung unklar)
1886 Die Verlorenen (Zuordnung unklar)
1886 Sklaven des Goldes (Zuordnung unklar)
1886 Jäger und Gejagte (Zuordnung unklar)
1886 Das letzte Duell (Zuordnung unklar)
1888 Das Zigeunergrab (Zuordnung unklar)
1888 Die Dorftyrannen (Zuordnung unklar)
1888 Der Baron (Zuordnung unklar)
1888 Die Rivalen (Zuordnung unklar)
1888 Das gefälschte Testament (Zuordnung unklar)
1888 Das Gottesurteil (Zuordnung unklar)
1888 Insel der Gefangenen (Zuordnung unklar)
1877 Der Dukatenhof Der Waldenschwarze
1910 Mein Leben und Streben Ich

Berufenere als ich haben schon versucht, Ordnung in das Durcheinander der May-Veröffentlichungen zu bringen. Extrem hilfreich (aber leider auch recht trocken) ist hier die Seite karl-may-buecher.de*.

Die letzten Bände der Pawlak-Reihe geben die Kolportageromane Mays wieder, die zwar auch im KMV erschienen sind, aber in anderer Zusammenstellung, sodass eine Zuordnung auf die Schnelle unmöglich ist. Genauso verhält es sich mit den Bänden, die Frühwerke oder Frühversionen zusammenfassen.


Sekundärliteratur:

Joachim Heimannsberg: Karl May auf Reisen.

Rüdiger Schaper: Karl May   



Am Jenseits

Am Jenseits (1899)
Pawlak (1983)
Band 19 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Ein Kara ben Nemsi - Roman. Lt. Karl May Verlag markiert das Buch den Übergang zum Spätwerk des Autors.
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Am Rio de la Plata

Am Rio de la Plata (1894)
Pawlak (1983)
Band 34 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Karl May: Am Rio de la Plata
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Der Ich-Erzähler gerät durch seine Ähnlichkeit mit einem Revoluzzer in ernsthafte Schwierigkeiten. Fortsetzung in In den Kordilleren.


Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Buch früher schon mal gelesen habe oder nach dem Kauf einfach ins Regal gestellt habe.

Die Beschreibung von 2001 ist ja nicht besonders ausführlich.


Der Ich-Erzähler (der einmal Charley genannt wird, ansonsten namenslos bleibt, aber an Bärentöter, Henrystutzen und Erinnerungen an den amerikanischen Westen und den arabischen Raum als Scharlie oder Kara Ben-Nemsi erkennbar ist) gerät gleich nach seiner Ankunft in Schwierigkeiten, da er mit einem Oberst verwechselt wird (der im weiteren Lauf der Handlung nicht auftauchen wird). Er verlässt Montevideo in Begleitung eines angeblichen Teesammlers. Das Ziel soll eine verborgene Kipu sei (eine Knotenschrift), die angeblich zu einem Inka-Schatz führen wird. Der Besitzer der Kipu sei ein Geronio Sabuco, aus bekannt als Sendador.

Auf dem Weg gerät die Gruppe immer wieder in Kontakt mit den Bolamännern, mal sind sie in deren Gefangenschaft, mal anders herum.


Für mich einer der besten Karl May-Romane. Nein, wirklich. Hier gibt es keine Deutschtümelei, keinen allzeit überlegenen Ich-Erzähler (was eigentlich gegen die Gleichheit mit Scharlie und Kara Ben Nemsi sprechen würde), keine religiösen Belehrungen. Allerdings nervt das Hin und Her mit den Bola-Männern nach einiger Zeit.

Erstveröffentlicht als El Sendador in Deutscher Hausschatz in Wort und Bild (Nr. 3, Oktober 1889 - Nr. 50, September 1890 als Lopez Jordan), erste Buchausgabe 1894.

Wichtige Personen sind Neben dem Ich-Erzähler noch Bruder Jaguar (ein Geistlicher), Frick Turnerstick. der in mehreren Geschichten auftritt. In der Erstveröffentlichung trafen er und der Ich-Erzähler zum ersten Mal aufeinander, in der Buchausgabe kannten sie sich von früher).

Der Roman entstand vor Winnetou 1, was wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass der Erzähler hier noch nicht unfehlbar ist.


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Der blaurote Methusalem

Kongkheou, das Ehrenwort (1892)
Pawlak (1983)
Band 32 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Mal was anderes: ein in China spielender Roman.
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Durchs wilde Kurdistan

Durchs wilde Kurdistan (1892)
Heyne (1977) / Pawlak (1983)
Band 13 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Karl May: Durchs wilde Kurdistan Karl May: Durchs wilde Kurdistan
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Die immergleiche, unendliche, aber auch spannende Reise wird fortgesetzt. An der Seite von Kara ben Nemsi: Hadschi Halef Omar und Sir David Lindsay.

Comic-Fassung in Das fröhliche Feuerwerk 1 und Karl May 4.
Besonders viel ist mir 2001 offensichtlich nicht eingefallen, was auch daran gelegen haben mag, dass es damals schon zig Jahre her war, dass ich den Orientzyklus gelesen habe. Ehrlich, die Wild West-Geschichten haben mir immer besser gefallen als die Orientgeschichten.

Jetzt, da ich das Buch neu gelesen habe (2017) muß ich sagen, dass der Unterschied nicht besonders groß ist. Kara Ben Nemsi ist gereifter und älter als Old Shatterhand (was auch durch den Bärentöter und den Henrystutzen belegt wird). Der christliche Glauben spielt eine noch größere Rolle - und auch wenn manche Bemerkung über die Einwohner des Orients ziemlich daneben wirken, so gibt es immer mindestens genauso viele positive Figuren. Kein Volk ist durch und durch schlecht. Das ist doch eine positive Weltsicht, die man so manchem unserer Zeitgenossen gerne nahebringen würde.

Die Handlung setzt dort ein, wo die des Vorgängeromans Durch Wüste und Harem endete.

Die Jesiden können ihre Gegner besiegen. Nachdem Kara im letzten Buch Rih geschenkt bekam (das Pferd), wird ihm jetzt der Hund Dojan verehrt.

In einer spannenden, aber auch durchaus humorvollen Sequenz gelingt es Kara und seinen Begleitern, Amar el Ghandur, den Sohn von Mohammed Emin zu befreien.

Anschließend gerät Kara Ben Nemsi in Gefangenschaft, kann sich aber befreien und so ganz nebenbei dafür sorgen, dass ein bevorstehender Krieg verhindert wird.

Die Zeitschriftenveröffentlichung des Originaltextes erschien 1881 bis 1882.


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Durch das Land der Skipetaren

Durch das Land der Skipetaren (1892)
Pawlak (1983)
Band 16 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Karl May: Durchs wilde Kurdistan
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Die Reise geht weiter, wie so oft verfolgt man Verbrecher, wie so oft, begegnet man skurrilen Typen.

Comic-Fassung in Das fröhliche Feuerwerk 1.
Mein erster Text zu dem Buch war recht kurz. Im Moment (Februar 2018) stecke ich noch mitten in der Lektüre. Und ich langweile mich nicht.
Der Roman beginnt mit der Gerichtsverhandlung gegen Kara Ben Nemsi. Er war eine Polizisten angezeigt worden. Der Dorfrichter, Kodscha Bascha, bei dem man den Eindruck hat, einen Vorfahren von Erdogan zu hören, bläst sich auf und macht aus dem Recht eine Farce, was Kara für sich zu nutzen weiß. So ganz nebenbei macht er klar, dass der angeblich heilige Mübarek ein Betrüger und Dieb ist. Zusammen mit den bereits überwältigten Banditen, wird der Mübarek eingesperrt. Allerdings ermöglicht der Kodscha Bascha gegen eine recht hohe Bestechungssumme deren Flucht.

Danach sollen Kara und seine Truppe von zwei Banditen überwältigt werden. Kara gelingt es, die zu täuschen und zu besiegen. Dabei verletzt er sich aber am Fuß, was dazu führt, dass er einen großteil des Romans getragen werden muß.

Schließlich gerät die kleine Gruppe doch noch in die Gefangenschaft des Mübarek - allerdings rechnet der nicht damit, dass Kara auch verletzt ein ernstzunehmender Gegner ist ...
Manchmal nervt es schon, dass Kara Ben Nemsi alles viel, viel besser weiß als all die Personen, denen er begegnet. Allerdings kommt es dabei auch zu sehr humorvollen Sequenzen (z.B. die mit dem Arzt, der sich ernsthaft bemüht, aber erst durch den Deutschen vom Vorteil des Gipses erfährt).

Die meiste Zeit stelle ich mir unter Kara Ben Nemsi einen dunkelhaarigen Helden vor: kräftig und groß, mit einem schmalen Gesicht. Manchmal läßt Karl May aber auch seine eigene Person durchscheinen, dann schrumpft Kara Ben Nemsi etwas, wird auch leiser und nicht so bestimmt, wie er das ansonsten ist.


Bei der Flucht aus einer Hütte erschießt Kara versehentlich den Fleischer (der ihn in die Falle des Mübarek gelockt hat). Dadurch wird dessen Bruder zum Bluträcher, was aber recht schnell erledigt wird, als Kara Ben Nemsi dem vom Blutdurst Berauschten, dass ein kühler Kopf besser ist als blinder Hass.

Danach werden sie von einem "zufällig" auftauchenden Schneider in eine weitere Falle gelockt, lernen aber gerade rechtzeitig ein junges Mädchen kennen, das sich für sie einsetzt und sie vor vergiftetem Essen warnt.

