John Grisham
* 08.02.1955 in Jonesboro, Arkansas
Grisham war Anwalt - und das merkt man auch. Trotzdem, er hat das Genre, das bislang von Erle Stanley Gardener beherrscht wurde, mit neuem Schwung wiederbelebt.

Wie bei Michael Chrichton bin ich auch auf Grisham über einen Film gestoßen. In diesem Fall: Die Firma.

Jahr
Deutscher Titel
Originaltitel

1989 Die Jury A time to kill
1991 Die Firma The firm
1992 Die Akte The Pelican Brief
1993 Der Klient The client
1994 Die Kammer The chamber
1995 Der Regenmacher The rainmaker
1996 Das Urteil The runaway jury
1997 Der Partner The partner
1998 Der Verrat The Street Lawyer
1999 Das Testament The testament
2000 Die Bruderschaft The Brethren
2001 Die Farm A painted house
2001 Das Fest Skipping Christmas
2002 Der Richter The summons
2003 Die Schuld The king of torts
2003 Der Coach Bleachers
2004 Die Liste The last juror
2005 Die Begnadigung The Broker
2006 Der Gefangene The Innocent Man: Murder and Injustice in a Small Town
2007 Touchdown Playing for Pizza
2008 Berufung The Appeal
2009 Das Gesetz: Stories Ford County: Stories
2009 Der Anwalt The Associate
2010 Theo Boone und der unsichtbare
Zeuge
Theodore Boone: Kid Lawyer
2010 Das Geständnis The confession
2011 Verteidigung The Litigators
2011 Theo Boone und das
verschwundene Mädchen
Theodore Boone: The Abduction
2012 Home Run Calico Joe
2012 Theo boone - Unter Verdacht Theodore Boone: The Accused
2012 Das Komplott The Racketeer
2013 Die Erbin Sycamore Row
2013 Theo Boone - Der Überfall Theodore Boone: The Activist
2014 Anklage Gray Mountain
2015 Der Gerechte Rogue Lawyer
2015 Theo Boone und der entflohene Mörder Theodore Boone: The Fugitive
2016 Bestechung The Whistler
2016 Theo Boone und der große Betrug. Theodore Boone: The Scandal
2016 Der Vertraute Partners
2017 Zeugen der Anklage Witness to a Trial
2017 Das Original Camino Island
2017 Forderung The Rooster Bar
2018 Das Bekenntnis The Reckoning
2019 Die Wächter The Guardians
2019 Theodore Boone: Erwischt Theodore Boone: The Accomplice
2020 Der Polizist A time for mercy
2020 Das Manuskript Camino Winds
2021 Der Verdächtige The Judge's List
2022 Die Heimkehr Sparring Partners
2022 Das Talent Sooley
2022 Feinde The Boys from Biloxi
2023 ? The Exchange

The Accused


The Accused (15. Mai 2012)
Puffin Books (Februar 2013)

John Grisham: The Accused
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Der dritte Theodore Boone Roman.

Der Angeklagte ist nicht der am Anfang des Romans präsentierte Mann, sondern Theo selbst. Es geht um einen Einbruch in ein Elektrogeschäft. Im Schulspint des Jungen wird ein Teil der Beute gefunden. Die Beweise gegen Theo verdichten sich immer mehr. Auch wenn seine Eltern (die beide Rechtsanwälte sind) bedingungslos zu ihm stehen, bleibt es ihm überlassen, sich selbst zu entlassen.
Man darf natürlich nicht vergessen, dass es sich um ein Buch für Jugendliche handelt. Deshalb ist die Geschichte etwas einfacher aufgebaut, als Grishams Justiz-Thriller. Aber weniger spannend ist es nicht.


Ein gelungener Roman.
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The Activist


The Activist (15. Mai 2013)
Puffin Books (Februar 2014)

John Grisham: The Activist
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Der vierte Theodore Boone Roman.

Es fängt damit an, dass in der von Theo angeführten Pfadfindergruppe eines der Kinder von einer Schlange gebissen wird. Dann kommt es zur Entlassung eines populären Lehrers aufgrund von angeordeneten Sparmaßnamen bevor schließlich in anderer Schulkamerad auf ihn zukommt und von einer angekündigten Enteignung berichtet. Obwohl die Stadt über kein Geld verfügt, soll eine Umgehungsstraße gebaut werden.

Theo entdeckt, dass die Umgehungsstraße nicht nur aus vernünftigen Gründen gebaut werden soll.
Einiges hat mit der Haupterzählung nichts zu tun, spannend und gut lesbar ist es aber allemal.

Als Judge, der Hund, zusammengeschlagen wird und lange nicht klar wird, ob er überlebt, war ich stellenweise den Tränen nahe. Zuviele Erinnerungen an den letzten Tag von Truly. Es vergeht kein Tag, an dem ich sie nicht vermisse.

Die Theodore Boone Bücher gehören wirklich zum besten, das aus der Feder von Grisham stammt (und er hat etliche gute Bücher geschrieben).

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Die Akte


The Pelican Brief (15. Februar 1992)
Heyne (1993)

Grisham
Zwei Richter des Obersten Bundesgerichts werden ermordet. Eine Jurastudentin kommt einem politischen Skandal auf die Spur und macht sich damit sehr unbeliebt. Ihre Gegner scheuen vor nichts zurück.

Spannend. Sehr interessant. Im Film wird Darby Shaw von Julia Roberts dargestellt, die weder eine besonders gute noch eine hübsche Schauspielerin (ganz im Gegenteil) ist, aber trotzdem eine gute Leistung abliefert.
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The appeal


The appeal (2008)
Dell (2008)/Arrow (2008)

John Grisham: The appeal John Grisham: The appeal
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Krane Chemicals wird zu einer riesigen Entschädigungszahlung verurteilt. Wo die meisten Bücher ändern, fängt dieses an. Der Berufungsprozess wird vorbereitet - und dadurch manipuliert, dass ein firmenfreundlicher Richter an das Berufungsgericht gebracht wird.

Ein Buch, das (wie die meisten von Grisham) nur wenige Dialoge aufweist, aber den Leser trotzdem für die Personen einnimmt oder ihn gegen sie aufstellt. Das Amerika in diesem Roman ist ein Amerika der Reichen, die alles bekommen, was sie wollen, während die kleinen, ehrlichen, anständigen Leute die Gelackmeierten sind. Schlimm, dass die Wirklichkeit nicht weit von Grishams Phantasie entfernt ist.

Ein Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite fesselt - auch weil bis zum letzten Moment nicht klar ist, welche der beiden Seiten siegen wird.
Das eben gelesene habe ich 2010 geschrieben. 2014 hab ich mir das Buch nochmal gekauft. Versehentlich. Der Rückentext sagte mir nichts. Tja, wahrscheinlich ist das ein Zeichen dafür, dass ich alt werde.

Ich habe das Buch angefangen zu lesen - und irgendwo so nach der fünfzigsten Seite kam mir dann manches doch bekannt vor. Und dann hab ich nachgeschaut. Ja, ich habe den Roman schon mal. Vier Jahre ist eigentlich keine Zeit, aber nachdem ich schon mal angefangen hatte, las ich auch weiter. Dabei half, dass ich keine Ahnung mehr hatte, wie die Geschichte endet. Und in einem solchen Fall schau ich auch nicht auf Seiten nach, die den gesamten Inhalt eines Werks offenlegen. Meine eigene Beschreibung hat mich nur noch neugieriger gemacht.


Vier Jahre ... vier Jahre, die dem Buch nicht geschadet haben. Ganz im Gegenteil. Unsere eigene Erfahrungen zeigen, dass Grisham den Nagel auf den Kopf trifft. Bei uns werden zwar keine Richter gekauft. Aber Volksabstimmungen. All die Manipulationen, die Grisham hier beschreibt, kann man auch bei der Volksabstimmung über das Finanzierungsgesetz zu Stuttgart 21 entdecken. Auch in unserem Fall hat sich die Industrie (unterstützt von einem angeblichen Ehrenmann, der inzwischen nominell Ehrenbürger ist, obwohl er nicht die Spur von Ehre besitzt) ein Wahlergebnis gekauft. Und das CDU-Stimmvieh entsprechend gewählt.

Heute mehr als damals ein beängstigendes Buch, das sehr zu empfehlen ist.


Der Inhalt der beiden Ausgaben ist identisch. Der Satz nicht. Daher ist die Dell Ausgabe einige Seiten kürzer.

