Elizabeth George Elizabeth George
Susan Elizabeth George * 26. Februar 1949 (Warren, Ohio)

A place of hiding

A place of hiding (2003)
Hodder & Stoughton (2004)
Elizabeth George: Denn Sie betrügt man nicht vergrößern
Am Strand von Guernsey wird ein Millionär ermordet. In Verdacht gerät eine Frau aus Kalifornien, die früher mit Deborah St. James befreundet war. Grund genug für Deborah und Simon, eigene Nachforschungen anzustellen.

Lynley hat in diesem über 600 Seiten starken Roman nur eine Nebenrolle. Havers wird mit keinem Wort erwähnt. Die bisherigen Nebenfiguren können den Roman ganz hervorragend selbst tragen. Bis ca. Seite 550 gehört dieses Buch zu den besten, die George je geschrieben hat. Deborah ist noch immer eine Zicke, Simon leidet noch immer still vor sich hin, jeder, mit dem sie es zu tun haben, hat etwas zu verbergen, was erst nach und nach ans Licht kommt.

Doch dann ... die letzten 100 Seiten. Die Lösung des Falles. Der Grund für den Mord ist lächerlich, warum der Mord auf die skurrile Weise geschah (ein Stein in der Kehle des Opfers) wird nicht erklärt, ebenso wie vieles andere. Wohin ist das Geld des Mordopfers verschwunden? Man ahnt es, erfährt es aber nicht wirklich. Warum wurde der Plan das Kriegsmuseum zu bauen aufgegeben? Man ahnt es, erfährt ... Warum ist das Bild unbekannt, wenn in einer großen Zeitung ausführlich darüber berichtet wurde? An dem Bild hängt zum Schluß alles, und genau an dem Punkt fällt die Geschichte leider auseinander.

Zurück bleibt ein Buch, das man über lange Strecken kaum aus der Hand legen kann, das aber am Ende ein sehr schales Gefühl zurückläßt - und auf Guernsey neugierig macht.





Auf Ehre und Gewissen

Well-Schooled in Murder (1990)
Goldmann (1996)
Elizabeth George: Auf Ehre und Gewissen
Ein 13jähriger Junge wird ermordet. Erste Spuren führen in das Elite-Internat Bredgar Chambers.

Jeder Lehrer, jeder Schüler verbirgt ein Geheimnis. Lynley und Havers müssen eines nach dem anderen lüften, um den Mörder zu entlarven.

Chronologisch der vierte, tatsächlich der dritte Lynley-Roman.

Das Who-Dunit ist nicht das raffinierteste, der Täter lag (zumindest für mich), schon recht bald auf der Hand. Interessanterweise stellt Elizabeth George die Frage nach dem Warum sehr viel deutlicher in den Raum als die Frage nach dem Täter (ähnlich wie ich bei meinen Rex Cordoba-Roman).

Ein gelungener Krimi, mit den für George üblichen Nebenhandlungen.



Gedanken während der Lektüre


Careless in red

Careless in red (2008)
Hodder & Stoughton (2009)
Elizabeth George: Denn Sie betrügt man nicht vergrößern
Drei Monate nach dem Tod seiner Frau (in No one as witness, in größerem Detail in What came before he shot her) durchstreift Lynley Cornwall - und stößt auf die Leiche eines Jungen.

Der Roman spielt im Zeitraum von einer Woche, das Hauptthema ist Familie, abgearbeitet vor allem an zwei Familien, deren Mitglieder alle nicht ganz normal sind und zu irgendeinem Zeitpunkt irgendwas miteinander zu tun hatten. Zweites Thema des Romans ist Surfen.

Die Trauer Lynleys, die Sorge von Havers kommen sehr gut rüber, das Ende des Romans ist originell aber leicht unbefriedigend - und obendrein löst George nicht alles auf. Warum die vermeintliche neue Liebe Lynleys zwar im Zoo von Bristol arbeiten soll, aber einen nicht vorhandenen Affenpfleger benannte, wird nicht gelöst. Ebenso unbefriedigend ist, daß bei der Rückschau auf Helens Tod noch immer die Rede davon ist, daß sie von einem 12jährigen erschossen wurde, obwohl wir aus What came before he shot her wissen, daß das nicht zutreffend ist.

