Hansjörg Martin
01.11.1920 (Leipzig) - 11.03.1999 (Mallorca)
Martin erhielt 1986 das Bundesverdienstkreuz als "Begründer des neuen deutschen Kriminalromans". Von ihm stammen auch Die Unbesiegbaren.

Nummer
Titel
Jahr

1 Gefährliche Neugier 1965
2 Kein Schnaps für Tamara 1966
3 Einer fehlt beim Kurkonzert 1966
4 Bilanz mit Blutflecken 1968
5 Cordes ist nicht totzukriegen 1968
6 Meine schöne Mörderin 1969
7 Rechts hinter dem Henker 1969
8 Blut ist dunkler als rote Tinte 1970
9 Einer flieht vor gestern nacht 1971
10 Tod im Dutzend 1972
11 Feuer auf mein Haupt 1972
12 Mallorca sehen und dann sterben 1973
13 Bei Westwind hört man keinen Schuß 1973
14 Schwarzlay und die Folgen 1974
15 Blut an der Manschette 1974
16 Geiselspiel 1975
17 Wotan weint und weiß von nichts 1976
18 Die lange, große Wut 1977
19 Spiel ohne drei 1978
20 Dein Mord in Gottes Ohr 1979
21 Der Kammgarn-Killer 1979
22 Dreck am Stecken 1979
23 Betriebsausflug ins Jenseits 1980
24 Herzschlag 1980
25 Das Zittern der Tenöre 1981
26 Die grünen Witwen von Rothenfelde 1982
27 Gute Messer bleiben lange scharf 1983
28 Gegen den Wind 1984
29 Heiße Steine 1984
30 Süßer Tod 1987
31 Der Rest ist Sterben 1988
32 Seine besten Stories 1989
33 Apollonia muss sterben 1992
34 Mitgegangen, mitgefangen, mitgeh... 1996
35 Ein Rabe auf der Schulter 1998

Bei Westwind hört man keinen Schuß


Bei Westwind hört man keinen Schuß (1973)
Rowohlt (März 1982)

Hansjörg Martin: Bei Westwind hört man keinen Schuß
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Eine Filmcrew will auf einer winzigen Nordsee-Insel (keine Hallig) Vögel filmen. Sie und ein Professor kommen gleichzeitig beim Inselaufseher und seiner Tochter unter. Wegen der Tochter entstehen Spannungen innerhalb des Teams. Und dann fällt ein Schuss ...

Natürlich denkt man bei einer solchen Konstellation sofort an Ten little Niggers von Agatha Christie. Und natürlich reicht dieser Roman, so gut er auch ist, nicht an den Roman der Britin heran.

Eine Frau! Und die beiden jungen Männer haben nichts anderes zu tun, als um sie herumzugockeln, obwohl sie nach wenigen Tagen wieder abreisen. Das ist heute nicht plausibel - und war es damals auch nicht. Nicht jeder Mann denkt nur mit seinem Schwanz! Diese Ansicht überträgt Martin auf den Ich-Erzähler, der aber meint, wenn er jünger wäre, würde er sich auch so verhalten.

Vielleicht kennen Sie den genialen Film Einmal Hallig und zurück mit Anke Engelke und Charly Hübner. Die Grundstimmung, die in dem Film beschrieben wird, ist dieselbe wie in diesem Roman. Das Leben in Einsamkeit prägt die Inselbewohner, stumpft sie ab für die Gefühle und Empfindungen anderer Menschen.

Martins Buch gibt sich als Kriminalroman, es scheint auch Rätsel zu geben, aber die Auflösung erfolgt dann weder durch den Ich-Erzähler noch durch den Kommissar, sondern durch den Täter selbst, der nicht zulässt, dass ein Unschuldiger an seiner Stelle verhaftet wird.

Wäre Martin nicht ein extrem guter Erzähler, würde ich ihm das übel nehmen.

