Sherlock Holmes
Sherlock Holmes
Gibt es jemanden, der Sherlock Holmes nicht mag? Jemand anderen als Moriarty meine ich.
Sehen Sie, da haben wir es schon. Sie können mit dem Namen Moriarty etwas anfangen. Und das, obwohl er nur in einer einzigen Holmes-Geschichte (gemeint sind hier natürlich die von Doyle geschriebenen Stories) auftrat.
Englische Holmes-Seiten gibt es zuhauf. Ich habe mal versucht, einige zu besuchen. Schließlich habe ich kapituliert. Es ist einfach zuviel, um bewältigt werden zu können.
Aber es gibt ja nicht nur das Web. Ein Blick in meine Bibliothek wird Sie vielleicht davon überzeugen, daß auch das gute alte Buch noch so manches bereit hält, wovon man - vor allem in Deutschland, wo Hintergrund-Bücher fast nicht vorkommen - sich nicht träumen läßt.
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Isaac Asimov
Isaac Asimov?! Was hat der mit Sherlock Holmes zu tun? Sie werden es erfahren:
Hier!
Terence Brown
Notes on The Hound of the Baskervilles
Longman York Press (1980)

Arbeitsmaterial für den Schulunterricht.
Bietet kaum etwas Neues. Eine Kuriosität, mehr nicht. Interessant ist vor allem das Hintergrundmaterial, das aber
leider recht spärlich ausfällt.
Zum Roman.
Colin Bruce
Sherlock Holmes und der Energie-Anarchist
The strange case of Mrs. Hudson's cat (1997)
Birkhäuser (1998)

Furchtbar!
Bruce ist Physiker. Seine Idee, physikalische Rätsel durch Holmes lösen zu lassen, ist gut, die Umsetzung ist
miserabel. Die erste Geschichte dreht sich um das Foucaultsche Pendel. Wenn nur alle Geschichten so plausibel gewesen
wäre.
Bereits in der zweiten Geschichte spielt Holmes keine wichtige Rolle, statt dessen taucht Professor Challenger auf. Aber auch
diese Geschichte geht noch.
Dann wird es wirklich übel. Nur noch wissenschaftliche Gelaber, noch dazu völlig uninteressant und - ja, auch das -
unanschaulich.
Ganz schlimm wird es in der Geschichte, die den Originaltitel liefert: Hier wird die String-Theorie auf Rubbelkarten
übertragen. Heraus kommt nur bodenloser Blödsinn.
Ganz abgesehen davon, daß das wissenschaftliche Gelaber langweilig und völlig unpassend ist, kennt Bruce die
Materie nicht. Er läßt Watson von Sherlock sprechen und obendrein hat man nie das Gefühl, im späten 19.
Jahrhundert zu sein.
David Stuart Davies
* 1946
Holmes of the Movies
Holmes of the Movies (1976)
Bramhall House (1978)

Hier sind sie alle versammelt: William Gilette, der als erster Holmes auf der Bühne darstellte, Eille Norwood, den
Doyle über den grünen Klee lobte, und natürlich der Darsteller, der heute noch am meisten mit Holmes in Verbindung gebracht wird: Basil Rathbone.
Eine Fundgrube für Fans. Die Holmes Fernsehserie mit Peter Cushing hat leider nie den Weg nach Deutschland gefunden. Auch auf einiges anderes ist man hinterher sehr neugierig.
Adrian Conan Doyle und John Dickson Carr
Sherlock Holmes und das verriegelte Zimmer
The Exploits of Sherlock Holmes
Heyne (1978)

Kurzgeschichten, die auf den ersten Blick kaum von denen
Sir Arthur Conan Doyles zu
unterscheiden sind. Empfehlenswert.
Sir Arthur Conan Doyle
Er ist der "Vater" von Sherlock Holmes und John H. Watson. Von Moriarty und Irene Adler. Er hat ein neues
Genre geschaffen - und seine Figur verachtet.
Andere Romane finden Sie im
Hauptverzeichnis.
Sherlock Holmes - Gesamtausgabe der Kurzgeschichten mit Illustrationen der Originalausgabe
The Complete Illustrated Short Stories
Rheingauer Verlagsgesellschaft (1987)