Insgesamt ein unterhaltsamer, interessanter Roman, der zu den besseren der Autorin zählt.



Gedanken während der Lektüre


Denn keiner ist ohne Schuld

Missing Joseph (1993)
Goldmann (1996)
Elizabeth George: Denn keiner ist ohne Schuld
Es fängt so harmlos an. Eine Hochzeit zwischen einer unsympathischen, schwangeren Frau und einem Mann, der aus Karrieregründen mit ihr geschlafen hat. Alles ist gut organisiert, nur der Pfarrer erscheint nicht. Als er endlich gefunden wird, ist er tot.

Ein langes, aber keineswegs ein langweiliges Buch, das nicht durch die Suche nach dem Täter sondern die Frage nach dem Warum spannend wird. Immer wenn man glaubt, die Geschichte sei auf der Zielgerade, legt George nach, führt noch eine Wendung ein, die aber trotzdem in der Realität der täglichen Schreckensmeldung verwurzelt bleibt.

Ein Buch, das unter zwei Dingen leidet: Havers wird auf eine Nebenrolle reduziert und das Buch enthält nichts wirklich Originelles.



Gedanken während der Lektüre


Denn Sie betrügt man nicht

Deception on His mind (1997)
Goldmann (1999)
Elizabeth George: Denn Sie betrügt man nicht vergrößern
Ein Pakistani wird mit gebrochenem Genick aufgefunden. Während Lynley sich auf Hochzeitsreise befindet, folgt Barbara ihrem Nachbarn und gerät in die Ermittlungen einer ihr bereits bekannten Polizistin.

Ich habe den Roman in Wien gelesen - also dort eine tropische Nacht die andere ablöste, konnte also die äußeren Umstände gut nachvollziehen. Die Lösung des Romans hatte sich lange angekündigt (auch im deutschen Titel), erscheint trotzdem an den Haaren herbeigezogen, da der Eindruck erweckt wurde, die Familie würde immer aufeinander hocken. Nun ja.

Positiv fällt auf, daß durch das Fehlen von Lynley und dem Ehepaar St. James das ständige Beziehungsgejammer unter den Tisch fällt, vielleicht sind deshalb so viele Internethobbykritiker der Meinung, es handle sich um Georges bestes Buch.

Auf jeden Fall bleibt anzumerken: Die Barbara Havers dieses Buchs hat mit jener der anderen Bücher nicht viel gemeinsam und ist - vielleicht gerade deswegen - in der Lage, die Handlung allein zu tragen.

Am Schluß bleiben etliche Handlungsstränge ohne Abschluß, nur der ursprüngliche Mordfall ist gelöst und als Leser hat man mehr Verständnis für einige Eigenarten muslimischer Mitbürger. Ob Elizabeth George das Buch nach dem 11.09.2001 anders oder überhaupt geschrieben hätte?





For the Sake of Elena / Denn bitter ist der Tod

For the Sake of Elena (1992)
Hodder & Stoughton (2002) / Goldmann (1999)
Elizabeth George: For the sake of Elena Elizabeth George: Denn bitter ist der Tod
Eine taube Studentin wird in Cambridge beim Jogging brutal zusammengeschlagen und ermordet.

Lynley, der einige Probleme mit seiner Beziehung zu Helen hat, und Havers, die erkennen muß, daß sie sich nicht weiter um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter kann, werden auf den Fall angesetzt und müssen entdecken, daß das Leben vielschichtiger ist, als es zunächst scheint.

Es war ein Risiko. Ich habe die deutsche Fassung dieses Romans (der vierte mit Havers/Lynley) zusammen mit Gott schütze dieses Haus gekauft, ohne zu wissen, ob mir George liegt.

Das tut sie.

Der Roman ist besser als der erste, nicht nur, weil man die Hauptpersonen inzwischen kennt, sondern auch weil sich das immer Geheimnis im Geheimnis diesmal nur auf die in den Mord verwickelten Personen beschränkt.

Etwas schwach (aber für sich allein genommen doch gut) ist die Auflösung, da sie zu sehr der des ersten Romans ähnelt.

Weitere Romane von George sind fest eingeplant.


Gott schütze dieses Haus

A great deliverance (1989)
Goldmann (1999)
Elizabeth George: Gott schütze dieses Haus
Eine kopflose Leiche wird gefunden, daneben die Tochter des Opfers, die auch ein scheinbares Geständnis ablegt.