Sicher nicht Martins bestes Buch, aber gute Unterhaltung bietet der Roman allemal.
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Betriebsausflug ins Jenseits


Betriebsausflug ins Jenseits (1980)
Rowohlt (1973)

Hansjörg Martin: Betriebsausflug ins Jenseits
Karlheinz Hanisch ist Personalchef einer großen Firma - der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er es sich mit jedem Mitarbeiter früher oder später verdirbt. Kurz vor einem Betriebsausflug, sind mehrere Angestellte soweit, dass sie Hanisch umbringen wollen.

Martins Interesse gibt nicht dem Mord an sich, ihn interessiert nur die Vorgeschichte, die er in seiner gewohnten humorvollen, spannenden Art schildert.
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Bilanz mit Blutflecken


Bilanz mit Blutflecken (1968)
Rowohlt (1973)

Hansjörg Martin: Bilanz mit Blutflecken
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Lorenz Blum war frühermal Werbetexter, jetzt ist er bei einer Detektei angestellt. Das prädestiniert ihn für einen Auftrag in einer großen Werbeagentur, wo angeblich Gelder unterschlagen wurden.

Ein harter Kriminalroman, mit einem schnodderigen Ich-Erzähler, für den alle Frauen nur Sex-Material sind. Gleichzeitig eine Beschreibung des deutschen Alltags Ende der 60er Jahre.



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Blut ist dunkler als rote Tinte


Blut ist dunkler als rote Tinte (1970)
Rowohlt (1970)

Hansjörg Martin: Bilanz mit Blutflecken
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Studienassessorin Kitty Boll soll mit ihrem Kollegen Franz Zwicknagel die Turnhalle für einen Wettbewerb vorbereiten. In einer Judomatte finden sie eine Kollegin - tot.

Man merkt der Geschichte ihr Alter an. In einer Zeit der Handys würde vieles nicht mehr funktionieren.

Die Auflösung des Krimis ist originell und plausibel. Die Ich-Erzählerin ist eine typische Martin-Figur, die sich nicht von seinen anderen Ich-Erzählern unterscheidet.




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Cordes ist nicht totzukriegen


Cordes ist nicht totzukriegen (Januar 1968)
Rowohlt (1970) / Deutscher Bücherbund (?)

Hansjörg Martin: Cordes ist nicht totzukriegen Hansjörg Martin: Cordes ist nicht totzukriegen
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Bettina Etienne wird wegen Mordes verhaftet. Der Tote: ihr seit 20 Jahren für totgehaltener Mann, der ohne es zu wissen ein Verhältnis mit der ihm völlig unbekannten Tochter beginnt.

Wie immer: sehr kurz, präzise beobachtet - und unterhaltsam geschrieben.


Nach 19 Jahren (2024) habe ich den Roman ein weiteres Mal gelesen. Martin kann schreiben - da besteht gar kein Zweifel. Natürlich haben wir es wieder mit einer Ich-Erzählung zu tun (diesmal durch eine Frau, was für Martin ungewöhnlich ist).


Vieles in dem Roman wird nur kurz angerissen, obwohl es eine Vertiefung verdient hätte - darunter ganz wichtig die Bekanntschaft von Cordes zu seiner Tochter, die er zufällig kennenlernt. Ob die tatsächlich an dem 20 Jahre älteren Mann interessiert ist oder nicht, wird nie geklärt. Man kann vermuten, dass es nicht zu Sex zwischen den beiden kam, aber ganz sicher ist das nicht. Da Hansjörg Martin vollständig die Perspektive der Mutter einnimmt (die im Roman keinen direkten Kontakt zu ihrer Tochter hat), wird das nie vertieft.


Cordes taucht während des Kriegs im Haus von Bettinas Eltern auf. Dort hat er nichts Besseres zu tun, als sie schnell zu schwängern. Immerhin: Als sie schwanger wird, heiratet er sie. Kurz danach wird er als vermisst gemeldet, schließlich offiziell für tot erklärt. Am Ende des Romans ist Cordes in finstere Machenschaften verstrickt. Was er während des Kriegs getan hat, was danach, als er für totgehalten wurde - all das wird noch nicht mal angedeutet. Man ahnt bzw. geht davon aus, dass er kein anständiges Leben geführt hat, erfährt aber zu keinem Moment etwas Genaues.