Alle Doyleschen Holmes-Kurzgeschichten. Und dazu noch die Illustrationen von Sidney Paget. Was kann daran
falsch sein?
Eigentlich nicht viel: Aus Moriarty wird aus irgend einem finsteren Grund Mariarty, es wimmelt von Rechtschreib- und
Satzfehlern (mehrere halbe Seiten Text werden wiederholt), die Titel sind - gelinde gesagt - merkwürdig übersetzt
(Aus
A scandal in Bohemia wird
Ein Skandal im Fürstentum O.... Und trotzdem: Die beste deutschsprachige
Gesamtausgabe - wegen der Bilder.
Kurios: In
Black Peter benutzt Holmes das Pseudonym Käpt'n Basil. Der Schauspieler, der mit Holmes identifiziert
wird wie kein zweiter ist: Basil Rathbone. Zufall?
The memoirs of Sherlock Holmes
Penguin (1957)

12 Holmes-Kurzgeschichten. Von Silver Blaze bis zum furchtbaren (nicht künstlerisch gemeint) Final
Problem.
Leider wurde - wie meistens - auf die Originalillustrationen von Sidney Paget verzichtet, obwohl er unser Bild, das wir von
Holmes haben, maßgeblich mitgeprägt hat (Paget hat den Deerstalker zum Markenzeichen Holmes' gemacht. In den
Geschichten findet sich kein Hinweis darauf.)
Silver Blaze (1892) auch in
Cases of Sherlock Holmes 12.
The Adventure of the Musgrave Ritual (1893) auch in
Cases of Sherlock Holmes 7.
The Adventure Of The Resident Patient (1893) auch in
Cases of Sherlock Holmes 6.
The Adventure Of The Greek Interpreter (1893) auch in
Cases of Sherlock Holmes 10.
The Adventure Of The Naval Treaty (1893) auch in
Cases of Sherlock Holmes 13.
His last bow
Pan (1974)

8 Holmes-Kurzgeschichten. Von Wisteria Lodge bis His Last Bow.
Mit einer Einleitung von
Julian Symons.
Sherlock Holmes - The complete illustrated novels
Chancellor Press (1987)

Alle Doyleschen Holmes Romane. Und dazu noch die Illustrationen von Sidney Paget. Was kann daran falsch
sein?
Ganz einfach: Doyle war kein Romanschriftsteller. Ein Meister der Kurzgeschichte, gewiß, aber keiner was den Roman
angeht. In zwei der vier Romane (ja, es gibt nur diese vier Geschichten:
A Study in
Scarlett,
The Sign of Four,
The Hound of the Baskervilles,
The Valley of Fear) hat die Handlung kapitelweise nichts mit Holmes und Watson zu tun.
Doyle mochte Holmes nicht - leider merkt man das in den Romanen.
Trotzdem - dieses Buch gehört in jede ernstzunehmende Holmes-Sammlung.
A study in scarlet
Bernhard Tauchnitz (1934)

Der erste Holmes-Roman. Hier wird das Fundament für alles weitere gelegt. Auffällig: Hier ist
von Watsons Verwundung am Arm die Rede, später ist es das Bein. Die Vermieterin hat noch keinen Namen, dafür aber
(mindestens einen) Dienstboten. Lestrade und Gregson haben ihren ersten Auftritt.
Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt, wobei der zweite ein Rückblick auf die Ursache für den Mord ist. Ich
habe das immer als störend und größtenteils überflüssig empfunden. Man liest das Buch wegen Holmes,
nicht wegen irgendwelcher Mormonen, die einen furchtbaren Überwachungsstaat geschaffen haben. Wie mögen das wohl
die ersten Leser empfunden haben?
Ace Charter (1981)

