Robert Harris
*07.03.1957 (Nottingham)
Harris ist Historiker - was man seinen gut recherchierten und durchdachten Romanen durchaus anmerkt.

Aurora

Archangel (1998)
Heyne (2000)

Fluke Kelso, ein Historiker, erhielt einen Hinweis auf etwas, das Stalins Tagebuch zu sein scheint. Als er es findet, ist es das Tagebuch von Stalins letzter Geliebten und er steckt mitten in einem Komplott, das er noch lange nicht durchschaut.

Der dritte Roman von Harris und wieder enttäuscht er keinen Moment. Angereichert mit historischen und aktuellen politischen Bezügen, unheimliche spannende Unterhaltung.

Der deutsche Titel ist mehrdeutig. Einerseits bezieht er sich auf eine Zeitung, die immer wieder im Text genannt wird (gibt es sie wirklich?), andererseits auf ein Schiff, das in der russischen Revolution eine Rolle spielte.

Der Originaltitel ist der Name der Stadt, in der die Handlung dem Höhepunkt zustrebt.

Unbedingt zu empfehlen.

Enigma

Enigma (1995)
Heyne (1996)

Ein Thriller, der im 2. Weltkrieg spielt. Die Briten versuchen die mit einer Enigma (eine Chiffriermaschine) verschlüsselten Botschaften zu entschlüsseln. Eine Schlüsselfigur bei diesem Unterfangen ist Tom Jericho, der Held des Romans.

Spannend. Und ganz anders als Vaterland.


The Ghost

The Ghost (2007)
Arrow Books (2007)

Robert Harris: The ghost vergrößern
Nachdem ein Mitarbeiter des ehemaligen britischen Ministerpräsidenten tot aufgefunden wurde, wird ein Ghostwriter engagiert, um die angefangenen Memoiren zu Ende zu schreiben. Was nach einem Routineauftrag aussieht, entwickelt sich zu einer lebensgefährlichen Geschichte.

Glauben Sie mir, mir ist während der Lektüre nicht aufgefallen, daß der Ich-Erzähler keinen Namen hat. Wir lernen ihn immer besser kennen und trotzdem bleibt er unfaßbar.

Auch ohne mit britischer Gegenwartsgeschichte im Detail vertraut zu sein, ahnt man, daß Adam Lang etwas mit Tony Blair zu tun hat. Das ist beim Bezug auf den "Krieg gegen den Terror" einfach zu umumgänglich.

Die Idee, den MP zu einem CIA-Agenten zu machen, ist reizvoll und wird wohl irgendwann auch in "ernsthaften" Verschwörungstheorien auftauchen.

Harris läßt es nicht dabei, setzt noch einen drauf und findet zu einem Abschluß, der einen gruseln läßt.

Ein gelungenes, aktuelles, beängstigendes Buch.





Imperium

Imperium (2006)
Heyne (2008)

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Eigentlich eine völlig unaufregende Sache, weil man das alles auch in Geschichtsbüchern nachlesen kann: Der Weg von Marcus Tullius Cicero vom Anwalt zum Konsul.

Abgesehen davon, daß Harris ein guter, versierter Schriftsteller ist und die Figur mit Leben füllt, vergißt er auch das Umfeld seiner Figur nicht. Die großen Dinge wie der Prozeß gegen Verres sind schon offiziell gut dokumentiert, bei Harris wird daraus ein Gerichtskrimi, der sich hinter einem Perry Mason nicht verstecken muß.

Die von Harris geleisteten Vorarbeiten müssen immens gewesen sein.

Marcus Tullius Tiro, Erfinder Kurzschrift und Sekretär Ciceros, Terentia, seine erste Frau, Quintus Hortensius Hortalus, Gaius Verres, Gnaeus Pompeius Magnus, Caesar und viele andere werden hier nicht vergessen. Was Geschichtsschreiber gerne ignorieren ist, daß niemand aus sich selbst heraus seine Entscheidungen trifft. Man beeinflußt die Umwelt, aber man wird auch von der Umwelt beeinflußt.