Die Unterhaltungen zwischen Bettina und ihrem Hamburger Rechtsanwalt erinnern mich an die Dialoge zwischen Julischka und Dr. Flüeli in Drei Mann in einem Boot (1961) (vom Tonfall, nicht vom Inhalt).


Die dem Roman zugrundeliegende Idee ist hervorragend. Als Schwäche erweist sich die Ich-Perspektive, die viele Fragen unbeantwortet lässt. Insgesamt aber ein durchaus zu empfehlender Thriller.


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Dein Mord in Gottes Ohr


Dein Mord in Gottes Ohr (1979)
Rowohlt (Juni 1982)

Hansjörg Martin: Dein Mord in Gottes Ohr
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Philipp Gohlis ist Schriftsteller. Keiner der große Literatur verfasst, sondern ein Krimi- und Gebrauchsschriftsteller, der auch mal für Zeitungen und Zeitschriften arbeitet. Eines Tages entdeckt er beim Friseur einen Artikel über einen Bauunternehmer, der vor während des Kriegs als Hauptfeldwebel in einem Krankenhaus arbeitete, in das Gohlis eingeliefert worden war. Dieser Mann hat die Patienten gequält und die erste Liebesgeschichte des Schriftstellers beendet ...


Mal abgesehen davon, dass Gohlis ein Verbrechen plant, ist das mehr ein Roman der um den Beruf des Schriftstellers und um die Kriegserlebnisse des Autors kreist. Ich werden den Eindruck nicht los, dass wir es hier mit Martins persönlichstem Roman zu tun haben. Natürlich wird das nicht eins zu eins seine Geschichte sein, aber Gohlis Ansichten über die Literatur und über das Schreiben werden wohl Martins Ansichten sein. Und wer weiß, vielleicht gab es in Martins Leben auch eine Tanja ...


Die Liebesgeschichte endet, in dem Gohlis an die Front zurückgeschickt wird und Tanja irgendwohin verfrachtet wird. Ob sie den Krieg überlebt hat, was aus ihr geworden ist, erfährt der Leser nicht.

Der Rückentext des Romans ist in diesem Fall wichtig:

Philipp Gohlis schreibt einen Roman um einen Mord.

DAS IST SEIN BERUF.
Aber diesen Mord will er in die Tat umsetzen.
DAS IST SEINE RACHE.
Sein Roman findet aufmerksame Leser.
DARAN HÄTTE ER DENKEN SOLLEN.

Der dritte Abschnitt ist Unfug. Gohlis schreibt eine Geschichte. 20 Seiten. Sie soll um 4 Seiten gekürzt werden. Schon von der Länge ist das kein Roman.

Während der Handlung des Romans ist diese Geschichte nicht erschienen. Abgesehen vom Autor gibt es nur eine Sekretärin und eine Redakteurin, die den Inhalt kennen.

Rowohlt vermittelt den Eindruck, dass Gohlis einen Roman geschrieben hat, der später, nachdem Gohlis tatsächlich einen Mord begangen hat, für den Autor gefährlich werden kann, da geübte Leser Parallelen entdecken können. Das ist eine tolle Idee, hat aber mit diesem Roman nichts zu tun.


Vielleicht nicht Martins bester Krimi, aber ein spannendes und durch und durch gut geschriebenes Buch, das den Leser in die 70er Jahre zurückführt. Sehr zu empfehlen.