Schauen wir uns die ersten paar Zeilen an. Bei Dell sieht das in Etwa so aus:

The jury was ready.
     After  forty-two hours of  deliberations that followed
seventy-one days of trial that  included 530 hours of tes-
timony  from four  dozen  witnesses, and after a lifetime
of sitting silently  as the lawyers  haggled and the  judge
lectured  and the specatators watched like hawks for tell-

tale signs, the jury was ready. [...]








Und bei Arrow:

The jury was ready.
     After    forty-two   hours   of  deliberations   that
followed  seventy-one  days  of  trial that   included
530   hours   of  testimony   from   four  dozen  wit-
nesses, and after a lifetime of sitting silently  as the
lawyers  haggled  and  the  judge  lectured  and  the
specatators  watched  like  hawks  for telltale signs,

the jury was ready. [...]



Den meisten wird sicher auffallen, dass die Zeilen bei Arrow kürzer sind. Bei näherer Betrachtung fällt vielleicht noch auf, dass bei Arrow nur einmal getrennt wurde, während bei Dell zwei Silbentrennungen eingefügt wurden. Das halte ich für erstaunlich. Man sollte meinen, dass bei Dell durch die längeren Zeilen mehr Möglichkeiten zum Zeilenausgleich gegeben sind und daher weniger Trennungen notwendig sind.

Einige werden sich nun fragen: "Was ist schon an einer Silbentrennung wichtig?"

Zum einen handelt es sich natürlich um eine vermeidbare Fehlerquelle, zum anderen stoppt der Lesefluss bei jedem Trennstrich einen Moment.

Vergessen wir nicht, dass der Leser (in den meisten Fällen) nicht Buchstabe für Buchstabe liest, sondern ein Wortbild nach dem anderen erkennt und das zu Sätzen zusammengefügt wird. Je mehr in sich geschlossene Wortbilder zur Verfügung stehen, desto einfacher ist ein Text aufzunehmen.

Bei meinen Lesungen greife ich nicht auf das gedruckte Buch zurück (was ich natürlich könnte), sondern mir liegt der Text als Auszug in etwas größerer Schrift und linksbündig vor. Auf Silbentrennung wird völlig verzichtet. Dadurch muss ich die Augen nicht wie wild über das Papier wandern lassen, um ganze Satzteile auf einmal zu erfassen. Ein kleiner, aber wirkungsvoller Trick.

Die (englische) Arrow-Ausgabe erscheint mir daher etwas zugänglicher als die (amerikanische) Dell-Fassung.


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The Associate


The Associate (01. Januar 2009)
Arrow (2009) / Arrow (2009)

John Grisham: The Associate John Grisham: The Associate
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Während seines Studiums war Kyle McAvoy anwesend als einige seiner Freunde mit einer ohnmächtigen Kommilitonin schliefen, die hinterher behauptete vergewaltigt worden zu sein - obwohl sie zuvor mit jedem geschlafen hatte, der seinen Hosenstall nicht schnell genug wieder verschloss.

Kurz vor seinem Abschluss wird McAvoy von Unbekannten mit seiner Vergangenheit konfrontiert und erpresst. Er wird gezwungen, in eine große Kanzlei einzutreten, um dort Informationen zu besorgen, die für einen bevorstehenden Prozess wichtig sind.

Ein schneller Grisham - schnell geschrieben, schnell gelesen. Vieles kommt einem bekannt vor.

Und leider ist mit der Vertrautheit auch das Problem aus der Anfangszeit Grishams wieder da: der unbefriedigende Schluss. Man hat das Gefühl, dass er keine Lust hatte, dass Buch zu einem vernünftigen Abschluss zu bringen. Zu viele Fragen bleiben am Schluss offen.

Gute Unterhaltung, aber weit davon entfernt, das beste Buch Grishams zu sein.
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Bleachers


Bleachers (07. Mai 2003)
Doubleday (2003)

John Grisham: Bleachers
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Neely Crenshaw kehrt nach 15 Jahren in seine Heimatstadt zurück. Sein alter Footballtrainer, Leuteschinder und doch die einflussreichste Person in seinem Leben, liegt im Sterben. Zeit für Erinnerungen, Zeit das vergangene neue zu bewerten.

Wer nur seine Krimis kennt, kennt Grisham nicht. Eine Geschichte, in der eigentlich nichts geschieht und trotzdem kann man sie nicht aus der Hand legen.

Crenshaw und seine Klassenkameraden führen armselige Leben, in denen detailreiche Erinnerung an Footballspiele wichtiger sind, als alles andere.

Ohne es offen auszusprechen, kritisiert Grisham seine Landsleute. Wenn so etwas Unwichtiges wie Football zum Zentrum des Lebens für mehrere Generationen und für eine ganze Stadt wird, dann stimmt mit der Stadt, den Leuten und wahrscheinlich dem gesamten Staat etwas nicht.

Ein ganz wundervolles Buch.
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Die Bruderschaft


The Brethren (01. Februar 2000)
Heyne (2002)

Drei inhaftierte ehemalige Richter versuchen aus dem Gefängnis heraus mit Erpressungen (von amerikanischen Durchschnittsbürgern, die ihrer Homosexualität heimlich frönen wollen) zu Geld zu kommen. Eines der Opfer ist ein Kandidat auf die amerikanische Präsidentschaft.

Spannend. Liest sich gut von der ersten bis zur letzten Seite.

Die Richtergeschichte und die Politikergeschichte laufen parallel, finden dann zusammen, ohne dass die Hauptfiguren auch nur einmal aufeinander treffen.

Das Dumme ist nur: Man merkt sehr deutlich, dass Grisham sich für den Politikteil an Mit aller Macht orientiert hat. Und... das wirft ein schlechtes Licht auf die Lektoren bei Belfry Holdings... Grisham beginnt einen Erzählstrang, baut Spannung auf... und vergisst von einem Moment zum anderen völlig, diesen Teil der Geschichte weiterzuführen (bevor jemand fragt: gemeint ist der Ned-Strang. Die Richter erpressen ihn, er verfolgt die Spur zurück, findet heraus, dass Trevor die Briefe transportiert - und das war's dann).

Ein Buch, das man gern liest, aber weit davon entfernt, an Grishams Spitzenwerke heranzureichen.
Barb Saffers bebilderte Besprechung* des Buches ist lesenswert.

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The Broker


The Broker (10. Januar 2005)
Dell (2005)

John Grisham: Broker
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Joel Backman, ein ehemaliger Lobbyist, wird von einem scheidenden Präsidenten aufgrund des Wunsches des CIA-Chefs begnadigt. Backman erhält eine neue Identität, wird nach Italien verfrachtet - und muss sehr schnell erkennen, dass er in Lebensgefahr schwebt.

Ein Sprachkurs, ein Reiseführer - und gleichzeitig ein Buch voller Hochspannung. Weniger begabten Autoren hätte man die ersten zwei Drittel des Buchs nicht verziehen.

Im Anhang verweist Grisham ausdrücklich daraufhin, dass er von Geheimdiensten keine Ahnung hat, dass es reiner Zufall ist, wenn er mit einer seiner Behauptungen recht haben sollte und alles eh nur Fiktion ist.

Mit über 600 Seiten kein dünnes Buch. Aber gut geschrieben, spannend und mal was ganz anderes als die ewigen Rechtsanwaltgeschichten.



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Calico Joe


Calico Joe (01. Januar 2012)
Hodder (2013)

John Grisham: Calico Joe
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Der ehemalige Baseballspieler Warren Tracey ist tödlich erkrankt. Sein längst von ihm entfremdeter Sohn erinnert sich an die Vergangenheit und versucht seinen Vater dazuzubringen, für einen Fehler zu sühnen.

Als ich das Buch zum ersten Mal aufschlug dachte ich: "Oh Gott! Ein Baseballbuch." Von Baseball versteh ich fast soviel wie vom Fechten, nämlich so gut wie nichts.

Aber Grisham hat (anscheinend auf Bitten des Verlags) dem Buch eine Einleitung vorangestellt, in der er die Grundzüge des Spiels erklärt. Und das tut er so gut, dass man auch als Nicht-Amerikaner der Handlung gut folgen kann.

Es ist ein Buch, das zeigt, wie einfach manche Amerikaner gestrickt sind: ein Ereignis bestimmt das ganze weitere Leben.

Hier ist es der Wurf eines Baseballs, der das Leben von einigen Menschen ändert.

Warren Tracey (der Werfer) ist ein durch und durch unsympathischer Mensch, "Calico" Joe Castle wiederum, das Idol des Sohns von Tracey, ist so gut, dass einem fast schlecht wird.

Aber das sind schon die einzigen Bedenken, die geäußert werden können.

