Christie Agatha
Beresford, Tommy & Tuppence Marple, Jane Poirot, Hercule

Agatha Christie - Jane Marple
Gibt es jemanden, der die Margaret Rutherford-Filme nicht mag? Ich kenne keinen. Aber so gut sie auch waren, sie hatten nichts oder so gut wie nichts mit den Büchern zu tun (Mr. Stringer ist eine Film-Erfindung, St. Mary Mead wurde zu Milchester), ja die Autoren bearbeiteten sogar Hercule Poirot-Romane für Mrs. Rutherford.

Helen Hayes war sosolala, Angela Lansbury sehr überzeugend, aber leider nur in einem Film. Unübertroffen werkgetreu ist die Reihe mit Joan Hickson, die im Fernsehen leider nur noch selten zu sehen ist.

Die Neuverfilmungen mit Geraldine McEwan kann man anschauen. Sie sehen gut aus, haben mit den Vorlagen aber mitunter fast nichts zu tun.

Jahr
Originaltitel
Deutscher Titel

1930The Murder at the VicarageMord im Pfarrhaus
1932The Thirteen ProblemsDer Dienstagabend-Klub
1942The Body in the LibraryDie Tote in der Bibliothek
1943The Moving FingerDie Schattenhand
1950A Murder is AnnouncedEin Mord wird angekündigt
1952They Do It with MirrorsFata Morgana
1953A Pocket Full of RyeDas Geheimnis der Goldmine
19574.50 from Paddington16 Uhr 50 ab Paddington
1962The Mirror Crack'd from Side to SideMord im Spiegel
1964A Caribbean MysteryKaribische Affäre
1965At Bertram's HotelBertrams Hotel
1971NemesisDas Schicksal in Person
1976Sleeping MurderRuhe unsanft

At Betram's Hotel

At Bertram's Hotel (1965)
Pocket (1973)

In einem Hotel, in dem Jane Marple gerne absteigt, geschieht ein Mord.

Mit Joan Hickson verfilmt. Erstaunlich, daß Christie ihre Version der Jane Marple nicht der überaus erfolgreichen Filmfigur geopfert hat.


Der Dienstagabendklub

The thirteen problems (1932)
Scherz (1965)

Agatha Christie: Fata Morgana vergrößern
Der deutsche Titel meint nicht Club Cumulus (obwohl sich dieser Club auch Dienstags traf).

Das Buch setzt sich aus 13 Kurzgeschichten zusammen, die wiederum deutlich erkennbar in drei Abschnitte zu unterteilen sind. Zunächst vertreibt sich eine kleine Gruppe Dienstags die Zeit damit, Kriminalfälle zu erzählen, dann wird diese Zeit der Abendbeschäftigung im Haus von Col. Bantry (den wir aus Mord im Pfarrhaus kennen, bzw. dem wir dort wiederbegegnen werden) fortgesetzt und schließlich geschieht in St. Mary Mead ein Mord, den Miss Marple aufklären kann.

Die Geschichten wurden vorher in Magazinen veröffentlicht.



Fata Morgana

They do it with mirrors (1952)
Scherz (1965)

Agatha Christie: Fata Morgana vergrößern
Ruth van Rydock hat bei einem Besuch ihrer alten Jugendfreundin Carrie Louise den Eindruck gewonnen, daß diese sich in Gefahr befindet. Aus diesem Grund bittet sie die gemeinsame Freundin Miss Marple sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.

Carrie Louise betreibt mit ihrem dritten Ehemann ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche.

Miss Marple ist ein willkommener Gast, kann aber den Mord an Christian Gulbrandsen, dem Bruder des ersten Mannes von Carrie-Louise nicht verhindern.

Wenn man den Originaltitel im Hinterkopf hat, ist sofort klar, wie und von wem der Mord begangen wurde.

Die Erzählweise ändert sich nach dem Mord etwas. Vor dem Mord haben wir eine aktive Erzählerin, die auch mal einen Kommentar abliefert (So kam es, da sie [Miss Marple] die Amerikanerin Ruth am häufigsten gesehen hatte, während sie mir Carrie Louise, die in England lebte, seit über zwanzig Jahren nicht mehr zusammengekommen war. Das klingt seltsam, ist aber ganz natürlich. Denn wenn man in demselben Lande lebt, besteht ja keine Notwendigkeit, ein Zusammentreffen mit alten Freunden herbeizuführen. Man nimmt an, früher oder später würde man sich ohne vorherige Planung schon sehen.). Nach dem Mord zieht Christie sich zurück.

