Crichton, Michael

Michael Crichton
Wie so manch anderer bin ich über Jurassic Park zu diesem Autor gelangt. Seither lese ich alles, was ich von ihm in die Hände bekomme. Wie bei John Grisham kann es jedoch sein, daß ich mich monatelang nicht überwinden kann, ein neues Buch anzufangen - aber wenn ich mich dann mal entschlossen habe, lese ich es sehr schnell. Bisher hat Crichton mich nur einmal enttäuscht.

23.10.1942 (Chicago) - 04.11.2008 (Los Angeles)
Jahr
Originaltitel
Deutscher Titel

1966Odds On *Die Liebesfalle *
1967Scratch One *Heiße Ware *
1968Easy go *Millionenraub am Nil *
1968A case of need **Die Intrige **
1969Venom business *Venom business *
1969Zero cool *Zero cool *
1969The Andromeda StrainAndromeda
1970Grave Descend *Mordtaucher vor Jamaika *
1970Drug Of Choice *Die Teufelsdroge *
1970Five PatientsFünf Patienten/Notaufnahme
1972Binary *Giftglocke über San Diego *
1972The Terminal ManEndstation
1976Eaters of the Dead/The 13th WarriorDie ihre Toten essen/Schwarze Nebel/Der 13te Krieger
1979The Great Train RobberyDer große Eisenbahnraub
1980CongoExpedition Kongo
1987SphereDie Gedanken des Bösen
1987TravelsIm Kreis der Welt
1990Jurassic ParkDino Park
1992Rising SunNippon Connection/Die Wiege der Sonne
1993DisclosureEnthüllung
1995Lost WorldVergessene Welt
1996AirframeAirframe
1996TwisterTwister
1999TimelineTimeline
2002PreyBeute
2004State of fearWelt in Angst
2007NextNext
2009Pirate LatitudesGold

  * als John Lange
** als Jeffrey Hudson

Airframe

Airframe (1997)
Goldmann (1999)

Ein Flugzeug stürzt ab. Die Untersuchung steht
- wegen eines in Aussicht gestellten Geschäftsabschlußes
- unter enormen Zeitdruck.

Crichton ist ein dichter Roman, schneller, kurzweiliger Roman gelungen, der nicht einen Moment langweilig ist. Es gelingt ihm, die Spannung aufrecht zu erhalten, obwohl er mehrmals die Perspektive wechselt. Die Hauptpersonen sind glaubhaft charakterisiert, und sie könnten kaum unterschiedlicher sein.

Vielleicht Crichtons bestes Buch.


Andromeda

The andromeda strain (1969)
Knaur (1969)

Ein spannender, sehr wissenschaftlicher Roman, der noch nicht nach dem Westworld-Schema geschrieben ist. Man wird förmlich in die Handlung hineingezogen.

Es ist Crichton hoch anzurechnen, daß er keinen feindlichen Spion eingebaut hat - oder etwas anderes, was die Story zu einem Krimi gemacht hätte, der sich vielleicht besser verkauft hätte.


Beute (Prey)

Prey (2002)
Karl Blessing (2006)

Crichton: Beute
Ein gefeuerter Programmierer wird von seiner Firma zurückgeholt, weil eines deren Produkte bei einer Firma für Nanotechnologie (in deren Firmenleitung ausgerechnet seine Ehefrau ist) Ärger macht.

Die Recherche ist umfangreich (vier Seiten Quellenangaben) und trotzdem, es knirscht im Gebälk. Die kleinen Problemverursacher sind zu klein, die Verbindung mit Bakterien zu weit hergeholt. Und als von Piezoeffekt in Zusammenhang mit einer Energiequelle die Rede war, hab sogar ich gestutzt (den Piezoeffekt kennt man von Tintenstrahldruckern. Mir wäre noch nicht aufgefallen, daß die dadurch Energie gewinnen).

Gut ist der Anfang, die alltäglichen Leiden eines gezwungenermaßen Hausmannes.

Dann jedoch greift Crichton tief, tief in seinen Romanbaukasten. Es läuft ab, wie man es von ihm gewohnt ist. Man kann fast die schon vorhersagen, wer in welcher Szene stirbt. Es gibt keine Überraschung, keine nicht vorhersehbare Wendung.

Oh, es liest sich gut, es macht Spaß, aber es ist weit von der Qualität von Airframe oder Enthüllung entfernt.





A case of need

A case of need (1968) - als Jeffrey Hudson

Signet
Ein Frühwerk, das unter Pseudonym veröffentlicht wurde. Sehr spannend. Braucht sich hinter den anderen Romanen nicht zu verstecken.


Congo

Congo (1980)
Knaur (1995)

Sie kennen den Film? Vergessen Sie ihn.