Ein Angriff der Gegner wird abgewehrt (dank einer Lauschaktion, zu der Kara getragen wurde), verpufft aber etwas, da Halef seinen Willen bekommen hatte und sein Übereifer den Gegner die Flucht ermöglichte.

Schließlich erkennt Kara noch, dass er einen Zettel, der ihn zum Schut führen soll, bislang falsch interpretiert hatte ...
Die Geschichte um den "Turm der alten Mutter" ist recht humorvoll, die daran anschließende Rettung einer Frau aus den Fluten eines Flusses hätte so auch in den Wild West-Romanen Platz finden können.

Die Schinkenepisode (mit Halef) stört mich etwas, da hier impliziert wird, dass die Moslems ihren Verzicht auf Schweinefleisch nur durch Dummheit ihrer Religionsstifter üben. Ich habe keine Ahnung, was hinter diesem Schweinefleischverbot steckt, aber solche Tabus finden wir ja auch in anderen Religionen. Kara Ben Nemsi stellt sich zwar als tolerant dar, aber der ganze Abschnitt ist nicht auf Toleranz angelegt. Es ist nur eine der vielen Stellen, an denen May sein Herrenmenschentum nicht versteckt. Er, auf den so oft herabgeschaut wurde, schaut auf andere herab, um sich selbst zu erhöhen. Das ist jämmerlich.


Da es sich bei dem gesamten Orientzyklus um einen Reiseroman handelt, hat man nicht das Gefühl ein Zwischenstück vor sich zu haben. Ob auf diesen Roman noch ein, zwei oder drei folgen, spielt keine Rolle.

Man ärgert sich an manchen Stellen über die sichtbaren Einstellungen des Autors, wird aber zum größten Teil wirklich sehr gut und - man glaubt es kaum - doch auch abwechslungsreich unterhalten.
Mail an Ralf H.


Durch Wüste und Harem

Durch Wüste und Harem (1892)
Pawlak (1983)
Band 12 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Bekannter als Durch die Wüste.

May: Durch Wüste und Harem
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Der Erzähler begibt sich in den vorderen Orient, lernt dort Hadschi Halef Omar (usw...) kennen. Eine gefahrvolle Reise beginnt. Die Bücher sind unter dem Sammeltitel Im Schatten des Großherrn erschienen.

Comicfassung in Karl May 1.

Soweit mein Text von 2001. Inzwischen (2017) habe ich das Buch erneut gelesen - und wie bei allen Karl May Büchern die ich in den letzten Monaten gelesen habe, begeistert mich der Sprachreichtum des Autos. Ich kann natürlich nicht beurteilen, ob May u.a. die arabischen Sprachfetzen korrekt übersetzt. Das müssen andere übernehmen.

Heutzutage würde man das Buch wohl auf mehrere Bücher aufteilen, denn es gibt mehrere klar von einander getrennte Handlungsstränge, die aufeinanderfolgen und nicht - wie das heute üblich ist - ineinander verwoben sind.

Alles fängt damit an, dass Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar einen Toten finden. Sie verfolgen den Mörder, bringen dabei einem alten Freund von Halef den Tod.

Danach geht es nach Mekka. Kurz vorher lernt Hadschi Hanneh kennen und May macht deutlich, dass er mit Frauen in der Handlung nichts anfangen kann, auch wenn Hanneh nicht in das damalige Bild einer untertänigen Frau paßt sondern eher in das selbstbewußte, kämpferische Bild einer Frau des 21. Jahrhunderts.

Dann lernen die beiden Helden Sir David Lindsay kennen, der ziemlich merkwürdig spricht, obwohl Kara Ben Nemsi doch auch Old Shatterhand ist und damit fließend Englisch spricht. Das paßt nicht wirklich.

Im Anschluss lernen sie Mohammed Emin kennen, der dem Deutschen den schwarzen Wunderhengst Rih schenkt.

Mitten in der Vorbereitung eines Kampfes endet dann das Buch.

Der gesamte Orient-Zyklus wurde für eine Zeitschriftenveröffentlichung geschrieben (Deutscher Hausschatz in Wort und Bild 1881-1888), was man dem Text auch heute noch anmerkt, obwohl May die Kapiteleinteilung geändert hat und lt. Karl-May-Gesellschaft* auch überarbeitet hat.

Der hier vorliegende Band entspricht ca. 2/3 der ursprünglichen Erzählung Giölgeda padishanün (was erklärt, warum das Buch mitten in der Handlung endet). Unter dem Originaltitel wäre das Buch sicher unverkäuflich gewesen. Selbst der ursprüngliche Buchtitel wurde mit der 4. Auflage geschmeidiger und kürzer. Sicher kennen die meisten das Buch als Durch die Wüste.
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In den Schluchten des Balkan

In den Schluchten des Balkan (1892)
Pawlak (1983)
Band 15 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Karl May: In den Schluchten des Balkan
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Kara, Halef, Osko und Omar Ben Sadek folgen Manach el Barscha, Barud el Amasat und dem Gefängniswärter.

Kara trennt sich von seiner Gruppe, findet den Schmid Schimin und dessen Frau, die von den drei Verfolgten gefangengesetzt worden waren. Das geschieht gerade noch rechtzeitig, denn die Frau war kurz davor zu ersticken.

Auf seinem weiteren Weg trifft Kara auf eine fette Frau, die die Gemahlin seiner nächsten Zielperson ist. Dieser, Bäcker und Färber in einer Person, gehört zu einer Schurkenbande. Obwohl Kara gewarnt wird, tappt er in eine Falle. Seine Häsche halten ihn für tot ...
Ich habe das Buch erst Ende 2017 gekauft. Die Erstlektüre fand wohl (wie bei den meisten Karl May-Romanen) in den grünen Bänden des Karl May Verlags statt, die mein Vetter ziemlich komplett gesammelt hatte.

Da die Pawlakausgabe Originalsprache und Übersetzung hintereinander präsentiert (statt wie Heyne mit Fußnoten zu arbeiten), ist sie etwas angenehmer zu lesen.
Osko und Omar sind Ballast, der nur mitgeschleppt wird. Sie spielen nur Nebenrollen innerhalb der Handlung.

Der Schut wird erstmals erwähnt, der Mübarek eingeführt.
Mit den Szenen der dicken Bäckerfrau und dem Aufenthalts Karas in einem Taubenschlag wird May richtig lustig.
Mit den Szenen der dicken Bäckerfrau und dem Aufenthalts Karas in einem Taubenschlag wird May richtig lustig. Ansonsten ist das Buch wie alle Teile des Zyklus aufregend und spannend, sodass man es über weite Strecken kaum aus der Hand legen möchte.

Andererseits nervt die Figur Kara hin und wieder auch ganz gewaltig. Zum einen sind da die ständigen Belehrungen über das Christentum, zum anderen ist es die häufig herablassende Art, in der er andere behandelt. Natürlich weiß Kara alles und er kann alles besser als jeder andere (wird aber, das muß man zugeben, auch hin und wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt).

Karl May macht Spaß - das kann man von den meisten deutschen Büchern dieser Zeit nicht behaupten. Auch wenn häufig die Nase gerümpft wird, Mays Werke sind zurecht Klassiker, die man immer wieder neu entdecken kann.
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Helden des Westens

Unter Geiern (1890)
Karl May Verlag/Ueberreuter (?)
Band 11 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Bekannter als: Unter Geiern

Karl May: Die Helden des Westens
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Enthält die Erzählungen: Der Sohn des Bärenjägers (Vorlage für den Film) und Der Geist des Llano Estacados.


Viel war es ja nicht, was ich 2001, also vor 17 Jahren geschrieben habe.

Jetzt bin ich dabei das Buch (eigentlich sind es ja zwei Erzählungen) nochmal zu lesen.

Wenden wir uns zunächst Der Sohn des Bärenjägers zu.

Erst befreien Jemmy und Davy den jungen Wokadeh, dann reiten sie mit ihm zu Martin Baumann (dem Titel-Sohn), um ihm mitzuteilen, dass dessen Vater von Sioux geschnappt wurde. Danach ziehen die vier und Hobble-Frank sowie der schwarze Bob als Rettungsexpedition los. Unterwegs treffen sie noch auf Winnetou und Old Shatterhand.

Bevor das alles ein einigermaßen gutes Ende nimmt, gilt es wie üblich viele Abenteuer zu bestehen.

Es handelt sich um eine Jugenderzählung, d.h. die Geschichte ist in der dritten Person geschrieben. Als Old Shatterhand auftritt, hat man durchaus das Gefühl, May beschreibt sich selbst, aber je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr sehe ich eine größere Gestalt vor meinen Augen (nicht unbedingt Lex Barker, aber schon was in der Preisklasse).

Natürlich wimmelt es vor Deutschen (Shatterhand, Hobble-Frank, Jemmy, der Bärentöter) und dank Hobble-Frank muss man sich auch durch einiges Sächsisch kämpfen. Gerade in dieser Figur kommt der Lehrer in May durch. Frank ist absolut doof, er verwechselt und vertauscht die Wörter, was ein nerviger aber doch genialer Trick des Autors ist, der dadurch die Aufmerksamkeit des Lesers bekommt und ihm das eine oder andere Wissen vermittelt.

Absolut nervig ist Bob, der ganz offensichtlich als Witzfigur gemeint ist. Besonders schlimm ist für mich seine Sprechweise, die sich deutlich von der der Weißen unterscheidet, obwohl er - im Gegensatz zu den meisten seiner Begleiter - ein geborener Amerikaner ist. Warum spricht er dann schlechter Englisch als sie?