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Dreck am Stecken


Dreck am Stecken (1979)
Rowohlt (1979)

Hansjörg Martin: Bilanz mit Blutflecken
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Enthält die Kurzgeschichten:

  • Black is beautiful
  • Vom Segen der Einsamkeit
  • Mange frei Klipp
  • Der Schlaf des Ungerechten
  • Notruf im Nebel
  • Knecht Ruprechts linke Hand
  • Paradies mit Schlange
  • Das Testament der Tante
  • Der Herr Baron schläft wie ein Toter
  • Gauner mit Herz
  • Dreck am Stecken


Die Kurzgeschichten sind genau das: kurz.

Sie reichen von gut bis oh je.

Das "Oh je" verdient "Notruf im Nebel". Darin geht es um eine Filmcrew, die in einer Bank einen Banküberfall dreht - mit vorhersehbarem Ende. Das hat man (nicht besser) schon zigfach gelesen.

Etwas merkwürdig ist der Auftritt von Kommissar Klipp, der der Kurzgeschichte zufolge früher als Clown gearbeitet hat. Na ja. (Er erscheint auch in "Knecht Ruprechts linke Hand")

Nachdenkenswert ist "Black is beautiful" - eine höchst unmoralische Geschichte, in der es um schwarze Austauschstudenten geht.

Am typischsten für Martin ist sicher "Vom Segen der Einsamkeit".

Insgesamt ein unterhaltsames Bändchen, das aber nicht zu besten Werken Martins gehört.


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Einer fehlt beim Kurkonzert


Einer fehlt beim Kurkonzert (1966)
Rowohlt (1973)

Das Cover ist, das muß man hier erwähnen, von Heinz Edelmann (Yellow Submarine).

Held dieses Buches (und anscheinend auch einiger anderer) ist Kommissar Klipp.

Eigentlich will Kommissar Klipp auf der abgelegenen Insel Langeney Urlaub machen. Doch recht schnell wird aus dem bunten Hin und Her um ihn herum blutiger Ernst. Ein Kurgast wird erstochen aufgefunden. An möglichen Tätern herrscht kein Mangel.

Manchmal etwas blumig, aber nach einigen Seiten stört man sich nicht mehr daran.

Präzise beobachtet, sehr lebendig und spannend geschrieben. Die Lösung ist gelungen.

Ich bin auf die Geschichte über den gleichnamigen Fernsehfilm aus der Reihe "Dem Täter auf der Spur" gekommen, den N3 vor einiger Zeit aus dem Archiv gekramt hat. In nostalgischem Schwarz/Weiß (1968) gedreht, hat Jürgen Roland als Regisseur, nach dem Drehbuch von Martin einen spannenden und gut gemachten Krimi abgeliefert, den man durchaus öfters sehen kann.

Martin hat den Stoff anscheinend auch zu einem Theaterstück verarbeitet. Wäre interessant, das mal zu sehen.
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Einer flieht vor gestern nacht


Einer flieht vor gestern Nacht (1971)
Rowohlt (1980)

Hansjörg Martin: Einer flieht vor gestern nacht
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Moritz Maier wird von einer Unbekannten auf einem Bahnhof angesprochen. Hat er Interesse an einer Party teilzunehmen?

Er hat. Am nächsten Morgen erwacht er neben einer Toten.


In dem Roman schildert Martin die Ereignisse einer Nacht. Für heutige Verhältnisse kurz (nur ca. 120 Seiten), aber dafür verliert er sich nicht in Nebensächlichkeiten, wie das heutige Autoren gerne tun.

Er zeigt die Lebenswelt der frühen 70er Jahre, zeigt, dass in der Not auf Freunde kein Verlass ist und er nimmt die durch das Fernsehen ausgelöste Atemlosigkeit vorweg. Der Kommissar versucht den Verdächtigen zu finden, bevor der am Abend in einer Fernsehsendung zur Fahndung ausgerufen wird, weil der erfahrene Polizist genau weiß, was das für die Polizei und für einen eventuell sogar Unschuldigen bedeuten kann.