Grisham ist ein durch und durch interessantes und auch spannendes Buch gelungen, dass "die" Amerikaner in ihrer Einfalt entlarvt (ich gehe davon aus, dass es auch welche gibt, die sich nicht nur über Arbeit, Waffen und Baseball definieren).

Bei der Lektüre habe ich mich immer wieder gefragt, ob es tatsächlich so ist, dass ein Ereignis ein ganzes Leben bestimmen kann.

Nein, ich glaube nicht.

Am nächsten kommt dem wohl der Tod meines Großvaters, der letztlich zur Entfremdung mit meiner Familie geführt hat. Aber für die meisten Dinge in meinem Leben war damals schon die Richtung vorgegeben.

Ja, es gibt Entscheidungen, die das weitere Leben beeinflussen, aber - zumindest ich für meinen Teil - kann nicht sagen, dass es die eine, die große Entscheidung, das eine große Ereignis gab. Und ich bezweifle, dass es den meisten von Ihnen anders geht.


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Camino Island


Camino Island (06. Juni 2017)
Hodder (2018)

John Grisham: Camino Island
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Die Original-Manuskripte der fünf Romane von F. Scott Fitzgerald werden gestohlen.

Eine erfolglose Schriftstellerin wird von einer freischaffenden Agentur angeheuert, einen Buchhändler zu beobachten, der verdächtigt wird, etwas über den Verbleib der Manuskripte zu wissen.
Die britische Tageszeitung "The Sun" wird auf dem Rückumschlag mit folgenden Worten zitiert: Think Da Vinci Code meets Sherlock Holmes.. Wer immer das geschrieben hat, hat das Buch nicht gelesen.


Grisham ist ein hervorragender Schriftsteller, der unser Handwerk beherrscht, aber was er hier abliefert ist ... nicht gerade langweilig, aber deutlich unter seinem sonstigen Niveau. Grisham entwickelt die vielen, sehr vielen Figuren sehr genau - und bringt es fertig, alles in Bahnen ablaufen zu lassen, die man erwartet. Ja, natürlich schläft Mercer mit Cable, natürlich hat Cable die Manuskripte. Natürlich durchschaut er Mercer ...

Das Buch ist nur rund 300 Seiten dick - und das ist noch zuviel.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, man kann das Buch lesen. Man kann sich über die Schriftsteller amüsieren und man lernt etwas über die Sammlerszene für Erstausgaben, aber Grisham beginnt den Roman als Thriller und gleitet dann in eine Seifenoper ab, um sich am Ende doch noch mal auf den Thriller zu besinnen.

In meinen Augen das schlechteste Buch, das Grisham seit Jahren geschrieben hat.


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The confession


The confession (26. Oktober 2010)
Arrow Books (2011)

John Grisham: The con man
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Donté Drumm ist in Texas wegen eines Verbrechens zum Tode verurteilt, das er nicht begangen hat. Er wurde nur aufgrund eines abgepressten und später widerrufenen Geständnisses verurteilt, ohne dass die Leiche seines vermeintlichen Opfers gefunden worden wäre.

Einige Tage vor der angesetzten Hinrichtung, meldet sich bei einem Pfarrer der tatsächliche Mörder.

Damit beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Gerade am Anfang ähnelt das Grishams The innocent man. Und damit ist eigentlich klar, dass die Geschichte sich in eine völlig entgegengesetzte Richtung entwickeln muss.

Ein eindringliches Plädoyer gegen die Todesstrafe und eine kritische Schilderung des Lebens in einem Land, dessen Bewohner zu einem großen Teil gedanklich noch im 19. Jahrhundert verhaftet sind.


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Das Fest


Skipping Christmas (06. November 2001)
Heyne (2002)

Grisham
Nachdem die Tochter der Kranks endlich das Elternhaus verlassen hat, beschließen die Eltern das vollständig kommerzialisierte Weihnachtsfest ausfallen zu lassen - und das Geld lieber für eine Kreuzfahrt auszugeben.

Ein Hardcoverband mit gerademal 208 Seiten, bei recht großem Zeilenabstand. Kurzum: der kürzeste Grisham, der mir bisher untergekommen ist.

Und der witzigste.

Das ändert nichts daran, dass die Geschichte, die durchaus als Gegenentwurf zu Bölls Weihnachtsgeschichte angesehen werden kann, von Anfang bis Ende vorhersehbar verläuft.

Verfilmt als Christmas with the Kranks / Verrückte Weihnachten (2004 - Drehbuch und Regie: Chris Columbus) mit Tim Allen und Jamie Lee Curtis. (Außerdem: Dan Aykroyd, M. Emmet Walsh (bekannt als Commissioner Gordon), Austin Pendleton (aus Is' was, Doc?), Caroline Rhea (aus Sabrina the Teenage Witch, Felicity Huffmann (bekannt, weil sie die Schule bestach, damit ihre Tochter weiterkam). Trotz der tollen Besetzung ist der Film längst nicht so gut wie das Buch. Er wird aber jedes Jahr auf irgendwelchen Kommerz-Sendern (abseits von RTL und Pro7) mit Werbeunterbrechungen gezeigt.


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The firm


The firm (01. Februar 1991)
Island (1991)

Grisham
Mitchell McDeere ist angehender Anwalt. Von einer Kanzlei bekommt er ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Zuerst scheint alles ganz wunderbar, dann addieren sich einige Merkwürdigkeiten auf. Und schließlich kämpft er gegen die Mafia.

Sehr spannend. Gut lesbar. Habe ich innerhalb weniger Tage verschlungen.

Im Buch ist sein Auto ein BMW, was immer und immer wieder betont wird. Im Film ist es ein Mercedes.
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The Fugitive


The Fugitive (12. Mai 2015)
Puffin Books (Oktober 2015)

John Grisham: The Fugitive
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Der fünfte Theodore Boone Roman.

Während eines Schulausflugs entdeckt Theo in Washington Pete Duffy, einen Mann, der vor einiger Zeit während seines Prozesses aus Strattenburg geflohen ist.

Zuerst schaltet er seinen Onkel ein, um den Aufenthaltsort des Flüchtigen festzustellen, dann vertraut er sich seinen Eltern an ...
Man ahnt natürlich von Anfang an, worauf das hinausläuft - spannend ist jedoch der Weg dorthin.

Das ist sicher nicht das beste Buch der Theo Boone-Serie, aber lesenwert ist es allemal.

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Gray Moutain


Gray Mountain (21. Oktober 2014)
Hodder (2015)

John Grisham: Gray Mountain
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Samantha Kofer gehört zu den Opfern des Zusammenbruchs von Lehman-Brothers. Ihr wird bei von ihrer Anwaltskanzlei gekündigt, allerdings besteht Hoffnung auf Rückkehr, wenn sie ein Jahr lang unentgeltlich für eine Wohltätigkeitsorganisation arbeitet. So landet sie schließlich in der Kleinstadt Brady (2.000 Einwohner) in einer Mountain Law Clinic für Bedürftige. Statt mit Akten muss sie sich nun mit Menschen beschäftigen.

Brady liegt in einem Kohlerevier - und weil es billiger ist, Berge abzutragen, um an die Kohleflöze zu gelangen als Bergbau zu betreiben wird die Landschaft umgestaltet und ruiniert. Die Mandate der Anwälte werden davon bestimmt.

Der Neffe ihrer Chefin erhält die Möglichkeit, gegen ein großes Bergbauunternehmen vorzugehen ...


Die Kanzlei, in der Samantha zu Beginn des Romans arbeitet ist Scully & Pershing - und damit die selbe Kanzlei, in der Kyle McAvoy in The Associate arbeitet.


Grisham beweist einmal mehr, wie gut er inzwischen geworden ist. Es sieht ganz danach aus, als würden wir er einen Gerichtsthriller lesen, dann überrascht er die Leser, in dem er den Prozess unmöglich macht. Tatsächlich behandelt der Roman (neben der politischen Dimension des verbrecherischen Verhaltens von Kohleabbauunternehmen) auch die Probleme der Rechtsprechung an sich. Wer Macht hat, kann sich Recht leisten. Leider keine auf die USA beschränkte Erkenntnis, wie die Ereignisse um Stuttgart 21 deutlich zeigen.

Ich bin sicher, dieses Buch von Grisham wird nie verfilmt werden - so wie das eigentlich allen seinen Büchern seit 2001 geht. Für Hollywood ist er zu politisch, zu eindeutig liberal, obwohl seine früheren Bücher soweit ich weiß immer erfolgreich verfilmt wurden.

Ein unbedingt zu empfehlendes Buch.


Barb Saffers bebilderte Besprechung* des Buches ist zu empfehlen.

