B
Lauren Bacall

Die Rollen meines Lebens

Now (1994)
Econ (1996)
Betty Joan Weinstein Perske
* 16.09.1924 (New York City)
† 12.08.2014 (New York City)

Lauren Bacall: Die Rollen meines Lebens
Denk ich an Lauren Bacall fällt mir folgendes ein: Humphrey Bogart, Wie angelt man sich einen Millionär?, Mord im Orient-Express, Rendezvous mit einer Leiche.

Nicht viel, für eine Schauspielerin, die seit Mitte der 40er Jahre im Geschäft ist.

Bacall betont in diesem Buch, daß sie nicht reich ist. Sicher, sie hat ihr ganzes Leben gut verdient, aber es waren keine Spitzengagen und wenn man die Liste ihrer Filme bei IMDB anschaut, stellt man fest, daß sie nur selten die Hauptrolle spielte.

Bestimmend in ihrem Leben war sicher die Zeit mit Bogart, der auf fast jeder Seite erwähnt wird. Über ihre zweite Ehe mit Jason Robards hingegen gibt es immer nur kurze Andeutungen, die eine tiefe Verletzung spüren lassen.

Man spürt Bacalls Unruhe, ihre Angst irgendwo zu sesshaft zu werden, irgendjemanden zu nah an sich heranzulassen und gleichzeitig ihre Enttäuschung darüber, daß ihre Kinder sich von ihr entfernt haben.

Bacall beginnt etwas aus ihrer Vergangenheit zu erzählen, rutscht dann ins Weinerliche, manchmal aus ihrer Sicht auch grundsätzliche ab, das mitunter nur schwer erträglich ist, aber auch eine Frau zeigt, die zum einen sehr auf sich selbst bezogen ist, andererseits aber auch sehr verletzlich erscheint.

Keine Pflichtlektüre, aber zumindest kurzweilige Unterhaltung.



Mail an Ralf H.


Patrick Bahners

Entenhausen - Die ganze Wahrheit

Entenhausen - Die ganze Wahrheit (2013)
C.H. Beck (2013)
Bahners war Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Wahrscheinlich lernt man da, möglichst wirr zu schreiben.

Patrick Bahners *10.02.1967 (Paderborn)

Patrick Bahners: Entenhausen - Die ganze Wahrheit
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Ich habe wirklich versucht, dieses Buch, das ich Weihnachten 2013 bekam, zu mögen. Die Idee, aus den Barks-Geschichten heraus Entenhausen zu erklären hat einen gewissen Charme. Es gibt da nur zwei Probleme:

1. der Donaldismus
2. das unstrukurierte Abhandeln von Themen

Der zweite Punkt macht die Lektüre schwerer als es notwendig wäre und entwertet selbst die guten Passagen des Buches (und die gibt es), weil das Buch für den Disney-Fan kaum als Recherebasis dienen kann. Tatsächlich liest sich das Buch wie eine Sammlung von Vorträgen.

Aber das Hauptproblem ist der Donaldismus.

Es ist ja ehrenwert und nachvollziehbar, aus den Werken von Barks Forschungen abzuleiten, aber - und das ist ein ganz großes Aber - wenn man in diesem Zusammenhang nicht die Originale sondern nur die Übersetzungen von Erika Fuchs gelten lässt, dann kann man das auch gleich bleiben lassen.

Fuchs hat ihre Verdienste. Aber ihr lag - zumindest in den ersten Jahren - nicht daran, werkgetreue Übersetzungen zu liefern. Sie hat das hervorragende Werka von Barks nur als Ausgangsmaterial für eigenes Schaffen verwendet. Möglich, daß Sie das anders sehen, aber ich bin Schriftsteller und als solcher weiß ich, welche Arbeit man sich mit Texten machen kann. Barks ist - anders als die Einstellung der Donaldisten vermuten lässt - kein Leichtgewicht. Er ist nicht nur ein hervorragender Zeichner und Plotter.

