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Steve Vander Ark

The Lexikon - An unauthorized guide to Harry Potter fiction and related materials.

The Lexikon - An unauthorized guide to Harry Potter fiction and related materials. (2009)
RDR Books (2009)

Steve Vander Ark: The Lexicon
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Ich bin versucht zu sagen: gehört zu den Büchern, die die Welt nicht braucht.

Aber ds würde diesem Buch nicht gerecht werden.

Je, es ist die Printausgabe einer Website *, die sogar JKR besucht und benutzt hat.

Es mag Leser geben, für die die Onlineseite ausreicht. Mir ist das Buch lieber.

Ein Lexikon, das ich von vorne bis hinten durchgelesen habe.

Natürlich wird ausgiebig aus den Harry Potter zitiert (mehr indirekt als direkt), aber trotzdem steckt ein Haufen Arbeit in dem Werk. Hier wird versucht, die Wurzeln von Begriffen zu finden. Mein Respekt für Mrs. Rowling ist dadurch nur noch größer geworden.


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René van Royen & Sunnya van der Vegt

Asterix auf großer Fahrt

Asterix en de wijde wereld (2000)
C.H. Beck (2001)

René van Royen & Sunnya van der Vegt: Asterix auf großer Fahrt
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Sekundärliteratur zu Asterix.

Daß Asterix eine aufwändige Serie ist, wußten wir schon vorher. Daß es in francobelgischen Comics Tradition ist, geschichtliche Zusammenhänge nachzurecherchieren und für Decors Museen zu besuchen ist spätestens seit Tintin eine Binsenweisheit.

Die beiden niederländischen Autoren klopfen die Asterixgeschichten auf ihre historischen Hintergründe ab, sind dabei erstaunlich humorlos. Das Buch ist über weite Strecken eine Nacherzählerei von guten Geschichten, gewinnt aber, sobald die Autoren das mit ihrem Fachgebiet (der Altertumsforschung) verknüpfen.

Die beiden Autoren verschaffen dem Asterixleser eine neue Perspektive und einen weiteren Grund, die von Goscinny konzipierten Geschichten zu lieben.
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Asterix - Die ganze Wahrheit

Asterix en de Waarheid (1998)
C.H. Beck (1999)

René van Royen & Sunnya van der Vegt:  Die ganze Wahrheit
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Sekundärliteratur zu Asterix.

Dieses ist der erste - deutlich bessere - Band. Die beiden Autoren tauchen hier in die gallische Geschichte ein - und sie sind in ihrem Element. Sie belegen eine Stelle in den Asterix-Bänden, und untersuchen sie auf den historischen Hintergrund. Hinterher könnte man meinen, Goscinny und Uderzo hätten unendlich viel Sorgfalt auf Nebensächlichkeiten verwandt. Richtig ist sicher, daß sich die beiden informiert haben, aber vieles, was die Autoren hier Goscinny und Uderzo zuschreiben wollen, ist den in den 60er Jahren populären Römer-Filmen geschuldet - und natürlich dem Umstand, daß unsere heutiges Leben parodistisch verzerrt wiedergegeben wurde.
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Mallanaga Vatsyayana

Das Kamasutram, die indische Liebeskunst

Kamasutram (ca. 250 n. Chr)
Heyne (1965)
Geboren und gestorben um das 3. Jahrhundert n. Chr.

Das Kamasutra(m) ist Kunst, nicht Pornographie, auch wenn es sich um Liebesstellungen dreht.

Ich erinnere mich noch recht gut, daß meine Eltern einen großformatigen Bildband hatten, versteckt natürlich, in dem auf hunderten von Seiten in schwarz-weiß Kamasutra-Reliefs aus einem indischen Tempel abgebildet waren. Als pubertierender Teenager, in der Vorvideo-Zeit, war man natürlich scharf auf solche Dinge.

Als Text ist das nicht ganz interessant, aber einen Blick sollte man auf jeden Fall darauf werfen.
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Mark Cotta Vaz

Hinter der Maske von Spider-Man

Behind the mask of Spider-Man (2002)
Dino (2002)
Vaz ist ein routinierter Autor von Büchern, die die Produktion von Filmen beleuchten.

Dieses Buch ist mit einem unvermeidlichen Vorwort von Stan Lee ausgestattet.

Mark Cotta Vaz: Hinter der Maske von Spider-Man
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Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich habe schon bessere Bücher dieser Art gelesen. Vaz geht auf die Vorproduktion ein, zeigt, wie dieses und jenes umgesetzt wurde - und trotzdem, das Buch strahlt Langeweile aus. Vielleicht liegt es daran, daß er ständig bemüht sien muß, Entscheidungen der Filmemacher zu rechtfertigen. Vielleicht liegt es auch daran, daß Spider-Man eben doch hauptsächlicht computeranimierter Film ist.

Auf Seite 156 und 157 sind Fotos der Kussszene zu sehen, u.a. ein Bild der klatschnassen MJ Das Bild ist bearbeitet. Im Film sieht man in dieser Szene deutlich die Nippel von Miss Dunst. Hier ... alles glatt.
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Vergil

Aeneis

Aeneis (29 bis 19 v. Chr)
Fischer (1963)

Interessant, aber zäh und aus heutiger Sicht sehr langweilig geschrieben. Aber das ist bei auch bei jüngeren Klassikern der Fall.
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Jerry Vermilye

Cary Grant

Cary Grant (1973)
Pyramid (1975)
Teil der Reihe Pyramid illustrated history of the movies.

Siehe auch Band 125 der Heyne Filmbibliothek (Barbara Stanwyck).

