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Robert C. O'Brien

Frau Frisby und die Ratten von Nimh

Mrs. Frisby and the rats of Nimh (1971)
Ravensburger (1977)
Mit Zeichnungen von Zena Bernstein.

O'Brien
Tim, der Sohn der verwitweten Mrs. Frisby, ist krank. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an die Ratten. Merkwürdigerweise scheint es einen Zusammenhang zwischen ihrem verstorbenen Mann und den Ratten von Nimh gegeben zu haben, von dem sie bislang nichts wusste.

Das Buch wurde vielfach ausgezeichnet, dürfte trotzdem weitgehend unbekannt sein. Wurde verfilmt als Mrs. Brisby and the secret of Nimh, da der Name Frisby inzwischen anderweitig geschützt worden war. Der Film von Don Bluth dümpelt weitgehend unbeachtet im Kinderprogramm herum, obwohl er sich vor Disney-Filmen wirklich nicht zu verstecken braucht (im Gegensatz zu den meisten anderen Don Bluth-Filmen).
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Peter O'Donnell


Bill O'Neal

Billy the Kid und seine Brüder

Fischer
Personen-Lexikon.

O'Neal
Wer sich für den Wilden Westen interessiert, braucht dieses Buch. 255 Revolverhelden werden vorgestellt - mit Lebenslauf und Bericht über ihre Gunfights. Einige Fotos.
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Emmuska Baroness Orczy

Scarlet Pimpernel

The Scarlet Pimpernel (1902)
Fischer (1975)

* 23. September 1865; † 12. November 1947 (Henley-on-Thames)

Mehr von Orczy hier und hier.


orczy
1792 - Ein geheimnisvoller Maskierter schmuggelt bedrohte französische Aristokraten nach England. Um ihn zu fangen, bedient man sich der schönen Lady Blakeney, der Frau eines belächelten Lords...

Dieser zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr populäre Roman nimmt vieles vorweg, was später zum Standardrepertoire der Superhelden wurde (vor allem Batman).

Noch immer lesbares, unterhaltsames Buch.
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George Orwell

1984

1984 (1948)
Diana (1964)
Eric Blair
25.06.1903 (Motihari (Indien)) - 21.01.1950 (London)

George Orwell: 1984
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Winston Smith, ein ganz normaler Angestellter, gerät in die Fänge der Überwachungsbehörden und muss erkennen, was den Staat zusammenhält. Nur nützt es ihm nichts mehr.

Eine negative Utopie, die sich glücklicherweise nicht bewahrheitet hat - oder etwa doch?

Selbst wer sich nicht für SF interessiert, hat von diesem Roman bereits gehört. Einer der wenigen Genre-Romane, der - meiner Kenntnis zufolge - immer in den allgemeinen Reihen der Verlage auftaucht.


Der obige Text stammt aus dem Jahr 2001. 2019 habe ich das Buch erneut gelesen.

Zum einen fällt auf, dass der Verlag zwei Todesdaten für Orwell angegeben hat: auf dem Rückumschlag den 23.01.1947, in einem Text im Inneren des Buches den 23.01.1950. Wikipedia nennt den 21.01.1950, ich hatte bis eben oben den 21.01.1947 stehen. Keine Ahnung, woher ich das damals hatte.

Zum anderen glaubt man, 35 Jahre nach 1984 das Buch in und auswendig zu kennen, selbst wenn man es seit Ewigkeiten nicht mehr (oder noch nie) gelesen hat. Es gibt Filme, es gibt Hörspiele, immer wieder wird über Orwell und sein Buch in irgendeinem Zusammenhang geschrieben.

Wenn man es dann doch liest, entdeckt man ein Buch, das alles ist, was man erwartet - und doch anders.

Natürlich ist es die Geschichte von Winston Smith, der Julia ohne Nachnamen und von O'Brien.

Smith ist Angestellter im Ministerium für Wahrheit. Er glaubt sich von anderen zu unterscheiden, da er ein Gedächtnis besitzt und sich und seine Arbeit durchaus kritisch sieht. Zwei Personen fallen ihm immer wieder auf: eine junge Frau, die er ohne je mit ihr gesprochen zu haben, bis aufs Blut hasst und O'Brien, den er für einen Verbündeten und Gleichgesinnten hält. Auch wenn Winston ansonsten ein guter Beobachter ist, gehört Menschenkenntnis nicht zu seinen Stärken.

Obwohl Winston sich von Julia nicht angezogen fühlt, entsteht eine sexuelle Beziehung, die zum Scheitern verurteilt ist, sobald O'Brien aktiv in das Leben der beiden eintritt. Letztlich ist O'Brien dann für Winstons Umerziehung verantwortlich.


