Agatha Christie

Easy to kill

Murder is easy (1939)
Pocket (1971)

Agatha Christie: Easy to kill
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Luke Fitzwilliam, ein pensionierter Polizist, gerät in einem Zug an eine alte Dame, die ihm erzählt, daß in dem kleinen Ort Wychwood-under-Ashe ein Mord nach dem anderen geschieht, ohne daß das auffällt. Sie ist auf dem Weg zu Scotland Yard, um ihren Verdacht zur Anzeige bringen.

Am nächsten Tag liest Luke in der Zeitung, daß die alte Dame von einem Auto überfahren wurde.

Neugierig geworden, reist er nach Wychwood um den Fall zu klären.

Die Lösung ist originell, die Figuren sind es nicht. Luke hat einen ähnlichen Hintergrund wie Poirot, ohne eine ebenso interessante Person zu sein. Und die alte Dame nimmt Miss Marple vorweg.

Warum Christie am Schluss Superintendent Battle auftreten läßt, ist mir ein Rätsel. Er trägt nichts zur Handlung bei und hätte ohne weiteres durch einen Wegwerfcharakter ersetzt werden können.

Keiner der ganz großen Christie-Romane, aber gute Unterhaltung.
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Endless night

Endless night (1967)
Fontana (1990) / HarperCollins (1993)

Agatha Christie: Endless night
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Agatha Christie: Endless night
Michael Rogers, Ich-Erzähler, hat sich in unzähligen Berufen versucht. Bei einem Besuch in England, verliebt er sich in ein Landstück (Gipsy′s Acre) und eine junge Frau, Ellie Guteman, die nicht nur hübsch und naiv sondern darüber hinaus unermeßlich reich ist.

Die rasch geschlossene Ehe passt nicht allen aus Ellies Umgebung - und dann gibt es da noch eine Zigeunerin, die Ellie Unheil vorhersagt.

Das Buch ist gut geschrieben. Ich kann verstehen, warum Christie es für eines ihrer Besten hielt - auch wenn es das nicht ist.

Verdachtsmomente werden aufgebaut, Spuren gelegt, so daß der Leser als der Mord endlich geschieht (er kam so spät, daß ich schon den Verdacht hatte, in einem Mary-Westmacott-Roman zu sein) wahrscheinlich schon längst auf der falschen Spur ist.

Nach dem Mord geht es ganz schnell. Fast könnte man meinen, Christie habe das Interesse an dem Buch verloren und es nur noch irgendwie beenden wollen.

Keines der ganz großen Werke der Autorin.



Ich werde alt. Anders kann ich es mir nicht erklären, daß ich ein Buch nach nur drei Jahren ein weiteres Mal lese und mich nicht mehr an die Geschichte erinnere.

Ja, das Buch ist gut geschrieben - andernfalls hätte ich abgebrochen, als mir nach rund der Hälfte klar war, daß ich die Geschichte doch schon mal gelesen habe.

Die Figuren sind gut getroffen. Ich frage mich, ob der geniale Architekt Santonix nur mich an Philip Bosinney aus der Forsythe Saga erinnert. Vielleicht ist es schlichtweg nur Zufall, aber Endless Night erschien im selben Jahr wie die geniale Verfilmung der Forsythe Saga mit Eric Porter und Nyree Dawn Porter.

Ja, es ist gut durchdacht, ja, der Leser kann ahnen, was vor sich geht, aber am Schluss löst sich die Sache dann doch recht schnell auf.


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The floating admiral

The floating admiral (1930)
Charter (1980)

Haben Sie geglaubt, Sie kennen alles von Agatha Christie? Auch dieses Buch? Wahrscheinlich nicht.

So weit ich weiß, ist es nie auf Deutsch erschienen.

Christies Name dürfte der sein, der die größten Verkaufserfolg verheißt, daher taucht sie auf dem Cover an erster Stelle auf.

Tatsächlich handelt es sich um eine Art Kettenbrief. Jeder Autor hat ein Kapitel geschrieben, ohne zu wissen, wie sich sein Vorgänger den Fortlauf der Handlung vorgestellt hat.

Beteiligt waren neben Agatha Christie: Gilbert Keith Chesterton, Canon Victor L. Whitechurch, G.D.H. and M. Cole, Henry Wade, John Rhode, Milward Kennedy, Dorothy L. Sayers, Ronald A. Knox, Freeman Wills Crofts, Edgar Jepson, Clemence Dane, Anthony Berkeley.