Noch einmal der selbe Roman. Diesmal wegen der Illustrationen (von Michael Laplaca) - nur des Prinzips
wegen.
Man hat nichts verpaßt, wenn man sie nicht gesehen hat.
The hound of Baskervilles
Pocket (1950)
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Das Buch hatte ich vor der Gesamtausgabe gekauft. Was für ein Titelbild! Und nirgends ein Hinweis auf
Sherlock Holmes.
Die Geschichte darf als bekannt vorausgesetzt werden. Wenn Sie den Roman nicht gelesen haben, wird Ihnen kaum aufgefallen
sein, daß es ein Watson-Roman ist. Holmes taucht nur zu Beginn und am Ende auf. Das macht das Buch fast unverfilmbar -
wenn nicht großzügig geändert wird.
Bemerkenswertester Unterschied zu fast allen Bearbeitungen, die mir bekannt sind: Stapeltons Tod wird als Vermutung
hingestellt. Es gibt keinen Beweis für seinen Tod.
Der Diener der Baskervilles heißt John Barrymore. Gab es da nicht einen Schauspieler gleichen Namens?
Und wie ist das mit John Clayton. Das ist doch der Name von Lord Greystoke, besser bekannt als
Tarzan. Ich kenne mehrere Verfilmungen des Stoffs: Mit Basil - Mr Sherlock himself -
Rathbone, Peter Cushing, Stewart Granger (fragen Sie nicht - es ist einfach furchtbar), Ian Richardson (die erste Verfilmung
vor Ort) und Jeremy Brett. Bis auf die mit Stewart (Old Surehand) Granger ist keine mißlungen, hat jede ihren eigenen
Reiz. Der Vorlage am nächsten kommt allerdings die mit Jeremy Brett - der dem von Sidney Paget geprägten
Holmes-Bild am ehesten entsprach.
Der Hund von Baskerville
The hound of the Baskervilles
Sigbert Mohn (ohne Datum)

Das Buch hatte ich vor der Gesamtausgabe gekauft. Das ist wohl der am blödesten dreinschauende Hund,
der je auf einem Cover abgebildet war.
Sherlock Holmes and the case of the hound of Baskervilles
Playmore (1977)

Adapted by Malvina G. Vogel. Illustrationen: Pablo Marcos Studio
Ganz klar, den habe ich wegen der Illustrationen gekauft.
Eine stark vereinfachte Fassung des
Hunds von Baskerville.
The valley of fear
Penguin (1981)

Leider ist das Titelbild die einzige Zeichnung.
Der letzte Holmes-Roman von Doyle. Nachdem ich das Buch noch einmal gelesen habe, ist meine Meinung zwiespältig - genau
wie es das Buch auch ist.
Die Geschichte zerfällt in drei Teil: Den Rahmen, in dem Moriarty erwähnt wird - obwohl die Geschichte vor The
last bow spielt, worin Watson zum ersten Mal von Moriarty hört, die eigentliche Holmes-Geschichte, die zum besten
gehört, was Doyle geschrieben hat und den ewiglangen und für die Holmes-Geschichte völlig
überflüssigen Rückblick auf eine Freimaurer-Geschichte im amerikanischen Westen.
Aus gutem Grund wurde der Roman (meiner Kenntnis nach) nie verfilmt.
Das Tal der Furcht
The valley of fear
Ullstein (1978)

Natürlich wurde auch dieser Roman vor der Gesamtausgabe gekauft. Wie so oft bei Ullstein: Den
Originaltitel muß man wissen oder raten. Ein deutsches Problem scheint der Umgang mit bibliographischen Daten oder
Bildern zu sein. Weder das eine noch das andere ist zu finden.
Im Zeichen der Vier
The sign of four
Ullstein (1980)