Wie meistens bei Crichton ist das Buch um Klassen besser.

Im Kongo (schreibt man auf Deutsch nunmal mit K und nicht mit C) wird eine alte Stadt entdeckt, die von mehr oder weniger intelligenten Gorillas bewacht wird.

Der eigentlich Plot ist - auch das ein Crichton-Kennzeichen - oftmals so banal, daß man ihn schon -zigfach irgendwo gelesen hat. Das Drumherum macht den Unterschied. Und da macht niemand Crichton etwas vor.


Die ihre Toten essen

Eaters of the dead (1976)
Knaur (1994)

Furchtbar!

Langweilig und brutal. Wenn nicht Crichton draufstehen würde, käme man nicht auf die Idee, daß er das verbrochen haben könnte.

Sein schlechtestes Buch. Kaum noch zu unterbieten.


Dino Park

Jurassic Park (1990)
Knaur (1993)

Mein erster Crichton. Erst nach dem Film gekauft. Den Film habe ich werweißwieoft gesehen. Trotzdem: Das Buch ist besser. Viel besser.

Im Gedächtnis ist eine Szene geblieben, die keinen Eingang in den Film gefunden hat: Nach der Zerstörung des Parks bleiben in einer Höhle einige Kleinsaurier zurück und richten sich alle in eine Richtung aus.


Endstation/Twister

Terminal (1972) / Twister (1996)
Goldmann (2001)

Crichton: Endstation/Twister
Bei Twister handelt es sich nicht um eine Roman sondern um ein Drehbuch, das Crichton auf Anregung und unter Mitarbeit von Anne-Marie Martin (*1. November 1957, Toronto [Kanada]), seiner Ehefrau von 1997-2002, geschrieben hat.

Eine recht einfache Konstellation: Ein Metereologe, der sich scheiden lassen will, seine Frau, ebenfalls Metereologin und seine neue Lebensgefährtin, geraten in ein Wirbelsturmgebiet. Je stürmischer das Wetter wird, desto stürmischer wird auch das Dreieck, bis zum Schluß, nichts mehr ist, wie es einmal war.

Das Drehbuch liest sich gut, von vorne bis hinten. Ich kenne den Film nicht, aber er wird wohl eher schlechter als besser sein.




Endstation

Terminal (1972)
Goldmann (1998)

Harry Benson leidet seit einem schweren Autounfall und Aggressionsschüben. Er stellt sich für eine innovative Gehirnoperation zur Verfügung, bei der ihm Elektroden eingepflanzt werden, die ihm bei einem beginnenden Schub einen elektrischen Impuls verpassen sollen, der dem Anfall entgegenwirken soll.

Viel zu spät stellt sich heraus, das Benson ein Psychotiker ist ...

Ein typischer Crichton, wie immer sehr spannend, wie immer sehr gut geschrieben und wie immer - auch wenn einiges von der Zeit überholt wurde - noch immer aktuell.


Enthüllung

Disclosure (1993)
Knaur (1995)

Michael Crichton: Enthüllung
Tom Sanders macht sich Hoffnung auf einen Aufstieg. Da wird ihm völlig überraschend eine frühere Liebschaft als Vorgesetzte vor die Nase gesetzt. Am ersten Abend trifft er sich zu einer Geschäftsbesprechung in ihrem Büro - und wird von ihr gegen seinen Willen zum Sex verführt. Gerade noch im letzten Moment gelingt es ihm, die Geschichte zu beenden.

Am nächsten Tag wird er beschuldigt, sie belästigt zu haben. Er nimmt den Kampf um seine Ehre auf - und Stück für Stück wird klarer, daß der Vorfall von langer Hand geplant war.

Crichton wurde kritisiert, weil er einen Mann in die Opferrolle schreibt. Ich bin aber seiner Meinung: Dadurch wird sehr viel deutlicher, wie fies so etwas ist, als wenn eine Frau an seiner Stelle gewesen wäre, der man von vorneherein die Rolle des Opferlamms zugetraut hätte.

Von der ersten bis zur letzten Seite sehr spannend und wie fast jeder Crichton sehr gut zu lesen.


Fünf Patienten

Five Patients (1970)
Knaur (1995)

Kein Roman. Eine Sammlung von Berichten und Betrachtungen. Der Titelhinweis auf E.R. Emergency Room ist natürlich in erster Linie zu Zwecken der Verkaufsförderung angebracht. Tatsächlich hat die Fernsehserie nichts, aber auch überhaupt nichts mit diesem Buch zu tun.

Interessant und lesenswert.