Das Buch ist kein Thriller. Es ist spannend, man kann es nicht aus der Hand legen, nicht weil es spannend oder aufregend wäre, sondern weil es Harris gelingt, den Leser für die Personen zu interessieren.





Pompeii

Pompeii (2003)
Arrow Books (2004)

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Marcus Attilus Primus ist der neue Aquarius der Aqua Augusta, eines Aquädukts, das die Städte um den Vesuv mit Wasser versorgt. Im Wasser wird Schwefel entdeckt, was nur auf einen Schaden im Aquädukt zurückzuführen sein kann. Gegen viele Widerstände gelingt es ihm, Plinius dem Älteren zu überzeugen und mit einer von diesem ausgestellten schriftlichen Anweisung, erhält er von Ampliatus, einem einflußreichen Exsklaven, mit dem er gleich an seinem ersten Arbeitstag aneinandergeraten ist, das erforderliche Personal und Material, ohne zu wissen, daß sein größtes Problem nicht menschengemacht sein wird.

Kein Thriller, auch wenn -zig Kritiken einem das weismachen wollen. Aber ein sehr, sehr spannender Historienroman, der nach dem selben Schema funktioniert, wie z.B. der Titanic-Film von Cameron.

Ich habe bereits einige Bücher gelesen, die Autoren in der Römerzeit angesiedelt haben. Immer ging es entweder um die Herrschenden oder um das Christentum.

Hier spielt das keine Rolle. Harris schildert römischen Alltag - und das vollständig überzeugend.

Ein spannendes, gutes Buch. Ein echter Harris eben.





Titan

Lustrum (2009)
Heyne (2009)

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Fortsetzung von Imperium.

Der Roman behandelt die Zeit von Ciceros Konsulat bis zu seiner Flucht aus Rom.

Caesar wird immer mehr zum Gegenspieler Ciceros. Mir drängt sich der Verdacht auf, daß Harris in Caesar einen Vorgänger Hitlers sieht. Vieles, was er in Zusammenhang mit dem Römer beschreibt, findet man auch in Hitlers Werdegang.

Es ist eine Tatsache, daß (der reale) Caesar die Republik beendet und das Kaiserreich installiert hat. Die Frage stellt sich allerdings für mich, ob das zum Nachteil des Reiches war oder nicht. Für die Welt an sich, dürfte es keinen Unterschied gemacht haben, ob eine funktionierende Republik oder ein Kaiser das Sagen hatte.

Aber funktionierte die Republik noch?

Ohne Caesar sähe die Welt heute wohl anders aus. Man lebte damals nicht friedlich miteinander. Wenn man etwas wollte, was der Nachbar hatte, nahm man es sich. Und römische Senatoren waren wohl mehr sich selbst als ihrem Land verpflichtet. Der Zusammenbruch des römischen Reichs war unvermeidlich - weil jedes Reich früher oder später kollabiert - oder von außen niedergezwungen wird.

Harris' Verdienst ist es, daß man Cicero, Caesar, Pompeius als Menschen sieht. Menschen mit Stärken und Schwächen - und das vieles, was dem Historiker klar ist, dem Laien verständlich gemacht wird.

Wieder einmal eine hervorragende Arbeit von Harris. Nicht nachvollziehbar ist für mich, warum man in Deutschland den Originaltitel (Lustrum = ein alle fünf Jahre stattfindendes Sühneopfer) nicht beibehielt. Warum man ihn in den USA opferte (dort erscheint der Roman als Conspirata) ist völlig klar. Lustrum hätte die prüden Amerikaner an Sinneslust denken lassen.





Vaterland

Fatherland (1992)
Heyne (1992)

Auf dieses Buch hat mich Der Spiegel aufmerksam gemacht.

Sehr interessant geschrieben, dabei gut recherchiert. Man merkt, daß Harris Historiker ist.

Ein Waswärewenn-Roman, keinen Moment sonderlich originell, aber man wird schnell in die Handlung hineingezogen und von ihr gefesselt.



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