Cary Grant ist einer der wenigen Stars des klassischen Hollywoods, die auch jüngere Fernsehzuschauer kennen. Filme wie Über den Dächern von Nizza, Hausboot, Ein Hauch von Nerz (Synchronsprecher: Curt Ackermann) oder auch Leoparden küßt man nicht (Synchronsprecher: Erik Schumann) werden glücklicherweise auch heute noch immer wieder gezeigt.
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Jules Verne

Jules-Gabriel Verne
08. Februar 1828 (Nantes) - 24. März 1905 (Amiens)
Ein beneidenswert kreativer Autor, der mehr unterschiedliche Geschichten geschrieben hat, als die meisten anderen Autoren (inkl. meiner Wenigkeit).

Der Kurier des Zaren Band 1

Michel Strogoff (August 1876)
Pawlak (1984)

Jules Verne: Der Kurier des Zaren 1. Teil
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Die Tartaren haben sich gegen die Russen erhoben. Feofar-Khan führt den Großteil der Angreifer an, der russische Verräter Iwan Ogareff einen anderen. Die Telegrammverbindungen nach Sibirien sind bereits unterbrochen. Der Zar fürchtet um das Leben seines Bruders, der sich in Irkutsk aufhält. Um ihm eine wichtige Nachricht zukommen zu lassen, wird ein Kurier beauftragt, die Reise von Moskau nach Irkutsk (über 5.000 Kilometer) zu unternehmen: Michael Strogoff.

Unterwegs triff der 30-jährige Kurier auf die 17-jährige Nadja, die nach dem Tod der Mutter zu dem verbannten Vater reisen will.

Zusammen bewältigen sie einen Großteil der Strecke, mitunter begleitet von Harry Blount und Alcide Joliviet, zwei Reportern, die für ihre Zeitungen über Russland berichten.

Obwohl sie viele Gefahren bewältigen können, geraten sie schließlich alle in die Gefangenschaft der Tartaren.


Eine Karte mit der Reiseroute hat Andreas Fehrmann* online gestellt. Gute Arbeit.


Die beiden Bände erschienen in der Erstauflage mit einigen Monaten Abstand. Pawlak hat daher gut daran getan, die Bücher auch zu trennen und nicht in einem Band zusammenzufassen.


Verne bietet viele Informationen über das damalige Russland (die einigermaßen zutreffend sein sollen), nur den Aufstand der Tartaren gab es im 19. Jahrhundert nicht einmal ansatzweise.


Mit Nadja hat Verne eine auch heute noch erstaunlich moderne Frau geschaffen, die nicht nur als Anhängsel des Helden fungiert, sondern auch eigene Initiative entwickelt.

Sein Michael Strogoff hingegen ist ... ein Soldat, der merkwürdig charakterlos ist. Er liebt seine Mutter, gewiss, meidet aber den Kontakt zu ihr, weil ihm das durch einen Befehl verboten wurde. Er interessiert sich nicht für das was um ihn herumgeschieht, wenn es ihm nicht hilft, weiterzukommen. (Im 2. Teil wird das etwas abgemildert.)


Schauen wir uns den Anfang der Geschichte im Übersetzungsvergleich an

Jules Verne H. Hartleben's Verlag (Pawlak-Fassung) (1877)
1

Une fête au Palais-Neuf

– Sire, une nouvelle dépêche.
– D’où vient-elle ?
– De Tomsk.
– Le fil est coupé au-delà de cette ville ?
– Il est coupé depuis hier.
– D’heure en heure, général, fais passer un télégramme à Tomsk, et que l’on me tienne au courant.
– Oui, Sire, répondit le général Kissoff.
Erstes Kapitel
Ein Fest im Neuen Palais
"Sire, eine neue Depesche."
"Von woher?"
"Aus Tomsk."
"Über diese Stadt hinaus ist die Leitung unterbrochen?"
"Sie ist seit gestern gestört."
"General, Sie werden von Stunde zu Stunde ein Telegramm von Tomsk einfordern und mich auf dem laufenden erhalten."
"Zu Ew. Majestät Befehl", antwortete der General Kissoff.


Der Übersetzer arbeitet ungenau. "Auf dem laufenden erhalten" - war das damals gebräuchliches Deutsch? "Erhalten" habe ich in diesem Zusammenhang noch nie gehört oder gelesen. Die Entgegnung von General Kissoff enthält nicht nur eine Abkürzung, sie ist auch noch deutlicher länger und umständlicher als die Vorgabe des Originals.

Comicfassungen bei Bastei in Reprint von Berühmte Geschichten und Weltbestseller. Außerdem in den Illustrierten Klassikern (Bruguera)).


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Der Kurier des Zaren Band 2

Michel Strogoff (November 1876)
Pawlak (1984)

Jules Verne: Der Kurier des Zaren 2. Teil
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Nach einer kurzen Einführung geht es dort weiter, wo Band 1 aufgehört hat: Strogoff und die beiden Reporter sind nun Gefangene. Schließlich gelangen sie in dasselbe Gefangenenlager, in dem sich Marfa Strogoff und Nadja begegnet sind. Wieder ist es Marfa, die ihren Sohn versehentlich verrät.

Das führt schließlich zur bekanntesten Szene des Roman: der Blendung.

Danach lässt Strogoff seine bewusstlose Mutter im Lager der Tartaren zurück und schlägt sich mit Nadja nach Irkutsk durch, wo es schließlich zur Abrechnung mit Ogareff kommt ...
Strogoff lässt seine Mutter im Lager der Tartaren zurück.

Strogoff lässt Nadja im Glauben, daß er nichts mehr sieht. Auch der Leser erfährt erst nach und nach, daß der hartherzige, durch nichts zu rührende Mann beim Anblick seiner Mutter Tränen in den Augen hatte. Die Idee ist gut, aber Strogoff wie er von Verne beschrieben wird, ist kein Mann, dem Tränen in die Augen schießen - egal aus welchem Grund.