1984 ist als der Roman bekannt, der den Überwachungsstaat ausformuliert hat. Vieles von dem, was wir hier beschrieben finden, ist heute in unserer Welt fast alltäglich, ohne dass das von einem Großteil der Bevölkerung kritisch gesehen wird. Die Überwachung findet ja nicht durch den Staat statt, beruhigen sie sich. China lebt den Überwachungsstaat fast perfekt vor - und überall auf der Welt gibt es Technokraten, die sich für Teilaspekte begeistern können - solange sie nicht selbst davon betroffen sind.

Ein anderer Aspekt des Romans wird kaum thematisiert. Die Bevölkerung Ozeaniens (und wahrscheinlich auch die der anderen beiden Machtblöcke) wird arm gehalten. Wer arm ist und jeden Tag um das Überleben kämpfen muss, hat nicht genügend Kraft, um das herrschende System zu hinterfragen.

Ozeanien muss in einem Dauerkrieg nach außen sein, um nach innen Verbundenheit zu erzeugen. Es muss die Leute arm halten, um ihnen lange Arbeitszeiten abnötigen zu können. Es muss Freizeit verknappen, um die Möglichkeit des Austausches von Gedanken zu nehmen. Und es muss verhindern, dass die Bevölkerungszahl zunimmt, um wirklich alle Personen in Arbeit halten zu können.


Orwell gelingt es, den Leser immer tiefer in das System des Großen Bruders, der letztlich nur eine Chiffre für die herrschende Partei ist, zu ziehen. Mit der lange zitierten Schrift von Emmanuel Goldstein, liefert Orwell die Außensicht auf das System und überzeugt den Leser, dass dies eben nicht nur Fiktion, sondern eine realistische Entwicklungsmöglichkeit ist, deren Anfänge mehr oder weniger deutlich sichtbar sind.


Orwells Utopie ist inzwischen 80 Jahre alt. Sie ist dadurch aber nicht in das Reich der Unmöglichkeit abgewandert. Ganz im Gegenteil. Trump, Johnson, Erdogan, Putin, Orban und wie sie alle heißen, zeigen dass Teile von Orwells Vision heute noch aktuell und bedrohlich wirklich sind.

Ein beängstigend aktueller, noch immer lesenwerter Roman.


1977 wurde eine Hörspielfassung des Romans verfasst. Die Sprecher sind hervorragend (Ernst Jacobi, Dieter Borsche, Helmut Käutner und viele andere) - allerdings weiß der Regisseur Manfred Marchfelder damit nichts zu anfangen. Die Texte werden manchmal wie von Schlafwandlern gesprochen. Lustlos. Uninspiriert. Uninteressiert. Das war damals im Bereich Hörspiel nicht unüblich, zerstört aber jedes noch so gute Manuskript, da der Hörer nicht in die Handlung hineingezogen wird.

Als Winston und Julia erwischt werden, wird das Hörspiel keinen Moment der darin liegenden Dramatik gerecht. Angela Winkler ist als Julia (hier: Julia Gordon) so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich mir nach der Lektüre unter Julia vorgestellt habe. Das Hörspiel ist zwei Stunden lang, nimmt sich (Bearbeitung: Christoph Gahl) unnötige Freiheiten (beim ersten Treffen mit O'Brien ist Julia nicht anwesend, Charrington ist tatsächlich ein alter Mann, statt wie bei Orwell ein junger Mann, der sich verkleidet hatte - was durchaus unterstreicht, dass nichts in Ozeanien so ist, wie es zuerst scheint). Im zweiten Teil werden die Szenen umgestellt. Orwell hat (wohl mit Absicht) erst aufgezeigt, dass Winston mit anderen Gedankenverbrechern konfrontiert wird. Danach gibt es bis kurz vor Schluß für ihn fast nur noch O'Brien, dessen Tat um so verwerflicher wirkt, da Winston ihm durch die Trennung von allen anderen Menschen von ihm und seiner Nähe abhängig geworden ist.

Schade, eine verpasste Gelegenheit.


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Horst Osterheld

Konrad Adenauer

Konrad Adenauer (1977)
Bastei (1977)
Osterheld war ab 1960 Leiter des außenpolitischen Büros im Bundeskanzleramt (auch unter Erhard und Kiesinger).

osterheld
Eine Adenauer-Biographie, die heute als Standardwerk gilt.

Ich bin zu jung, um mich noch aktiv an seine Regierungszeit zu erinnern, aber wenn man sich für Geschichte interessiert, kann einem aus heutiger Sicht nur gruseln, bei einigem was Adenauer zu verantworten hat. Aber Deutschland war damals anders. Ruhiger, angestrengter - und in meiner Erinnerung auch dunkler. Der Unterschied zwischen dem Anfang der sechziger Jahre und dem Beginn der siebziger Jahre ist deutlich größer als der Unterschied zwischen dem Beginn der achtziger Jahre und heute.

Von Adenauer kann man halten was man will - ohne ihn würde die Bundesrepublik anders aussehen.
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