Cornelius Coot ist der Gründer von Entenhausen. Bei Fuchs heißt er mal Emil Erpel, Erasmus Erpel oder auch David Duck. Anstatt Fuchs eine Nachlässigkeit zuzugestehen, lässt Bahners sich seitenweise über die Verwandtschaftsbeziehung dieser drei Figuren aus. Überflüssig und ärgerlich.

Das Buch richtet sich an Donaldisten, nicht an den "normalen" Disney- oder Barks-Fan.

Völlig disqualifizieren sich Buch und Autor im Hinweis darauf, daß die Lautworte in der Barkslibrary "leider" nicht eingedeutscht wurden. Jahrzehntelang haben sich Comicfans dafür eingesetzt, damit diese Unsitte aufhört.

Man muß schon recht rückständig sein, wenn man sich - gerade bei Klassikern - etwas anderes wünscht.

Die Zielgruppe ist also ziemlich klein und überschaubar. Daß C.H. Beck das Buch veröffentlichte, dürfte wohl eher ein Gefallen für den ehemaligen FAZ-Redakteur sein als eine Gewinnerwartung.

Es ist ein mitunter kluges, häufig ärgerliches, manchmal kaum verständliches Buch, das ich wirklich nicht zur Lektüre empfehlen kann.


Mail an Ralf H.


Bruce Bahrenburg

The creation of Dino De Laurentiis' King Kong

The creation Dino De Laurentiis' King Kong (1976)
Pocket (1977)

Es gab mal einen guten, stilbildenden Film. Dann gab es die Katastrophenfilmwelle in den den 70er Jahren. Und es gab die Idee, den alten Film neu zu verfilmen. Wenn sich Katastrophenfilme schon gut verkaufen ließen, mußte ein Film um einen amoklaufenden Riesenaffen doch ein gigantischer Erfolg werden...

Nun ja, es war ein Flop.

Wie bei anderen Filmen ist das Buch über die Herstellung viel interessanter als der Film selbst.
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Barrington Barber

How too draw everything

The complete book of drawing (2004)
Arcturus (2004)

Barrington Barber: How to draw everything
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Barrington Barber überschwemmt die Welt mit Anleitungen zum Zeichnen.

Zumindest in diesem Buch fängt er so an, dass man nicht gleich abgestoßen wird, geht dann aber auch richtig in Details.

Ich glaube nicht, dass dieses Buch für Leute geeignet ist, die Zeichnen durch Zeichnen lernen wollen. Hier schafft man sich eine Basis, auf der man aufbauen kann.

Der menschliche Körper ist bei ihm 8 Köpfe hoch. In vielen (vor allem amerikanischen Büchern) ist von 9 Köpfen die Rede, meiner Erfahrung nach ist der Durchschnittsmensch zwischen 6,5 und 7,5 Köpfen groß.

Das Taschenbuchformat ist für die Praxis denkbar ungeeignet.


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Correli Barnett, Ikuhiko Hata, Alan Clark, Philippe Masson

Der 2. Weltkrieg in Wort und Bild

(1977)
Heyne (1977)


Informatives, gut bebildertes Buch (Band 5 einer umfassenderen Reihe) über die große Katastrophe des 20. Jahrhunderts.
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Lincoln Barnett

Einstein und das Universum

The universe and Dr. Einstein (1952)
Fischer (1956)
Mit einem Vorwort von Albert Einstein.

Barnett geht neben seinem Thema völlig unter. Selbst auf dem Buchrücken finden sich "nur" Angaben zu Einstein.


Barnett erklärt sehr anschaulich die Theorien des wahrscheinlich sympathischsten Wissenschaftlers des 20. Jahrhunderts.

Wenn Sie sich die Mühe machen, im Internet nach Barnett zu suchen, werden Sie hauptsächlich auf Seiten von Religionsspinnern stoßen, die noch immer nicht akzeptieren, daß es eine Evolution gibt. Solche Verbohrtheit ist der Grundstoff aus dem Terroristen gemacht werden.