Insgesamt ein kurzweiliger und spannender Roman, wie man es von Martin gewohnt ist.
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Gefährliche Neugier


Gefährliche Neugier (1965)
Rowohlt (August 1966 / Februar 1982)

Hansjörg Martin: Gefährliche Neugier
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Hansjörg Martin: Gefährliche Neugier
Ein Schauspieler einer norddeutschen Provinzbühne wird ermordet aufgefunden. Sein Kollege Jost Ziball, Bühnenbildner, Teilzeitschauspieler und ehemaliger Polizist, versucht einige Unklarheiten aufzuklären und findet sich plötzlich im Bett mit einer Kollegin und in Lebensgefahr.

Martins erster Roman. Hier findet sich bereits alles: die zwischen schnoddrig und kindlich schwebende Sprache, das norddeutsche Flair, die nachvollziehbaren Lösungen. Klasse.



Oh! Ich stelle gerade fest, dass ich den Roman ja doch schon hatte. Wahrscheinlich war meine Suchliste fehlerhaft.

Nun, das macht gar nichts. Ich habe mich auch beim zweiten Mal (8 Jahre später) gut unterhalten.

Die Geschichte atmet das Flair der frühen 60er Jahre. Ziball lebt zur Untermiete. Telefon gibt es nur im Flur (und - für alle, die erst nach 1990 geboren wurden - natürlich schnurgebunden). Das Verhältnis zwischen Jost und Gisela muss geheimgehalten werden, vor allem vor der Vermieterin.

Es wird geraucht und gesoffen, gefühlt auf jeder Seite mindestens eine Zigarette und ein Schnaps.

Wenn Ziball unterwegs ist, benutzt er meist einen Bus, als er mal einen Sportwagen fährt, sind 120 km/h schon staunenswert und 150 km/h eine Überraschung.

Fünfzig Mark sind noch viel Geld.

Und Frauen werden von ihren Männern herablassend behandelt, auch Jost schaut auf Gisela herab, auch wenn er das hinter betont humorigen, fast kindlichen Redensweisen verbirgt. Nach den anderen Dingen kann man sich zurücksehnen oder sich mit wohligem Schauern zurück erinnern, aber das hat sich (aus meiner Sicht) zum Besseren geändert.

Und natürlich kochen die Frauen (kaum ist Gisela mit Jost zusammen, steht sie am Herd). Wenigstens spült er ab.

Ganz erstaunlich ist übrigens die alte Frau, die später als 68jährig beschrieben wird. Ich hätte sie der Beschreibung nach für über 80 eingeschätzt. So sehr sind wir alle in den letzten Jahren jünger geworden.

Mal abgesehen davon, dass es sich um einen spannenden Krimi handelt, war Martin ein guter Beobachter und vermittelt daher so nebenher das Lebensgefühl der 60er Jahre. Ich kann das Buch wirklich nur empfehlen.


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Geiselspiel


Geiselspiel (1975)
Rowohlt (1975)

Hansjörg Martin: Geiselspiel
Fotoreporter Markus Ohle will endlich auch als Autor ernstgenommen werden. Als ihm ein Auftrag entzogen wird, kommt er auf die Idee, sich mit einer Verbrecherbande abzusprechen. Eine Entführung wird vorgetäuscht, aber dann geht etwas schief ...

Im satirischen Martin-Ton geschrieben, wandert die Geschichte zwischen den Erfahrungen und Gefühlen des Fotoreporters in der Gegenwart und seinen Erinnerung an den Beginn der Geschichte. Leider verrät der Verlag in seinem "Zu diesem Buch" bereits 95 Prozent der Handlung.

Wie alle Bücher von Martin sehr zu empfehlen.
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Gute Messer bleiben lange scharf


Gute Messer bleiben lange scharf (1983)
Rowohlt (1983)

Kurzgeschichtensammlung

Kurzgeschichten um Leo Klipp und die Anwältin Andrea Abeling, in deren Kurzgeschichten Martin vieles vorweg nimmt, was Liebling Kreuzberg zu einem Erfolg machte. Eher unspektakuläre Ereignisse, die sich manchmal völlig gegen die Erwartung des Lesers wenden.
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Die grünen Witwen von Rothenfelde


Die grünen Witwen von Rothenfelde (1982)
Rowohlt (1982)

Noch ein Roman um Kommissar Klipp.

