Thorwald, Jürgen

Jürgen Thorwald
Jürgen Thorwald ist einer meiner absoluten Lieblingsschriftsteller - und das obwohl er ein Sachbuchautor ist. Ein klarer, spannender Schreibstil und fundierte Recherchen machen seine Bücher zu Standardwerken.

Wie bei den meisten deutschen Autoren, ist im Internet recht wenig über ihn zu finden.
Heinz Bongartz:
*28.10.1915 (andere Quellen: 1916) (Solingen) - † 4. April 2006 (Lugano)


Die Entlassung

Die Entlassung (1960)
Knaur (1977)

Thorwald: Die Entlassung
Ferdinand Sauerbruch (03.Juli 1875 (Barmen) - 02.Juli 1951 (Berlin)) gilt als einer der größten Ärzte des 20. Jahrhunderts. Das Bild wird dadurch getrübt, daß er sich um 1933 offen für die Nazis einsetzte, er ging jedoch später auf Abstand und verdankte wohl nur seinem operativen Genie, daß er ungestraft äußern konnte, was andere sofort ins KZ gebracht wurde.

In den letzten Jahren seines Lebens litt er unter Zerebralsklerose, was ihn zur Gefahr für sich und (da er noch immer aktiv war) für andere machte.

Throwald schildert gewohnt detailreich den Niedergang deses Mannes.


Hoch über Kaprun

Hoch über Kaprun (1954)
Knaur (1979)

Thorwald: Hoch über Kaprun
Kaprun dürfte den meisten heute durch das Unglück in der Standseilbahn zum Kitzsteinhohrn (11.11.2000) ein Begriff sein. Mehr wußte ich auch nicht, als ich an dieses Buch heranging, das erste von Thorwald seit 2 Jahren.

Thorwald hat für diesen in der Quick vorveröffentlichten Roman ein Sujet gefunden, das - zumindest für mich - nicht ausgelutscht ist. Der Bau des Kraftwerks Glockner-Kaprun Anfang der 50er Jahre. Sehr viel nachweisbares Lokalkolorit (z.B. der Begriff Baraber für die Arbeiter), wie immer sehr präzise Beschreibungen werden munter gemischt mit gut recherchierten historischen Exkursen und einer manchmal etwas schwülstigen Liebesgeschichte.

Von Kaprun-Fans wird das Buch angegriffen, weil es nicht auf tatsächlichen Ereignissen beruht (was auch gleich unter der Widmung klargestellt wird), trotzdem hegt man seine Zweifel. Ich habe nach der Lektüre im Internet recheriert (wie immer war Wikipedia sehr hilfreich), andere gehen vor Ort und erkundigen sich, in welcher Säule der Seilbahn die Leiche einbetoniert worden war. Wenn ein Sachbuchautor einen Roman veröffentlicht, muß man wohl damit rechnen.

Das Buch fing etwas müde an, steigerte sich dann aber mit jeder Seite.


Das Jahrhundert der Detektive

Das Jahrhundert der Detektive (1965)
Knaur (1968)

Ein fantastisch guter Griff in die Kriminalgeschichte. Im ZDF fing man vor einigen Jahren mal an, eine Verfilmung zu bringen - was aber recht schnell wieder eingestellt wurde. Am frühen Sonntagmorgen soll man im ZDF nur Max Schautzer und Konsorten anschauen. Schade eigentlich.

Im 1. Band geht um die Sûreté, um Bertillon, um Scotland Yard, um das amerikanische Verbrechen von Capone bis Dillinger, um Sacco und Vanzetti, um das St. Valentines'Day Massacre u.v.a.m.
Im 2. Band beschäftigt sich Thorwald mit dem Coronersystem in den USA u.v.a.m.

Der 3. Band behandelt Dr. Crippen und den Fall Christa Lehmann aus Worms (1954)...


Macht und Geheimnis der frühen Ärzte

Macht und Geheimnis der frühen Ärzte (1967)

Knaur (1993)

Eine Geschichte der Medizin.


Die Stunde der Detektive

Die Stunde der Detektive (1966)
Knaur (1963)

Eine hervorragende Geschichte der Kriminalistik. Im ersten Band konzentriert sich Thorwald auf Blutspuren, im zweiten mit sonstigen Spuren. Im zweiten Band würdigt er Sir Arthur Conan Doyle und dessen Sherlock Holmes. Selten dürfte eine Romanfigur derart große Einfluß auf die Wissenschaft gehabt haben.


Das Weltreich der Chirurgen

Das Weltreich der Chirurgen (1957)
Ullstein (1962)

So detailliert wie in seinen Kriminalbüchern, durchleuchtet Thorwald die Geschichte der Chirurgie.

Basiert auf Papieren von Thorwalds Großvater, dem Chirurgen Henry Steven Hartmann.



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