Christie Agatha

Poirot, Hercule
A C M R

Agatha Christie - Hercule Poirot
Der zweitgrößte Detektiv. Im Fernsehen perfekt dargestellt von David Suchet - obwohl Peter Ustinov sicher populärer ist.

13 bei Tisch

Lord Edgware dies (1933)
Goldmann (1962)

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Lady Edgware will sich scheiden lassen. Da ihr Ehemann die Scheidung ausschlägt, soll Poirot ihn überzeugen zuzustimmen. Doch zur Überraschung von Hastings und Poirot denkt Lord Edgware gar nicht daran, der Scheidung zu widersprechen. Trotzdem stirbt der Lord kurz nach dem Gespräch. Und alles deutet zunächst auf seine Noch-Ehefrau. Es ist Poirot, der eine Alternative aufzeigt - und einem seiner größten Irrtümer verfällt.

Von Hastings Ehefrau ist keine Rede. Kurz vor Schluß wird er nach Argentinien zitiert, den Grund hierfür erfahren wir jedoch nicht.

Der Aufgabe der Geschichte ist originell, weil diesmal wirklich die Person, die kein Leser im Verdacht hat, der Täter ist. Christie erzählt die Geschichte nicht ohne einen gewissen Humor, der vor allem durch die Spitzen, mit denen Hastings und Poirot sich bedenken, erzeugt wird.

Die Auflösung des Buchs funktioniert im Deutschen nicht ganz so gut wie im Englischen, weil Paris und Paris unterschiedlich ausgesprochen werden (die Stadt mit Betonung auf dem I, der griechische Sagenheld mit Betonung auf dem A).

Die Übersetzung von Dr. Albrecht van Bebber wirkt an einigen Stellen angestaubt, verschafft dem Stoff aber gerade dadurch das nötige Zeitkolorit.


The A.B.C. murders

The A.B.C. murders (1936)
Pocket (1966)

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Ein Mord wird angekündigt. Poirot kommt zu spät ihn zu verhindert. Ein zweiter Mord wird angekündigt- und wieder ist Poirot zu spät dran. Dann steht ein dritter Mord bevor.

Man merkt dem Buch an, daß es als Fortsetzungsgeschichte konzipiert war. Mitunter hat man das Gefühl, daß Christie Punkt für Punkt einer Liste abarbeitet - so wie Poirot das dem Mörder vorwirft.

Hastings, der Ich-Erzähler, fügt auch Abschnitte ein, die er nicht selbst erlebt hat. Dadurch erfahren wir mehr über Mr. A.B. Cust, der nach einer Kriegsverletzung zum Epileptiker wurde - und im Verlauf der Handlung immer mehr als Täter aufgebaut wird. Tatsächlich wurde er vom wahren Täter als Sündenbock aufgebaut.

Die Geschichte ist raffiniert aufgebaut - auch wenn man als geübter Christie-Leser schnell ahnt, worauf es hinaus laufen wird. Einig Bemerkungen von Poirot helfen dabei allerdings.

Allmählich frage ich mich jedoch, warum Christie die Frau von Hastings nicht abgeschafft hat. Wie in The big four wird nur erwähnt, daß Hastings sie in Südamerika zurückgelassen hat. Und läßt er sie monatelang alleine zurück, erwähnt nicht, daß er ihr schreibt oder mit ihr telefoniert. Ein liebevoller Ehemann ist er also durchaus nicht, für die Autorin selbst war sie nur im Weg.

Verfilmt mit Tony Randall als Poirot (ich schätze Randall, aber als Poirot ist er weit davon entfernt ideal zu sein - und der Film hat auch nicht besonders viel mit der literarischen Vorlage zu tun. Margaret Rutherford und Stringer Davis treten ganz kurz als Miss Marple und Mister Stringer auf, was den Film zu einem Muß für jeden Rutherford/Marple-Fan macht.


Alibi

The murder of Roger Ackroyd (1926)
Goldmann (1966)

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Der dritte Poirot-Roman, diesmal ohne Hastings, dessen Stelle als Ich-Erzähler von Dr. Sheppard eingenommen wird.

Die Geschichte ist einfach (Roger Ackroyd wird erstochen aufgefunden), jeder im Haus ist verdächtig. Aber die Lösung ist genial. Sie war damals wegweisend und kontrovers.