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Guardians


Guardians (15. Oktober 2019)
Hodder (2020)

John Grisham: Guardians
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Cullen Post, Rechtsanwalt und Pfarrer, arbeitet für eine kleine Firma, die Justizirrtümer zu bereinigen versucht. Geld ist damit nicht zu machen, aber es ist befriedigend.

Beschrieben wird der Fall des vor 22 Jahren verurteilten Quincy Miller, der wegen des Mordes am Rechtsanwalt Keith Russo verurteilt wurde.

Bei seinen Recherchen stellt Post fest, dass nicht nur der angebliche forensische Experte damals nicht haltbare Standpunkte vertrat, sondern es scheint, als hätte der ermittelnde Sheriff Beweise manipuliert ...
Grisham legt die Fehler des amerikanischen Justizsystem offen. Man fragt sich unwillkürlich, wie viele Menschen unschuldig hinter Gittern sitzen (oder von der Justiz ermordet wurden), nur weil sie die falsche Hautfarbe besitzen und das System mehr Interesse an irgendeiner Verurteilung als an Aufklärung hat.


Wichtig ist:

  • Warum wurde Keith Russo ermordet?
  • Warum haben so viele Leute beim ersten Prozess gelogen?
  • Schafft es Post, seinen Mandanten freizubekommen?

Es geht nicht darum, den wahren Täter gerichtsfest zu ermitteln, es geht "nur" darum, die Unschuld von Miller feststellen zu lassen.


Ich habe eine Kritik gelesen, in dem das Buch verrissen wird. Der Kritiker* gibt sich als Anwalt und Ankläger aus dem US-Süden zu erkennen (dem Foto nach ist er weiß). Er bestreitet gar nicht, dass solche Dinge vorkommen können, erklärt sie aber zu absoluten Ausnahmen.

Keine Ahnung, ob er recht hat oder nicht. Man möchte es wünschen, der Eindruck, der es über den großen Teich schafft ist jedoch ein anderer.

Unser Justizsystem ist sicher nicht perfekt, aber das amerikanische ist deutlich anfälliger für Fehlurteile. Richter müssen sich immer wieder Wahlen stellen, Staatsanwälte auch. Das ist demokratisch, ja sicher. Aber es führt auch dazu, dass nicht das Recht herrscht, sondern die Masse. Wer gegen die laute Mehrheit (die durchaus eine Minderheit sein kann) agiert, wird das nächste Mal nicht wiedergewählt. Rechtsprechung im Sinne der Bild-Zeitung - eine Horrorvorstellung, die in den USA Alltag ist.


Grisham hat schon längst bewiesen, dass er nicht nur ein Thriller-Autor ist. Dieses Buch unterstreicht das wieder einmal nachdrücklich.


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The Innocent Man: Murder and Injustice in a Small Town


The Innocent Man: Murder and Injustice in a Small Town (10. Oktober 2006)
Dell (2006)

John Grisham: The innocent man
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In Ada, Oklahoma, wurde eine junge, hübsche Frau brutal ermordet. Ron Williamson und Dennis Fritz werden angeklagt und verurteilt - ohne dass es auch nur den Hauch eines Beweis gegen die beiden gibt.

Das Schlimme ist, dass es sich hier nicht um einen Krimi, sondern um einen Tatsachenbericht handelt. Grisham bestätigt die Vorurteile, die man als Europäer gegen das amerikanische Rechtssystem hat. US-Recht ohne Perry Mason, Petrocelli, Matlock und wie sie alle heißen, kann eine veritable Katastrophe sein.

In Stuttgart erleben wir zur Zeit ja, dass Recht und Gerechtigkeit zweierlei Dinge sind (in Zusammenhang mit Stuttgart 21 wird mit Gegnern kurzer Prozess gemacht, während gegen Prügelpolizisten nur schleppend - wenn überhaupt - ermittelnd wird).

Ein Buch, dass sich wie ein Krimi liest. Ein Buch, das anklagt. Ein Buch, dass aufrüttelt und jeden intelligenten Menschen zu einem unbedingten Gegner der Todesstrafe machen sollte. Als Ergänzung zu dem Buch empfehle ich die Internetseite* des unbelehrbaren und uneinsichtigen Anklägers.


Barb Saffers bebilderte Besprechung* des Buches ist lesenswert.

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Die Jury


A time to kill (01. Januar 1989)
Heyne (1992)

Ein schwarzes Mädchen wird brutal vergewaltigt. Der Vater nimmt blutig Rache. Ein junger Rechtsanwalt verteidigt ihn, in einer Umgebung, in der Schwarz mit Schuldig gleichbedeutend ist.

Sehr brutal. Immer wieder überraschend. Grishams Leistung besteht darin, dass er weder den Vater noch den Rechtsanwalt idealisiert. Die Verfilmung mit Samuel Jackson ist gelungen, reicht aber an das Buch nicht heran.

In Deutschland scheint man sich einen Spaß daraus zu machen, alle Grisham-Titel nur aus Artikel und Hauptwort bestehen zu lassen, was wohl Assoziationen zu Die Firma wecken soll.
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Die Kammer


The chamber (01. Mai 1994)
Heyne (1999)

Sam Cayhall ist wegen eines Bombenanschlags, bei dem zwei Kinder ums Leben kamen, zum Tode verurteilt worden. Vier Wochen vor der Hinrichtung meldet sich Adam Hall bei ihm, ein junger, aufstrebender Rechtsanwalt, der den hoffnungslosen Fall übernehmen will. Adam ist der Sams Enkel.

Es wird ein Kampf gegen die Uhr und eine Reise in die Vergangenheit, die für Adam bislang ein unbeschriebenes Blatt war.

Ein ungemein spannendes Buch. Grisham lässt bis kurz vor Schluss offen, ob Sam hingerichtet wird oder nicht. Das Verbrechen, das Sam Cayhall begangen hat ist grausam. Sam Cayhall ist ein harter, unsympathischer Mensch, der in seinem Leben viel Unglück über seine Mitmenschen gebracht hat. Aber hat der Staat das Recht ein Verbrechen durch ein anderes Verbrechen zu sühnen? Grishams Antwort ist eindeutig: Nein. Jeder vernünftige Mensch kann nur ein Gegner der Todesstrafe sein.

Ungefähr in der Mitte des Romans bezieht sich Grisham auf seinen eigenen Roman Die Jury (ohne ihn zu benennen).

Wahrscheinlich das damals beste Buch Grishams.
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The king of torts / Die Schuld


The king of torts (04. Februar 2003)
Arrow (2003) / RM Buch und Medienvertrieb (2010)

John Grisham: The king of torts John Grisham: Die Schuld
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Bei dem Pflichtverteidiger Clay Carter läuft nichts wie es soll. Zunächst bekommt er einen Mord aufgehalst, den er gar nicht übernehmen wollte, als nächstes trennt sich seine Freundin von ihm. Doch dann taucht ein geheimnisvoller Mann auf und bietet Clay die Chance seines Lebens.

Routiniert und gut geschrieben - aber absolut nichts besonderes. Solch ein Buch schüttelt Grisham sich jederzeit aus dem Ärmel.

Interessant wird das Buch, wenn man es in Zusammenhang mit der Zeit setzt, in der ich es gelesen habe: im Moment (Oktober 2008) spielen die Börsen verrückt, völlig überbezahlte Zocker ruinieren eine Bank nach der anderen, ohne für die Zocker persönliche Konsequenzen nach sich zu ziehen (abgesehen vom Verlust des Arbeitsplatzes, was man aber bei mehreren hunderttausend Euro Jahresgehalt leicht verschmerzen kann - wenn man anders als Clay Carter, das Geld nicht mit beiden Händen hinausgeworfen hat.)

Nicht Grishams bestes Buch, mit einem Erzähler, der Carter am Ende fallen zu lassen scheint.

Gelungenes Lesefutter - nicht mehr, aber auch nicht weniger.



Der Beginn des Romans:

John Grisham Dr. Bernhard Liesen, Beate Reiter, Kristiana Ruhl, Imke Walsh-Araya
The shots that fired the bullets that entered Pumpkin's head were heard by no less than eight people. Three instinctively closed the windows, checked their door locks, and withdrew to the safety, or at least the seclusion, of their small apartments. Als die Kugeln Pumpkins Kopf durchschlugen, hörten nicht weniger als acht Leute die Schüsse. Drei schlossen instinktiv die Fenster, überprüften die Türschlösser und verharrten in ihren kleinen Wohnungen, wo sie sich halbwegs in Sicherheit wähnten.