Ein Roman, der gute Unterhaltung liefert und sehr angenehm zu lesen ist.


Karibische Affaire

A Carribean Mystery (1966)
Scherz (1979)

Miss Marple macht Ferien auf einer Insel in der Karibischen See. Sie begegnet Oberst Palgrave, der behauptet, das Foto eines Mörders zu besitzen. Kurz darauf ist er tot.


Mord im Pfarrhaus

Murder at the vicarage (1930)
Scherz (1966)/Scherz (1972)

Agatha Christie: Die Tote in der pfarrhaus vergrößern Agatha Christie: Die Tote in der pfarrhaus vergrößern
Oberst Protheroe wird im Pfarrhaus von St. Mary Mead erschossen. Da er nicht gerade beliebt war, ist die Liste der Verdächtigen ziemlich lang. Aber Miss Marple läßt sich nicht beirren.

Der erste Roman um Miss Marple. Sie erscheint deutlich unsympathischer als in den späteren Romanen (hier schnüffelt sie mit dem Fernglas hinter Nachbarn her und tarnt das als Interesse an Ornithologie). Christie nahm die Figur erst 1942 wieder auf - dann wohl aufgrund der eigenen Alterung und Reifung doch etwas gewandelt. Die Miss Marple aus diesem Roman hätte niemand freiwillig zu sich ins Haus geholt um einen Mord aufzuklären.

Meine beiden Ausgaben stammen zwar aus dem selben Verlag, sind fast textidentisch, die von 1972 ist leicht gekürzt, unterscheiden sich aber im Satz. Die Ausgabe von 166 sieht in etwas so aus:

1. Kapitel

Es ist nicht leicht, sich darüber klar zu werden, wo diese Ge- schichte beginnen soll, aber ich habe mich für einen bestimmten Mittwoch entschieden, um die Mittagszeit im Pfarrhaus. Wenn auch die Unterhaltung mit unserem eigentlichen Gegenstand nichts zu tun hatte, so fielen doch in ihr ein oder zwei Hinweise, die von Einfluß auf spätere Entwicklungen waren.


Pro Seite werden 45 Zeilen verwendet.

1972 hat man etwas anders gesetzt.:

1

Es ist nicht leicht, sich darüber klar zu werden, wo diese Geschichte beginnen soll, aber ich habe mich für einen bestimmten Mittwoch entschieden, um die Mittagszeit im Pfarrhaus.


Der Rest des Abschnitts fehlt hier. Je Seite werden 41 Zeilen benutzt. Kleinere Schrift, weniger Zeilen (was größere Abstände zwischen den Zeilen und damit ein etwas angenehmeres Satzbild zur Folge hat), 18 Seiten weniger Umfang.


Mord im Spiegel

The mirror crack'd from side to side (1962)
Bertelsmann (?)

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Bei einem Empfang fällt Heather Badcock tot um. In ihrem Cocktail wird Gift gefunden. War sie das beabsichtigte Opfer? Oder sollte der gefeierte Star Marina Gregg ermordet werden?

Das Buch wurde mit Angela Lansbury, Rock Hudson und Elisabeth Taylor verfilmt, aus dem Opfer wurde dort Heather Babcock, vielleicht war der ursprüngliche Name für einen Film doch zu anstößig.

Inzwischen weiß man, daß Christie sich am Schicksal von Gene Tierney, einer heute so gut wie vergessenen Schauspielerin orientierte. Lange Zeit hält das Buch ein beachtliches Niveau, erzählerisch wie spannungsmäßig, aber mußte am Schluß wirklich noch der erste Ehemann von Marina Gregg entdeckt werden? Das hat keinen wirklichen Sinn, lenkt zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal vom ursprünglichen Mord ab.

Warum finden der zweite und der dritte Mord statt? Man kann vermuten, daß die Opfer als Erpresser tätig waren, aber aufgeklärt wird das nicht.

So bleibt am Ende ein etwas schales Gefühl.

Der Mord findet im selben Haus statt, in dem die Tote in der Bibliothek gefunden wurde.

Der Film unterschlägt den dritten Mord, unterschlägt die Adoptivtochter und den ersten Ehemann - dadurch wird er etwas runder, auch wenn er deutlich von der literarischen Vorlage abweicht. Jason Rudd ist laut Buch ein häßlicher Mann, der an einen traurigen Clown erinnert. Nicht gerade die Beschreibung, die mir zu Rock Hudson einfallen würde. Die Figuren von Kim Novak und Tony Curtis tauchen im Buch zwar kurz auf, sind im Film jedoch (wohl um die Gage zu rechtfertigen) deutlich breiter angelegt.