Die Geschichte erschien 1887 in Fortsetzung in "Der gute Kamerad"

Für die Buchveröffentlichung wurde die Erzählung durch May selbst verkürzt, für die Veröffentlichung im Karl-May-Verlag schlug der Rotstift nochmal zu (um eine Formatvorgabe zu erfüllen!).

"Der Geist des Llano Estakado" ist die Geschichte von Bloody Fox.

Und sie fängt mit einem ganz enormen Schnitzer an. Auf Seite 2 heisst es:

»Ach so! Dann entschuldige! Du zürnst mir wohl, dass ich dich du genannt habe?«

»Fällt mir nicht ein! Mit der Anrede mag es ein jeder halten, wie er will, nur muß er sich dann auch die meinige gefallen lassen.«

»Schön! So sind wir also einig. Du gefällst mir sehr. Hier ist meine Hand. Nenne mich auch du und antworte mir nun aber, wie es sich schickt und gehört. Ich bin hier fremd und muß nach Helmers Home. Hoffentlich zeigst du mir nicht einen falschen Weg.«


Gemerkt? Die Amerikaner kennen keinen Unterschied zwischen Du und Sie, denn beides ist You.



In Helmers Home (Helmer ist natürlich Deutscher) treffen etliche Personen aufeinander. Westleute, die man kennt, Westleute, die nur heir zu finden sind (und es meist nicht in Bearbeitungen schaffen). Einer von ihnen ist Bloody Fox, ein junger Mann, der keine Erinnerung an seine Kindheit hat, unter den anderen sind auch Banditen einer Verbrecherbande, die Reisende in der Wüste in Fallen laufen lässt und sie dann ausraubt. Der angebliche Mormone Tobias Preisegott Burton erinnert in seiner Beschreibung an die Schurken aus den Karl-May-Filmen.


Ich hätte gerne mehr geschrieben, aber mitten in der Lektüre starb Truly. Daher bitte ich um Verständnis, dass es erst nächste Woche weitergeht.


Für eine recht kurze Geschichte (hier von Seite 196 bis 349) ist die Zahl der handelnden Personen riesig.

Die Geschichte ist eine Geschichte der Vorstellungen. Ständig tauchen neue Figuren auf, ohne dass die alten vertieft werden. Selbst kurz vor Schluß, werden nochmal mehrere Männer vorgestellt, bevor dann Winnetou auftaucht und die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zieht.

Old Shatterhand und Winnetou treffen erst am Ende der Handlung aufeinander.

Auch wenn Shatterhand nicht im Mittelpunkt der Handlung steht, bestimmt er alle Entscheidungen, in dem er sie vorgibt oder bestätigt. Das stößt schon in den Reiseromanen mitunter auf, da der Erzähler vorgibt neutral zu sein, wird es hier manchmal fast unerträglich.

Das Ende birgt keine wirklichen Überraschungen. Natürlich findet Bob seine Mutter (die noch schlechter Englisch spricht als er), natürlich ist Bloody Fox der Geist.

Am Schluß tritt er als Indianer verkleidet auf - da der Illustrator der ersten Buchausgabe einen Fehler machte wurde der Text angepaßt (heißt es bei Wikipedia. Ob die Maskerade als Indianer in dieser Ausgabe auf den redaktionellen Eingriff oder auf den Urtext von May zurückzuführen ist, kann ich nicht beurteilen).

Interessant erscheint mir, dass der tatsächliche Llano Estacado keine Wüste sondern eine Grassteppe ist. D.h. die Vorstellung, mit der ganze Generationen von (deutschen) Jungs aufgewachsen sind, entspricht nicht einmal ansatzweise der Wirklichkeit.

Die Geschichte hat ihre Schwächen, aber während der Lektüre ist man so darin gefangen, dass man diese Schwächen gern ausblendet. Gute Unterhaltung - auch heute noch.


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Im fernen Westen

Pawlak (1983)
Band 40 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Enthält die Erzählungen bzw. Erstfassungen:

Old Firehand (1875/76)
Inn-nu-woh, der Indianerhäuptling (1875)
Der Ölprinz (1877)
Ein Ölbrand (1883)
Der Gitano (1875)
Wanda (1875)
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Im Reiche des silbernen Löwen Band 4

Das versteinerte Gebet (1903)
Pawlak (1983)
Band 23 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Ein Kara ben Nemsi - Roman. Lt. Karl May Verlag der zweite Band der Reihe "Im Schatten des Ahriman". Irgendjemand scheint nicht richtig zählen zu können.
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In den Kordilleren

In den Cordilleren (1894)
Pawlak (1983)
Band 35 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Karl May: In den Kordilleren
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Fortsetzung von Am Rio de la Plata.


Der Ich-Erzähler und seine Gruppe treffen auf Senor Pena, einen alten Bekannten des Ich-Erzählers, der sie um Hilfe für eine Gruppe Siedler bittet, die vom Sendador in eine tödliche Falle gelockt werden soll. Es geling, die Angreifer festzusetzen. Der Ich-Erzähler lässt den Sendador aus der Gefangenschaft entkommen, aber der zeigt nur, dass er ein absolut widerwärtiger Schurke ist. Die gesamte Gruppe des Ich-Erzählers gerät in Gefangenschaft, aus der er dank Senor Pena entkommen kann. Ihr Weg führt sie dann zum alten Desierto, der als nächstes vom Sendador überfallen werden soll.


Die Geschichte ist Abwechslungsreicher als der erste Teil. Der Ich-Erzähler begeht einen Fehler nach dem anderen. Aber leider kommt es auch zu Deutschtümelei. Fast jeder der neu auftaucht ist ein Deutscher oder hat etwas mit einem zu tun.

Senor Pena wird zwar als alter Bekannter des Ich-Erzählers eingeführt, die erwähnte Geschichte hat May allerdings nie geschrieben. Das ist recht außergewöhnlich.

Mit Unica, einer Halbindianerin, hat May eine recht starke Frauenfigur eingeführt, die sogar Herrscherin über ihren Stamm ist.

Die Geschichte erschien als Der Schatz des Inkas (zweiter Teil von El Sendador) in Deutscher Hausschatz Nr. 1, Oktober 1890 - Nr. 52, September 1891. Seltsamerweise begann die Zeitschrift einen neuen Jahrgang immer im Oktober. Buchausgabe 1894.


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Mein Leben und Streben

Mein Leben und Streben (1910)
Pawlak (1983)
Band 74 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Heißt beim Karl-May-Verlag Ich. Eine Autobiographie.
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Der Ölprinz

Der Ölprinz (1897)
Pawlak (1983)
Band 35 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Ein Buch zum Film stammt von Peter Korn.

Karl May: Der Ölprinz
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Der Ölprinz will einem Bankier eine nicht vorhandene Ölquelle andrehen. Mit Old Shatterhand und Winnetou hat er nicht gerechnet ...


Viel fiel mir 2001 nicht zu dem Buch ein. Der Film war einfach zu übermächtig.

Das ist schade, denn auch wenn der Film die Stimmung des Buches gut einfängt, so ist das Buch doch durchaus wert, wieder mal aus dem Bücherschrank geholt zu werden.

Das Kleeblatt (Sam Hawkens, Dick Stone und Will Parker) treffen auf einen Trupp Siedler, den sie vor Problemen mit einer Gangsterbande (den Finders) retten. Es gelingt, die Bande gefangen zu nehmen, doch ausgerechnet Buttler, der Anführer, kann mit Hilfe des von Hawkens vertriebenen Treckführers Poller entkommen. Buttler sinnt auf Rache und sieht eine Chance, als er auf Forners Rancho auf seinen Halbbruder Grinley trifft, der gerade dabei ist, dem Bankier Rollins mit einer falschen Ölquelle ein echtes Vermögen aus der Tasche zu ziehen. Grinley, der sich auch gern Ölprinz nennen läßt, schließt sich mit seinem kleinen Trupp (der aus Rollins und dessen Angestellten Baumgarten besteht) den Siedlern an. Genauso machen es Tante Droll und der Hobble-Frank, die sich eigentlich auf Forners Rancho mit Winnetou und Old Shatterhand treffen wollen, aber sicher sind, dass Rollins und Baumgarten in Gefahr sind. In einem Indanerpueblo sorgt der Ölprinz dafür, dass die Gruppen wieder getrennt werden und läßt die Siedler und ihre Begleiter in einer sicher tödlichen Falle zurück. Doch dann erscheinen Winnetou und Old Shatterhand ...

Es ist eine ganze Menge los in diesem Buch. Grinley ist ein Bösewicht, wie man ihn sich nur wünschen kann - und Harald Leipnitz kommt meiner Vorstellung der Figur recht nahe.

Old Shatterhand wird ausführlich bespchrieben, er ähnelt den Fotos, die May von sich (in dieser Rolle) anfertigen ließ, hätte sich aber mit all dem Zeug, das er am Leib trug, nie so bewegen können, wie das im weiteren beschrieben wurde.

Neben dem Ölprinz sind die zwei eindrücklichsten Figuren der Erzählung Frau Rosalie Ebersbach (geborene Morgenstern, verwitwete Leiermüllern) und Kantor Matthäus Aurelius Hampel (Kantor emeritus). Sie ist eine willensstarke, halsstarrige Frau, die durchaus neben den Männern bestehen kann (oder das zumindest glaubt), er ist ein Träumer, für den es nichts gibt als seine 12-aktige Heldenoper, wodurch er die Siedler mehrmals in tödliche Gefahr bringt, ohne daraus zu lernen.