Vier Übersetzer. Und die Übersetzung ist trotzdem ungenau. Man kann sich richtig vorstellen, dass irgendein Redakteur hinstand und sagte: "Ihr übersetzt keine Literatur. Ich brauch das schnell, nicht kunstvoll."

Das Ende des Romans:

John Grisham Dr. Bernhard Liesen, Beate Reiter, Kristiana Ruhl Imke, Walsh-Araya
Somewhere over Newfoundland, they unfolded the sofa and fell asleep under the covers. Irgendwo über Neufundland klappten sie das Sofa auf, schlüpften unter die Decke und schliefen ein.


"[...] schlüpften unter die Decke [...]" Das steht nicht im Original. "[...] und schliefen unter den Decken ein." Auch im letzten Satz zeigt das Übersetzerquartett, dass man sich Freiheiten nimmt, die die Handlung zwar wiedergeben, aber nicht mit den Vorgaben des Autors in Einklang stehen.
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Der Klient


The client (01. März 1993)
Heyne (1996)

Mark und sein Bruder werden Zeuge des Selbstmords des Mafia-Anwalts Jerome Clifford. Vor seinem Tod vertraut Clifford Mark ein Geheimnis an, das tödlich für ihn sein kann. Plötzlich findet sich der 11jährige Junge zwischen der Polizei, der Staatsanwaltschaft und der Mafia wieder. Seine einzige Hilfe ist Reggie Love, eine 52jährige Anwältin.

Den Film hatte ich mehrmals gesehen, bevor ich das Buch erstand. Um ehrlich zu sein: so ganz hat mich der Film nicht überzeugt. Susan Sarandon (Reggie Love) ist gut, Tommy Lee Jones (Reverend Roy) auch - aber der Film-Mark ist ein Arschloch, mit dem ich keinen Moment Mitleid habe. Dass er sich mitten im Film von seiner Anwältin abwendet, nur weil er von ihrer psychiatrischen Vergangenheit erfährt, macht ihn nicht sympathischer.

Um es kurz zu machen: Das Buch ist besser, sehr viel besser, als der (auch nicht schlechte) Film. Reverend Roy ist sehr viel unsympathischer als im Film. Es gibt keine überflüssigen Verfolgungsjagden (das Filmtreppenhaus ist mehr als unglaubhaft), Reggie Love ist besser charakterisiert, die Mutter kann mit mehr Verständnis rechnen.

Grisham beweist einmal mehr, dass er besser mit einer Geschichte umzugehen weiß als die Drehbuchautoren. Und diesmal stimmt sogar der Schluss (der oft eine Schwäche von Grisham-Romanen ist).
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The last juror / Die Liste


The last juror (03. Februar 2004)
Dell (2004) / Heyne (2005)

John Grisham: The last jurror John Grisham: Die Liste
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1970, Clanton, Missouri in Ford County. Der junge Studienabbrecher Willie Traynor sieht die Chance seines Lebens und kauft die heruntergekommene Wochenzeitschrift Ford County Times.

Nach dem brutalen Mord an einer jungen Mutter wird er Zeuge des Prozess und der gleichzeitig stattfindenden Entwicklungen in der ihm anfänglich so fremden Gemeinde.

Natürlich schiebt sich der Mord und die Verhandlung immer wieder in den Vordergrund, aber das kennt man alles schon ausführlicher aus anderen Büchern. Auch die immer wieder durchscheinende Kritik am System ist nicht neu und belegt nur noch einmal, dass die USA in vielen Bereichen ein absolut rückständiges, dem 19. Jahrhundert verhaftetes Land sind. Tatsächlich zeigt Grisham jedoch das Leben in einer Südstaaten-Kleinstadt, mit all ihren kleinen und großen Problemen.

Hier stimmt alles, von Anfang bis zum Ende. Grisham ist - spätestens seit Die Farm viel mehr als ein Thriller-Schriftsteller, er ist einer der besten amerikanischen Erzähler.
Der Beginn des Romans:

John Grisham Dr. Bernhard Liesen, Beate Reiter, Imke Walsh-Araya
After decades of patient mismanagement and loving neglect, The Ford County Times went bancrupt in 1970. The owner and publisher, Miss Emma Caudle, was ninety-three years old and strapped to a bed in a nursing home in Tupelo. Nach Jahrzehnten des Missmanagements und der liebevollen Vernachlässigung war die Ford County Times 1970 finanziell am Ende. Die Eigentümerin und Herausgeberin der Zeitung, Miss Emma Caudle, war dreiundneunzig Jahre alt und in einem Pflegeheim in Tupelo im wahrsten Sinne des Wortes ans Bett gefesselt.


Drei Übersetzer. Das sagt schon einiges. Überraschenderweise hält man sich eng an den Urtext. Es wird verschwiegen, dass es sich um lange geduldetes Missmanagement handelt. Für den Leser des Original ist klar, dass es sich bei der Ford County Times um eine Zeitung handelt, die deutschen Leser sind so blöd, dass man es ihnen explizist sagen muss. Etwas anderes ist es mit dem Zusatz "im wahrsten Sinne des Wortes" Das dient tatsächlich der Klarstellung.

Das Ende des Romans:

John Grisham Dr. Bernhard Liesen, Beate Reiter, Imke Walsh-Araya
As the town slowly came to life below me, I walked to my desk, shoved some boxes out of the way, and sat down. I took my pen, and for a long time stared at the blank notepad. Eventually, slowly, with great agony I began the last obituary. Als die Stadt unter mir langsam zum Leben erwachte, ging ich zu meinem Schreibtisch, schob ein paar Kartons beiseite und setzte mich. Ich nahm einen Stift und starrte lange Zeit auf ein leeres Blatt. Dann, zögernd und mit Tränen in den Augen, begann ich meinen letzten Nachruf.


Aha. Im Original nimmt der Erzähler seinen Stift, in der Übersetzung nimmt er irgendeinen Stift. Einerseits starrt er auf einen leeren Notizblock, andererseits auf ein leers Blatt. Der letzte Satz müsste eigentlich heißen: "Schließlich, langsam, Höllenqualen leidend, begann ich den letzten Nachruf"

Die Übersetzung des Trios ähnelt dem Original, ergänzt und kürzt nach Gutdünken, gibt den Inhalt wieder, nimmt den Leser an die Hand, erklärt mitunter Dinge, die nicht erklärt werden müssen. Sind deutsche Leser ungebildeter als amerikanische?
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The litigators


The litigators (25. Oktober 2011)
Hodder & Stoughton (2011)

John Grisham: The litigators jurror
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David Zinc ist ein typischer junger Anwalt in einer großen Kanzlei. Überarbeitet und leidlich erfolgreich. Eines Tages schmeißt er von jetzt auf nachher alles hin und beginnt in einer kleinen Kanzlei, in der sich zwei gescheiterte Existenzen als Anwälte für Verkehrsopfer mühsam durchschlagen.

Doch dann finden sich die drei als Nebenkläger in einem Prozess gegen einen Arzneimittelhersteller wieder. Und ausgerechnet einer ihrer Klienten soll als Musterfall verhandelt werden. Was nach einem klaren, erfolgversprechenden Fall aussieht, entpuppt sich als eine Falle.

Die Geschichte spielt in Chicago. Auch das sonstige Umfeld entspricht nicht Grishams üblichem Muster. Es gibt kaum Überraschungen - und trotzdem kann man das Buch kaum aus den Händen legen. Grisham beweist auch hier, dass er ein großartiger Erzähler ist, der es versteht, interessante Figuren zu entwerfen (ausgerechnet seine Hauptfigur ist so typisch Grisham, dass sie auch die langweiligste Figur ist).

Ein reifes, ein interessantes Werk.

Für Grisham Fans.
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A painted house


A painted house (01. März 2001)
Dell (2002)

Grisham: A painted house
Der 7jährige Luke Chandler erlebt den aufregendsten Sommer seines Lebens. Zum jährlichen Stress der Baumwollernte, gesellen sich außerordentliche Ereignisse, die schließlich sein Leben für immer ändern.

Das Buch spielt im Arkansas des Jahres 1952. Die USA führen wieder mal einen Krieg (diesmal in Korea). Fernsehen? Fast ein Wunder. Telefon? Unmöglich, da noch keine Leitungen verlegt sind. Die Chandlers sind arm, aber trotzdem sind sie Arbeitgeber von Mexikanern und Leuten aus den Bergen.

Alle haben ihre Geschichten, alle haben ihre Geheimnisse und immer wieder wird Luke damit belastet.

Grisham ist ein Buch gelungen, dessen Figuren einem ans Herz wachsen. Man möchte wirklich wissen, wie es weitergeht (und wird es hoffentlich nie erfahren).