Abgerundet wird das Buch durch einen Anhang, in dem alle Autoren schildern, wie sie sich den Fortgang der Handlung vorgestellt haben.
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Das Geheimnis von Sittaford

The Sittaford mystery (1931)
Goldmann (1955)

In Sittaford, einem kleinen Dörfchen in Dartmoor, wird eine Seance veranstaltet, in deren Verlauf einer der Einwohner, Kapitän Trevalyan, der sein Anwesen vermietet hat und daher derzeit im Nachbarort wohnt, als ermordet bezeichnet wird. Trotz eines drohenden Schneesturms macht sich sein bester Freund, Major Burnaby auf dem Weg zu ihn. Tatsächlich findet er den Freund ermordet vor. Die Polizei verdächtig recht schnell einen Neffen des Opfers. Doch dessen Verlobte, Emily Trefusis, ist von seiner Unschuld überzeugt und stellt eigene Ermittlungen an.

Ein spannendes Buch, mit einer raffinierten Auflösung (auch wenn ich den Täter ziemlich schnell in Verdacht hatte - aber ich bin Schriftsteller und meine Gedanken laufen wohl recht häufig in den selben Bahnen wie die Christies). Das Buch lebt von der Zeit, in der es geschrieben wurde, eine Zeit, in der Telefone keine Selbstverständlichkeit waren, eine Zeit in der heftiger Schneefall englische Ortschaften von der Welt abschneiden konnte.

Emily Trefusis ist so gut angelegt, daß man sich gewünscht hätte, Christie hätte sie später noch einmal aufgegriffen.
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Das krumme Haus

The crooked house (1949)
Scherz (1983)

Agatha Christie: Das krumme Haus
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Als Charles Hayward nach einem Auslandsaufenthalt nach England zurückkehrt, erfährt er, was im Haus seiner Verlobten, geschehen ist. Der Großvater wurde vergiftet. Verdächtig ist jeder der großen Familie, die zum Teil kriegsbedingt, zum anderen Teil freiwillig alle unter einem Dach wohnen.

Mit lockerer Hand geschrieben. Es gibt keine Spuren, keine Verdächtigen. Man rätselt nicht, nimmt nur zur Kenntnis.

Gute Unterhaltung. Ich kann verstehen, warum Christie es für eines der besten ihrer Bücher gehalten hat - handwerklich stimmt alles. Aber aus Lesersicht hat sie sicher besseres geschrieben.
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Der letzte Joker

The seven dials mystery (1929)
Scherz (1976)

Agatha Christie: Der letzte Joker
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Chimneys, das Herrenhaus aus Die Memoiren des Grafen ist an einen Industriellen vermietet. Eine Gruppe von jungen Leuten ist bei ihm zu Gast. In der Nacht als man einem Langschläfer einen Streich spielen will, stirbt dieser. Als einer seiner Freunde Lady Eileen "Bundle" Brent angeschossen vor den Wagen läuft, ist ihre Neugier geweckt. Sie beginnt mit zwei neuen Bekannten zu ermitteln.

Man merkt, daß die Übersetzung (von Renate von Walter) neueren Datums ist (das Buch liegt in der 1. Auflage vor) als die des Vorgängers. Die Sprache ist moderner. Allerdings scheint von Walter dieses Werk nicht zu kennen, denn sie übersetzt "Bundle" (richtig) mit "Bündel" und nicht wie vorher eingeführt mit "Wuschel".

Das Buch selbst reicht bei weiterem nicht an den Vorgänger heran, es fehlt die Leichtigkeit außerdem kann Christie einfach keine Spionagegeschichten schreiben und als solche ist "The seven dials mystery" mit seinen maskierten Verschwörern anzusehen.

Keines von Christies besten Büchern, aber lesbar.

Der Roman wurde hervorragend verfilmt - leider vergammelt der Film in irgendeinem Archiv.
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Der Mann im braunen Anzug

The man in the brown suit (1924)
Scherz (1965)

Agatha Christie: Der Mann im braunen Anzug
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Nein, der Mann, in den Anne Beddingfield sich verliebt hat, kann kein Mörder sein. Um das zu beweisen folgt Anne der Spur des Manns im braunen Anzug bis nach Südafrika.

