Martin, Hansjörg

Hansjörg Martin
01.11.1920 (Leipzig) - 11.03.1999 (Mallorca)
Martin erhielt 1986 das Bundesverdienstkreuz als "Begründer des neuen deutschen Kriminalromans". Von ihm stammen auch Die Unbesiegbaren.

Nummer
Titel
Jahr

1Gefährliche Neugier1965
2Kein Schnaps für Tamara1966
3Einer fehlt beim Kurkonzert1966
4Bilanz mit Blutflecken1968
5Cordes ist nicht totzukriegen1968
6Meine schöne Mörderin1969
7Rechts hinter dem Henker1969
8Blut ist dunkler als rote Tinte1970
9Einer flieht vor gestern nacht1971
10Tod im Dutzend1972
11Feuer auf mein Haupt1972
12Mallorca sehen und dann sterben1973
13Bei Westwind hört man keinen Schuß1973
14Schwarzlay und die Folgen1974
15Blut an der Manschette1974
16Geiselspiel1975
17Wotan weint und weiß von nichts1976
18Die lange, große Wut1977
19Spiel ohne drei1978
20Dein Mord in Gottes Ohr1979
21Der Kammgarn-Killer1979
22Dreck am Stecken1979
23Betriebsausflug ins Jenseits1980
24Herzschlag1980
25Das Zittern der Tenöre1981
26Die grünen Witwen von Rothenfelde1982
27Gute Messer bleiben lange scharf1983
28Gegen den Wind1984
29Heiße Steine1984
30Süßer Tod1987
31Der Rest ist Sterben1988
32Seine besten Stories1989
33Apollonia muss sterben1992
34Mitgegangen, mitgefangen, mitgeh...1996
35Ein Rabe auf der Schulter1998

Betriebsausflug ins Jenseits

Betriebsausflug ins Jenseits (1980)
Rowohlt (1973)

Hansjörg Martin: Betriebsausflug ins Jenseits
Karlheinz Hanisch ist Personalchef einer großen Firma - der sich vor allem dadurch auszeichnet, daß er es sich mit jedem Mitarbeiter früher oder später verdirbt. Kurz vor einem Betriebsausflug, sind mehrere Angestellte soweit, daß sie Hanisch umbringen wollen.

Martins Interesse gibt nicht dem Mord an sich, ihn interessiert nur die Vorgeschichte, die er in seiner gewohnten humorvollen, spannenden Art schildert.


Bilanz mit Blutflecken

Bilanz mit Blutflecken (1968)
Rowohlt (1973)
Hansjörg Martin: Bilanz mit Blutflecken vergrößern
Lorenz Blum war frühermal Werbetexter, jetzt ist er bei einer Detektei angestellt. Das prädestiniert ihn für einen Auftrag in einer großen Werbeagentur, wo angeblich Gelder unterschlagen wurden.

Ein harter Kriminalroman, mit einem schnodderigen Ich-Erzähler, für den alle Frauen nur Sex-Material sind. Gleichzeitig eine Beschreibung des deuten Alltags Ende der 60er Jahre.










Blut ist dunkler als rote Tinte

Blut ist dunkler als rote Tinte (1970)
Rowohlt (1970)
Hansjörg Martin: Bilanz mit Blutflecken vergrößern
Studienassesorin Kitty Boll soll mit ihrem Kollegen Franz Zwicknagel die Turnhalle für einen Wettbewerb vorbereiten. In einer Judomatte finden sie eine Kollegin - tot.

Man merkt der Geschichte ihr Alter an. In einer Zeit der Handys würde vieles nicht mehr funktionieren.

Die Auflösung des Krimis ist originell und plausibel. Die Ich-Erzählerin ist eine typische Martin-Figur, die sich nicht von seinen anderen Ich-Erzählern unterscheidet.











Cordes ist nicht totzukriegen

Cordes ist nicht totzukriegen (1970)
Rowohlt (1968)

Hansjörg Martin: Cordes ist nicht totzukriegen
Bettina Etienne wird wegen Mordes verhaftet. Der Tote: ihr seit 20 Jahren für totgehaltener Mann, der ohne es zu wissen ein Verhältnis mit der ihm völlig unbekannten Tochter beginnt.