Hier stimmt alles von vorne bis hinten. Grishams reifstes Werk, vielleicht gerade weil nicht ein Rechtsanwalt vorkommt.

Nicht alle Thriller-Autoren gelingt es, ihr Können auch in anderen Genres unterzubringen. Grisham hat keine Probleme damit.

Die Farm der Chandlers siedelt er in Black Oak an, einem kleinen Ort, in dem Grisham als Kind einige Monate lebte - was sicher dazu beiträgt, dass ihm ein so lebendiges Bild der Gemeinde gelingt.

Ein Buch, das ich unbedingt empfehlen kann - auch für Leute, die sonst mit Grisham nicht viel anfangen können. (Deutscher Titel: Die Farm)
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Der Partner


The partner (26. Februar 1997)
Heyne (2000)

Patrick hat sich vor einigen Jahren seinen Tod vorgetäuscht und 90 Millionen Dollar gestohlen (in dieser Reihenfolge). Nachdem er gefunden wurde, muss er sich gegen eine Scheidungsklage seiner Frau und eine Mordanklage des Staates wehren.

Sehr gut durchdacht. Parchman, das Gefängnis aus Die Kammer wird mehrfach erwähnt.

Lediglich das letzte Kapitel ist eine Enttäuschung. Grisham versucht besonders originell zu sein, aber zum einen hatte ich schon mit so was gerechnet, zum anderen passt es einfach nicht. Ansonsten: Ein gutes, spannendes Buch, das man nur empfehlen kann.
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Playing for Pizza


Playing for Pizza (01. Januar 2007)
Arrow (2008)

John Grisham: Playing for Pizza
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Rick Dockery ist ein ziemlich erfolglicher NFL-Quarterback. Nachdem er wieder einmal grandios versagt hat, verliert er seinen Job - und es sieht nicht so aus, als würde er je in einer anderen Mannschaft unterkommen können.

Schließlich nimmt er das Angebot einer italienischen Mannschaft an - und erlebt einen Kulturschock.

Schon für uns Mitteleuropäer können die anderen Länder der EU manchmal recht fremd erscheinen. Für einen US-Amerikaner ist Europa abseits der Haupt- und Großstädte wie ein anderer Planet. Und Grisham arbeitet die Unterschiede zwischen den USA und Italien deutlich heraus - sei es was die Größe der Autos angeht, sei es was das Essen oder die Zahl an Sehenswürdigkeiten angeht. Und seine Sympathien sind klar verteilt. Zunächst scheint vieles in Italien lächerlich und unverständlich, dann bildet sich immer mehr heraus, dass für Grisham und seinen Helden dieses andere Leben durchaus einen Reiz besitzt.

Auch wenn Grisham heftig abstreitet, sich an lebende Personen angelehnt zu haben, so bleibt festzustellen:

Die Parma Panthers* gibt es tatsächlich, genauso den italienischen Super Bowl.

Als loses Vorbild für Dockery hat wohl Mike Souza gedient, allerdings haben die Panther auch mit ihm den Super Bowl nicht gewonnen (jedenfalls nicht vor dem Erscheinen dieses Buches (erstmals schafften sie es 2010).

Nein, in diesem Buch geschieht nicht viel. Es gibt keinen Mord, keine Intrige. Es gibt nur einen Amerikaner in Parma. Und gerade das macht den kurzen Roman sehr lesenswert. Grisham beweist wieder einmal, dass er sehr viel mehr ist, als ein Thriller-Autor.


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The Racketeer


The Racketeer (23. Oktober 2012)
Dell (2013)

John Grisham: The Racketeer
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Malcolm Bannister ist ein Rechtsanwalt, der von einem übereifrigen Richter für 10 Jahre ins Gefängnis gesteckt wurde, obwohl er eher Opfer eines Betrügers als sein Komplize war.

Als ein Bundesrichter ermordet wird, sieht Bannister eine Möglichkeit, vorzeitig in die Freiheit zu kommen.

Natürlich ist das Buch spannend, natürlich liest es sich gut. Alles andere wäre bei Grisham auch verwunderlich.

Unterwegs hat er mich allerdings auch kurzzeitig verloren. Mir war nicht klar, warum Bannister sich unbedingt mit Nathan Cooley in Verbindung setzen wollte.

Und nach den ganzen Überraschungen am Ende des Romans ist für mich nicht klar, warum Bannister sich umoperieren ließ (was vorher Sinn machte, nachher jedoch nicht mehr).

The Racketeer ist sicher nicht Grishams bestes Buch. Lesefastfood von einem der besten Autoren Amerikas ist aber noch sehr gut.
Barb Saffers bebilderte Besprechung* des Buches ist zu empfehlen.

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Der Regenmacher


The rainmaker (01. April 1995)
Heyne (1999)

Rudy Baylor ist gerade dabei sein Studium abzuschließen, da wird er von einer Pechsträhne erwischt: Die Firma, für die er arbeiten sollte, wird aufgekauft und er ist der erste, der an die Luft gesetzt wird - noch bevor er die Chance hatte dort anzufangen. Endlich findet er eine neue Kanzlei, aber die ist nur an einem Fall interessiert, den er an Land gezogen hat. Dabei geht es um eine Versicherung, die einen Anspruch abgelehnt hat - mit der Folge, dass der Patient sterben wird.

Gut geschrieben (in Ich-Form), mit einem Helden, der einem zunehmend sympathischer wird.
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Der Richter


The summons (05. Februar 2002)
Heyne (2004)

Der Richter
Nach dem Tod seines Vaters, findet der Jura-Professor Ray Atlee im Haus mehrere Kartons voller Geld, das in den Papieren nirgends auftaucht. Anstatt das Geld dem Nachlass zuzuschlagen - und damit mit seinem alkoholabhängigen Bruder zu teilen - versteckt er es. Während er noch in Erfahrung zu bringen versucht, ob es sich vielleicht um Falschgeld oder markiertes Geld handelt, taucht ein Brief auf, der deutlich macht, dass noch ein anderer von diesem Geld weiß - und es für sich haben will.

Um ehrlich zu sein, ich hatte von Anfang den richtigen Verdacht, was den Tod des Richters angeht (und auch den richtigen Täter im Visier). Aber darauf kommt es auch gar nicht an. Grisham gelingt es über den ganzen Roman das Interesse an den Figuren aufrecht zu erhalten.

Es war reiner Zufall, dass ich diesen Roman nach Die Liste las (einen Roman, den Grisham noch vor Die Firma begonnen, dann aber beiseite legte und erst nach diesem Roman veröffentlicht hat). Deshalb waren mir Clanton (Missouri) und Harry Rex sofort vertraut, deshalb war mir alles vertraut. Ein netter Zug, Mr. Grisham. Gratuliere.
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Rogue Lawyer


Rogue Lawyer (20. Oktober 2015)
Dell (2015)

John Grisham: Rogue Lawyer
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Sebastian Rudd ist ein Anwalt, der die Fälle annimmt, die keiner sonst annehmen will.


In der ersten Geschichte ("Contempt") verteidigt er einen jungen Mann, der des Mordes angeklagt wurde. Die Polizei hat nichts gegen ihn in der Hand, will aber unbedingt diesen jungen Mann als Täter verurteilt sehen. Dafür wird gelogen und betrogen und das Recht bis kurz vor dem Bruch gebogen.

In der zweiten Geschichte ("The Boom Boom Room") bricht ein zum Tode verurteilter Verbrecher kurz vor seiner Hinrichtung aus. Rudd war nicht nur sein Verteidiger, er wird auch Zeuge des Ausbruchs.

In der dritten Geschichte ("Warrior Cops") stürmt die Polizei nachts das Haus eines unbescholtenen Bürgers, tötet dessen Frau und Hund, nur weil der Nachbarsjunge das ungeschützte WLAN für Drogendelikte missbraucht hat.

An dieser Stelle verliert man als Leser das Vertrauen in die Organe der Rechtspflege vollständig.

Chicago 1930 ist in den USA noch immer lebendig.

Gotham City, wie es in der Serie Gotham geschildert wird, scheint überall zu sein.

Bis zu diesem Punkt war ich davon überzeugt, dass Grisham mit diesem Buch eine Kurzgeschichtensammlung abgeliefert hat (was nichts Schlechtes ist).

Dann kommt "The Exchange". Und plötzlich laufen all die Fäden zusammen.

Die Tochter eines Polizisten wurde entführt. Bei Sebastian Rudd meldet sich ein Mann, der der Täter sein könnte. Er teilt ihm mit, wo die Leiche versteckt sein soll - und gibt später der Polizei bekannt, dass Rudd das weiß.