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Manfred Barthel und Bernhard Weidner (Herausgeber)

Signaturen

Signaturen (1983)
Heyne (1983)

Barthel
Ich sammel ja alles möglich, Autogramme sind nur sehr wenige darunter. Ich würde zum Beispiel nie für eine signierte Ausgabe des einen oder anderen Buches oder Comics mehr zahlen, nur weil irgend ein Autor darin unterschrieben hat. Autogramme sind für mich nur von Bedeutung, wenn ich sie selbst erhalten habe.

Das Buch zeigt die Unterschriften von -zig mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten. Das ist recht interessant, aber ich bin wohl kaum der Mensch, für den das Buch entworfen wurde.
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L. Frank Baum

Der Zauberer Oz

The wizard of Oz (1900)
Ravensburger (1978)
15. Mai 1856 - 6. Mai 1919
Mit Zeichnungen von Frans Haacken.

Baum
Dorothy wird von einem Wirbelsturm nach Oz getragen. Mit einigen neu gewonnenen Freunden sucht sie den Zauberer von Oz, der ihr die Rückkehr nach Hause ermöglichen soll.

Vielleicht DAS amerikanische Märchen schlechthin.

Es gibt eine hervorragende Verfilmung (mit Judy Garland, wer kann Over the rainbow vergessen?), alle anderen Versuche der Verfilmung halten einem Vergleich nicht stand. Der Film wird aus gutem Grund immer und immer wieder gezeigt (und immer und immer wieder angeschaut).

Eine Comic-Fassung von Roy Thomas und John Buscema (als erste Co-Produktion von Marvel und DC) hält sich sehr eng an den Film, ist heute, im Zeitalter von Videorekordern aber überflüssig.
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Wolf-Rüdiger Baumann & Gustav Fochler-Hauke

Biographien zur Zeitgeschichte seit 1945

Biographien zur Zeitgeschichte seit 1945 (1983)
Fischer (1985)
Aktualisierte und erweiterte Neuauflage.

Manche Bücher sollten in jedem Haushalt stehen. Dieses gehörte - früher - dazu. Inzwischen findet man wohl über jeden wichtigen und so manchen unwichtigen (wie den Autor dieser Homepage) Menschen etwas im Internet. Daß solch ein Buch schon bei Erscheinen veraltet ist, hat es mit jedem gedruckten Nachschlagewerk gemeinsam. Trotzdem - ich benutze zur Recherche lieber Bücher als das Internet, wo man doch nie das findet, was man sucht.
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Peter Baumann & Gottfried Kirchner

Terra-X: Rätsel alter Weltkulturen

Terra-X: Rätsel alter Weltkulturen (1983)
Umschau (1987)
Buch zur Fernsehserie, die sich inzwischen weit von ihren Wurzeln entfernt hat, aber immer noch attraktiv ist.

Peter Baumann
* 18.03.1939
Mehr von Hans Helmut Hillrichs, Gottfried Kirchner und Ingo Hermann.

Peter Baumann, Gottfried Kirchner: Terra-X
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Es geht um die Südsee und um Mittelamerika. Baumann und Kirchner werfen Blicke auf hierzulande kaum beachtete Kulturen und bringen sie dem Leser sorgsam näher. Lieblingsgegner der beiden ist Erich von Däniken, an dem sie immer wieder kein gutes Haar lassen.



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Walter Baumgärtel

Unter Gorillas - Erlebnisse auf freier Wildbahn

Unter Gorillas - Erlebnisse auf freier Wildbahn (1977)
Fischer (1979)
Walter Baumgärtel
* 22.12.1902 (Leipzig).
† 08.11.1997 (? Deutschland)

Baumgärtel

Baumgärtel unterhielt ein Hotel in Uganda, das für viele Wissenschaftler, darunter Bernhard Grzimek und Dian Fossey bei ihren Gorillabeobachtungen das inoffizielle Hauptquartier war. Baumgärtel ist ein aufmerksamer Beobachter, der hier seinen eigenen Bericht über das Leben der Gorillas abliefert.