Der Roman wird aus zwei Ich-Perspektiven erzählt. Der Täter ist sehr gut versteckt und verrät sich erst kurz vor Schluß, aber nur ganz besonders aufmerksame Leser bemerken daß in einem Geständnis eines Mitwirkenden, die entscheidende Spur zum Mörder versteckt ist. Auch wenn es sich um eine Reiseerzählung (von England nach Südafrika) handelt, so bleibt der Personenstamm überschaubar. Eine der Personen scheidet aus heutiger Sicht als Täter aus, was der Geschichte etwas Spannung nimmt, da man ihr u.a. in Tod auf dem Nil wiederbegegnen wird.
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Die Memoiren des Grafen

The secret of Chimneys (1925)
Scherz (1972)

Agatha Christie: Die Memoiren des Grafen
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Ein Mord im Außenministerium, Memoiren eines Politikers, ein Gauner, drei Detektive und ein Diamant. Hört sich wirr an. Tatsächlich ist das eine sehr unterhaltsame Geschichte, leicht im Ton und mit einem fast irrwitzigen Tempo erzählt.

Der Übersetzung merkt man hin und wieder ihr Alter an. ("Es nahm mich bloß wunder.").

Erster Auftritt von Superintendent Battle und Lady Eileen "Bundle" Brent.

Der deutsche Übersetzer wird leider nicht benannt.

Agatha Christie deutsch
Herzoslovakia Herzoslowakien
King Nicholas IV König Nikolaus IV
Superintendent Oberinspektor
Bundle Wuschel

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Mr. Parker Pyne, detective

Mr. Parker Pyne, detective (1962)
Dell (1963)

Eine Sammlung von Kurzgeschichten aus den Jahren 1932, 1933, 1961.

The case of the middle-aged wife
The case of the discontended soldier
The case of the distressed lady
The case of the discontended husband
The case of the city clerk
The case of the rich woman
Have you got everything you want?
The gate of Bagdad
The house of Shiraz
The pearl of price
Death on the Nile
The oracle of delphi
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Mörderblumen

Listerdale mystery (1925-1958)
Scherz (1984)

Agatha Christie: Mörderblumen
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Kurzgeschichten von Agatha Christie:



Die kurze Form liegt Christie nicht. Die Puppe der Schneiderin soll eine Horrorgeschichte sein, ist aber nur ... unbefriedigend. Die beste Geschichte ist sicher "Etwas ist faul" allerdings kann man die Auflösung kilometerweit sehen.

Das Buch ist ein netter Zeitvertreib, aber weit davon entfernt ein Klassiker zu sein.
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Mördergarn

Regatta mystery (1923-1934)
Scherz (1983)

Agatha Christie: Mördergarn
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Kurzgeschichten von Agatha Christie. Ich hab sie 2018 erneut gelesen. Nach mindestens 20 Jahren hatte ich keine Erinnerung mehr an den Inhalt der Geschichten:

Aus The Novel Magazin 233 (August 1924) (als The Mystery of the Second Cucumber)

Ein Schriftsteller erhält einen Anruf, in dem er um Hilfe gebeten wird. Als er seiner Neugier nachgibt, trifft er nicht nur auf die Anruferin, sondern auch zwei Polizisten, die kurz nach ihm eintreffen. Sie wollen ihn in einem Taxi zum Yard bringen. Er bittet darum, ihnen zu Hause die Beweise für seine Unschuld vorlegen zu dürfen. Während er sich mit dem einen in einem Zimmer unterhält, ist der andere im Rest der Wohnung alleine ...

EIne kurze, recht lustige Geschichte.

Zunächst wirkt sie wie der Beginn eines Christie-Romans, aber als die Polizisten in ein Taxi steigen, habe ich gestutzt. Die Geschichte nahm schließlich das erwartete, eigentlich recht amüsante Ende.


Jane sucht Arbeit
Jane in search of a job
Aus The Grand Magazin 234 (August 1924)

Jane ist arbeitslost, als sie eine Zeitungsanzeige entdeckt, mit der ein Mädchen gesucht wird, das genau ihrer Beschreibung entspricht.

Das ist eine Zeitungsanzeige, wie in der Liga der Rothaarigen. Ich frage mich , ob eine solche Anzeige tatsächlich zig Menschen anlocken würde.

Daß an der Geschichte etwas nicht stimmt, ahnt man von Anfang an - und ist doch überrascht wenn die Vermutung bestätigt wird.