Natürlich wurde auch dieser Roman vor der Gesamtausgabe gekauft.
Sherlock Holmes at his best. Wurde fast so oft verfilmt wie
Der Hund von Baskerville.
Watsons Beinverletzung wird erwähnt, Mrs. Hudson erhält ihren Namen, Holmes' Kokainverbrauch wird eingeführt
und natürlich Mary Morstan, die Watsons 1. Ehefrau werden soll.
Man merkt, das Buch ist eine Fortsetzung, aber noch kein Teil einer groß angelegten Serie.
Eine Kuriosität am Rande: Mary Morstan arbeitet für Mrs. Cecil Forrester. Ob sie etwas mit Cecil Scott Forrester zu
tun hat, dem Autor der
Hornblower-Romane?
André-Paul Duchâteau & Stibane
Die großen Detektive 4 - Der Hund von Baskerville
Collection B.D. Detectives - Le chien de Baskerville (1993)
Feest (1994)

Eine Comicbearbeitung des
Hunds von Baskerville. Holmes und Watson ähneln
Basil Rathbone und Nigel Bruce.
Ich schätze Duchâteau als Autor von
Rick Master. Seine
Begeisterung für den Stoff blitzt hier an allen Ecken und Enden hervor, auch wenn er sich mitunter gefährliche
Freiheiten nimmt (Holmes liest einen Brief Watsons in der Baker Street - obwohl er eigentlich schon in Devonshire sein
müßte, Sir Henry Baskerville wird wahrscheinlich Mrs. Stapelton zur Frau nehmen).
Leider ist Stibane dem Stoff nicht gewachsen. Er ist nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Schade.
Richard Lancelyn Green
The further adventures of Sherlock Holmes
Penguin (1985)

Eine Sammlung von Stories, die es verdient haben, von Sherlock Holmes Fans beachtet zu werden. Nicht alle
Spitzenklasse, aber alle lesenswert. Die meisten stammen aus den 40er und 50er Jahren, eine Zeit, in der Kurzgeschichten noch
geschätzt wurde.
Autoren:
Ronald A. Knox, Arthur Whitaker,
Vincent Starrett, Stuart Palmer, S.C. Roberts, W.R. Duncan McMillan,
Adrian Conan Doyle, Alan Wilson,
F.P. Cillié, D.O. Smith,
Julian Symons.
The uncollected Sherlock Holmes
Penguin (1983)

Green tritt hinter Doyle zurück und hat es doch verdient, daß hier sein Name als Autor genannt
wird. Immerhin: Die Einleitung umfaßt die Hälfte des Buches. Sehr, sehr viel Hintergrundmaterial zu den
Originalgeschichten, viele Einblicke in das Leben Doyles.
Ein Theaterstück von Doyle, Vorworte, Interviews, Parodien von Peter Pan Autor Barrie und ein Artikel von Joseph Bell,
den Doyle als eines der Vorbilder für Holmes benannt hat.
Was dem Buch fehlt, sind: Bilder. Wie sah William Gillette aus, der Holmes auf der Bühne verkörperte? Wie Joseph
Bell, wie Frank Shacklock?
Wie sahen die Strand-Ausgaben aus? Wie Sidney Paget?
Green beschreibt so vieles und doch - ohne Bilder bleiben es nur Teile eines Puzzles.
Trotzdem: Unbedingt empfehlenswert.
Michael und Mollie Hardwick
Das Privatleben des Sherlock Holmes
The private life of Sherlock Holmes (1970)
König (1973)

Ein Buch zum Film - oder die Vorlage zum Film? Keine Ahnung.
Recht nett. Das Buch ist genauso gut wie der Film, auch wenn man aus Sicht des Holmes-Kenners zuviele Ungereimtheiten findet.
Auch die Hardwicks können der Versuchung nicht widerstehen, am Mythos herumzubasteln - und das schadet dem ganzen
Buch.
© 2011 by