Etwas nervig ist die Deutschtümelei. Old Shatterhand ist Deutscher, Hawkens, Droll und Hobble-Frank ebenfalls. Natürlich sind auch die Siedler aus Deutschland, Wolf (der bei den Indianern lebt) ist Deutscher, die Frau von Nitsas-Ini ist Deutsche, Schi-Sho, ihr Sohn, war in Deutschland zu Besuch, Nitsas-Ini und Poller sprechen Deutsch. Ach, was heißt deutsch. Es geht immer um Sachsen.

Obendrein fragt man sich, wie Winnetou eigentlich der Häuptling aller Apachen wurde, wenn schon die zwei hier erwähnten Unterstämme sich nicht grün sind.


Dieser Rollins hat nichts mit den beiden Rollins aus der Winnetou-Trilogie zu tun. In der Bearbeitung des Karl-May-Verlags wurde er zu Duncan umgennant.


An manchen Stellen nervt das Buch (vor allem wenn zu viel gedeutscht wird), aber alles in allem legt man es nur ungern beiseite.


Die Geschichte erschien zunächst in Der Gute Kamerad (von Oktober 1893 bis September 1894). Für die Buchausgabe (1897) bei der Union Deutsche Verlagsgesellschaft, wurde der Text leicht überarbeitet (u.a. wurden aus 4 Kapiteln 12 - die mit der hier vorliegenden Ausgabe übereinstimmen). Lt. Karl May Wiki* ist nicht bekannt, ob die Änderungen vom Autor vorgenommen wurden. Die weitere (lt. Karl-May-Wiki* sehr starke) Überarbeitung für den Karl-May-Verlag wurde sicher nicht von May vorgenommen (erste Auflage 1915 - drei Jahre nach Mays Tod).


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Old Surehand 1

Old Surehand 1 (1894)
Heyne (1977)

Karl May: Old Surehand 1
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Old Shatterhand will sich mit Winnetou treffen. Am vereinbarten Treffpunkt findet er eine Nachricht des Apachen, der zu entnehmen ist, dass Bloody Fox von den Comanchen angegriffen werden soll.

Natürlich macht Scharlih sich auf den Weg in den LLano estacado. Unterwegs lernt er Old Wabble kennen, befreit Old Surehand aus der Gefangenschaft der Comanchen, begegnet Tibo-Wete-Elen und trifft beim großen Showdown zum ersten Mal auf Apanatschka ...


Eigentlich passiert nicht besonders viel in diesem Roman. Old Shatterhand hält fast jedem irgendeinen Vortrag, der vor allem dazu dient Old Shatterhand gut aussehen zu lassen. Natürlich bedenkt er alles, natürlich macht er alles richtig.


Die einzige wirklich eigenständige Figur ist Old Wabble, der 93-jährige König der Cowboys, it's clear.


May nutzt die Form (die Geschichte war direkt für eine Buchausgabe konzipiert), um immer wieder vorzugreifen. dass Old Surehand ein Geheimnis umgibt, dass Tibo-Wete-Elen irgendwas damit zu tun, dass Apanatschka Surehand ähnlich sieht - all das wird offen angesprochen.


Natürlich ist Bob, der Neger, ein ärgerliches Stereotyp. Ja, er soll etwas dumm sein, aber warum sollte jemand, der englischsprachig aufgewachsen ist, ein Kinder-Englisch sprechen? Das macht keinen Sinn.


Gerade in Hinsicht auf Schwarze bezieht May so klar Stellung, dass eigentlich niemand der sich in Old Shatterhand hineinversetzt bzw. auf Karl May bezieht, ein Rassist sein dürfte (leider sind es doch viele):

„Was ist's mit Euch, Sir?“ fragte er. „Ich glaube gar, dieser Bob bringt Euch aus dem Häuschen!“

„Nicht er, sondern der Umstand, dass er Gefangener der Comantschen ist und umgebracht werden soll.“

„Pshaw! Ein Schwarzer, ein Nigger!“

„Nigger? Neger wollt Ihr wohl sagen, Mr. Cutter!“

„Nigger sage ich. Habe das Wort all mein Lebtage nicht anders ausgesprochen.“

„Das tut mir leid! Es scheint, Ihr rechnet die Neger nicht mit zu den Menschen.“

„In der Naturgeschichte werden sie freilich mit unter den Menschensorten aufgezählt; wissenschaftlich sind sie also welche, aber, my god, was für welche!“

„Jedenfalls ebenso gute wie alle anders gefärbten!“

„Pshaw! Ein Nigger ist ein so niedriges Geschöpf, dass es sich eigentlich gar nicht lohnt, von ihm zu sprechen!“

„Das ist Eure Ansicht, wirklich Eure Ansicht?“

„Yes!“ „Dann tut Ihr mir leid, herzlich leid, denn mit dieser Behauptung beweist Ihr, dass Ihr noch weit unter dem Nigger steht!“

„All devils! Ist das Euer Ernst, Sir?“

„Mein vollständiger Ernst!“

„Dann tut Ihr mir ebenso leid wie ich Euch! Ein farbiger Mensch ist nie ein richtiger Mensch, sonst hätte ihn Gott nicht farbig gezeichnet!“

„Mit ebenso großem Rechte könnte ein Neger sagen: Ein Weißer ist kein richtiger Mensch, sonst hätte ihn Gott nicht ohne Farbe geschaffen. Ich bin etwas weiter in der Welt herumgekommen als Ihr und habe unter den schwarzen, braunen, roten und gelben Völkern wenigstens ebenso viel gute Menschen gefunden wie bei den weißen, wenigstens, sage ich, wenigstens! Versteht Ihr mich, Mr. Cutter?“

„Was ihr gefunden habt, ist mir egal. Ich habe noch nicht einen einzigen Nigger kennen gelernt, neben dem ich mich hätte niedersetzen mögen.“

„Weil Ihr jeden Schwarzen gleich im ersten Augenblicke so behandelt habt, dass er Euch unmöglich freundlich gesinnt sein konnte. Eure Erfahrung ist also gar kein Beweis für das, was Ihr behauptet. Und was diesen Bob betrifft, so ist er ein so braver Kerl, dass ich, wenn Ihr Euch miteinander in Not befändet, sehr wahrscheinlich ihm eher beispringen würde als Euch!“

„Thunder-storm, ist das ein Kompliment! Ihr könnt außerordentlich höflich sein, Mr. Shatterhand, außerordentlich höflich; it's clear!“

„Ich beabsichtigte, aufrichtig, aber nicht höflich zu sein. Ich bin nicht höflich gegen Leute, welche ihre Nebenmenschen verachten. Wenn man Euch einmal in die Erde scharrt, wird aus Eurem weißhäutigen Leibe grad und genau so ein stinkiger Kadaver wie aus einer Negerleiche. Das werdet Ihr wohl zugeben, und nun habt die Güte und zählt mir einmal Eure sonstigen Vorzüge auf! Es sind alle, alle Menschen Gottes Geschöpfe und Gottes Kinder, und wenn Ihr Euch einbildet, dass er Euch aus einem ganz besonders kostbaren Stoffe geschaffen habe und dass Ihr sein ganz besonderer Liebling seiet, so befindet Ihr Euch in einem Irrtum, den man eigentlich gar nicht begreifen kann. Ich habe mich gefreut, Euch kennen zu lernen; soll es mit dieser Freude nun zu Ende sein?“


Karl May hat sich immer selbst in der Rolle des Old Shatterhands gesehen - was für einen Ich-Erzähler nicht per se schlecht ist, solange der Autor im richtigen Leben unterscheiden kann (womit May zumindest zeitweise Probleme hatte). Mir geht es wohl wie den meisten Lesern: Ich seh während der Lektüre nicht May als Old Shatterhand vor meinem inneren Auge sondern jemanden, der größer und kräftiger ist. An einer Stelle in diesem Band spricht Old Shatterhand mit Old Surehand über über seinen Glauben - und dabei tritt Shatterhand beiseite und macht für ein oder zwei Seiten Platz für Karl May.

„Ich - - hatte - - - diese Rute - - - nicht verdient,“ antwortete er zögernd wie einer, der nur etwas sagen will.