In den BBC-Verfilmungen mit Joan Hickson als Miss Marple wird Dolly Bantry tatsächlich von der selben Darstellerin (Gwen Watford) verkörpert, obwohl zwischen den beiden TV-Filmen 8 Jahre verstrichen sind. Das nenn ich Sorgfalt in der Besetzung.




Ein Mord wird angekündigt

A murder is announced (1950)
Scherz (1978)

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Eine Zeitungsanzeige kündigt einen Mord an. Ein Spiel. Natürlich. Aber ein Spiel, aus dem tödlicher Ernst wird.

Ein ganz hervorragender Miss Marple-Roman, obwohl die alte Dame erst nach einem Drittel des Romans auftaucht - ohne daß man sie vermißt hätte. Christie schafft Figuren, die man sich merkt, die im Rahmen des bei ihr Üblichen bleiben und doch Dimensionen haben können, die beim ersten Lesen vielleicht übersehen werden. Ich glaube nicht, daß Christie Miss Hinchcliff und Miss Murgatroyd als Lesben sah, aber man braucht nicht viel Phantasie nachvollziehen zu können, warum das in den Verfilmungen des Buchs unterstellt wurde.

Von der ersten bis zur letzten Seite, ein Buch das Spaß macht und gut unterhält.


The moving finger / Die Schattenhand

The moving finger (1942)
Fontana (1977) / Goldmann (?)

Agatha Christie: The moving finger vergrößern Agatha Christie: Die Schattenhand vergrößern
Etliche Bewohner der Kleinstadt Lymstock erhalten anonyme Briefe mit wüsten Beschuldigungen - auch das neu hinzugezogene Geschwisterpaar Burton. Niemand scheint das wirklich ernst zu nehmen, bis die Frau des Rechtsanwalts Symmington tot aufgefunden wurde - offensichtlich Selbstmord. Aber dann wird eine Woche später ihr Hausmädchen erstochen aufgefunden. Jerry Burton findet sich plötzlich in einer Morduntersuchung wieder.

Eine raffinierte Geschichte, mit lockerer Hand geschrieben, spannend - auch wenn zunächst nicht viel passiert (was Christie dadurch tarnt, daß sie immer wieder darauf hinweist, daß bald etwas geschehen wird).

Völlig überflüssigerweise wird kurz vor Schluß Jane Marple hinzugezogen, die natürlich sofort alles durchschaut und durch einen Hinweis an die Polizei die Lösung herbeiführt.

An dieser Stelle hat man das Gefühl, daß Christie sich in eine Ecke geschrieben hatte, aus der sie glaubte, nicht mehr herauszukommen. Die Geschichte wäre nicht schlechter, wenn Oberinspektor Nash sie aufgelöst hätte - oder wenn Jerry Burton selbst die Erleuchtung gekommen wäre.

Ich war bei der wiederholten Lektüre (2009) erstaunt, wie sehr der Tonfall des Ich-Erzählers meiner eigenen Suzette Byrne manchmal ähnelt. Es wird angedeutet, es wird kommentiert, als würde sich der Erzähler mit dem Leser unterhalten - und letztlich doch nichts verraten.

Vergleichen wir das Original mit der Übersetzung. Der Übersetzer wird in der Goldmannausgabe leider nicht genannt. Zuerst der Beginn:

Agatha Christie Übersetzung
When at last I was taken out of the plaster, and the doctors had pulled me about to their hearts' content, and nurses had wheedled me into cautiously using my limbs, and I had been nauseated by their practically using baby talk to me, Marcus Kent told me I was to go and live in the country.Endlich nahm man mich aus dem Gips heraus, die Ärzte zerrten mich nach Herzenslust hin und her, die Krankenschwestern forderten mich zum vorsichtigen Gebrauch meiner Glieder auf und schwatzten in neckischer Kindersprache auf mich ein, bis mir ganz übel wurde. Zuletzt erklärte Marcus Kent, ich müsse mich irgendwo draußen auf dem Lande niederlassen.


Auf den ersten Blick fällt auf, daß Christies Bandwurmsatz in der Übersetzung aufgeteilt wurde. Hinzu kommt, daß Christie den Anfang passiv schildert, als etwas, das Jerry Burton über sich ergehen lassen muß, während der Übersetzer das ganze sehr viel aktiver gestaltet. Bei Christie steht Burton im Mittelpunkt, in der Übersetzung alle anderen.

Das Ende des Romans:

Agatha Christie Übersetzung
'That,' I said, 'is Joanna's little joke.'"Das ist", entgegnete ich, "einer von Joannas kleinen Scherzen.".