Die Gedanken des Bösen

Sphere (1987)
Rororo (1988)

Crichton
Im Meer wird ein Raumschiff gefunden, das ca. dreihundert Jahre alt sein muß. Eine Gruppe von Wissenschaftlern wird zur Untersuchung hinuntergeschickt und entdeckt die kaum vorstellbare Wahrheit.

Sehr spannend, auch wenn man recht bald ahnt, worauf das hinauslaufen könnte.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, Crichton würde Teile von Andromeda wiederholen, aber mehr als ein Ansatz ist nicht vorhanden.

Der Film - obwohl prominent besetzt - reicht nicht im entferntesten an das Buch heran.


Der große Eisenbahnraub

The great train robbery (1975)
Knaur (1994)

Crichton
Kaum zu glauben, aber ich habe den Roman gelesen (nach Dino Park selbstverständlich), bevor ich den Film gesehen habe.

Eindrucksvoll und spannend. Man spürt die gute Recherche auf jeder Seite. Glücklicherweise konnte Crichton den Roman selbst verfilmen.


Im Kreis der Welt

Travels (1988)
Wunderlich (1991)

Michael Crichton: Im Kreis der Welt
Reiseberichte.

Zuerst dachte ich: "Das beste Buch, das ich von Crichton je gelesen habe." Dann kamen die Reisen ins Innere, Crichtons Berichte zur Hellseherei, zu Auren, zur Teufelsaustreibung und ich dachte: "Was für ein Spinner!"

Am Ende weist Crichton selbst darauf hin, daß das seine Erfahrungen waren - nichts allgemein Verbindliches. Daß es sich um seine subjektiven Erlebnisse handelt, die andere wahrscheinlich nicht nachvollziehen können.

Nun ja.

Die Reiseberichte und seine Erinnerungen zum Tod seines Vaters sind hervorragend.

Ärgerlich: die deutsche Ausgabe ist laut Impressum leicht gekürzt - was immer das heißen mag.


Next

Next (2006)
Harper (2007)
Michael Crichton: Next vergrößern
Mehrere Geschichten, die anfänglich nur eine Gemeinsamkeit haben: Gentechnik und ihre Folgen.

Schließlich schiebt sich immer mehr die Patentierung von Genen und die rechtlichen Folgen hiervon in den Vordergrund.

So nach und nach laufen alle unterschiedlichen Erzählstränge auf einen gemeinsamen Punkt zu.

Eines der besten Bücher von Crichton, weil er zeigt, daß er sein Handwerk beherrscht, auch dann wenn er nicht auf sein übliches Schema zurückgreift. In den USA haben einige seiner Thesen dazu geführt, daß Gesetzgebungsverfahren eingeleitet wurden.

Leider sein letztes Buch, das zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde.

Unbedingt zu empfehlen.




Nippon Connection

Nippon Connection (1993)
Rising sun (1992)

Michael Crichton: Nippon Connection
Ein Who-Dunnit.

Während der Einweihungsfeier eines neuen Wolkenkratzers der Firma Nakamoto, wird eine junge Frau ermordet. Der Mord wurde gefilmt, aber als die beiden Ermittlungsbeamten die Überwachungsbänder einsehen wollen, sind diese verschwunden ...

Immer wenn man denkt, das wäre es jetzt, zieht Crichton ein neues Kaninchen aus dem Hut. Ein wunderbares Buch.

Und dabei gelingt es Crichton auch noch, die Unterschiede zwischen der amerikanischen und der japanischen Wirtschaftskultur herauszuarbeiten. Man kann das als anti-japanisch sehen, dem bin ich aber nicht bereit zu folgen. Unterschiede zu benennen per se ist nicht rassistisch, ganz im Gegenteil, im anderen nur das Eigene wiederfinden zu wollen und zu akzeptieren ist rassistisch.

Beim Schreiben soll Crichton für John Connor Sean Connery vor Augen gehabt haben (der ihn dann auch im Film verkörpert hat).

Wesley Snipes ist ein guter Schauspieler, aber Peter J. Smith war nun mal nicht als Schwarzer angelegt. Daß Crichton wegen dieser Änderung sauer war, kann ich gut nachvollziehen.


Pirate latitudes

Pirate latitudes (2009)
Harper (2010)

Michael Crichton: Pirate Latitudes vergrößern
Captain Hunter soll im Auftrag des Jamaikanischen Gouverneurs die Festung auf der Insel Matanceros angreifen, vor der ein mit Schätzen beladenes, spanisches Schiff vermutet wird.

Es ist wie immer bei Crichton: Eine Mannschaft aus Spezialisten wird zusammengestellt - und natürlich verläuft alles nicht so, wie die planende Person sich das vorstellt.