Martin
Klipp soll einen Tod in einer Pferdebox untersuchen, stellt fest dass das ein Unfall war und nutzt die Gelegenheit seine Nichte zu besorgen, die in einer Kommune, zusammen mit einigen Behinderten lebt.

Er befindet sich auf dem Weg nach Haus, als er von seiner Nichte zurückgerufen wird. Ein Mitglied ihrer Gruppe wurde im Stall ermordet...

Wieder ein wunderbar geschriebener Krimi, bei dem das Lösen des Rätsels nicht im Vordergrund steht (denn die Lösung liegt klar auf der Hand). Klipp ist genau wie im 4 Jahre zuvor geschriebenen Roman Spiel ohne drei 50 Jahre alt.
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Heiße Steine


Heiße Steine (1984)
Rowohlt (1984)

Hansjörg Martin: Heiße Steine
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Aussteiger Robert Fellgiebel hat sich auf Mallorca niedergelassen. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit dem Verkauf von Landschaftsbildern. Als er die Unternehmergattin Helma Umlauft kennenlernt, beginnt eine stürmische Affäre und der Weg in den Untergang.

Nicht das beste Buch Martins. Es ist "Ein Amerikaner in Paris" gemischt mit viel Sex und einer Portion Gewalt.



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Herzschlag


Herzschlag (1980)
Rowohlt (1995)

Hansjörg Martin: Herzschlag
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Journalist Paul Stein erfährt, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat. Um seinem Ende einen Sinn zu geben, entschließt er sich, den Spitzenkanidaten einer aufstrebenden faschistischen Partei zu töten.

Natürlich herrscht der schnoddrige Hansjörg-Martin-Ton vor. Natürlich nimmt die Hauptfigur es mit ehelicher Treue nicht allzu genau. Aber da ist mehr.

Viel mehr.

Man merkt, dass das ein Thema war, das Martin unter den Nägeln brannte. Und man merkt, wie nah diese Geschichte auch an unserer heutigen Gegenwart noch ist, wie nah etliches, was hier Faschisten zugeschrieben wird, noch bei CDU und CSU ist (die natürlich zum größtenteil von anständigen Demokraten bevölkert wird - aber eben auch von Leuten, bei denen man durchaus Nähe zu verfassungsfeindlichen Organisationen erkennen kann).

Bis zum Ende des Abschnitts 2 würde ich sagen: Eines der besten Bücher Martins.

Leider ruiniert Abschnitt III ("Die Operation") vieles. Gerade der Schluss wirkt übereilt, als habe der Autor, nachdem er die Partei für den Leser enttarnt hat, das Interesse an seinem Stoff verloren.

Trotzdem: ein gutes, ja, ein wichtiges Buch von Hansjörg Martin, das ein besseres Titelbild verdient hätte.
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Der Kammgarn-Killer


Der Kammgarn-Killer (1979)
Rowohlt (1979)

Hansjörg Martin: Der Kammgarn-Killer
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Nein, es ist kein guter Tag für den reisenden Textilverkäufer Ernst Voigt. Er ärgert sich über seinen Chef, über seine Frau, über sich selbst. Und dann lässt er gegenüber einem Kunden eine Bemerkung fallen, die dieser in den falschen Hals bekommt.

Ein Faustschlag macht Voigt zum Mörder, die Gier eines anderen zum Raubmörder. Und es wird nicht besser werden.

Martins Welt erscheint uns heute recht fremd, dabei schildert er nur Begebenheiten, die sich so oder ähnlich vor 30 Jahren tatsächlich zugetragen haben können. Die Sprache ist die selbe wie immer, die Moral des Verkäufers, der noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen hat, nachdem er sich von einer Kundin verführen lässt, ist auch nichts Neues.