Wie immer: sehr kurz, präzise beobachtet - und unterhaltsam geschrieben.


Einer fehlt beim Kurkonzert

Einer fehlt beim Kurkonzert (1966)
Rowohlt (1973)
Das Cover ist, das muß man hier erwähnen, von Heinz Edelmann (Yellow Submarine).

Held dieses Buches (und anscheinend auch einiger anderer) ist Kommissar Klipp.

Eigentlich will Kommissar Klipp auf der abgelegenen Insel Langeney Urlaub machen. Doch recht schnell wird aus dem bunten Hin und Her um ihn herum blutiger Ernst. Ein Kurgast wird erstochen aufgefunden. An möglichen Tätern herrscht kein Mangel.

Manchmal etwas blumig, aber nach einigen Seiten stört man sich nicht mehr daran.

Präzise beobachtet, sehr lebendig und spannend geschrieben. Die Lösung ist gelungen.

Ich bin auf die Geschichte über den gleichnamigen Fernsehfilm aus der Reihe "Dem Täter auf der Spur" gekommen, den N3 vor einiger Zeit aus dem Archiv gekramt hat. In nostalgischem Schwarz/Weiß (1968) gedreht, hat Jürgen Roland als Regisseur, nach dem Drehbuch von Martin einen spannenden und gut gemachten Krimi abgeliefert, den man durchaus öfters sehen kann.

Martin hat den Stoff anscheinend auch zu einem Theaterstück verarbeitet. Wäre interessant, das mal zu sehen.


Gefährliche Neugier

Gefährliche Neugier (1965)
Rowohlt (1966)
Hansjörg Martin: Gefährliche Neugier vergrößern
Ein Schauspieler einer norddeutschen Provinzbühne wird ermordet aufgefunden. Sein Kollege Jost Ziball, Bühnenbildner, Teilzeitschauspieler und ehemaliger Polizist, versucht einige Unklarheiten aufzuklären und findet sich plötzlich im Bett mit einer Kollegin und in Lebensgefahr.

Martins erster Roman. Hier findet sich bereits alles: die zwischen schnoddrig und kindlich schwebende Sprache, das norddeutsche Flair, die nachvollziehbaren Lösungen. Klasse.










Geiselspiel

Geiselspiel (1975)
Rowohlt (1975)

Hansjörg Martin: Geiselspiel
Fotoreporter Markus Ohle will endlich auch als Autor ernstgenommen werden. Als ihm ein Auftrag entzogen wird, kommt er auf die Idee, sich mit einer Verbrecherbande abzusprechen. Eine Entführung wird vorgetäuscht, aber dann geht etwas schief ...

Im satirischen Martin-Ton geschrieben, wandert die Geschichte zwischen den Erfahrungen und Gefühlen des Fotoreporters in der Gegenwart und seinen Erinnerung an den Beginn der Geschichte. Leider verrät der Verlag in seinem "Zu diesem Buch" bereits 95 Prozent der Handlung.

Wie alle Bücher von Martin sehr zu empfehlen.


Gute Messer bleiben lange scharf

Gute Messer bleiben lange scharf (1983)
Rowohlt (1983)
Kurzgeschichtensammlung

Kurzgeschichten um Leo Klipp und die Anwältin Andrea Abeling, in deren Kurzgeschichten Martin vieles vorweg nimmt, was Liebling Kreuzberg zu einem Erfolg machte. Eher unspektakuläre Ereignisse, die sich manchmal völlig gegen die Erwartung des Lesers wenden.


Die grünen Witwen von Rothenfelde

Die grünen Witwen von Rothenfelde (1982)
Rowohlt (1982)
Noch ein Roman um Kommissar Klipp.

Martin
Klipp soll einen Tod in einer Pferdebox untersuchen, stellt fest daß das ein Unfall war und nutzt die Gelegenheit seine Nichte zu besorgen, die in einer Kommune, zusammen mit einigen Behinderten lebt.

Er befindet sich auf dem Weg nach Haus, als er von seiner Nichte zurückgerufen wird. Ein Mitglied ihrer Gruppe wurde im Stall ermordet...

Wieder ein wunderbar geschriebener Krimi, bei dem das Lösen des Rätsels nicht im Vordergrund steht (denn die Lösung liegt klar auf der Hand). Klipp ist genau wie im 4 Jahre zuvor geschriebenen Roman Spiel ohne drei 50 Jahre alt.