Nicht ganz so gut wie die erste Geschichte.


Die Zigeunerin
The gipsy

Erstveröffentlichung 1933. Über das Wo liegen mir keine Informationen vor.

Mcfarlane begegnet immer wieder ein Frau, die ihn vor Gefahren warnt.

Ziemlich schwach, was daran liegt, daß Christie sich hier an einer Gruselgeschichte versucht.

Auf Seite 57 der vorliegenden Ausgabe heißt es:

Er hatte gewußt, was kommen würde: daß sein Freund sich alles von der Seele reden mußte. Allerdings hatte er mit einem anderen Thema gerechnet. Jedenfalls fiel der Name Esther Lawes nicht ein einziges Mal.

Auf der nächsten Seite befinden wir uns mitten in der Erzählung des Freundes:

Als ich ungefähr sieben war, hatte ich das Mädchen zum letzten Mal gesehen; aber der junge Arthur war ein guter Freund von mir, und als er gestorben war, schrieb Esther immer an mich und schickte mir Zeitungen.

Und so weiter.

Ich habe keine Ahnung, ob hier ein Übersetzerfehler vorliegt, oder ob das bereits im (dann schlecht lektorierten) Manuskript von Christie zu finden ist.


Spiegelbild
In a glass darkly

Erstveröffentlichung 1934. Über das Wo liegen mir keine Informationen vor.

Er sieht in einem Spiegel, wie ein Mann ein Frau würgt, doch die Tür, durch die er in den angrenzenden Raum sehen kann, ist tatsächlich durch einen Schrank verbaut.

Nach Jahren stellt sich heraus, daß er einen Unschuldigen der Tat verdächtig hat.
Schwach. Sehr schwach. Christie liegt das Übernatürliche nicht.
Das Mädchen im Zug
The girl in the train

Erstveröffentlichung 1924.

Ein junger Mann sitzt im Zug, als eine junge Frau hereinstürmt und um Hilfe bittet. Er versteckt sie unter einem Sitz. Gleich darauf kommt ein Mann, gibt sich als Onkel der Verfolgten aus und macht dem jungen Mann bittere Vorwürfe. Erst der Schaffner kann für das Verschwinden des Verfolgers sorgen. Die junge Frau ist auf der Flucht, gibt aber den Grund nicht an. Bevor sie den Zug verlässt, bittet sie ihren Retter, einen anderen, bislang unauffälligen Passagier zu beobachten.
Eine Geschichte vollere überraschender Wendungen, stellenweise sehr amüsant.

Man fragt sich, warum Christie die gute Idee nur in einer Kurzgeschichte verwendet und nicht zu einem Roman ausgebaut hat.

Vielleicht, nur vielleicht, hängt es damit zusammen, daß sie wieder einmal einen Balkanstaat erfinden mußte, um die Geschichte der Flüchtenden zu unterfüttern.

Der seltsame Fall des Sir Arthur Carmichael
The strange case of Sir Arthur Carmichael

Erstveröffentlichung 1933.

Es geht um einen Mann, der sich wie eine Katze verhält und um den Geist einer Katze.


Der Titel ist das Beste an der Geschichte.

Das ganze wird zunächst als Rätsel hingestellt, dann jedoch nie richtig aufgelöst.

Nein, wirklich nicht gut.


Der Traum vom Glück
The manhood of Edward Robinson

Erstveröffentlichung 1924.

500 Pfund können den Unterschied zwischen einem langweiligen und einem aufregenden Leben ausmachen. Hier werden die 50 Pfund in ein Auto investiert.

Nach einem kleinen Spaziergang findet der neue Autobesitzer statt eines Schals ein wertvolles Schmuckstück in der Türentasche.
Die Geschichte ist originell und obendrein gut erzählt.

Eine Lüge, ein Streich, eine Mutprobe ... eigentlich eine Ansammlung von Nichtsen.

Scherz gibt das Entstehungsdatum der Geschichte nicht an. Die Kenntnis dieses Datums ist aber für das Verständnis der Geschichte notwendig, denn heute (bzw. im Erscheinungsjahr der deutschen Ausgabe) können zwei farblich identische Autos vielleicht verwechselt, aber nicht gestartet werden.


Insgesamt ein abwechslungsreiches Buch mit einigen gelungenen Geschichten. Tiefpunkt sind die Gruselgeschichten. Mail an Ralf H.