Auf den ersten Blick paßt das, bei genauerem Hinsehen bemerkt man vielleicht, daß Christie von einem kleinen Witz spricht, während der Übersetzer von einem von vielen kleinen Scherzen spricht.


A pocket full of rye

A pocket full of rye (1953)
Pocket (1973)

Auf der Rückseite wird ungefähr folgende Inhaltsangabe gemacht: Die Frau des Ermordeten war eine Schönheit, der es nie an Männern mangelte. Warum hatte Jane Marple nur den Eindruck, daß die Witwe lachte.


Das Schicksal in Person

Nemesis (1971)
Scherz (1978)

Posthum lädt ein verstorbener Bekannter Miss Marple zu einer Busreise durch England ein. Was als Vergnügungsfahrt beginnt, wird bald zur Mörderjagd.


4.50 from Paddington/16 Uhr 50 ab Paddington

4.50 from Paddington/What Mrs. Gillicuddy saw (1957)
Fontana (1970)/Scherz (1980)

Agatha Christie: 16 Uhr 50 am Paddington vergrößern Agatha Christie: 4.50 from Paddington vergrößern
Der große Klassiker unter den Miss Marple Romanen. Dank der Verfilmung mit Margaret Rutherford wohl das bekannteste Buch mit Miss Marple (weniger bekannt, aber sehr viel näher am Original: die Verfilmung mit Joan Hickson, die im Rutherford-Film die übellaunige Köchin spielt). Der Inhalt ist schnell erzählt: Elspeth McGillicuddy beobachtet einen Mord. Miss Marple ermittelt, wo die Leiche aus dem Zug geworfen worden sein könnte und schickt die Haushälterin Lucy Eyelesbarrow zu Ermittlung in ein nahegelegenes Herrenhaus.

Merkwürdigerweise heißt das Herrenhaus Rutherford Hall. Ob deshalb die Produzenten auf die Idee kamen Margaret Rutherford zu engagieren, die überhaupt keine Ähnlichkeit mit der Romanfigur hat?

Im Roman spielen McGillicuddy und Eyelesbarrow sehr viel größere Rollen als Miss Marple, im Film wurden sie alle in einer Figur zusammengeführt (was am Schluß einen Spiegel notwendig machte, wo es im Roman reicht, daß Mrs. McGillicuddy in den Raum kommt).

Christies Romane leiden meist unter langatmigen Einleitungen. Nicht hier. Die Erzählung beginnt im Plauderton, der auch recht lange durchgehalten wird. Bereits auf Seite 2 erfolgt der Mord, der alles in Gang setzt.

Auf Seite 1 heißt es "Zug auf Bahnsteig 3", teilte eine Stimme mit, "Abfahrt 16.50 nach Brackhampton, Milchester, Waverton, Carvil Junction, Roxeter und Chadmouth"

In den Büchern ist Miss Marple in St. Mary Mead zu Hause, in den Rutherford-Filmen in Milchester. Das wird wohl auf diese Zeile zurückzuführen sein.

Ein angenehm zu lesendes Buch, spannend von vorne bis hinten. Ein Buch, in dem die Autorin den Leser nicht an die Hand nimmt, in dem keine falschen Spuren ausgelegt werden. Man rätselt, was denn nun eigentlich geschehen ist (wenn man zu den drei oder vier Menschen gehört, die keine der Verfilmungen kennen), hat aber doch so gut wie keine Chance, weil das eigentliche Motiv (die gewünschte Vermählung mit Emma Chrackenthorpe) kaum als Möglichkeit angesprochen wird.

Inspector Craddock wird hier als Neffe von Sir Henry Clithering eingeführt. In den Filmen wurde er zum Dauerpartner von Miss Marple, in den Büchern bleibt das sein einziger Auftritt.

Ein verdienter Klassiker.
Agatha Christie Übersetzung
Mrs. McGillicuddy panted along the platform in the wake of the porter carrying her suitcase. Mrs. McGillicudddy was short and stout, the porter was tall and free-striding. In addition, Mrs. McGillicuddy was burdenend with a large quantity of parcels; the result of a day's Christmas shopping. The race was, therefore, an uneven one, and the porter turned the corner at the end of the platform whilst Mrs. McGillicuddy was still coming up the straight.Mrs. McGillicuddy keuchte hinter dem Gepäckträger her, der ihren Koffer trug. Sie war klein und etwas beleibt, der Gepäckträger aber groß, und er machte entsprechend große Schritte. Außerdem war Mrs. McGillicuddy mit zahlreichen Paketen beladen - dem Ergebnis der Weihnachtseinkäufe des Tages. Es war daher ein ungleiches Wettläuferpaar, und als der Gepäckträger am Anfang des Bahnsteigs um die Ecke bog, keuchte Mrs. McGillicudy noch die Gerade hinunter.