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Rolf und Alexandra Becker

Dickie Dick Dickens

Dickie Dick Dickens (1959)
DTV (1984)
Buch zur Hörspielreihe.

Rolf und Alexandra Becker: Dickie Dick Dickens
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Es ist lange her, daß das Hörspiel im Radio richtig zur Geltung kam. Inzwischen verkaufen sich einige Produktionen recht gut, aber tatsächlich dürfte es sich nur um eine Randerscheinung handeln. Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Das Hörspiel ist tot.

Von wegen.

Das Hörspiel hat mehr Fans, als man für möglich hält. Einige Internetseiten bieten alte Tonbandmitschnitte zum Download an, aber die meist bei Yahoo abgelegten Teile, sind nur sporadisch wirklich zu erreichen. Es ist schade, daß die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Archive nicht der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Zu den Perlen des Kriminalhörspiels gehört sicher Dickie Dick Dickens (den Namen kenne ich aus einer weiteren Hörspiel-Reihe der Beckers, nämlich Die Experten (u.a. mit Rainer Basedow und Luise Martini)).

Wie diese ist Dickie Dick Dickens ein Verbrecher - aber was für einer. Für jede Menge Humor ist gesorgt.


Soweit mein Artikel von 2001.

2013 habe ich mir endlich das Hörspiel angehört und danach hab ich dann auch dieses Büchlein wieder hervorgeholt.

Carl-Heinz Schroth erschien mir immer als ein etwas steifer Herr, der eher kalt und spröde wirkt. Und trotzdem gibt es etliches, das mich begeistert. So ist es auch hier. Wer nur seinen Jakob aus Jakob und Adele kennt, wird erstaunt sein, wie gut er die Titelfigur umsetzt. Schroth liefert die richtige Mischung aus Höflichkeit, Selbstsicherheit und Unverfrorenheit, die die Figur benötigt.

Dickie Dick Dickens ist ein kleiner Taschendieb im Chicago der frühen 20er Jahre. Ohne es geplant zu haben, steigt er, weil er zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, von einer unbedeutenden Figur zum Verbrecherkönig von Chicago auf.

Im vorliegenden Buch werden die ersten dreizehn Folgen der Serie umgesetzt. Obwohl man ständig erfährt, daß Dickens in Sing-Sing enden wird, gelingt es ihm selbst aus den unglaublichsten Fallen unbeschadet herauszukommen, ja, meist steht er danach sogar noch besser da, als zuvor.

Der ironische Ton der Beckers schafft die notwendige Distanz zur teilweise blutrünstigen Handlung und zieht die Gewalt (auch ohne sie zu verharmlosen) ins Lächerliche.

Eine wunderbare Hörspielreihe, die als Buch auf eigenen Füßen stehen und begeistern kann.


Mail an Ralf H.


Dickie Dick Dickens schlägt Wellen

Dickie Dick Dickens schlägt Wellen (1986)
DTV (Juni 1986)
Buch zur Hörspielreihe.

Rolf und Alexandra Becker: Dickie Dick Dickens schlägt Wellen
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Ein nachgeschobener Band, der (wahrscheinlich) den Schluss der Hörspielreihe nachliefert.

Dickie ist die Flucht aus den Vereinigten Staaten gelungen. Er und seine Begleiter sind zunächst auf einem Schiff unterwegs, werden dann in Südamerika ausgesetzt und gelangen in ein Land, in dem ständig irgendjemand Revolution macht. Natürlich geraten sie mitten hinein, stehen mehrmals davor, erschossen oder in die Luft gejagt zu werden und schaffen doch die Flucht.

Hinzu kommt, daß ihr ständiger Nemesis, Kommissar McKenzie, abkommandiert wird, um sie abzuholen.

Keine gute Zeit für den Chicagoer Meisterverbrecher.