Martin bleibt er selbst - und lässt uns in eine vertraute und doch fremdgewordene Welt zurückreisen.

Ein empfehlenswertes Buch.
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Kein Schnaps für Tamara


Kein Schnaps für Tamara (1966)
Rowohlt (1974)

Hansjörg Martin: Gefährliche Neugier
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1951: Auf der Rückfahrt von einem Kundengespräch, entdeckt der Werbefachmann Hans Obuch im Zug eine Tote.

Neugierig geworden, lässt er sich von seiner Agentur für einige Tage freistellen und beginnt mit eigenen Nachforschungen.

Als Krimi versagt das Buch. Die Lösung ist zu offensichtlich.

Auch die Personen (und sogar das Ende des Buches), erinnern viel zu sehr, an den Vorgängerroman (den ich erst kurz vor diesem Buch las).

Aber Martin gelingt es, das Leben in der Kleinstadt überzeugend zu schildern. Er liefert ein Zeitzeugnis ab, das geeignet ist, sich die damalige Zeit in Erinnerung zu rufen. Damit hat das Buch eine Nische gefunden, in der es tatsächlich überzeugt.



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Die lange, große Wut


Die lange, große Wut (1977)
Rowohlt (Januar 1977)

Hansjörg Martin: Die lange, große Wut
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Kurzgeschichten:

Blut im Schuh
  • Es geht um einen Clown, der sich an einer Raubtierdompteuse rächen will, die ihn (nachdem sie ihm Hoffnungen gemacht hatte), eiskalt abblitzen ließ. Dafür will er sie auf raffinierte Weise töten.
  • Martin als nach dem Krieg als Zirkusclown gearbeitet.

Hoffetot stirbt nicht
  • Ein Schüler wird von einem Lehrer gemobbt. Da der Schüler keine Chance sieht, sich dem zu entziehen, plant er den Lehrer durch vergiftete Brötchen zu töten.

Mit Hut und Haaren
  • Eine Frau ist in ihrer Ehe unglücklich. Bei einer Reise lernt sie einen anderen Mann kennen, was den Wunsch, den Ehemann loszuwerden noch verstärkt. Nachdem er ihr erzählt hat, man könne an Haaren im Darm sterben, mischt sie Haare unter die Leberwurst, mit der sein Vesper bestrichen wird.

Ich habe Witte wiedergefunden
  • Witte ist in diesem Fall ein etwas älterer Mitschüler des Erzählers, der in der Pogromnacht dessen Eltern aufgesucht hat. Die Mutter starb vor Aufregung, der Vater wurde verschleppt. Nach 40 Jahren bietet sich die Möglichkeit zur Rache.
  • Martin war etwas älter als sein Ich-Erzähler, aber wenn man das Eindringen von Witte in die bürgerliche Existenz der Eltern liest, kann man sich vorstellen, dass Martin hier nicht nur auf Hörensagen zurückgriff, sondern auf Ereignisse, die in seiner Umgebung stattgefunden haben. Erschütternd. Das Ende der Geschichte zeugt von einer tiefen Menschlichkeit, die solchen Typen wie Witte (die es heute leider wieder gibt), immer fremd bleiben wird.

Der Tod in der Thermosflasche
  • Ein Ehepaar ist zwar lange miteinander zusammen, aber von der einstigen Liebe ist nichts mehr vorhanden. Er will sie töten, sie will ihn töten. Beide sehen in einer Bergtour die ideale Gelegenheit.

Treibjagd
  • Als Junge wurde er Zeuge, wie ein jüdischer Nachbar abgeholt wurde. Als Erwachsener trifft er den Man wieder, der für die Deportation verantwortlich war.
  • Ich glaube, Martin hat in keiner seiner sonstigen Geschichten so deutlich die Abscheulichkeiten der deutschen Geschichte gezeigt, wie in dieser und der vorletzten Geschichte. Beide Geschichten sind Meisterwerke.