„Nicht verdient! Seid Ihr der Mann, darüber zu entscheiden? Glaubt Ihr, der einzige Mensch zu sein, welcher meint, es sei ihm unrecht geschehen? Haben nicht Tausende und Abertausende mehr, viel mehr gelitten als Ihr? Denkt Ihr etwa, dass zum Beispiel mein Himmel stets nur voller Geigen gehangen habe? Was heißt, nicht verdient? Ich wurde als ein krankes, schwaches Kind geboren, welches noch im Alter von sechs Jahren auf dem Boden rutschte, ohne stehen oder gar laufen zu können. Hatte ich das verdient? Seht Old Shatterhand jetzt an! Ist dieses Kind in ihm noch zu erkennen? Bin ich nicht vielmehr ein lebendes Beispiel jener Weisheit, mit welcher Ihr gehadert habt? Ich bin dreimal blind gewesen und mußte dreimal operiert werden. Hatte ich das verdient? Wer aber kann sich, von Winnetou abgesehen, heut rühmen, die scharfen Augen Old Shatterhands zu besitzen? Ich habe nie gemurrt und geknurrt wie Ihr, sondern getrost meinen Herrgott über mir walten lassen, und wie hat er alles, alles so herrlich hinausgeführt! Ich habe als armer Schüler und später als Student wochenlang nur trockenes Brot und Salz gehabt, weil ich keinen Menschen hatte, der mir half, und zu stolz zum Betteln war. Ich mußte mich durch Privatunterricht ernähren, und während andere Studenten das Geld ihrer Väter mit ihrer Gesundheit und dadurch oft auch ihre ganze Zukunft verjubelten, hielt ich im Winter mein Buch zum Dachfenster meines Bodenstübchens hinaus, um meine Lektion im Mondenschein zu absolvieren, weil ich kein Geld zu Licht und Feuerung hatte. Hatte ich das verdient? Und doch bin ich niemals irgend jemandem einen Pfennig schuldig gewesen und habe nur zwei Gläubiger gehabt; die waren Gott und ich: Gott, der mir ein Pfund verliehen hatte, um es auszubilden, und ich, der ich die strenge Forderung an mich stellte, keine Stunde meines Lebens vergehen zu lassen, ohne mir sagen zu können, dass sie pflichtgetreu ausgenützt worden sei und mir Früchte getragen habe. Gott war gütig mit mir; ich aber habe nie einen so strengen Gebieter gehabt, wie ich mir selbst einer gewesen bin. Und dann später in den langen Jahren meiner Reisen, Wanderungen und Jagdfahrten habe ich mich wie oft, wie oft in Lagen befunden, in denen ich auch fragen konnte: Habe ich das verdient? Aber der Ausgang ist stets so gut und glücklich gewesen, dass ich in Dankbarkeit die Hände falten und sagen mußte: Nein, das habe ich nicht verdient!“

Ich machte eine Pause. Old Surehand sah still vor sich nieder und sagte kein Wort; [...]


Ein gelungener Auftakt der Surehand-Trilogie. Eine adäquate Verfilmung gibt es nicht. Stewart Granger ist im gleichnamigen Film eine interessante Figur, die allerdings mit diesem Buch (und der darin vorgestellten Figur) nichts zu tun hat.


Comic-Adaption in Karl May-Extra 3.

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Old Surehand 2

Old Surehand 2 (1895)
Heyne (1977)
Erschien im Karl May Verlag als Kapitän Kaiman

Karl May: Old Surehand 2
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Old Shatterhand sucht Old Surehand - nur wird er ihn in diesem Buch kaum finden.

Ich geb's nicht gern zu, aber die Entscheidung des Karl-May-Verlags war richtig.

Im ersten Kapitel quartiert sich Old Shatterhand bei Mutter Thick in Jefferson City ein.

Dort stößt er auf einige Westmänner, die sich Geschichten erzählen. Hierbei handelt es sich um Three carde monte und Vom Tode erstanden und Auf der See gefangen

Three Card Monte handelt von Tim Kroner, dessen Verlobte von einem Kanada-Bill, einem Betrüger und Glücksspieler, ermordet wurde, weil Tim nicht auf Abraham Lincoln hören wollte. Jahre später treffen Tim und Lincoln wieder mit Kanada-Bill zusammen, der einen Ölbrand verursacht. Doch sie müssen ihn entkommen lassen.

Die Geschichte entstand 1879. Im Rahmen der hier präsentierten Fassung weist Old Shatterhand nach, dass einiges zeitlich nicht passt (gerade in Zusammenhang mit Abraham Lincoln).

Vom Tode erstanden tut so als wäre sie die Fortsetzung der vorherigen Geschichte, war das aber ursprünglich gar nicht. Hier geht es um einen Betrüger, der sich als Arzt ausgibt, um so an das Vermögen von Goldgräber zu kommen. Old Shatterhand kann ihm schließlich das Handwerk legen.

Old Shatterhand kam in der Urfassung nicht vor - und der Betrüger wurde erst nachträglich zu Kanada-Bill umgedeutet.

Die Originalfassung ist in Winnetou und der schwarze Hirsch enthalten.

Außerdem enthält das 1. Kapitel einen Teil der Erzählung Auf der See gefangen (von 1878).

Hier geht es um Sam Firegun, Dick Hammerdull und Pitt Holbers, die in eine Betrugsgeschichte verwickelt werden und gemeinsam mit Winnetou gegen Ogallalah kämpfen.

Dabei kommt es zu einem Bearbeitungsfehler Mays.

Der Indianer war der berühmteste Häuptling der Apatschen, deren bekannte Feigheit und Hinterlist ihnen früher unter ihren Feinden den Schimpfnamen Pimo zugezogen hatte; doch seit er zum Anführer seines Stammes gewählt worden war, hatten sich die Feiglinge nach und nach in die geschicktesten Jäger und verwegensten Krieger verwandelt; [...]

Das passt nicht zu der Erzählung in Winnetou 1 (15 Jahre später entstanden), wonach schon Intschu-Tschuna ein geachteter Häuptling war.

Hinzu kommt, dass Winnetou hier primitiver und blutrünstiger geschildert wird als in späteren Erzählungen. Er ist noch weit von jener Erlöserfigur entfernt, zu der May ihn später machte.

Während Pitt Holbers wenig sagt, redet Dick Hammerdull um so mehr. Seine ständige Redewendung "ob ... oder ... das bleibt sich gleich, jedenfalls ..." kommt derart oft, dass es nicht lustig sondern nervtötend wirkt.


Im zweiten Kapitel greift Karl May den Bearbeitungsfehler sofort auf, erklärt ihn zu einem Fehler des Erzählers und stellt richtig, dass die Apachen natürlich bereits unter Intschu-Tschuna ein großartiges Volk waren.

D.h. May hat sich nicht die Mühe gemacht, seine alte Erzählung anzupassen. Er nahm lieber den Fehler in Kauf und verschob ihn vom einen Ich-Erzähler zum anderen. Hut ab, Herr May.

Es folgt dann ein Ausschnitt aus dem Roman "Waldröschen", in dem Anton Helmers (Donnerpfeil) und sein Apachenfreund Bärenherz zwei Frauen (Emma Arbellez und die Indianerin Karja) aus der Gefangenschaft der Comanchen befreit. Nachdem sie diese auf das Gut von Senor Arbellez zurückgebracht haben, stellt sich heraus, dass der sich dort aufhaltende Sohn des Landeigentümers (ein Graf de Rodriganda) ein falsches Spiel mit Karja treibt, um an den Schatz ihres Volkes zu gelangen.

Man sieht, da ist einiges los.

Und es kommt zu Brutalitäten, die so bei Karl May selten sind. Menschen werden lebendig skalpiert, an Krokodile verfüttert und im Dutzend abgeschlachtet.

Zu Beginn des dritten Kapitels geht May darauf ein und erklärt diese Brutalitäten zu Übertreibungen des Ich-Erzählers.

Danach werden einige vorher als tot bezeichnete Personen wieder lebendig erklärt (Sanders - vorher der falsche Wallerstein - und Jean Letrier - vorher Peter Wolf), um eine zweite Geschichte um sie spinnen zu können.

Zu den Erzählungen im dritten Kapitel gehört auch Unter der Windhose. Es handelt sich wohl um die Geschichte die May am heftigsten bearbeitet hat, in dem er den Erzähler austausche (statt Old Shatterhand wurde es Yato-inta) und aus Winnetou Intschu tschuna machte.

Eine recht merkwürdige Geschichte um eine Familie. Zuerst stirbt der Mann der Frau, dann kümmert sich dessen Bruder um sie und schließlich wird sie zur Frau von dessen Mörder.

Aus damaliger Sicht, als es nur um den Versorger ging, sicher eine nachvollziehbare Geschichte, aber würden Frauen heute sich selbst so weiterreichen? Ich meine, erst schläft sie mit ihrem Mann, dann mit dessen Bruder und schließlich mit dem Mörder des Bruders. Ziemlich merkwürdig.

Den Hauptteil des dritten Kapitel bildet die Geschichte um François Latour (der falsche Wallerstein) und Miss Admiral.

Letztere ist sicher die interessantere Figur - und für eine Frau bei May ganz erstaunlich, da sie eigenbestimmt handelt. Sie verkleidet sich als Mann (mit Brandmal), bezaubert als Frau - und ist skrupellos genug, sich sogar gegen eigene Leute zu wenden, wenn sie sich dadurch einen Vorteil verspricht.

Es versteht sich von selbst, dass eine solch starke Frauenfigur kein gutes Ende nehmen kann.

Den Abschluss der Geschichte bildet dann ein neu hinzugefügtes Kapitel, in dem Hammerdull und Holbers in die Gegenwart eingeführt werden.

Old Shatterhand sammelt einen ganzen Trupp von Leuten um sich, die den "General" (aus dem ersten Band) verfolgen und schließlich mit Old Wabble zusammen stoßen.

Wabble, der bis zu seinem Zusammentreffen mit Old Shatterhand als anständiger, wenn auch eigenwilliger und -sinniger Mensch galt, wird nun vollständig zum Verbrecher.

dass er sich gegen Old Shatterhand stellt kann ich nachvollziehen, warum er sich jedoch auch anderen gegenüber so sehr geändert hat, versteh ich nicht. Man kann eine Person hassen und alles gegen sie tun - aber trotzdem mit anderen gut auskommen und anständig sein. Da hat May es sich meiner Meinung zu leicht gemacht.


Ja, der Band ist ein Fill-In.

Ja, er bringt für die eigentliche Geschichte nichts Neues (auch wenn er einige Figuren einführt).