Der Ortswechsel tut DDD nicht gut, denn eigentlich möchte man ja über seine Tätigkeit als Verbrecher informiert werden. Doch die Beckers sind gut genug, die Spannung und den Witz auf hohem Niveau zu halten, so daß man sich nicht langweilt.


Mail an Ralf H.



Gestatten - Mein Name ist Cox!

Gestatten - Mein Name ist Cox! (1952)
Sigbert Mohn (1961)
Kriminalroman.

Rolf und Alexandra Becker: Gestatten - Mein Name ist Cox!
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Paul Cox findet sich eines Tages mit einer Leiche zusammen in einem Raum. Bevor er sich davon machen kann, erscheint die Polizei. Cox kann entkommen, aber nun beginnt ein Wettlauf zwischen ihm, der Polizei und dem Mörder.


Bekannter als der Roman (der anscheinend am Anfang stand), sind sicher die verschiedenen Hörspielbearbeitungen und die Fernsehserie mit Günter Pfitzmann.

Ob hier der Roman an erster Stelle kam (wie Wikipedia* andeutet) oder doch das Hörspiel, weiß ich nicht. Für letzteres spricht die Machart:

  • Wenige Personen.

  • Immer wenn man glaubt, jetzt sei die Sache erledigt, wird noch eins drauf gesetzt.

Der Tonfall der Ich-Erzählung ist recht unernst, was ein herrlicher Kontrast zu der haarsträubenden und spannenden Handlung ist. Daß die Handlung im Sommer 1953 spielt, erfährt man erst gegen Schluss (und es spielt auch keine große Rolle), daß eine der Figuren (der Nachbar Fitzgerald) eine Brille trägt, wird erst lange nachdem er eingeführt wurde, erwähnt. Aber auch das spielt eigentlich keine Rolle.

Natürlich werden Frauen zunächst mal auf ihr Äußeres reduziert, was sicher der Entstehungszeit geschuldet ist.


Bei den Beckers erwarte ich keine tiefenpsychologischen Roman. Ich erwarte eine rasante, spannende Handlung, die mit einem spitzbübischen Lächeln serviert wird. Und diese Erwartung erfüllen die Beckers in vollem Umfang.

Ein unterhaltsamer Roman, den man nur weiterempfehlen kann.


Hier die Rückenzeichnungen:



Mail an Ralf H.


Samuel Beckett

Warten auf Godot

Waiting for Godot (1952)
Suhrkamp (1971)
Das Stück wird hier nicht nur auf deutsch sondern auch noch auf englisch und französisch präsentiert.


Ziemlich verwirrend, aber auch interessant. Bislang habe ich es noch nicht im Theater gesehen, aber ich kann mir vorstellen, was heutige, sogenannte moderne Regisseure daraus machen. Dieses Stück verlangt unbedingt gute Schauspieler.
Mail an Ralf H.


Harriet Beecher-Stowe

Onkel Toms Hütte

Uncle Toms Cabin (1852)
Ueberreuter (1977)
Vielleicht die einflussreichste Autorin des 19. Jahrhunderts.


Der Sklave Tom wird an einen skrupellosen Sklavenhändler verkauft. Im Lauf der nächsten Jahre durchleidet er das Schicksal vieler Sklaven, verliert in all seinem Unglück aber nie seinen Glauben an Gott.

Auch wenn es heute so angesehen wird, ist es kein Kinderbuch sondern ein politischer Roman, dem die Süßlichkeit der zahlreichen Verfilmungen völlig abgeht.

Die originellste Bearbeitung ist für mich im Musical The King and I zu finden, wo Kinder den Inhalt des Romans nach Siam transponieren.

Comic-Fassung bei Bastei.


Wie gesagt: ein politischer Roman. Die Zeit hat ihm übel mitgespielt. Oh, das Buch ist gut geschrieben. Manche Kritiker werfen ihm vor, zu emotional zu sein. Was für ein hirnrissiger Vorwurf! Warum soll ein Buch keine Emotionen schüren. Ja, an einigen Stellen kann man fast weinen, so traurig ist das Buch.