  • Die Bücher von Martin waren lange Zeit aus dem Handel verschwunden. Inzwischen hat Rowohlt sie glücklicherweise (leider mit absolut nichtssagenden Covern) neu aufgelegt.
  • Ich habe dieses Exemplar 2019 in einem Bücherschrank in Feuerbach gefunden. Vielen Dank an den Spender.

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Mallorca sehen und dann sterben


Mallorca sehen und dann sterben (1973)
Rowohlt (1973)

Martin
Ein netter kleiner Roman um einige erfolglose Verbrecher und eine auf Mallorca arbeitende Reiseleiterin, die sich plötzlich im Zentrum einer Mordgeschichte findet.
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Meine schöne Mörderin


Meine schöne Mörderin (1969)
Rowohlt (1980)

Hansjörg Martin: Meine schöne Mörderin
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Ein weiterer Roman um Leo Klipp.

In einem Kaufhaus wird ein Toter gefunden. Rasch fällt der Verdacht auf eine junge Angestellte, die in Jugoslawien Urlaub macht. Klipp folgt ihr ...

Klipp ist wie immer: Gegenüber dem Leser schonungslos ehrlich, zynisch und sarkastisch, ironisch und unehrlich in seinem persönlichem Umfeld. Heutigen Lesern wird vieles fremd vorkommen, zu vieles hat sich seither geändert. Jugoslawien gibt es nicht mehr, tagelange Reisen um einen Urlaubsort zu gelangen, nimmt heute kaum noch jemand auf sich. Ein Zeitdokument.



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Schwarzlay und die Folgen


Schwarzlay und die Folgen (1974)
Rowohlt (1974)

Nach einer durchzechten Nacht stolpert ein Oberstudiendirektor auf einer Müllkippe über die Leiche eines nackten Mädchens.

Das ist die Ausgangssituation des Romans, der sich im weiteren damit beschäftigt die Vorgeschichte zu erzählen. Wunderbar unaufregend, dicht an der Wirklichkeit, so dass der Leser das Gefühl hat, das Vorbild für die eine oder andere Figur zu kennen.

Der im Titel erwähnte Schwarzlay ist ein Wein.
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Spiel ohne drei


Spiel ohne drei (1978)
Rowohlt (1978)

Noch ein Roman um Kommissar Klipp.

Zwei Fälle verbinden sich miteinander.

Der eine privat (vier Freunde ohne Familie, einer davon Leo Klipp), beschließen bei einer ihrer regelmäßigen Skatrunden, sich gegenseitig zu Erben zu machen - ohne zu ahnen, dass sie sich damit in Gefahr bringen.

Der andere beruflich, ein scheinbarer Raubmord.

Die Lösung des einen Falles, führt zur Lösung des anderen.

Kein großartiger Krimi, beide Lösungen sind viel zu offensichtlich. Was das Buch lesenswert macht, ist die lockere, humorvolle aber beherrschte und sehr präzise Sprache.
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Das Zittern der Tenöre


Das Zittern der Tenöre (1981)
Rowohlt (1982)

Hansjörg Martin: Das Zittern der Tenöre
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Otto Fintzel entdeckt auf seinem Dachboden eine Kiste, die dort seit Ende des Krieges in Vergessenheit geraten war.

Nachdem er in seinem Gesangsverein davon erzählt, sind etliche der Mitglieder heftigst daran interessiert, dass der Inhalt der Kiste nicht ans Licht kommt.

Was war zuerst da? Das Drehbuch zum Tatort (mit Erik Schumann als Eintagsfliegenkommissar)? Oder dieses Buch?

Als Buch funktioniert die Geschichte. Ich bin fest davon überzeugt, den Tatort schon mal gesehen zu haben, aber besonders vom Hocker hat er mich wohl nicht gerissen. Das muß nicht am Drehbuch gelegen haben. Tatort war auch früher schon mal recht schwurbelig und durch manchen erhobenen Zeigefinger auch recht bemüht lehrreich.

Das Buch ist nicht das Beste aus der Feder von Martin, aber durchaus okay.


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