Ja, ich kann nachvollziehen, dass der Karl-May-Verlag ihn nicht der Old Surehand-Reihe zuordnete.

Ja, in den eigeschobenen Erzählungen werden Figuren so geschildert, dass sie kaum zu später geschriebenen Erzählungen passen (allen voran natürlich Winnetou).
Trotzdem ist der Band lesenswert und unterhaltsam.



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Old Surehand 3

Old Surehand 3 (1896)
Heyne (1977)
Erschien im Karl May Verlag als Old Surehand 2

Karl May: Old Surehand 3
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Der dritte Band beginnt dort wo der zweite endete. Mit Winnetou, Hammerdull, Holbers und Treskow macht Old Shatterhand sich auf den Weg um Etters zu verfolgen, um auf Old Surehand zu treffen und letztlich alle Rätsel zu lösen.

Unterwegs treffen sie auf Kolma Puschi, die Winnetou stark ähnelt. Erst wird sie für einen Mann gehalten, bis Old Shatterhand das auflöst.

Mit der Figur des Kolma Puschi habe ich die meisten Schwierigkeiten. Sicher, es gab (in der Literatur und wahrscheinlich auch im waren Leben) immer wieder Frauen, die sich als Männer ausgaben. Solange das über einen begrenzten Zeitraum geht, kann ich mir das vorstellen. Aber Jahre? Oder Jahrzehnte? Müssen diese Personen nie aufs Klo? Und waschen sie sich nie?

Natürlich ist Pinkeln nie ein Thema bei Karl May. So wenig wie Sex unter Män... nein, dazu später mehr.
Das Rätsel um Old Surehand ist ein rechtes Durcheinander, aber interessant aufgebaut und klug gelöst.

May hat den Roman in vier Monaten geschrieben (September bis Dezember 1896). Es heißt, er sei froh gewesen, als er ihn endlich abgeschlossen hatte.

Der Grund dafür war sicher nicht die Handlung, die typische May-Kost serviert - sogar soviel davon, dass es Old Shatterhand irgendwann zu viel wird und er meint, er habe genug vom Anschleichen.
Ich denke, Old Surehand 3 ist noch mehr als der erste Band ein sehr persönlicher Roman. Immer häufiger tritt der Hühne (in meiner Vorstellung und wohl auch in der der meisten anderen anderen) und macht Karl May Platz. Es geht um seine Glauben, es geht um das, was er gern glauben würde (wie kommt die Silberbüchse Winnetous auf Fotos von Karl May, wenn sie doch mit Winnetou begraben wurde?) und es geht darum, wie er gern behandelt werden würde (nach Gefängnisstrafen soll man die Sache auch wirklich für abgeschlossen ansehen).

Hier ein Beispiel aus dem dritten Kapitel:

Nicht wahr, lieber Leser, ich bin doch ein ganz übermäßig frommer Mensch? So wirst du vielleicht denken; aber du wirst dich da wohl irren. Übermäßig? Nein! Die wahre Frömmigkeit kennt kein Übermaß; sie kann überhaupt gar nicht gemessen werden. Ich bin ein stets gern seelenvergnügter, heiterer Gesell und weiß gar wohl, wem ich diese Heiterkeit verdanke. Du darfst es mir wirklich nicht übelnehmen, dass ich das, was ich drüben im wilden Westen dachte und fühlte, hier in der von der »Zivilisation« gebändigten Heimat niederschreibe. Was ich da drüben getan und erlebt habe, das waren doch Ergebnisse meiner Gedanken und Gefühle, und wenn ich dir die Folgen erzähle, darf ich doch die Ursachen nicht verschweigen! Überdies hat jeder Leser das Recht, seinem Autor in das Herz zu blicken, und dieser ist verpflichtet, es ihm stets offen zu halten. So gebe ich dir das meine. Ist es dir recht, so soll mich's freuen; magst du es nicht, so wird es dir dennoch stets geöffnet bleiben. Soll ein Buch seinen Zweck erreichen, so muß es eine Seele haben, nämlich die Seele des Verfassers. Ist es bei zugeknöpftem Rock geschrieben, so mag ich es nicht lesen.

Wenn Sie mich fragen: Toll! Klasse! Ein absoluter Showstopper, der aber in den Zusammenhang passt und Old Shatterhand/Karl May lebendig werden läßt.
Ich weiß nicht, wie Old Shatterhand Ende des 19. Jahrhunderts gesehen wurde. Mir erscheint er immer etwas schwul. Er umschwärmt und beschreibt Winnetou, Old Surehand und auch Apanatschka, wie ich das mit Frauen tue - und von Frauen hält er sich fern, es sei denn, sie drängen sich ihm förmlich auf (wie das Nscho-Tschi tat).

Die beiden Toasts, Dick Hammerdull und Pitt Holbers, streiten miteinander wie ein altes Ehepaar. Sie sind ständig zusammen. Es braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, dass sie nach in der Prärie sich auch gegenseitig Erleichterung verschaffen.

Aus dem 4. Kapitel:

»Hat man jemals erlebt, dass ein Mann eigentlich eine Frau ist? Aus diesem Kolma Puschi, dessen Mut und List wir so bewundert haben, ist eine Squaw herausgekrochene die man noch mehr bewundern muß als vorher, da sie noch ein männlicher Indianer war! Was meinst du dazu, Pitt Holbers, altes Coon?«

»Nichts!« antwortete der Lange.

»Das ist eigentlich das Richtige. Nichts, gar nichts! Wer soll da wissen, was er dazu zu sagen hat? Von jetzt an halte ich alles für möglich. Jetzt werde ich gar nicht erschrecken, wenn umgekehrt mein alter Pitt Holbers sich in eine Squaw verwandelt!«

»Wird mir gar nicht einfallen, alter Dick!«

»Ob es dir einfällt oder nicht, das bleibt sich gleich, das ist ganz und gar egal. Was willst du dagegen machen, wenn du plötzlich zu der Erkenntnis kommst, dass du ein heimliches, verkleidetes Frauenzimmer bist?«

»Was ich da machen würde, das weiß ich ganz genau!«

»Was denn?«

»Ich würde dich augenblicklich heiraten!«

»Hallo! Ohne mich erst zu fragen?«

»Ja, ohne dich zu fragen!«

»So ließe ich mich nach der Trauung augenblicklich wieder von dir scheiden!«

»Und ich gäbe dich nicht wieder her!«


Wenn sich das nicht nach Liebe anhört, dann weiß ich nicht.

Mit Old Surehand 3 ist Karl May ein spannender, interessanter, sehr persönlicher und sehr kurzweiliger Roman gelungen.

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Der Schatz im Silbersee

Der Schatz im Silbersee (1894)
Heyne (1977) / Xenos (1976)

Karl May: Der Schatz im Silbersee Karl May: Der Schatz im Silbersee
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Wahrscheinlich das beliebteste Buch Karl Mays. 1962 erfolgreich, leider aber auch ohne einen Hauch von Werktreue, verfilmt. Diese Verfilmung war der Beginn der lieblos abgekurbelten Karl-May-Reihe, deren Kostüme großteils aussehen, als wären sie vor Fasching im Spielwarenhandel gekauft worden.

Winnetou, Old Shatterhand und fast jeder andere Westmann, den May jemals erschuf, jagen Colonel Brinkley, der auf der Jagd nach dem Schatz im Silbersee ist.

Der Roman ist reich an unvergeßlichen Personen, allen voran natürlich Old Firehand, Winnetou und Old Shatterhand. Aber auch Exzentriker wie Tante Droll (der aus der Ferne wie eine Frau aussieht), der nur in Reimen sprechende Gunstick-Uncle, der die Begriffe durcheinander wirbelnde Hobble-Frank und der jederzeit zu einer Wette bereite Lord Castlepool bleiben im Gedächtnis. Von den Westmännern stammt fast jeder aus Deutschland.

Was mir bei der wiederholten Lektüre am meisten aufgefallen ist, ist die Beschreibung Old Shatterhands. Hier ähnelt er tatsächlich den Fotos, die Karl May von sich machen ließ, weniger der Vorstellung, die die Buchtitel oder Comics vermitteln (von den Filmen ganz zu schweigen).

Der Roman selbst ist eine Aneinanderreihung von Abenteuern, deren zusammenhaltendes Element (nämlich Cornel Brinkley) schließlich im Vorübergehen beseitigt wird, was die eigentliche Geschichte vom Silbersee vom Rest der Handlung trennt und ein merkwürdiges Gefühl hinterläßt. An diesem Punkt ist verständlich, dass der Film-Brinkley sein Ziel erreicht und letztlich an sich selbst zugrunde geht.

Insgesamt ein rasanter Roman, der sich auch heute noch, nach über hundertzwanzig Jahren sehr gut liest.
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Der Schut

Der Schut (1892)
Pawlak (1983)
Band 17 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Karl May: Der Schut
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Abschluss der Orient-Abenteuer.


So kurz kann man den Roman beschreiben. Nun ja, natürlich passiert viel mehr.

Kara und seine Begleiter sind noch immer hinter der Verbrechergruppe her.

Zunächst bringt Halef alle in Schwierigkeiten, in dem er sich gefangennehmen läßt, was Kara natürlich gar nicht gefällt. Dann wird der Mübarek durch einen Bären getötet. Danach kommt es zu der ersten großen Auseinandersetzung mit den restlichen Verbrechern, die zwei mit ihrem Leben bezahlen.