Manchmal hatte ich bei der Lektüre den Eindruck, daß Verne sehr viel mehr Verständnis für Ogareff aufbringt. Dieser ist eine runde, glaubhafte Figur, dessen Motive nachvollziehbar sind - auch wenn sich die meisten Leser wohl nicht so entschieden hätten wie er.


Außerdem:

Ein Drama in Mexiko (L'Amérique du Sud. Études historiques. Les premiers navires de la marine mexicaine/später: Un drame au Mexique - 1851)

Nach einer Meuterei werden die beiden Anführer um den Erlös ihrer Beute gebracht.

Vernes erste veröffentliche Geschichte. Schlecht strukturiert, schlecht erzählt, mit oberflächlichen Figuren. Quälend langweilig, denn es wird nur Erlebnis an Erlebnis geklatscht, ohne daß tatsächlich Spannung entsteht.

Man merkt jedoch, daß Verne sich mit dem Ort der Handlung beschäftigt hat und sein Wissen weitergeben will, d.h. was ihn später auszeichnet, wird hier schon angelegt. Eine Kuriosität, mehr nicht.


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Die Leiden eines Chinesen in China

Les Tribulations d’un Chinois en Chine (August 1879)
Diogenes (1977)

Jules Verne: Die Leiden eines Chinesen in China
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Der gelangweilte, antriebslose Chinese Kin-Fo muß feststellen, daß er sein gesamtes Vermögen verloren hat. Er beschließt sich umzubringen, will aber seiner Verlobten und einem Freund, dem Philosophen Wang einen Gefallen tun, in dem er eine Versicherung auf seinen Tod abschließt. Sehr schnell stellt er fest, daß er sich nicht selbst töten kann. Daher bittet er Wang, ihn zu ermorden. Wang stimmt zu, verschwindet aus dem Haus Kin-Fos. Kurz danach stellt sich heraus, daß Kin-Fos Geld doch nicht verloren ist, ja, er besitzt mehr als je zuvor. Und jetzt will er leben ...
Ich kannte die Geschichte aus der überdrehten, modernisierten und bis heute wirklich sehenswerten Verfilmung mit Jean-Paul Belmondo (deutsch: Die tollen Abenteuer des Monsieur L., 1965, Regie: Philippe de Broca)

So gut mir der Film gefallen hat, so sehr habe ich mich davor "gefürchtet" das Buch zu lesen, da mir bekannt war, daß vieles, ja, sehr vieles geändert wurde.

Die Sorge war unbegründet. Der Film ist gut. Das Buch auch.


Ich habe keine Ahnung, ob Verne sich tatsächlich mit China beschäftigt hat oder ob er vorhandene Basis-Kenntnisse selbst aufgefüllt hat. Manchmal scheint ersteres möglich, manchmal hab ich das Gefühl, daß man literarisch ausgeschmückte Klischees serviert bekommt.


Zum phantastisch anmutenden Rettungsanzug von Paul Boyton findet man unzählige Informationen im Netz, der Phonograph hat mich überrascht (ich war aber erstaunt, sie in einem Roman von 1879 zu finden, da ich sie später verortet hätte. Der Phonograph wurde 1877 angekündigt und 1878 patentiert. Damals wurden Zinnfolien verwendet. Die bekannteren Wachswalzen entstanden rund 10 Jahre später).


Die genialsten Figuren der Geschichte sind unzweifelhaft Craig / Fry. Die Zwillinge, die nicht miteinander verwandt sind. Das sind Schulze und Schultze. Ganz klar. Ich weiß, Hergé hat als Inspiration seinen Vater und dessen Zwillingsbruder angegeben, aber ehrlich - egal wie stark der Einfluß der beiden tatsächlich war, hier, bei Jules Verne, sehen wir die beiden Detektive bereits. Ich weiß nicht, wie populär der Verne-Roman damals war, aber die Ähnlichkeit ist so offensichtlich (gleiches Aussehen, Sätze werden von einem begonnen, vom anderen zu Ende geführt, sie kleiden sich nach Landessitte), daß es eigentlich kein Zufall sein kann. Mit meiner Meinung stehe ich nicht allein. Siehe hier*.)

Ein sehr unterhaltsamer Roman, der eigentlich Lust auf China machen würde, wenn man nicht wüßte, wie sehr (zum Nachteil) sich China seit und durch Mao verändert hat.


Jules Verne Erich Fivian (1967 - für Diogenes) unbekannt * (1881) Paul Heichen* (1925)
CHAPITRE I

où la personnalité et la nationalité des personnages se dégagent peu à peu.

« Il faut pourtant convenir que la vie a du bon ! s’écria un des convives, accoudé sur le bras de son siège à dossier de marbre, en grignotant une racine de nénuphar au sucre.
Das erste Kapitel bringt uns Persönlichkeit und Nationalität der Beteiligten näher

»Wir wollen doch zugeben, daß das Leben seine guten Seiten hat«, rief der eine der Tischgenossen. Er stützte sich dabei mit beiden Ellbogen auf die Lehnen seines Marmorsessels und nagte an einer gezuckerten Seerosenwurzel.
1. KAPITEL

Worin der Charakter und die Nationalität der handelnden Personen nach und nach zutage treten

»Man muß doch zugeben, daß das Leben seine guten Seiten hat!« rief der eine Teilnehmer einer Tafelrunde aus, der sich mit dem Arm gegen die Marmorlehne seines Sessels stützte und seelenvergnügt eine überzuckerte Wasserlilienwurzel verzehrte.
Erstes Kapitel:

in welchem sich Persönlichkeit und Nationalität der Personen zu entwickeln anfangen.