Das Problem ist, daß man überall im Web über die Lösung stolpert, daß der Name des Romans viel zu einprägsam ist und ich daher - auch wenn ich mich an den Roman selbst nicht erinnerte, genau wußte, wer der Täter war. Es macht trotzdem Spaß, das Buch zu lesen und zu verfolgen, mit welchen Tricks Christie arbeitet, um vom tatsächlichen Tathergang und dem Mörder abzulenken.


Die Arbeiten des Herkules - Band 2

The labours of Hercules (1958 ?)
Scherz (1958)

Agatha Christie: Die ersten Arbeiten des Herkules vergrößern
Zum einen sind Kurzgeschichten nicht gerade Christies Stärke, zum anderen wirken die Geschichten allesamt etwas bemüht, weil mit aller Gewalt ein Bezug zu Herakles hergestellt werden muß. Kein Wunder, daß diese Geschichten bislang nicht mit David Suchet verfilmt wurden.

Der Kretische Stier (The Cretan Bull)
Die Stuten des Diomedes (The Horses of Diomedes)
Der Gürtel der Hyppolyta (The Girdle of Hyppolita)
Geryons Herde (The Flock of Geryon)
Die Äpfel der Hesperiden (The Apples of Hesperides)
Die Gefangenahme des Zerberus (The Capture of Cerberus)

Fortsetzung von Die ersten Arbeiten des Herkules


Auch Pünktlichkeit kann töten

Poirot's early cases / Murder in the Mews (1923,1932)
Scherz (1979)

Diverse Kurzgeschichten:

Auch Pünktlichkeit kann töten (Neufassung von The Second Gong aus Strand Magazine 499 (Juli 1932))
Das Erbe der Familie Lemesurier
Die mysteriöse Angelegenheit in Cornwall
Das Abenteuer des Kreuzkönigs
Das Geheimnis des Plymouth Express
Köchin gesucht


Auf doppelter Spur

The clock (?)
Scherz (1969) / Xenos (1976)

Ein Mord. Noch ein Mord. Und noch ein Mord. Schließlich nimmt sich Poirot der Sache an.

Ich hab wirklich keine Ahnung, worum es geht und der Rückentext ist auch nicht sehr aussagekräftig.


Der ballspielende Hund

Dumb Witness (1937)
Scherz (1968)

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Poirot erhält einen merkwürdigen Brief. Er ist Wochen alt und die Absenderin ist inzwischen verstorben. Für Hasting ist die Geschichte damit erledigt, aber Poirot ist davon überzeugt, daß ein Unfall der alten Dame - in dessen Folge sie einerseits ihre Familie enterbte, andererseits den Brief an Poirot schrieb - ein mißglückter Mordversuch war. Er ist entschlossen, den Mörder zu enttarnen.

Launig geschrieben, wenn auch kein typischer Poirot. Er lügt, gibt vor, jemand anderer zu sein - alles nur, um die Geschichte voran zu treiben. Hastings hingegen versetzt sich dauernd in einen Hund, der nichts lieber tut, als mit einem Ball zu spielen.

Man langweilt sich nicht, aber die Geschichte ist an den Haaren herbeigezogen:

Nachts wird ein Nagel eingeschlagen und lackiert - ohne daß irgendjemand das hört oder sich am nächsten Tag über den Gestank wundert. Und das vor einer offenen Schlafzimmertür!

Das funktioniert nicht einmal ansatzweise, aber wenn man nicht weiter darüber nachdenkt, sondern sich nur von der Erzählung tragen läßt, fällt das nicht weiter auf.

Ein unterhaltsamer Roman, gut geschrieben, aber weit von der Klasse des nächsten Poirots entfernt: Tod auf dem Nil.


The big four

The big four (1927)
Pan (1961)/Scherz (1979)

Agatha Christie: The big four vergrößern Agatha Christie: Die großen Vier vergrößern
Vier Verbrecher wollen die Welt beherrschen. Aber sie haben die Rechnung ohne Poirot gemacht.

Kein typischer Poirot. Vieles wirkt an den Haaren herbeigezogen, könnte eher aus der Feder von Edgar Wallace oder Ian Fleming stammen.