Gleich darauf erfährt Kara, dass der Köhler, bei dem sie untergekommen sind, nicht nur ein Mann des Schuts ist, sondern auch noch eine Geisel erwartet, die niemand anderer als Sir David Lindsay ist. Versteht sich von selbst, dass der befreit werden muß.

Danach geht es weiter - und es kommt zu der großen Konfrontation mit dem Schut, die fast beiläufig erledigt wird, bis es ihm gelingt, zu fliehen.


Nach dem Ende des Romans folgt ein Anhang, in dem Karl May die Grenzen zwischen seiner eigenen Person und Kara Ben Nemsi wieder fallen läßt. Dieser Anhang spielt 8 Jahre nach dem Ende des Romans. Dabei gibt es einige ganz erstaunliche Gegebenheiten: Sir David küßt Kara auf den Mund (was diesem nicht recht ist), viele Tränen werden vergossen - und Rih stirbt.

Nicht ganz klar ist mir, warum Kara meint, den kleinen Kara Ben Halef vor drei Jahren zum Mal gesehen zu haben, wenn er ihn doch kurz nach seiner Geburt zum letzten Mal gesehen hat. Vielleicht hab ich hier etwas vergessen oder nicht richtig verstanden.

Der Schut spielt eine eher untergeordnete Rolle. Selbst wenn er bei Ankunft der Kara-Gruppe tot gewesen wäre, hätte das kaum etwas geändert. Letztendlich bleibt er ein Schuft, wie die anderen, die die Gruppe auf ihrem Weg zu ihm kennengelernt haben.

Der Roman ist ein nicht enden wollendes Aneinander von aufregenden Geschichten. Man kann ihn kaum aus der Hand legen.

Comic-Fassung in Das fröhliche Feuerwerk 1.

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Unter Geiern

Unter Geiern (1890)
Karl May Verlag/Ueberreuter (?)
Band 35 der Karl May-Verlag-Gesamtausgabe.

Anderer Titel: Die Helden des Westens

Enthält die Erzählungen: Der Sohn des Bärenjägers (Vorlage für den Film) und Der Geist des Llano Estacados.
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Das Vermächtnis des Inka

Das Vermächtnis des Inka (1895)
Pawlak (1983)
Band 36 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Karl May: Das Vermächtnis des Inka
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Diesmal spielt die Geschichte in den Anden.

Wurde auch verfilmt (mit Heinz Ehrhardt als Professor Morgenstern), aber der Film taucht kaum noch im Fernsehen auf.


Ich bin ziemlich sicher, dass ich das Buch nur gekauft, aber bis 2019 nie gelesen hatte.

Vater Jaguar übernimmt den Auftrag einen jungen Mann nach Lima zu bringen. Der Reisegesellschaft schließen sich der Paläontologe Dr. Morgenstein, dessen Diener Dritz Kiesewetter und ein Don Parmesan (ein angeblicher Chirurg) an. Schließlich stoßen auch noch der Inka Haukaropora und dessen steinalter Begleiter Anciano zur Gruppe. Da Dr. Morgenstern Ähnlichkeit mit einem von Rebellen gefürchteten Oberst hat, wird er immer wieder bedrängt und verfolgt. Nachdem Dr. Morgenstern ein Waffenlager entdeckt hat (das er für das Skelett einer Riesenschildkröte hält), gerät die Gruppe immer tiefer in örtliche Auseinandersetzungen.


Man merkt, dass die Geschichte für die Jugend geschrieben wurde (Der gute Kamerad - Oktober 1891 bis September 1892).

Es wimmelt von Deutschen, was die Geschichte schier unverdaulich macht.

Dr. Morgenstern ist so auf sein Forschungsgebiet fixiert, dass er die Gefahren für sich und andere übersieht oder - noch schlimmer - sogar in Kauf nimmt.

Zwischen dem junge Anton Engelhardt (der nach Lima gebracht werden soll) und Haukaropora entwickelt sich eine Freundschaft, die über das normale Maß hinausgeht. May erwähnt einmal, das sie Hand in Hand spazieren gehen. Ich frage mich, wie das bei den Erstlesern angekommen ist.

Auf Karl-May-Wiki* wird dieser Roman als einziges Vorkommen von Vater Jaguar bezeichnet. In Am Rio de la Plata taucht ein Bruder Jaguar auf, nicht mit dem Vater Jaguar identisch ist.

May hat Das Vermächtnis des Inka mehrere Jahre nach Am Rio de La Plata geschrieben. Die zeitliche Datierung ist recht unklar. Mal kann man ca. 1879 ausgehen, dann von einer Präsidentenwahl die rund zehn Jahre vorher stattfand. (Näheres im Wikipedia-Eintrag*). Ich vermute, das May selbst nicht so genau wusste, wann seine Geschichte spielen sollte. Letztlich ist es ein ständiges Hin und Her zwischen zwei verfeindeten Gruppen, das (inklusive des Endes) innerhalb des Mayschen-Gesamtwerks nicht durch besondere Originalität auffällt. May hat viele Figuren mit teils nervigen Verhaltensweisen geschaffen. Dr. Morgenstern und sein Diener dürften aber kaum zu übertreffen sein. Ich glaube nicht, dass es andere May-Figuren gibt, die innerhalb eines einzigen Romans so oft Gefahren heraufbeschworen haben.

Das Buch ist unterhaltsam, ohne Zweifel. Aber für mich ist es einer der schwächeren Romane des Autors.


Mail an Ralf H.


Von Bagdad nach Stambul

Von Bagdad nach Stambul (1892)
Heyne (1977)

Karl May: Von Bagdad nach Stambul
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Das hab ich 2001 geschrieben. Und es ist falsch. Aber dazu gleich mehr.

In der Nähe der persischen Grenze treffen Kara Ben Nemsi und seine Begleiter auf eine Gruppe, die eigentlich beabsichtigt, eine andere Gruppe zu überfallen, die denen aber zuvor kommen. (/(Erinnern Sie sich an die Szene in Asterix 26 ("Die Odyssee"), in A & O durch die Wüste marschieren und ständig anderen Stämmen begegnen, die auf der Suche nach irgendwelchen Feinden sind. So ähnlich muss man sich das auch bei Karl May vorstellen.)

Er schafft nur Kara die Flucht, aber so nach und nach kann er seine Freunde einsammeln, entweder weil sie der Schlacht entkommen sind, oder weil er sie befreit.

Danach kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und Mohammed Emin (und dessen Sohn), da Vater und Sohn mit Karas Führungsqualitäten nicht mehr zufrieden sind.

Mohammed begeht einen Fehler, der ihn schließlich das Leben kostet. Sein Sohn und der Köhler Allo verlassen die Gruppe, um sich an den Mördern zu rächen.

Danach lernen Kara, Halef und Sir David eine weitere Gruppe kennen. Die wird von Hassan Ardschir-Mirza geführt, der einerseits reich, andererseits auf der Flucht ist. Er meint, manche Dinge besser zu wissen als Kara Ben Nemsi - und bezahlt das mit seinem Leben.

Nach einem Kontakt mit einer Todeskarawanne erkranken Kara und Halef nacheinander an der Pest.

Nachdem diese überwunden ist, setzen die drei ihren Weg fort - und treffen auf den Onkel eines alten Bekannten. Zusammen reisen sie weiter nach Stambul (Istanbul), wo es zu einer erneuten Auseinandersetzung mit Abrahim Mamur, mit dem sie es schon in Durch Wüste und Harem zu tun hatten. Sie verfolgen den Schurken nach Adrianopel (Edreneh). Dort endet dann seine Verbrecherkarriere, aber es deutet sich an, dass auch Mamur nur ein kleines Rädchen in einem Verbrecher-Netzwerk war.


Sagen Sie dreimal ganz schnell "Von Bagdad nach Adrianobel" - dann wissen Sie, warum May den Band von Von Bagdad nach Stambul nannte. So stelle ich mir das zumindest vor.

Kara Ben Nemsi wird in diesem Band immer wieder angezweifelt - was sich natürlich immer sehr schnell rächt. Doch auch er zweifelt - an Halef, an Sir David. Er überlebt das, wird aber wenigstens eines besseren belehrt.

Sir David dient natürlich hauptsächlich als Humorlieferant. Warum er mit der Zeit nicht etwas arabisch lernt, nachdem Kara keine Schwierigkeiten hatte, sich innerhalb weniger Tage perfekt auf kurdisch zu unterhalten, ist mir nicht ganz klar. Lindsay ist großzügig und wagemutig. Als er während einer Schlacht zwei Finger verliert, löst das kaum mehr als ein Schulterzucken aus.

Lindsay verschwindet einige Zeit, taucht dann aber wieder auf. Seine Rolle konnte in den Wüstenromanen durch keine andere Figur ausgefüllt werden, während es im Wilde Westen von skurrilen Gestalten nur so wimmelte. Wahrscheinlich lag das daran, dass die Wüstenromane in einer Welt spielten, die den meisten Lesern zwar fremd war, die aber von deutlich mehr Rückkehrern besucht worden war.

Dojan (der Hund) stirbt, nachdem man den Eindruck hatte, dass May nicht mehr so recht wußte, was er mit ihm anfangen sollte.


Als im Roman von der Pferdebahn in Bagdad die Rede ist, denke ich zuerst an eine Rennbahn. Tatsächlich es eine Straßenbahn. Das ist etwas, das ich mit Karl May nicht in Verbindung gebracht hätte.