Der aristokratische Inspector Thomas Lynley und die aus der Unterschicht stammende, psychisch gestörte Sergeantin Barbara Havers werden auf den Fall angesetzt.

George schreibt hervorragend und rettet dadurch den Roman über einige Schwächen hinweg. Die Figuren tauchen auf und jede, aber auch absolut jede, hat irgendeinen Fleck in der Vergangenheit, der mehr oder weniger zum Geheimnis erklärt wird, das erst sehr viel später aufgedeckt wird (und dann auch wieder zum Ausgangspunkt eines neuen Geheimnisses wird).

Ich bin auf die weiteren Lynley/Havers-Fälle gespannt.


Im Angesicht des Feindes

In the Presence of the Enemy (1996)
Goldmann (1998)
Elizabeth George: Im Angesicht des Feindes
Die 10jährige Charlotte Bowen wird entführt. Im Zuge der Ermittlungen tauchen immer mehr Geheimnisse im Leben der Mutter, einer ehrgeizigen, erzkonservativen Politikerin und Vaters, eines linken Zeitungsmachers, auf. Durch ihre gegenseitige Abneigung, zerstören sie letztendlich sich und den anderen. Lynley erfährt erst nachdem es zu spät ist, von der Entführung, an deren Aufklärung seine Freunde und seine Verlobte bereits gearbeitet haben.

Sicher eines der besten Bücher von Elizabeth George. Oh ja, es ist spannend, es gibt immer wieder überraschende Wendungen, es ist gut geschrieben - und vor allem: es nervt nicht. Ja, fast alle Beziehungen sind so kaputt, wie man es von Mrs. George gewohnt ist, aber man spürt die Liebe, die es zwischen Thomas und Helen, zwischen Simon und Deborah gibt.

Das erste Drittel des Buches bestreiten die St. James' (plus Helen) als Helden und wissen Sie was? Man vermißt Lynley überhaupt nicht. Simon, Deborah und Helen können die Handlung ohne weiteres alleine tragen und ich für meinen Teil hätte nichts dagegen gehabt, wenn das so geblieben wäre.

Auch wenn Sie nicht alle Bücher von Mrs. George lesen wollen, sollte dieses auf jeden Fall auf Ihrer Leseliste stehen.



Gedanken während der Lektüre


Mein ist die Rache

A Suitable Vengeance (1991)
Goldmann (1992)
Elizabeth George: Mein ist die Rache
Lynley stellt seiner Mutter seine Verlobte Deborah vor. Mitten in das nicht besonders gelungene Familientreffen platzt der Fund einer Leiche.

Innerhalb von wenigen Wochen der dritte Lynley-Roman für mich, der vierte in der Reihe, der erste in chronologischer Reihenfolge. Jeder Autor geht ein Risiko ein, wenn er vor den Beginn einer Serie zurückgeht (Enterprise fällt mit auf Anhieb ein).

Ich kann jedem George-Neuling nur heftig davon abraten, dieses Buch als erstes zu lesen. Er wird sicher von der Fülle der (gut ausgearbeiteten) Figuren erschlagen.

Ansonsten ist George das Kunststück gelungen eine Familiengeschichte und ein mehrschichtiges Krimirätsel zu schreiben. Hervorragend. Ich habe das Buch richtiggehend verschlungen - was nicht bei vielen Büchern der Fall ist.


Payment in blood / Keiner werfe den ersten Stein

Payment in blood (1989)
Bantman (1992)/Goldmann (1991)
Elizabeth George: Payment in Blood vergrößern Elizabeth George: Keiner werfe den ersten Stein
Eine Theatertruppe steigt in einem Hotel ab, um sich dort auf die Premiere eines neuen Stückes vorzubereiten. In der ersten Nacht wird die Autorin ermordet.

Der zweite Roman von Elizabeth George.

Wäre das mein erster gewesen - es wäre keiner gefolgt.

Oh, sicher, es ist angenehm zu lesen, aber man spürt die Mühe, die George sich machen muß, weil sie noch auf der Suche nach ihrem eigenen Stil ist. Der Roman beginnt als typische Agatha Christie-Geschichte, leidet aber von Anfang an darunter, daß die Personen nicht wirklich auseinanderzuhalten sind, weil sie sich alle viel zu sehr (durch diverse komplizierte Verwandschaftsverhältnisse auch in den Namen) ähneln oder gleich mehrere Namen haben.