»Daß das Leben sein Gutes hat, muß man doch gelten lassen!« rief einer der Tischgäste, der sich auf den Arm seines Sessels mit marmorner Lehne stützte und an einer gezuckerten Seerosenwurzel knaupelte.


Die Übersetzung aus dem 19. Jahrhundert ist genauer - etwas was ich inzwischen schon öfters feststellen mußte. "Nénuphar" wird als Wasserlilie oder Seerose übersetzt. Beides meint das gleiche. Ich hab mich immer wieder gefragt, was Fivian mit einem Marmorsessel meint. Solch ein Sitzmöbel müsste doch zum einen unerschwinglich teuer, kalt und hart sein. Wenn nur die Lehne aus Marmor ist, macht das für mich mehr Sinn. Aber vielleicht täusche ich mich ja auch.


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Reise um die Erde in 80 Tagen

Le Tour du monde en quatre-vingts jours (30. Januar 1873)
Nikol (2015)

Jules Verne: Reise um die Erde in 80 Tagen
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Der exzentrische Phileas Fogg wettet mit den Mitgliedern des Reform-Clubs, daß es ihm gelingen wird, die Welt in 80 Tagen zu umrunden. Sein am Morgen neu eingestellter Diener Passepartout wird sein Begleiter sein.
Man kennt die Geschichte, auch wenn man das Buch nicht gelesen hat - und verpasst einiges. Der literarische Fogg ist noch gefühlloser als David Niven ihn dargestellt hat. Erst allmählich, eigentlich erst nachdem die Rettung von Aouda gelungen ist, zeigt er immer mehr menschliche Züge.
Der auflösende Gag der Geschichte kann nur funktionieren, da Fogg sich fast durchgängig in seiner Kabine einschließt (er verlässt sie nur um Whist zu spielen) und - obwohl er im Reform-Club durchaus an Nachrichten interessiert ist), zumindest ab Amerika keine Zeitungen liest. Gerade der Schluss übertrifft jede Darstellung in anderen Medien, wo nach dem Auftritt Foggs vor seinen Klubkameraden nichts mehr folgt. Hier folgt die Erklärung - so daß einem neugieriger Leser, der den Blick auf den Schluss wirft, die Überraschung nicht gänzlich verdorben wird.


Auffällig ist, daß die erste Station (nach dem Start in London) Suez ist, d.h. die Reise innerhalb Europas (die die Zeitgenossen u.U. mit ihren eigenen Erfahrungen hätten abgleichen können), übergeht Verne. Damit entfällt auch die Überquerung der Alpen im Ballon. Kurz vor Überquerung des Atlantiks wird ein Ballon als Möglichkeit in Betracht gezogen, von Fogg aber sofort wieder verworfen, da er das als zu riskant betrachten würde.


Verne scheint von mehreren Reisen von George Francis Train inspiriert worden zu sein, der die Reise 1870 in 80 Tagen schaffte. Als die Geschichte erschien war die Reise aber auch schon in kürzer Zeit gelungen.

Der Name der Hauptfigur scheint von einem Amerikaner (William Perry Fogg) inspiriert worden zu sein, die 1872 eine Weltreise unternommen hatte.

Und die Idee mit dem verschwundenen Tag, könnte Verne bei Edgar Allen Poe entlehnt haben (Three Sundays in a Week - 1841).

Aber ganz egal woher Verne die Inspirationen nahm, ist es allein sein erzählerisches Talent, daß dafür gesorgt hat, daß diese Geschichte in das kulturelle Gedächtnis aufgenommen wurde - und nicht die ohne ihn längst vergessenen Inspirationen.
Ein unterhaltsames Buch, das man heute noch mit großer Begeisterung lesen kann und auch lesen sollte.


Eine Comicfassung in Classicomics 4.


Jules Verne unbekannter Übersetzer für A. Hartleben's Verlag (auch von Nikol verwendet)
I

dans lequel philéas fogg et passepartout s’acceptent réciproquement, l’un comme maître, l’autre comme domestique.

En l’année 1872, la maison portant le numéro 7 de Saville-row, Burlington Gardens, — maison dans laquelle Shéridan mourut en 1814, — était habitée par Phileas Fogg, esq., l’un des membres les plus singuliers et les plus remarqués du Reform-Club de Londres, bien qu’il semblât prendre à tâche de ne rien faire qui pût attirer l’attention.
Erstes Capitel.

Phileas Fogg und Passepartout nehmen sich einander als Herr und Diener an.

Im Jahre 1872 wohnte in dem Hause Nummer 7, Saville-Row, Burlington Gardens, – worin Sheridan im Jahre 1814 starb, – Phileas Fogg, Sq., eines der ausgezeichnetsten und hervorragendsten Mitglieder des Reformclubs zu London, der jedoch dem Anschein nach beflissen war nichts zu thun, was Aufsehen erregen konnte.


Es ist kein Wunder, daß die Übersetzung bis heute verwendet wird, denn sie ist wirklich gut.

Auf j-verne.de* habe ich folgendes zum Inhalt dieses ersten Satzes gefunden:

Wie Volker Dehs in seinen Anmerkungen zum Buch In 80 Tagen um die Welt schrieb, lebte Sheridan (1751-1816), „... Verfasser effektvoller Komödien und Staatsmann, der sich durch seine Spielsucht ruinierte ...“ nicht unter dieser Adresse. Er „ ... wohnte nicht in der der Saville Row Nr. 7 (realiter: Savile, Verne fügte ein L hinzu; heute die Straße der Herrenschneider), sondern in Nr. 14, wo er auch nicht 1814, wie es im französischen Originaltext heißt, sondern erst zwei Jahre später starb.