Das Buch wurde nach Crichtons Tod auf seinem Computer entdeckt. Man kann davon ausgehen, daß Crichton es noch nicht als vollendet angesehen hat. Einiges scheint nur angerissen, anderes scheint aus der Klischeekiste für Piratenfilme/-comics entnommen zu sein. Erst nach dem Überfall gewinnt die Geschichte eigenes Format (und sie endet anders als die meisten anderen Crichton-Bücher).

Verstehen Sie mich nicht falsch: Das Buch ist gut geschrieben, lesbar, voller Informationen, aber die Personen scheinen mitunter etwas flach. Für Komplettisten - und für Leute, die gern Bücher über Piraten lesen.




State of fear

State of fear (2004)
Harper (2005)
Michael Crichton: State of fear vergrößern
Crichton zum Thema Erderwärmung. Ein langes, aber nicht langweiliges Buch. Ein Buch, das nicht seinem Westworld-Schema folgt, ein Buch, das zum Ende hin immer mehr an James Bond erinnert, ein Buch, in dem Crichton über weite Strecken doziert statt zu erzählen. Ein Buch, in dem nicht klar ist, wer der Protagonist ist. John Kenner, Wissenschaftler und Geheimagent oder Peter Evans, Rechtsanwalt und die dem Leser aufgezwungene Identifikationsfigur.

Die Figur John Kenner läßt die Anhänger der These von der globalen Erwärmung sprechen und nimmt sie mit einem in diesem Moment nicht zu widerlegenden Faktenwissen auseinander. Da auf deren Seite keine Wissenschaftler zu Wort kommen, steht er alleine da, wie ein Laie, der unvermittelt einem geübten Verkäufer oder einem Politiker gegenübersteht und die Gegenargumente natürlich nicht greifbar hat. Ein semantischer Trick, mehr nicht.

Nein, es ist nicht Crichtons bestes Buch, dazu verrennt er sich in zu viele abstruse Thesen, die einen erschrecken könnten, wenn Crichton sich nicht bereits in Im Kreis der Welt als ziemlich merkwürdig angehauchter Zeitgenosse enttarnt hätte.

Nicht das Buch, das ich einem Chrichton-Neuentdecker empfehlen würde, aber auch nicht nur für Komplettisten.



Gedanken während der Lektüre

Timeline

Timeline (1999)
Goldmann (2002)

Crichton
Dem Industriellen Dorniger ist es gelungen eine Zeitmaschine zu bauen. Johnston, ein von Dorninger bezahlter Archäologe, reist in die Vergangenheit. Da der Kontakt zu ihm verloren geht, wird ein Rettungsteam hinterher geschickt. Kaum im Frankreich des Jahres 1347 angekommen, geraten sie bereits in Lebensgefahr.

Grisham weist (phantastische) Möglichkeiten der Quantenmechanik auf und führt den Leser in die Geschichte des Mittelalters ein. Ein wirklich gelungener, wenn auch sehr brutaler Roman, den man nicht aus der Hand legen kann.

Aber ...

Aber ...

Aber ...

Es ist ein typischer Crichton, der nach dem Westworld-Prinzip aufgebaut ist. Beim nächsten Mal bitte etwas mehr Phantasie beim Storyaufbau, Mr. Crichton.


Vergessene Welt
Jurassic Park II

The lost world (1995)
Knaur (1997)

Crichton
Fortsetzung von Jurassic Park.

Es ist immer heikel zu einem in sich abgeschlossenen Buch eine Fortsetzung zu schreiben. Dies umso mehr, wenn das Buch enorm erfolgreich verfilmt wurde.

Ich habe Verlorene Welt im Kino gesehen - und war maßlos enttäuscht. Es war nur eine Achterbahnfahrt, nur auf Schockeffekte aus. Besonders übel fand ich den T-Rex in der Stadt. Godzilla und King Kong ließen grüßen. Das war weder originell noch spannend. Es war nur blöd.

Aus diesem Grund ging ich mit sehr viel Skepsis an das Buch heran.

Crichton ließ Ian Malcom auferstehen, dafür schaffte er Hammond ab (den Spielberg wiederbelebte). Man weiß von Anfang an, worauf es hinausläuft. Trotzdem schafft es Crichton Spannung zu erzeugen und einen Ansatzpunkt zu finden. Diesmal ist es nicht das Wiederaufstehen der Dinosaurier sondern deren Aussterben.

Das ganze erfolgt wieder in der für Crichton typischen, spannenden, lehrreichen Weise. Herausgekommen ist nicht sein bestes, aber zumindest ein lesenswertes Buch, das sehr viel besser ist als der Film (und bevor Sie fragen: Nein, Dinosaurier spielt King Kong oder Godzilla gibt es hier nicht - glücklicherweise).



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