Heiße Steine

Heiße Steine (1984)
Rowohlt (1984)
Hansjörg Martin: Heiße Steine vergrößern
Aussteiger Robert Fellgiebel hat sich auf Mallorca niedergelassen. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit dem Verkauf von Landschaftsbildern. Als er die Unternehmergattin Helma Umlauft kennenlernt, beginnt eine stürmische Affäre und der Weg in den Untergang.

Nicht das beste Buch Martins. Es ist "Ein Amerikaner in Paris" gemischt mit viel Sex und einer Portion Gewalt.










Kein Schnaps für Tamara

Kein Schnaps für Tamara (1966)
Rowohlt (1974)
Hansjörg Martin: Gefährliche Neugier vergrößern
1951: Auf der Rückfahrt von einem Kundengespräch, entdeckt der Werbefachmann Hans Obuch im Zug eine Tote.

Neugierig geworden, läßt er sich von seiner Agentur für einige Tage freistellen und beginnt mit eigenen Nachforschungen.

Als Krimi versagt das Buch. Die Lösung ist zu offensichtlich.

Auch die Personen (und sogar das Ende des Buches), erinnern viel zu sehr, an den Vorgängerroman (den ich erst kurz vor diesem Buch las).

Aber Martin gelingt es, das Leben in der Kleinstadt überzeugend zu schildern. Er liefert ein Zeitzeugnis ab, das geeignet ist, sich die damalige Zeit in Erinnerung zu rufen. Damit hat das Buch eine Nische gefunden, in der es tatsächlich überzeugt.




Mallorca sehen und dann sterben

Mallorca sehen und dann sterben (1973)
Rowohlt (1973)

Martin
Ein netter kleiner Roman um einige erfolglose Verbrecher und eine auf Mallorca arbeitende Reiseleiterin, die sich plötzlich im Zentrum einer Mordgeschichte findet.


Meine schöne Mörderin

Meine schöne Mörderin (1969)
Rowohlt (1980)
Hansjörg Martin: Meine schöne Mörderin vergrößern
Ein weiterer Roman um Leo Klipp.

In einem Kaufhaus wird ein Toter gefunden. Rasch fällt der Verdacht auf eine junge Angestellte, die in Jugoslawien Urlaub macht. Klipp folgt ihr ...

Klipp ist wie immer: Gegenüber dem Leser schonungslos ehrlich, zynisch und sarkastisch, ironisch und unehrlich in seinem persönlichem Umfeld. Heutigen Lesern wird vieles fremd vorkommen, zu vieles hat sich seither geändert. Jugoslawien gibt es nicht mehr, tagelange Reisen um einen Urlaubsort zu gelangen, nimmt heute kaum noch jemand auf sich. Ein Zeitdokument.










Schwarzlay und die Folgen

Schwarzlay und die Folgen (1974)
Rowohlt (1974)

Nach einer durchzechten Nacht stolpert ein Oberstudiendirektor auf einer Müllkippe über die Leiche eines nackten Mädchens.

Das ist die Ausgangssituation des Romans, der sich im weiteren damit beschäftigt die Vorgeschichte zu erzählen. Wunderbar unaufregend, dicht an der Wirklichkeit, so daß der Leser das Gefühl hat, das Vorbild für die eine oder andere Figur zu kennen.

Der im Titel erwähnte Schwarzlay ist ein Wein.


Spiel ohne drei

Spiel ohne drei (1978)
Rowohlt (1978)
Noch ein Roman um Kommissar Klipp.

Zwei Fälle verbinden sich miteinander.

Der eine privat (vier Freunde ohne Familie, einer davon Leo Klipp), beschließen bei einer ihrer regelmäßigen Skatrunden, sich gegenseitig zu Erben zu machen - ohne zu ahnen, daß sie sich damit in Gefahr bringen.

Der andere beruflich, ein scheinbarer Raubmord.

Die Lösung des einen Falles, führt zur Lösung des anderen.

Kein großartiger Krimi, beide Lösungen sind viel zu offensichtlich. Was das Buch lesenswert macht, ist die lockere, humorvolle aber beherrschte und sehr präzise Sprache.



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