Zu meiner großen Überraschung heißt es dort auch daß es den Reform-Club tatsächlich gab. Mir geht es wie dem Autor auf j-verne.de, ich hätte den Club (genau wie den bekannteren Diogenes-Club) für eine literarische Erfindung gehalten. Man soll Jules Verne wirklich nicht unterschätzen.


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Von der Erde zum Mond

De la Terre à la Lune (25. Oktober 1865)
Verlag Neues Leben (1991)

Jules Verne: Von der Erde zum Mond
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Der Gun-Club ist nach dem Ende des Sezessionskriegs von einer Sinnkrise befallen, da der Bedarf an Massentötungsmitteln stark zurück gegangen ist. Um die Leere auszufüllen, kommen Präsident Barbican und sein Schriftführer Marston auf die Idee eine Kugel zum Mond zu schießen.
Man kann sich auf den Standpunkt stellen, das sei ein völlig veralterter Roman - und würde damit nicht ganz falsch liegen. Aber das trifft auf viele Science-Fiction-Romane zu, auch Werke, die noch keine zwanzig oder dreißig Jahre alt sind.

Es ist ganz erstaunlich, wie oft Verne mit seinen Voraussagen richtig lag. Natürlich, seine Kanone würde so nicht funktionieren, aber nicht nur mit Startort (Tampa ist nur 204 km vom Kennedy Space Center entfernt) lag er erstaunlich nah an der späteren Wirklichkeit. Man darf nicht den Fehler machen, den Roman aus heutiger Sicht zu beurteilen, man muß ihn aus der damaligen Sicht sehen - und damals waren einige Dinge, die später wichtig werden würden, einfach noch nicht erfunden/entwickelt.
In dem Roman passiert nicht viel. Die Idee entsteht und wird umgesetzt. Dann wird aus der unbemannten Kugel eine bemannte Kapsel. Das war's.

Ja, natürlich ist das ein Science-Fiction-Roman, aber es ist auch eine Satire. Den Gun-Club kann man als Vorgänger der NRA ansehen (die erst 1871 gegründet wurde). Die Mitglieder sind genauso waffenverrückt wie die der NRA.


Mit dem mutigen Franzosen Michel Ardan hat Verne seinem Freund Nadar (eigentlich Gaspard-Félix Tournachon) ein Denkmal gesetzt. Von Nadar stammt übrigens auch das bekannte Portraits Vernes, das im Buch leicht begradigt und bei Wikipedia* im Original zu finden ist.


Vielleicht nicht Vernes bestes Buch, nicht nur weil der Schluß unbefriedigend ist (um das Schicksal der Raumfahrer zu erfahren, muß man den Nachfolgeroman Reise um den Mond lesen, auch weil das Jahrhundertprojekt ohne größere Rückschläge über die Bühne geht.

Gute Unterhaltung bietet der Roman aber allemal.


Jules Verne unbekannter Übersetzer für A. Hartleben's Verlag unbekannter Übersetzer (vom Verlag Neues Leben verwendet)
CHAPITRE PREMIER

LE GUN-CLUB

Pendant la guerre fédérale des États-Unis, un nouveau club très-influent s’établit dans la ville de Baltimore, en plein Maryland. On sait avec quelle énergie l’instinct militaire se développa chez ce peuple d’armateurs, de marchands et de mécaniciens.
Erstes Capitel.

Der Gun-Club

Während des Bundeskriegs der Vereinigten Staaten bildete sich zu Baltimore in Maryland ein neuer Club von großer Bedeutung. Es ist bekannt, wie energisch sich bei diesem Volk von Rhedern, Kaufleuten und Mechanikern der militärische Instinct entwickelte.
Erstes Kapitel

Der Gun-Klub

Während des amerikanischen Bürgerkrieges bildete sich zu Baltimore in Maryland ein neuer Klub von großer Bedeutung. Es ist bekannt, wie energisch sich bei diesem Volk von Reedern, Kaufleuten und Mechanikern der militärische Instinkt entwickelte.


Die beiden deutschen Fassungen unterscheiden sich nur marginal. Im Buch selbst heißt es Dieser Ausgabe liegt eine alte, bearbeitete Übersetzung zugrunde. Der Übersetzer verschiebt die Betonungen innerhalb der Sätze. Verne erwähnt im ersten Satz zunächst den Klub, dann Baltimore. In der Übersetzung scheint Baltimore wichtiger zu sein als der Klub. Auch im zweiten Satz wird der militärische Fanatismus (hier: Instinkt) von Verne deutlicher hervorgehoben als in der Übersetzung.
Mail an Ralf H.


20.000 Meilen unter dem Meer

Vingt mille lieues sous les mers (1870)
Ueberreuter (1977)

Jules Verne: 20.Meilen unter dem Meer
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Zuerst werden die Angriffe auf Schiffe einem Tier zugeschrieben. Tatsächlich ist es jedoch die Nautilus des Kapitän Nemo. Für die Überlebenden eines seiner Angriffe beginnt eine lange Reise unter der Meeresoberfläche...

Arronax ist der Ich-Erzähler. Als solcher steht er auch im Mittelpunkt der Erzählung. Zehn Monate dauert die Reise. Die Nautilus scheint fast menschenleer zu sein. Die Besatzung wird kaum erwähnt, bzw. heißt es ausdrücklich, daß Arronax, Conseil und Ned-Land niemandem begegnet sind. Auch Nemo verschwindet immer wieder. Am Ende der Geschichte ist er kaum weniger geheimnisvoll als zu Beginn. Ich für meinen Teil habe den Eindruck, daß er depressiv ist.

Conseil redet von sich immer in der dritten Person und klassifiziert Tiere mit spielerischer Leichtigkeit.