Erst nach mehr als der Hälfte des Buches verläßt George das Hotel und ganz allmählich findet sie zu ihrem Stil. Das Zusammenspiel zwischen Lynley, St. Jones, dessen Ehefrau Deborah und schließlich auch die Geschichte um Havers' Mutter werden wichtiger.

Für den ersten Lynley-Roman hat George viele Preise eingeheimst. In solch einer Situation ist es schwer, etwas folgen zu lassen, ohne sich zu wiederholen.

"Keiner werfe den ersten Stein" ist nicht der große Wurf. Für Komplettisten (wie mich) ein Muß, alle anderen sollten andere Bücher der Autorin den Vorzug geben.








Undank ist der Väter Lohn

In Pursuit of the Proper Sinner (1999)
Goldmann (2002)
Elizabeth George: Undank ist der Väter Lohn vergrößern
Ein Musicalkomponist begeht am Abend einer erfolgreichen Premiere Selbstmord. Eine junge Frau und ihr Begleiter werden beim Campen ermordet. Lynley wird, auf Wunsch des Vaters eines der Mordopfer, hinzugezogen. Havers wurde degradiert und trotz des bisher guten Verhältnisses zwischen ihr und Lynley wird sie von ihm schikaniert und an die Kandarre genommen, ermittelt dann aber gegen seinen ausdrücklichen Wunsch auf eigene Faust.

Der Roman gehört sicher zu den besseren Büchern von Elizabeth George, diesmal rücken Helen und das Ehepaar St. James in den Hintergrund, was die nervtötenden Selbstanalysen zurücknimmt, man sollte jedoch Im Angesicht des Feindes und Denn Sie betrügt man nicht gelesen haben, um alles zu verstehen, was hier abläuft.

Havers ist deutlich sympathischer (und auch erfolgreicher) als Lynley, der hier nur arrogant wirkt. Nach all den Erfahrungen, die er mit Havers bereits gemacht hat, ist es erstaunlich, wie wenig Vertrauen und Verständnis er für sie aufbringt.

Bislang der einzige Elizabeth George-Roman, dessen Verfilmung ich bereits kannte, bevor ich das Buch zur Hand bekam.

Was die BBC diesem Buch angetan ist, ist schier unglaublich. Als ich den Film zum ersten Mal sah, erschien mir die Geschichte um das geklaute Manuskript ziemlich dünn - kein Wunder, denn das ist ein Eigengewächs der Drehbuchautorin (Ann-Marie di Mambro).

Ich denke, das genügt um zu zeigen, wie schluddrig mit der Vorlange umgegangen wurde, ganz abgesehen davon, daß Deborah und Simon, daß Nkata, daß die Nachbarn von Havers nicht berücksichtigt wurden. Ein anderthalb Stunden-Film muß einen 700 Seiten-Roman zwangsläufig vereinfachen, aber muß man wirklich so tief (und nochdazu oft sinnlos) in die Vorgaben eingreifen? Sicher nicht.

Mein Tipp: Lesen Sie das Buch, vergessen Sie den Film.




With no one as witness

With no one as witness (2005)
Hodder and Stoughton (2006)
Elizabeth George: Payment in Blood vergrößern
Lynley ist relativ frisch verheiratet, Havers zum Constable degradiert. Im letzten Roman hatten die beiden keine Rolle gespielt.

In London taucht die Leiche eines Jungen auf. Rasch wird klar, daß es sich um ein Opfer einer bislang nicht aufgefallenen Mordserie handelt. Lynley wird der Fall anvertraut, aber trotz aller Anstrengungen von Lynley, Havers und Nkata geschieht ein Mord nach dem anderen.

Als ich Elizabeth George begegnete, waren dieser Roman und sein Nachfolger gerade neu erschienen. Wegen eines Spielverderbers im Publikum wußte ich, was mich am Ende erwarten würde.

Mit über 650 Seiten ist das Buch abschreckend dick, der Satz geht zu dicht an den Falz heran, so daß man das Buch schlecht handhaben kann ohne es zu brechen. Vielleicht ist das ja Absicht des Verlegers.