Vier Sätze. Und dem Übersetzer gelingt es durch eine kleine Unachtsamkeit, den Sprachfluß Christies zu unterlaufen. Der erste Satz beginnt bei Christie (und beim Übersetzer) mit "Mrs. McGillicuddy", beim zweiten ersetzt der Übersetzer den Namen durch "Sie". Im vierten Satz betrachtet Christie das Rennen und seinen Ausgang, während der Übersetzer auf die Menschen abhebt und sogar noch einmal auf das Keuchen von Mrs. Gillicuddy abhebt, während Christie das nicht mehr für nötig hält.

Man kann der Erzählung folgen, aber die Übersetzung beginnt bereits ungenau und nimmt viel des hämmernden Erzählrhythmuses der Erzählung. Sagen Sie mehrmals nacheinander "McGillicuddy" - das hört sich doch bereits nach dem Rattern und Rumpeln der später so wichtig werdenden Eisenbahn an. Christie unterstreicht damit die Tatsache, daß man sich auf einem Bahnhof befindet (was durch "platform" klar gemacht wird), während der Übersetzer nur von einem Gepäckträger redet - und der könnte z.B. auch an einem Flughafen anzutreffen sein. In der Übersetzung brauchen wir etwas länger (bis zum vierten Satz) um uns über den Ort der Handlung klar zu werden.


Die Tote in der Bibliothek

The body in the library (1942)
Scherz (1977) / Hachette (2008)

Agatha Christie: Die Tote in der Bibliothek vergrößern Agatha Christie: Die Tote in der Bibliothek vergrößern
In der Bibliothek von Oberst Bantry wird ein totes Mädchen gefunden. Miss Marple wird von Ihrer Freundin, Mrs. Bantry, gebeten, den Fall zu untersuchen und erkennt recht schnell, wer den Mord begangen hat - ist aber noch auf der Suche nach dem alles verbindenden Motiv.

Ein eher einfach aufgebauter Roman, der schon das Gefühl vermittelt, daß man besser nicht in St. Mary Mead wohnen sollte. Der zweite Roman um Jane Marple.
Der Originaltext liegt mir leider nicht vor. Allerdings zeigen die klassische sowie die Neuübersetzung, beide für Scherz, signifikante Unterschiede.

Bei Scherz fehlen Vorwort und Widmung.

Palk ist bei Scherz "Polizeikommisär" und "Konstabler", bei Hachette (was ja eine Scherz-Neuübersetzung durch Barbara Heller ist) "Constable".

In der Scherzausgabe fallen merkwürdige Formatierungen auf:

Eifrig entgegnete Josie:
"Oh, das war nicht ich, das war Mr. Jefferson --"


D.h. nach einem Doppelpunkt wird mit einem neuen Absatz begonnen, wobei zu bemerken ist, daß neue Absätze grundsätzlich nicht eingerückt werden, was mitunter zur Verwirrung führt, da Sprecherwechsel nicht erkennbar sind. Man verschenkt Platz, den man an anderer Stelle wieder einspart, in dem kurze Dialoge keinen eigenen Absatz bekommen.

Der Satzspiegel ist wichtiger, als dem Leser meist bewußt ist.

In der Neuübersetzung heißt es übrigens:

"Aber das hab ich gar nicht", erklärte Jose bereitwillig. "Mr. Jefferson hat die Polizei verständigt."

Viel Ähnlichkeit ist da nicht vorhanden. Man fragt sich, was eher dem Original entspricht.

Bei Scherz werden nur die Kapitel nummeriert, bei Hachette sogar die Unterabschnitte. Was hat Christie vorgegeben?

Der Beginn des Romans:

Scherz Hachette
Mrs. Bantry träumte. Ihre Wicken hatten eben an einer Blumenausstellung den ersten Preis gewonnen. In Stola und Soutane gekleidet verteilte der Pfarrer die Preise in der Kirche.Mrs. Bantry träumte. Ihre Gartenwicken hatten bei der Blumenschau den ersten Preis gewonnen. Der Pfarrer, in vollem Ornat, verteilte die Preise in der Kirche.


Das Ende des Romans:

Scherz Hachette
Und Raymond kehrte in den Tanzsaal zurück.Und er ging in den Ballsaal zurück.


Die Unterschiede sind frappierend.


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