Ned-Land hingegen ist schweigsam und verschlossen (was dem Autor den Umgang mit ihm leichter macht). In der Ueberreuter-Fassung ist immer ein Bindestrich zwischen Ned und Land zu finden, obwohl Ned ganz eindeutig der Vorname ist und im Originaltext auch ohne Bindestrich auskommt.

Daher finden die meisten Dialoge des Buchs zwischen Arronax und Nemo statt.

Im gesamten Roman taucht keine handelnde Frau auf.

Die Nautilus sieht etwas anders aus, als man sich das - beeinflusst durch den Disney-Film - heutzutage vorstellt. Aber sie scheint auch innen hervorragend isoliert zu sein, wenn man von der Mannschaft nie etwas hört und auch das Orgelspiel Nemos nur einmal erwähnt wird.

Die 20.000 (französischen) Meilen entsprechen 80.000 Kilometer.

Die Erstveröffentlichung erfolgte in Fortsetzungen von März 1869 bis Juni 1870 in Magasin d’Éducation et de Récréation. Die Buchveröffentlichung folgte ein Jahr später.

Ich glaube, man muß sich nicht sehr anstrengen, um in Arronax die Identifikationsfigur für Verne zu erkennen. In den Originalillustrationen der Erstausgabe soll dies auch so umgesetzt worden sein.

Die Reise in der Nautilus beginnt am 21.November 1868 und endet am 29.Mai 1869 ziemlich überstürzt.

Kapitel 20 beginnt mit einem Fehler: "Am 01.Januar 1863 kam Conseil in aller Frühe zu mir auf die Plattform." Der Fehler findet sich bereits im Original: "Le 1er janvier 1863, de grand matin, Conseil me rejoignit sur la plate-forme."

Comic-Bearbeitung in Star Album 2, Felix Extra 13, Classicomics 7.

Schauen wir uns den Anfang der Geschichte im Übersetzungsvergleich an

Jules Verne H. Hartleben's Verlag (1875) Hede von Ullman (Übersetzung und Bearbeitung für Ueberreuter)
CHAPITRE PREMIER

un écueil fuyant.

L’année 1866 fut marquée par un événement bizarre, un phénomène inexpliqué et inexplicable que personne n’a sans doute oublié.
Erstes Capitel.

Eine schweifende Klippe.

Ein seltsames Ereigniß, ein unerklärtes und eine unerklärbare Naturerscheinung, die sich im Jahre 1866 begab, ist ohne Zweifel noch unvergessen.
1

Ein seltsames Ereignis, das sich im Jahre 1866 zugetragen hat, ist unvergessen.


Zunächst fällt auf, daß Ueberreuter die Kapitelüberschriften gestrichen hat.

Wie immer ist die Ueberreuter-Fassung deutlich gekürzt. Die erste Übersetzung Ullmanns ist 1956 erfolgt (Stuttgarter Hausbücherei 1956). Ich gehe davon aus, daß auch die mit hier vorliegende Fassung bestenfalls eine Ende der 60er Jahre erfolgte Überarbeitung darstellt.

Die Fassung des unbekannten Übersetzers aus dem 19. Jahrhundert ist nicht ideal, aber deutlich näher am Original

Mail an Ralf H.


Hoimar von Ditfurth

15.10.1921 - 01.11.1989
von Ditfurth, der Mann mit dem Kinnbart, ist vor allem durch seine Sendung "Querschnitt(e)" im Gedächtnis geblieben. Sein Assistent, Volker Arzt, hat nach 1989 versucht, den Geist seines Mentors aufrecht zu erhalten, verschwand aber schnell in der Versenkung.

von Ditfurths Tochter Jutta war eine Zeit lang eine der tragenden Fundi-Persönlichkeiten bei den Grünen, hat aber leider viel zu früh das Handtuch geworfen. Seither hört man nichts mehr von ihr.

Der Geist fiel nicht vom Himmel

Der Geist fiel nicht vom Himmel (1976)
DTV (1993)

Hoimar von Ditfurth: Der Geist fiel nicht vom Himmel
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Das Buch stand (lt. Wikipedia*) vom 29. November 1976 bis zum 20. Februar 1977 auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestseller-Liste. Verdientermaßen.

Dabei ist es keine leichte Kost.

von Ditfurth zeigt auf, dass unser Hirn keine Folge unseres Verstandes ist sondern im Gegenteil unser Verstand eine Folge unseres Hirns ist. Hört sich gleich an?`Ist es aber nicht.

Ich will versuchen, in meinen eigenen Worten zu zeigen, worauf von Ditfurth abzielt.

Die Evolution ist eine Folge von Zufällen, die immer und immer wieder geschehen. Meist gehen Änderungen wiedere unter, manchmal jedoch geschieht eine Änderung gerade in dem Moment, in dem sie nützlich sein kann. Dann setzt sich die Änderung durch und wird zum Ausgangspunkt in einer weiteren Entwicklung. Wenn verstanden hat, versteht man, dass alles auf unserer Erde mit allem zusammenhängt.

Unser Körper, wir, sind keine Maschine, die vom Hirn aus gesteuert wird, sondern wir sind das Ergebnis unendlich kleiner Entwicklungsschritte, die sich fast alle in unserem Körper wiederfinden. Von einzelnen Zellen, die alles sein können (Stammzellen) über Zellanhäufungen, die sich spezialisiert haben. Irgendwann in der Entwicklungsgeschichte wurden Steuerungsfunktionen an einer Stelle zusammengefasst. Ganz grob kann man sagen, dass das die Funktionen unseres Körpers wurden, die ohne unser bewußtes Eingreifen ablaufen (z.B. Verdauung). Danach folgten die Bereiche in denen Reflexe und Instinkte ablaufen und schließlich die Aufnahme von Außeninformationen und schließlich die Verarbeitung und erst danach die freie Entscheidung, wie mit Informationen umzugehen ist.