Es gibt keine Streitereien zwischen den beiden zentralen Ehepaaren, dafür sehr viel realistischere Auseinandersetzungen zwischen Lynley und seinem Vorgesetzten. Havers hat leichte Probleme mit ihrem Nachbarn und der Tatsache, daß mit Nkata ein Kollege befördert wurde, während sie noch immer kurz davor steht, aus dem Polizeidienst entlassen zu werden.

Mein Eindruck ist, daß - obwohl die Reihe "Inspector Lynley" genannt wird - Barbara immer dominanter wird. Sie ist die interessantere Figur und sie hat bereits bewiesen, daß sie einen Roman alleine tragen kann.

George schildert die Mordserie, geht wie immer ausführlich die Nebencharaktere ein - und beendet die Geschichte mit einem Vorfall, der mit der Haupthandlung überhaupt nichts zu tun hat.

Eines der besten Bücher von Elizabeth George.




What came before he shot her

What came before he shot her (2006)
Harper Collins (2007)
Elizabeth George: Payment in Blood vergrößern
Ich habe vor diesem Roman zurückgeschreckt.

Ein Roman, der völlig überflüssig ist, weil er zwar Teil der Lynley-Reihe ist, ohne richtig dazuzugehören.

Elizabeth George hat in den letzten Jahren immer wieder Bücher geschrieben, die sich von Lynley entfernt haben, die die anderen Personen zu Hauptdarstellern machte. Vielleicht hängt es damit zusammen, daß die (für sich genommen: gute) Fernsehserie immer weniger mit ihrer Schöpfung zu tun hatte und sie sich deshalb davon freischreiben wollte. Vielleicht. Keine Ahnung.

Hier geht sie noch weiter. Lynley taucht überhaupt nicht auf, Havers auf der vorletzten Seite.

Wenn ich nicht so viel Respekt vor dem Talent der Autorin hätte, hätte ich diesen Roman nicht begonnen.

Die ersten Seiten ... quälend langweilig. Wirklich. Wichtig für alles was danach kommt, aber man mag diesen Figuren kaum folgen. Es ist wirklich furchtbar. Alle sind absonderlich, krank, abstoßend. Es ist eine Qual. Man hat das Gefühl, in der Autorin hat sich alles dagegen gesträubt, diesen Roman zu schreiben.

Dann wird es besser. So ab Seite 50 kennt man die Figuren beginnt sich, für ihr Schicksal zu interessieren.

Ab Seite 400 ändert sich der Schreibstil der Autorin. Es fällt sofort ins Auge, weil der bislang neutrale Erzähler plötzlich kommentiert, plötzlich dem Leser klar macht, daß er (der Erzähler) sie genauso befremdlich findet wie der Leser.

Aus meiner Sicht ist der Roman stellenweise recht schlampig redigiert. Zum einen ist irgendwo die Rede davon, daß mehrere Wochen vergangen sind, trotzdem befindet man sich immer noch im selben Monat befindet.

Zum anderen ist die Rede davon, daß Kendra nicht weiß, ob und wann ihre Nichte heimkommt - und später erfährt man, sich mit der Tante das Bett geteilt hat.

Ich will ehrlich sein, das sind Eindrücke, die ich nicht verifiziert habe. Sollte mir jemand nachweisen, daß ich mich irre - bitte schön. Ich werde das gerne eingestehen.

Der Roman endet abrupt mit dem Verhör des vorgeblichen Täters. Wir erfahren nicht, ob die ganze Vorgeschichte eine schicksalshafte Verstrickung war oder ob Joel einem perfiden Plan des Exlovers seiner Schwester aufgesessen ist.

Am Ende bleibt ein unbefriedigendes Gefühl.

Die Geschichte um Joel, Nessa, Toby und Kendra ist nicht zu Ende erzählt, eher abgebrochen.

"What came before he shot her" liest sich über weite Strecken sehr gut und trotz des bekannten Endes ist es spannend. Aber trotzdem: es ist eines der schlechteren Bücher der Autorin. Nur für Komplettisten - oder für Leute, die von Lynley noch nie gehört haben (die dann aber garantiert durch das Ende noch frustrierter zurückbleiben als der Lynley-Leser).





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