Geschadet hat dem Buch, daß viele der Figuren im Lauf der letzten 160 Jahre zu Stereotypen wurden. Und diese Stereotypen über einen Teil der US-Bevölkerung werden heute als negativ angesehen. Weil Dinge, die nach dem Buch entstanden sind, übel beleumundet sind, wird dieses hervorragende Buch verurteilt. Tatsächlich sind das für mich Ausreden. Die Befürworter von Unterdrückung Sklaverei (die das heute nicht mehr zugeben würden, tatsächlich findet man sie nicht nur im Süden der USA sondern auch in den Chefetagen deutscher Unternehmen) haben es geschafft, eine bei ihrem Erscheinen wirkungsvolle Anklageschrift zu ächten.

Ja, auch das ist zum Heulen.


Der Beginn des Romans:

Harriet Beecher-Stowe Kurt Wölfflin (für Ueberreuter) W.E. Drugulin (1852)
CHAPTER I

In Which the Reader Is Introduced to a Man of Humanity

Late in the afternoon of a chilly day in February, two gentlemen were sitting alone over their wine, in a well-furnished dining parlor, in the town of P——, in Kentucky. There were no servants present, and the gentlemen, with chairs closely approaching, seemed to be discussing some subject with great earnestness.
1. Kapitel

Es war ein kalter Nachmittag im Februar. Im Wohnzimmer eines Farmhauses in Kentucky saßen zwei Männer bei einem Glas Wein. Sie waren allein, hatten die Stühle zusammengerückt und sprachen leise, aber eindringlich miteinander.
1. Kapitel

Ein Menchenfreund

Spät nachmittags an einem kalten Februartage saßen zwei Gentlemen in einem gut ausmöblierten Speisesaal in der Stadt P. in Kentucky bei ihrem Weine. Bediente waren nicht anwesend, und die beiden Herren schienen mit dicht aneinander gerückten Stühlen etwas mit großem Interesse zu besprechen.


Es fällt auf, daß bei Ueberreuter auf die Kapitelüberschriften verzichtet wird.

Die Übersetzung als "frei" zu bezeichnen, wäre schon fast übertrieben. Beecher-Stowe nennt Shelby und Haley (um die handelt es sich) zwei Gentlemen und deutet damit bereits ihre Stellung in der Gesellschaft an. Daß der Raum gut ausgestattet war, daß es sich um ein Esszimmer handelt, daß der Name der Stadt mit P beginnt - alls das wird in der Ueberreuter-Fassung verschwiegen. Auch der Hinweis darauf, daß keine Diener anwesend waren ist wichtig, denn durch die Betonung wird sofort klar, daß hier etwas besprochen wird, was nicht in Ordnung ist. Die mehr als 150 Jahre alte Übersetzungen von Drugulin wird heute noch gern verwendet. Kein Wunder, sie ist wirklich dicht am Original.

Das Ende des Romans:

Harriet Beecher-Stowe Kurt Wölfflin (für Ueberreuter) W.E. Drugulin (1852)
"It was on his grave, my friends, that I resolved, before God, that I would never own another slave, while it was possible to free him; that nobody, through me, should ever run the risk of being parted from home and friends, and dying on a lonely plantation, as he died. So, when you rejoice in your freedom, think that you owe it to that good old soul, and pay it back in kindness to his wife and children. Think of your freedom, every time you see UNCLE TOM'S CABIN; and let it be a memorial to put you all in mind to follow in his steps, and be honest and faithful and Christian as he was." [...] An seinem Grab habe ich geschworen, nie mehr Sklaven zu halten. Niemand soll durch mich von seiner Heimat und von seinen Lieben getrennt werden und ins Elend geraten. Wenn ihr nun frei geworden seid, so dankt es Tom, und vergeltet es seiner Frau und seinen Kindern. Immer, wenn ihr Onkel Toms Hütte seht, dann denkt an eure Freiheit und versucht, so rechtschaffen zu leben wie er." "Auf seinem Grabe, meine Freunde, gelobte ich vor Gott, daß ich nie wieder einen Sklaven besitzen wollte, solange es mir möglich war, ihn freizulassen; daß durch mich niemand Gefahr laufen sollte, von der Heimat und den Seinen getrennt zu werden und auf einer entlegenen Plantage verlassen zu sterben wie er. Wenn ihr euch daher eurer Freiheit freut, so bedenkt, daß ihr sie dieser alten guten Seele verdankt, und vergeltet es ihm durch Freundlichkeit gegen seine Frau und Kinder. Gedenkt eurer Freiheit jedesmal, wo ihr Onkel Toms Hütte seht, und laßt sie euch ein Gedächtniszeichen sein, das euch stets erinnert, in seine Fußstapfen zu treten und so ehrlich, treu und christlich zu sein wie er."