Täuschen wir uns nicht: Auch wir können nicht mit allen Informationen, die wir über unsere Außenwelt erhalten, frei umgehen. Manchmal (häufig?) reagieren wir nur, weil in uns ein Programm abläuft, das wir selbst nicht beeinflussen können.

Eigentlich ein interessanter Gedanke: Wir sehen uns immer vom Großhirn (also von den bewußten Gedanken, die uns (bzw. vielen uns) Individualität verleiht. Bevor aber das Großhirn entstand, hat die Evolution Millionen von Jahren daran gearbeitet, automatische Programme zu entwickeln, die letztlich in jedem von uns ablaufen. Wir sind (auch) das Ergebnis von einer "Zuchtwahl" in der erfolgreiche Eigenschaften (Programme) überlebt haben und erfolglose Eigenschaften zum Aussterben verdammt waren. Deshalb sind nicht die urzeitlichen Blumenanbeter unsere Vorfahren sondern brutale Schlachter. Es ist eine kulturelle Leistung ersten Ranges, das sich allmählich friedliche Individuen durchsetzen (mit gelegentlichen Rückschlägen).


Ein interessanter Gedanke, der viel zu wenig beachtet wird, ist die Selbstverständlichkeit, dass wir heutigen selbstverständlich nicht das Ende der Evolution sind.

Ganz grob könnte man sagen:

Ein mittelalterlicher Mensch wäre (nicht nur, aber auch aufgrund seiner Sozialisation) nicht oder wenigstens nur schwer in dere Lage, sind in unserer Zivilisation zurecht zu finden. Vieles was uns heute selbstverständlich erscheint, wäre für ihn gar nicht fassbar.

Genauso würde es uns gehen, wenn wir in zweitausend Jahren leben würden. Diese Welt wäre uns so fremd, dass wir sie (nur mit Mühe aber eher) nicht verstehen könnten.

Weit hergeholt?

Ich brauche nur an meine Großeltern denken. Mit Internet und Handy wären die völlig überfordert.

Heutige 70- oder 80-jährige sind da anders, denn das waren bei diese Entwicklungsschritt junge Leute.

Als ich zum ersten Mal mit einer Programmiersprache konfrontiert wurde (Assembler), waren das bömische Dörfer für mich. Kinder hingegen kamen Schnell damit klar.

Und das ist gerademal 40 Jahre her.

Wir sind Produkte unserer Umwelt und unserer Zeit.


Das Buch ist (ich habe es 2019 gelesen) über vierzig Jahre alt. Vielleicht ist der eine oder andere Punkt nicht mehr Stand der Wissenschaft, das läßt sich nach so langer Zeit kaum umgehen, interessant, lesenswert und verständlich ist es aber bis heute. Unbedingt zu empfehlen.
Mail an Ralf H.


Im Anfang war der Wasserstoff

Im Anfang war der Wasserstoff (1972)
Knaur (1977)

von Ditfurth
von Ditfurth stellt die großen Epochen der Naturgeschichte eindrucksvoll und auch für den Laien verständlich dar.
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Kinder des Weltalls

Kinder des Weltalls (1970)
Knaur (1975)

von Ditfurth
Die Geschichte der Erde und der Menschen. Unbedingt empfehlenswertes Buch.
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So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen

So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen (1985)
Knaur (1988)

von Ditfurth
von Ditfurth zieht Bilanz - und macht damit deutlich, daß er ein Wegbereiter der Grünen war und immer noch ist. Der Titel geht auf ein Luther-Zitat zurück ("Wenn ich wüßte, daß morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen." - Allerdings ist das Zitat anscheinend zum ersten Mal 1944 (!) schriftlich aufgetaucht.)
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Wir sind nicht nur von dieser Welt

Wir sind nicht nur von dieser Welt (1981)
DTV (1991)

Hoimar von Ditfurth: Wir sind nicht nur von dieser
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von Ditfurth will mit diesem Buch die Kirche mit den Naturwissenschaften versöhnen. Er will aufzeigen, warum die Kirche fehl geht, wenn sie die Evolution, wenn sie die Erkenntnisse der Wissenschaften ablehnt.

Um es kurz zu machen: von Ditfurth löst sein Versprechen nicht ein.

Ja, er macht klar, warum es ein Jenseits unserer Erkenntnis gibt (weil wir objektiv nur das wahrnehmen können, für das wir von der Evolution mit Sensoren ausgestattet wurden). Ein Beispiel (das nicht von Ditfurth stammt, aber seinen Gedanken nahekommt): Für Vögel im Käfig endet die Welt an den Gitterstäben des Käfigs. Und trotzdem gibt es eine Welt jenseits der Gitter. Ähnlich geht es uns Menschen: Wir sehen und erleben die Welt, die wir kennen, aber nur weil ich noch nie in New York war, heißt es nicht, daß New York nicht existiert.

Der Jenseitsglauben der Kirche (von Religionen an sich) ist etwas anderes als das Nichterreichen von Erkenntnisschichten. Bei den Kirchen geht es darum, Einzelbewusstsein für die Ewigkeit zu bewahren. Unser Bewusstsein ist aber an unser Gehirn gebunden. Wäre es wie eine Festplatte, könnte man das Bewusstsein irgendwann übertragen, vielleicht sogar kopieren. Aber da Bewusstsein an stoffliches Sein gebunden ist, würden sich trotz gleicher Ausgangsparameter die Erfahrungen auseinanderleben. Irgendwann hätten wir es mit zwei ähnlichen aber doch unterschiedlichen Bewusstseinen zu tun (ein-ei-ige Zwillinge sind nicht zwei Kopien desselben Menschen sondern zwei mehr oder weniger ähnliche Individuen).