Stambul ist eine lebhafte, quirrlige Metropole. May, der zuvor nur Kleinstädte oder Städte wie aus 1001 Nacht beschrieb, schildert (für mich, der ich Istanbul nicht persönlich kenne) eine Stadt, die zwischen Orient und Okzident liegt. Sein Stambul ist nicht soweit von meinen Vorstellungen Istanbuls entfernt, wie man das vielleicht erwarten würde.


Karl May macht Spaß. Und sein Wortreichtum macht Staunen.


Comic-Fassung in Das fröhliche Feuerwerk 7.
Mail an Ralf H.


Winnetou Band 1

Winnetou 1 (1893)
Pawlak (1983)
Band 1 der Pawlak-Gesamtausgabe.
Band 7 der Ueberreuter-Ausgabe, die eine Taschenbuchausgabe der Karl-May-Verlag-Fassung darstellt. Das Cover ist eine vereinfachte Fassung der KMV-Ausgabe.

Winnetou 1 Winnetou 1
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Charlie begibt sich in den Westen. Er erhält den Bärentöter, begegnet Sam Hawkens, Will Stone, Dick Parker, Rattler, Santer Klekih-Petra, Intschu-Tschuna, Nscho-Tschi und natürlich ... Winnetou.



Textvergleich:

Pawlak Ueberreuter
Lieber Leser, weiß du, was das Wort Greenhorn bedeutet? -- eine höchst ärgerliche und despektierliche Bezeichnungen für denjenigen auf welchen sie angewendet wird. Lieber Leser, weißt du, was das Wort Greenhorn bedeutet? - Eine höchst ärgerliche und geringschätzige Bezeichnung für jeden, auf den sie angewendet wird.


Die Textbearbeitungen des Karl-May-Verlags machen den Text für heutige Leser geschmeidiger, kastrieren jedoch die schöpferische Leistung Karl Mays. Inzwischen ist man anscheinend auch beim KMV dazu übergegangen sich wieder dem Original anzugleichen. Das ist nur zu begrüßen.


Im August 2012 habe ich den Band neu gelesen. Und das neu ist hier wirklich nicht übertrieben. Anders als englische Texte altern deutsche Texte recht schnell. Vor 100 Jahren gebräuchliche Satzstrukturen und Redewendungen erscheinen uns heute ungewohnt, manchmal fast unverständlich. Ein 100 Jahre alter Text liest sich manchmal wie ein Dialekt geschriebenes Werk.

Karl May ist ein Kind seiner Zeit. Seine Sprache ist anders als unsere heutige, manchmal umständlicher, manchmal benutzt er Worte in Bedeutungen, die naheliegen, die uns heute jedoch fremd sind.

Karl May liest sich heute auch noch hervorragend. Ich habe das Buch förmlich verschlungen.

Wer die Europa-Hörspiele kennt, wird Dialoge wiedererkennen.

Merkwürdig erscheint aus heutiger Sicht die Deutschtümelei Mays. Fast jeder der gut und wichtig ist, ist Deutscher (inklusive Klekih Petra). Die Freundschaft von Old Shatterhand und Winnetou hat etwas homoerotisches. An einer Stelle heißt es, die beiden wären Hand in Hand gegangen. Da muß man doch an Bully denken! Es drängt sich förmlich auf - obwohl ich der festen Überzeugung bin, dass May nicht andeuten wollte, dass die beiden mehr als das Blut miteinander teilen.

Man merkt, dass Old Firehand vor diesem Band geschaffen wurde, denn May nennt ihn kurz nach dem Anfang als Beispiel für einen Westman.

Die Figurennamen muß man genießen. Ganz klar, dass jemand namens Rattler keiner der Guten sein kann (er ist der Mörder Klekih-Petras) und Santer hört sich kaum weniger negativ an als Snape, auch wenn man Santa durchhört, ist der Bezug zu Satan näherliegend. Auch Tangua hat einen harten, unsympathischen Klang (anders als sein Sohn Pida).

Winnetou macht Spaß. May ist ein besserer, zeitloserer Autor als viele seiner Zeitgenossen, die der Hochliteratur zugerechnet werden.

Ein Buch, dessen Wiederentdeckung sich lohnt.
Mail an Ralf H.


Winnetou Band 2

Winnetou 2 (1893)
Pawlak (1983)
Band 2 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Winnetou 2
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Old Shatterhand begegnet Old Death - und schließlich auch Old Firehand - bevor er endlich wieder mit Winnetou zusammentrifft. So gegen Schluss taucht auch noch Santer auf ...

Comic-Fassung in Karl May-Extra 1.

Man merkt deutlich, dass man es mit zwei Manuskripten zu tun hat, die zusammengefasst und um die Santer Episode ergänzt wurden.

Die Karl-May-Gesellschaft bestätigt diesen Eindruck: Der erste Teil (mit Old Death) ist als Der Scout 1888/89 erschienen, der zweite Teil (mit Old Firehand) ist eine Neubearbeitung von Im Fernen Westen (1879), was eine Neufassung von Old Firehand (1875). In dieser Urfassung war Old Firehand Vater einer Tochter und es gab (alles lt. KMG, ich habe den Text nicht selbst gelesen) eine Liebesgeschichte zwischen dieser Tochter und dem Ich-Erzähler. Wenn man die Winnetou II Fassung liest, kommt einem so manche Beschreibung Harrys noch schwülstiger vor, als es die Beschreibungen Winnetous eh schon waren. Das dürften wohl Reste der Urfassung sein, die beim Bearbeiten übersehen wurden.

Winnetou erscheint dem Leser im 1. Teil recht fremd. Er taucht nur kurz auf, trennt sich wieder von Old Shatterhand, der sich einen Spaß daraus macht, seine Identität zu verschweigen.

Im zweiten Teil tritt das Kleeblatt (Hawkens, Stone, Parker) wieder auf. In der Bearbeitung des Karl May Verlags sollen alle drei das Abenteuer überleben. In der hier vorliegenden Fassung ist das nicht der Fall.

Zu Beginn des zweiten Teil kommt Old Shatterhand nach New Venango. Die Geschichte wird meist recht stark gekürzt wiedergegeben. Tatsächlich ist es sehr interessant, wie klar May sich gegen die Auswüchse des rücksichtslosen Kapitalismus positioniert.

Mein Eindruck ist: immer wenn Karl May in (Hörspiel-)Bearbeitungen gekürzt wurde, entpuppt er sich als weitsichtiger und bis heute aktueller Autor.

Es lohnt sich wirklich, Karl May wieder zu entdecken.


Mail an Ralf H.


Winnetou Band 3

Winnetou 3 (1893)
Pawlak (1983)
Band 3 der Pawlak-Gesamtausgabe.

Das wichtigste Ereignis des Bandes dürfte jedem bekannt sein: Winnetou stirbt.

Man merkt auch bei diesem Band, dass er sich aus zwei Erzählungen zusammensetzt. Die eine ist Deadly Dust von 1880 (was erklärt, warum gegen Ende der Geschichte immer wieder auf den Tödlichen Staub hingewiesen wird).

Die andere Erzählung heißt Im "Wilden Westen" Nordamerikas und ist 1882 erstmals erschienen. Abgerundet wird der Band durch die Jagd auf Santer.

Wie in den beiden vorherigen Bänden taucht Winnetou spät auf. Eigentlich bleibt er dem Leser recht fremd, bis er kurz vor seinem Tod dann doch mal mehr als eine Nebenfigur ist. Wir erfahren ständig, dass Old Shatterhand viele, viele Abenteuer mit Winnetou erlebt hat - nur ist in den Bänden Winnetou I, II und III nur von wenigen die Rede.

Im zweiten Teil des Bandes wird sehr viel Indianer-Sprech verwendet, deutlich mehr als in vorangegangen Bänden. Laut Karl-May-Wiki* benutzte er seit 1882 ein Buch über die Indianersprachen.

In allen drei Bänden taucht eine Figur namens Rollins auf. Die eine hat mit der anderen nichts zu tun. War May das bewußt? Normalerweise achtet ein Schriftsteller doch darauf, Namen nicht mehrmals zu verwenden (jedenfalls tu ich das).


Mail an Ralf H.


Winnetou Band 4 / Winnetous Erben

Winnetou 4 (1893
Pawlak (1983) / Ueberreuter (nach 1960)
Band 4 der Pawlak-Gesamtausgabe.
Band 33 der Karl May-Verlag/Ueberreuter Gesamtausgabe.

Old Shatterhand kehrt in den Westen zurück, um Winnetous letzten Willen zu erfüllen.
Mail an Ralf H.


Winnetou und der schwarze Hirsch

Winnetou und der schwarze Hirsch (1894
Heyne (1984)
In den Büchern des Karl-May-Verlags (auch in den Münchmeyer-Ausgaben, die die Vorlage für Pawlak und Heyne bilden) nicht enthaltene Episoden bzw. Urformen.

Tödliches Feuer (1983 - Originaltitel: Ein Ölbrand)

Jemmy Bärenabenteuer (1987 - Ursprünglich Teil von Der Sohn des Bärenjägers)

Der Bowie-Pater (1881 - Teil der Serie Die Juweleninsel)

Von Tode erstanden (1978) - (Wiederverwendet in Old Surehand 2)

Der Brand des Öltals (1878 - Der Ölprinz)

Der "Fürst der Bleichgesichter" (1884/85)

Winnetou (1887)

Winnetou und der "Schwarze Hirsch" (1887 - Ursprünglich Teil von Der Sohn des Bärenjägers. Erste Fassung des ersten Treffens von Winnetou und Old Shatterhand)

Villa Bärenfett (1888/89)
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