Christie arbeitet hier ab, was sie nie beherrscht hat: Weltverschwörung (die hier so unglaubhaft wirkt wie in allen anderen ihrer Bücher). Diesmal sind es zwar vier, aber warum gerade diese vier, wird nie völlig klar. Ein Chinese (der nie auftritt), ein reicher Mann, eine Wissenschaftlerin und dann auch noch ein gescheiterter Schauspieler. Was diese vier zusammen führt? Keine Ahnung? Wodurch sie Macht haben? Keine Ahnung (bei dem reichen Amerikaner kann man es sich vorstellen, aber die Wissenschaftlerin?). Man merkt dem Buch an, daß es als Zeitschriftenserie konzipiert war. Man merkt, daß Christie noch weit davon entfernt ist, sich von Holmes emanzipiert zu haben, es wird immer wieder Bezug auf ihn genommen, ohne den Namen zu nennen. Hastings, ein verheirateter Mann, läßt seine Frau allein in Südamerika zurück, nicht einige Wochen sondern fast ein Jahr - und gleicht damit Watson, der für Holmes jederzeit bereit war seine Frau(en) zurückzulassen.

Hastings ist hier der Überwatson, er ist der Watson, der Nigel Bruce war, der Watson, den Doyle so nicht geschaffen hat. Hastings ähnelt hier der Figur, die Jonathan Cecil an der Seite von Peter Ustinovs Poirot gespielt hat, ist meilenweit entfernt von Hugh Fraser (an der Seite von Suchets Poirot).

Das Buch wird mehrmals ausgesprochen albern, vor allem als Poirot vorgibt, einen Zwillingsbruder namens Achille zu haben - eine Figur, die eindeutig an Mycroft angelegt ist. Einen nichtexistierenden Bruder, der nur dazu dient, Hastings und dadurch die Verbrecher zu täuschen. Ein schöner Freund, der ein solch übles Spiel treibt.

Nicht gerade Christies schlechtestes Buch, aber sicher nicht weit davon entfernt.

Erstaunlicherweise griff Heinz Looser bei der Gestaltung des deutschen Umschlags auf das selbe Motiv wie Pan zurück.

Beim Vergleich Original/Übersetzung fällt sofort auf, daß man im Deutschen auf die Kapitelüberschriften verzichtet. Sollten diese von Mrs. Christie stammen, ist dies für mich ein ungerechtfertiger Eingriff in das Manuskript.

Der Beginn des Romans:

Agatha Christie Hans Mehl
Chapter 1

The Unexpected Guest

I have met people who enjoy a channel crossing; men who can sit calmly in their deckchairs and, on arrival, wait until the boat is moored, then gather their belongings together without fuss and disembark.
1

Bei meinen wiederholten Reisen über den Ärmelkanal bin ich Leuten begegnet, denen die Überfahrt sichtliches Wohlbehagen bereitete. Menschen, die gemütlich in ihren Deckstühlen saßen, bei der Ankunft ruhig abwarteten, bis das Schiff festgemacht hatte, und erst dann, ohne Übereilung, ihre Habseligkeiten zusammenpackten und das Schiff verließen.


Besonders genau ist die Übersetzung nicht (Richtig wäre: Ich habe Leute getroffen, die eine Kanalüberquerung genießen; Männer, die ruhig in ihren Deckstühlen sitzen können und, bei der Ankunft, warten bis das Schiff festgemacht hat, dann ihre Habseligkeiten ohne Hast zusammenpacken und von Bord gehen.) Ausserdem macht Mehl aus einem Satz mehrere Sätze.

Das Ende des Romans:

Agatha Christie Hans Mehl
  He laughed heartily at the idea, but with a touch of embarrassment. I hope ... small men always admire big flamboyant women -

  "Marry and arrange myself", he said again. "Who knows?"
"Ich sehne mich sogar danach ... Kleine Leute bevorzugen stets große, rotblonde Frauen ... Heiraten und ein Heim gründen", meinte er versonnen. "Wer weiß?"


Hier kann es einen richtig gruseln. Nicht nur, daß aus zwei Absätzen einer wird, nein, Mehl macht eine Bemerkung Hastings zur wörtlichen Rede Poirots - und nimmt ihr noch den Sinn. Kleine Leute (was auf Poirot nicht zutrifft) ist nun mal etwas anderes als kleine Männer (was auf Poirot zutrifft).

Zwei Sätze, aber sie zeigen, daß zumindest diese deutsche Übersetzung nicht die Arbeit Christies wiedergibt - was ihr aber nicht ihren Unterhaltungswert nimmt.



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