Jeder Moment unseres Bewusstseins prägt uns und ändert uns - auch wenn wir und unsere Umwelt das im Einzelnen nicht wahrnehmen.

Dieses Buch von Ditfurth fordert viel vom Leser. Aber es erreicht auch viel. Zum einen macht von Ditfurth hier klar, wie Evolution wirklich funktioniert (nämlich auch in der Rückschau nicht zielgerichtet sondern durch ständiges Versuchen, das vielleicht im einen oder anderen Fall zum richtigen Zeitpunkt zum richtigen Ergebnis führt.)

Zum anderen führt er den Leser in gedankliche Regionen, die gefühlt bekannt sind, aber für die bislang der Ausdruck fehlte (wenn man nicht mit dem Wissenschaftskauderwelsch vertraut ist, der normalerweise auf diesen Gedankenebenen notwendig ist.)

Daß Sinn und Inhalt eines Wortes etwas Unterschiedliches sein können, ist jedem, der mit der Sprache zu tun hat, durchaus klar. Daß aber JEDES Wort Teil einer unausgesprochenen Absprache ist, die ohne den gesellschaftlichen Konsens letztlich nur eine unverständliche Lautäußerung wäre, ist mir so richtig erst bei der Lektüre dieses Buchs bewusst geworden. Wir sind zu sehr gefangen in unseren Alltäglichkeiten, als daß wir diese wirklich hinterfragen würden.

Zwei und zwei ist vier.

Nicht weil es logisch ist.

Es ist vier, weil wir uns darauf geeinigt haben, daß es so ist.

Wenn unsere Sprache sagen würde, das was wir als zwei kennen hieße fortan drei, dann wäre drei plus drei eben vier. Und es wäre in diesem Erlebnisumfeld nicht weniger richtig oder falsch als das uns so vertraute "zwei und zwei".

von Ditfurth schreibt (auf Seite 218): Mythologisches Reden ist der Versucht, mit Bildern und Gleichnissen zu umschreiben, was sich mit Worten unmittelbar nicht mehr sagen läßt. Daß das nur unzulänglich möglich ist, daß die durch mythologisches Reden beschriebenen Sachverhalte nur vage zu fassen sind (Paulus: "Durch einen Spiegel in einem dunklen Wort"), auch das ist uralte Erkenntnis. Für uns kommt heute noch ein Hindernis dazu: Die übertragenen, bildlichen oder metaphorischen Nebenbedeutungen der Wörter, die bei der mythologischen Aussage zu den Trägern der eigentlichen Information werden, stehen in Abhängigkeit vom jeweiligen kulturellen Kontext. Sie verändern sich folglich im Ablauf der Zeit und entziehen sich damit mehr und mehr dem aktuellen Verständnis.

Das heißt doch nicht anderes als: Da uns die Erfahrungswelt der Menschen um Christie Geburt (oder auch Mohammed Geburt) fremd ist, bleiben uns (ohne ausführliche Hintergrundinformationen) die von ihnen hinterlassenen Wörter fremd. Wer sich nur an die lesbaren Worte hält, ohne deren Bedeutung im damaligen geschichtlichen Kontext zu hinterfragen, handelt dumm und töricht.

Das Buch ist dreißig Jahre alt. Es ist schade, daß unser aller Leben heute noch mehr als damals von Menschen bestimmt wird, deren Gedanken von Ditfurths Denken fremd ist.


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Hoimar von Ditfurth & Volker Arzt

Querschnitte

Querschnitte (1978)
DTV (1982)
von Ditfurth ist ehrlich genug, im Vorwort festzustellen, daß das Buch vollständig von Volker Arzt geschrieben wurde - allerdings basierend auf den Skripten, die von Ditfurth für die gleichnamige Fernsehserie angefertigt hat.

Hoimar von Ditfurth & Volker Arzt: Querschnitte
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In meiner Videosammlung sind einige Folgen der Fernsehserie - sie sind bis heute interessant und ansehenswert.

Volker Arzt ist eine adequate Umsetzung gelungen, die zum einen das Spektrum der Fernsehreihe wiedergibt, zum anderen die ganze Bandbreite der Themen abdeckt.

  • Gibt es ein Geheimnis der Pyramiden? - Die Fragen.
  • Gibt es ein Geheimnis der Pyramiden? - Die Antworten.
  • Mehr als fünf Sinne. Probleme der Zugvogelorientierung
  • Dornröschen und der Saurier. Die Vorzüge der Warmblütigkeit
  • Erdbeben - warum, wann und wo? Ursachenforschung und Probleme der Vorhersage.
  • Hatte Darwin recht? Vorurteile gegen die Evolutionstheorie
  • Die Sterne lügen nicht. Wurzeln astrologischen Aberglaubens
  • Verständigung mit Tieren. Sprache ohne Laute
  • Phantasie der Schöpfung. Konstruktionsleistungen der Natur
  • Unsterblichkeit wird nicht geboten. Probleme der Alternsforschung.

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Otto von Frisch

Vögel in Käfig, Voliere und Garten

Vögel in Käfig, Voliere und Garten (?)
Gräfe und Unser (?)
* 13. Dezember 1929 in München; † 4. Juni 2008

von Frisch

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V.-M. von Winter

Die Menschentypen

Die Menschentypen (1960)
Humboldt (1960)

von Winter
Ein Buch über die Menschentypen in Zusammenhang mit den Tierkreiszeichen. Nun ja, ich glaube, jeder hat eine Phase, in der er so etwas interessant findet.
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