Daraufhin wird Rudds Sohn entführt ...

An diesem Punkt der Geschichte bin ich derzeit.

Der Fundort war eine Lüge. Rudds Auto wird Opfer eines Anschlags. Seine Lizenz als Rechtsanwalt ist in Gefahr, da er der Polizei (um seinen Sohn freizubekommen), den ihm im Vertrauen genannten Fundort genannt hat.

Gleichzeitig ist der Todeskandidat aus der zweiten Geschichte wieder wichtig geworden. Er fordert von Rudd eine Menge Geld zurück, die dieser nicht hat.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht.


In "U-Haul-Law" wird die Geschichte um den entführten Sohn aufgelöst. Der Entführer ist nicht die Person, die man zuerst in Verdacht hatte. Es bleibt plausibel, aber unheimlich. Rudds Ex-Frau setzt daraufhin ihren kleinen Privatkrieg gegen den ihren Ex-Mann fort.

Darauf folgt "The Plea". Der von Rudd geförderte Kampfsportler weigert sich, die von Rudd ausgehandelte und von allen Seiten akzeptierte geringe Bestrafung nach einem Schuldspruch anzunehmen. Er will unbedingt einen Freispruch erreichen, was ziemlich aussichtslos ist. Der Grund? Die Gespräche mit anderen Häftlingen, die alle kleine Rechtsexperten sind, hat ihn zu der Überzeugung gebracht, dass er nicht zurechnungsfähig war, als er den Schiedsrichter totschlug. Rudd ist gezwungen, eine Schlacht zu schlagen, von der er weiß, dass er sie schon zu Beginn verloren hat.

Als der Roman endet, hat Rudd eine neue Beziehung, er hat einen Hebel gegen die ständige Prozesshanselei seiner Ex-Frau und er hat die Erkenntnis bestätigt bekommen, dass "Verbrecher" nur ein Etikett ist, das davon abhängt, wer das Gehalt bezahlt (meine Worte, nicht Grishams).

Es fällt schwer, den Roman zuzuklappen und Rudd gehen zu lassen.

Grisham hat einen wirklich guten, lesenswerten Roman abgeliefert. Wen man vorher noch nicht am amerikanischen Rechtesystem zweifelte, tut man das spätestens hinterher.


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The Rooster Bar


The Rooster Bar (24. Oktober 2017)
Hodder (2015)

John Grisham: The Rooster Bar
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Mark, Todd und Zola sind Studenten einer Law School. Ihre Zukunftsaussichten sind nicht gut. Richtig bewusst wird Ihnen das, nachdem Zolas Freund, der unter einer bipolaren Störung leidet, aufgedeckt hat, dass ihre Law School Teil einer Organisation ist, die nur dazu dient, dem Staat Fördermittel zu entlocken. Dass die Zahl der erfolgreichen Abschlüsse an diesen Schulen extrem niedrig ist, stört anscheinend niemanden. Das ganze ist nicht illegal, aber hochgradig unmoralisch. Kurz danach begeht der Freund Selbstmord und wirft damit seine Freunde aus der Bahn.


Da sie keine Hoffnung haben, erst die Prüfungen, dann die Zulassung zu bestehen, geben sie die Schule auf und praktizieren ohne Zulassung - was ein Verbrechen ist.

Als sie zu gierig werden und einen lukrativen Fall annehmen, werden immer mehr Personen auf sie aufmerksam ...
An dieser Stelle bin ich im Moment.

Ich bin ziemlich erstaunt, dass Grisham schon kurz nach der Hälfte des Romans den Betrug platzen lässt. Irgendetwas muss noch kommen - und so wie es aussieht, hat es mit der Entdeckung des verstorbenen Freundes zu tun.

Grisham macht aus dem Roman keine Komödie. Die Sympathien liegen bei Mark, Todd und Zola, aber es besteht nie Zweifel daran, dass sie im Unrecht sind.


Abgesehen davon, dass Grisham die Bipolare Störung sehr eindringlich und nachvollziehbar beschreibt, gibt er Zola auch noch einen sehr politischen Hintergrund. Sie selbst ist in den USA geboren, aber ihre Eltern (und der Bruder) leben als Illegale im Land. Obwohl sie sie nie etwas zuschulde kommen ließen und sehr gut angepasst waren, werden sie eines Tages verhaftet und ihre Abschiebung wird vorbereitet. Nach 25 Jahren. In ein Land, zu dem sie längst keine Verbindungen mehr haben. In ein Land, für das sie Ausländer sind.

Grisham zeigt in dem Roman nicht nur, dass auch das Recht in den USA eine Industrie ist. Und er zeigt, wie unmenschlich manche Dinge (Abschiebungen) sein können, die auf dem Papier so einfach und nachvollziehbar aussehen.

Grisham zeigt wieder einmal, dass er nicht nur ein Thriller-Autor ist - sondern einer der besten Schriftsteller, die die USA derzeit haben.


So - jetzt weiter.

Es sah aus, als hätte Grisham seine Geschichte durch erzählt, tatsächlich kehrt er zum Anfang zurück und macht eine Gaunergeschichte daraus, von der man mal hofft, dass sie gut für die Protagonisten ausgeht, mal hofft, dass sie erwischt werden.

Außerdem führt er die Geschichte um die Ausweisung fort - und zeigt sehr deutlich, wie liederlich die USA mit Menschen umgehen, die nichts anderes getan haben, als zu arbeiten und Steuern zu bezahlen. An dieser Stelle gruselt es beim Lesen.

Abschiebungen sollte man sich wirklich nicht leicht machen, denn es geht um Menschen.

The Rooster Bar ist keiner der großen Romane Grishams, aber gute Unterhaltung liefert er allemal.


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Sycamore Row


Sycamore Row (22. Oktober 2013)
Hodder (2014)

John Grisham: Sycamore Row
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Der Millionär Seth Hubbard begeht Selbstmord. Zum Schrecken seiner Familie, hat er diese enterbt und fast sein gesamtes Vermögen seiner schwarzen Haushälterin Lettie Lang hinterlassen.

Wenn Sie sich im Internet umsehen, werden Sie zu diesem Roman vor allem die (zutreffende) Feststellung finden, dass Grisham hier mit den Personen aus seinem ersten Roman weiterarbeitet. Der Hinweis, dass es sich um die Fortsetzung handelt (der auf dem Cover des Buchs zu finden ist), ist nur teilweise richtig, da der Fall nichts mit dem Vorgänger zu tun hat. Nach dem Ende von Die Jury sind drei Jahre vergangen. Wir erfahren, wie es mit Jake Brigance und seiner Familie weitergeht. Wir begegnen einigen seiner Kollegen wieder. Aber es ist nicht so, als wäre dies das erste Mal, das Grisham zu Figuren seines Erstlings zurückkehrt. Wenn Sycamore Row eine Fortsetzung von Die Jury, dann ist Der Richter eine Fortsetzung von Sycamore Row, denn in Der Richter tauchen Figuren auf, die in diesem 10 Jahre später entstandenen Roman eine Rolle spielen.

Da Grisham die Romane nicht in der Reihenfolge ihres Erscheinens spielen lässt, macht er es sich selbst ziemlich schwer. Aber es soll anderen überlassen bleiben, die Widersprüche und Fehler in diesem Durcheinander aufzuzeigen. Es wird kommen, da bin ich ganz sicher, denn niemand kann drei derart dicke Wälzer schreiben, ohne irgendwelche Fehler zu begehen. Vielleicht sind es nur Kleinigkeiten, aber sie werden vorhanden sein.

Im Moment bin ich mitten in der Lektüre.

Grisham zeichnet wieder einmal sehr realistische Charaktere, die nicht nur eine Funktion erfüllen, sondern wirklich zu leben scheinen. Noch immer ist er hauptsächlich ein Beschreiber, aber Grisham ist als Autor in den letzten Jahren stark gewachsen. Inzwischen gibt es auch längere Dialoge. Wer Grisham nur als Thriller-Autor sieht, tut ihm unrecht. Er greift soziale Probleme auf und bezieht klar Stellung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er in Mississippi ein wohlgelittener Mann ist.


Die Personen stimmen, die Handlung stimmt auch. Grisham schiebt noch einige Überraschungen ein (in dem Jakes Gegner Wade Lanier nach Perry Mason-Manier Überraschungszeugen in den Prozess einbringt), aber letztlich plätschert die Geschichte vor sich hin.

Jede Figur hat negative Seiten - nur Jake nicht, was hin und wieder bemängelt wird. Letztlich ist Jake der einzige anständige Anwalt in dem Roman. Hätte er irgendwelche negativen Seiten, würde das den ganzen Berufsstand als Säufer, Trickser und Verbrecher brandmarken. Grisham blieb gar nichts anderes übrig, als Jake anständig bleiben zu lassen.

Relativ früh im Roman wird angedeutet, dass Seth und sein Bruder in ihrer Kindheit irgendetwas erlebt haben, das sie schockiert man. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass das ein Lynchmord an einem Schwarzen gewesen sein könnte. Grisham löst das recht spät auf, aber zu diesem Zeitpunkt ist man sich als Leser völlig sicher - und wird bestätigt.

Der Roman endet wie erwartet.


Ein gesellschaftskritischer Roman, der das Leben im Süden der USA und das Gerichtssystem portraitiert. Über lange Strecken vorhersehbar.

Lesefutter - aber weit davon entfernt Grishams bestes Buch zu sein.
Barb Saffers bebilderte Besprechung* des Buches ist lesenswert.

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The testament / Das Testament


The testament (02. Februar 1999)
Arrow (1999)/Heyne (2001)

Grisham: Testament Grisham: Testament
Ein alter Mann springt, gleich nachdem er sein Testament geändert hat, aus dem 13. Stock in den Tod. Obwohl es zahlreiche Exfrauen, Kinder und auch Enkelkinder gibt, soll eine uneheliche Tochter Alleinerbin seines immensen Vermögens werden. Sie lebt im brasilianischen Regenwald - als Missionarin.

Anwalt Nate O'Riley, der zum wiederholten Mal eine Entziehungskur hinter sich hat, bekommt den Auftrag sie zu suchen.

Ein wundervolles Buch, mit gelungenen Figuren. Nates Kampf gegen den Alkohol wird sehr realistisch geschildert. Und diesmal hab ich sogar mit dem Ende kein Problem.



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Theodore Boone: Kid Lawyer


Theodore Boone: Kid Lawyer (01. Januar 2010)
Hodder (2011)

John Grisham: Theodore Boone - Kid Lawyer
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Theodor Boone ist der 13jährige Sohn eines Rechtsanwalts und einer Rechtsanwältin. Für ihn gibt es nichts interessanteres als die Juristerei.

Als in seiner Heimatstadt ein Mord verhandelt werden soll, ist Theo natürlich interessiert - und bald der einzige, der weiß, dass der Angeklagte allem Anschein zum Trotz wirklich schuldig ist.

Natürlich: ein spannender Thriller, der vorgeblich als Zielgruppe Teenager hat.

Als Figur ist mir Theodore zu eindimensional. Er ist zu brav, zu sehr Abklatsch seiner Eltern, als dass er realistisch wirken könnte. Zuviel Timmy (ohne Lassie, auch wenn ein Hund vorhanden ist). Grisham hat schon bessere Kindercharaktere entworfen.

Nicht sein bestes Buch, aber gute Unterhaltung.

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Theodore Boone: The Abduction


Theodore Boone: The Abduction (09. Juni 2010)
Hodder (2012)

John Grisham: The Abduction
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Der zweite Fall für Theodore Boone.

Eine Mitschülerin verschwindet mitten in der Nacht aus ihrem Zimmer.

Verdächtig wird ein entfernter Cousin des Mädchens, der kurz zuvor aus dem Gefängnis ausgebrochen ist.

Theodore ist davon überzeugt, dass das Mädchen noch lebt und organisiert die Suche nach ihr.

Man merkt, dass es Grisham stellenweise schwer fällt, sich daran zu erinnern, dass das Buch für Jugendliche gedacht ist. Viel würde nicht fehlen und das wäre einer seiner Thriller für Erwachsene. Ein durchaus gelungenes Buch.


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Theodore Boone: The Scandal


Theodore Boone: The Scandal (01. Januar 2016)
Hodder (2016)

John Grisham: The Scandal
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Der sechste Fall für Theodore Boone.

April, eine Mitschülerin Theos, erfährt, dass bei Schulprüfungen durch Lehrer Ergebnisse geändert wurden, wodurch sie und Theodore knapp den Einzug in die Spitzengruppe verfehlten. Sie macht eine anonyme Meldung, die zu einer Untersuchung gegen einige Lehrer führt ...


Das sieht zunächst nach einer klaren Geschichte aus, aber schließlich wird immer deutlicher, dass die Lehrer nicht aus Bosheit oder Geldgier gehandelt haben, sondern um Benachteiligungen auszugleichen.


Natürlich ist es etwas problematisch, wenn ein Erwachsener (Grisham war bei Veröffentlichung) über Kinder schreibt, noch dazu, wenn er ihr Verhalten in der Schule aufzeigt. Verhalten sich Kinder heute so, wie wir es damals taten? Sicher nicht. Wir hatten keine Handys, kein Internet, kein Hiphop, kein ... was weiß ich. Es mag sein, dass Grisham sich in Details im Verhalten von heutigen Kindern/Jugendlichen Schnitzer erlaubt. Aber eine Kritik wie die von Robin* (kein echter bzw. voller Name, kein Foto, nur eine Zeichnung) disqualifiziert sich durch einen Bezug auf die 40er Jahre (die Grisham nicht aus eigener Erfahrung kennt - er ist Jahrgang 1955) selbst.


Das nennt sich ein Jugendbuch, aber letztlich ist es ein origineller Krimi, der ein Problem (nicht nur) im amerikanischen Schulsystem offenbart und die Klasse von John Grisham deutlich zeigt.


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Das Urteil


The runaway jury (01. Januar 1996)
Heyne (1998)

Ein aufsehenerregender Prozess. Wir erleben alles mit - von der Auswahl der Geschworenen bis zum Urteil. Sehr, sehr spannend geschrieben, leider ähnelt der Schluss dem von The firm.

Wenn die Deutschen nicht ständig neue, vom Original abweichende Titel erfinden würden, hätte dieser wohl zutreffend Die Jury heißen können.
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Der Verrat


The street lawyer (16. Februar 1998)
Heyne (2000)

Michael Brock ist ein erfolgreicher Anwalt, als er (zusammen mit einigen Kollegen) von einem Obdachlosen als Geisel genommen wird. Nachdem die Polizei dem Schrecken ein Ende bereitet hat, sucht Michael die Gründe für die Tat. Er lernt eine Frau mit mehreren Kindern kennen, die am nächsten Morgen alle tot sind. Michael stellt fest, dass die Familie und der Geiselnehmer in einem Haus gewohnt haben, das seine Anwaltsfirma widerrechtlich räumen ließ...

In Ich-Form geschrieben, sehr spannend, für den Durchschnittsamerikaner wohl auch recht lehrreich. Nicht ganz so gut wie Die Kammer, aber nicht weit davon entfernt. Dem Ende ist noch ein überflüssiges Kapitel hintenangestellt, das aber (anders als in Der Partner), den Roman nicht ruiniert.

Grisham ist inzwischen weit mehr als ein Thriller-Autor.
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The Whistler


The Whistler (25. Oktober 2016)
Hodder (2017)

John Grisham: The Whistler
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Es beginnt mit einer Richterin, die sich kaufen ließ, um ein Casino auf Indianer-Territorium zu ermöglichen.

Lacy Stoltz arbeitet für das Board of Judicial Conduct. Sie soll die Sache untersuchen. Doch bald stellt sich heraus, dass das Casino mit dem organisierten Verbrechen zusammenhängt. Und dort versteht man keinen Spaß. Lacy wird in einen Autounfall verwickelt, bei dem ihr Partner ums Leben kommt ...


Man erfährt wieder einmal sehr viel über das Rechtssystem USA. Grisham gibt Einblick in die Welt der Indianer-Casinos und er erklärt, wie Geldwäsche funktioniert.

Im letzten Drittel wechselt er über eine längere Strecke die Erzählperspekive von Lacy zum FBI, bekommt dann aber doch noch die Kurve, um zu ihr zurückzukehren.


Zur Hochform läuft Grisham auf, als er den Hintergrund des Autovorfalls aufklärt. Die vor Ort verantwortlichen sind keine eiskalten Killer sondern auch sie wurden von Angst um ihre eigene Existenz getrieben und schalteten aus lauter Egoismus die Empathie für die ihnen unbekannten Opfer aus.


Ein routinierter Grisham, recht kurz (denn die etwas mehr als 400 Seiten werden durch große Zeilenabstände und 42. Kapitel, die erst in der Mitte der Seite beginnen erzeugt). Lesenswert. Wie immer kann man das Buch kaum aus der Hand legen.

Ich hab das Buch 2017 bei Oxfam in Oxford gekauft.


Barb Saffers bebilderte Besprechung* des Buches ist zu empfehlen.

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