Im Original ist das ein Absatz, bei Ueberreuter werden zwei Absätze zusammengefasst. Das Original besitzt eine Tiefe die der Ueberreuter-Fassung abgeht.
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Lawrence Beesley

Titanic

The loss of the SS.Titanic (1912)
Goldmann (1998)
Übersetzung und Ergänzungen von Rolf-Werner Baak.

Die Geschichte der Titanic hat mich schon lange vor dem James Cameron-Film interessiert (übrigens der einzige Film, in dem ich Leonardo de Caprio nicht fehl am Platz fand. Ich erinnere mich mit Grausen daran, daß er praktisch im Alleingang eine gar nicht mal so schlechte Soap ruinierte. Für mich ist er einer der am meisten überschätzten Schauspieler überhaupt), sogar noch vor dem Auffinden Robert Ballard.

Ein faszinierendes Buch, das kurz nach der Katastrophe von einem der Überlebenden geschrieben wurde. Es ist erschreckend, wenn man ständig liest "Diesen oder jenen habe ich nie wieder gesehen." In anderen Büchern wird gern aus diesem Augenzeugenbericht zitiert, auch der Film (genau wie andere vorher) bedient sich tüchtig Beesleys Beobachtungen.

Diesem Buch fehlt leider eine ordentliche Bebilderung. Es gibt eine Hardcover-Ausgabe, aber sind die 12 s/w-Bilder den großen Aufpreis wert? Der Text gehört von Dutzenden Bildern eingerahmt.

Baak führt in einem Register auf, wann z.B. der zweite Offizier gestorben ist. Zu Beesley fehlen jedoch alle biographischen Angaben. Schade.
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Leonard Bernstein

Freude an der Musik

The Joy of Music (1959)
DTV (1963)
25.08.1918 - 14. Oktober 1990


Bernstein ist auch und natürlich vor allem der Komponist der West Side Story

Leonard Bernstein: Freude an der Musik
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Das Buch ist hervorragend - und miserabel.

Bernstein gelingt es, selbst dem Laien ein Verständnis für Musik nahezubringen, das man nicht für möglich gehalten hätte. In den erdachten Gesprächen erreicht er eine Tiefe, die mich völlig überrascht hat.

Schlecht ist, daß der Hauptteil des Buches aus Manuskripten zu einer Fernsehserie besteht. Bernstein ist immer gut, wo er in Worten beschreibt, was ihm wichtig ist.

Es ist immer dann schlecht, wenn in der Fernsehfolge Beispiel-Musik gespielt wurde. Und das ist - selbstverständlich bei einer Sendereihe über Musik - recht oft der Fall.

Im Buch behilft Bernstein sich damit, Noten abzudrucken.

Es sind zwar immer nur kurze Einwürfe, aber trotzdem kommen Seite über Seite Noten.

Ich kann Noten lesen, aber ich höre die Musik nicht beim Lesen.

Bernstein selbst mag das anders gegangen sein. Wahrscheinlich bin ich näher an der Allgemeinheit als er.

Deshalb ist das Buch miserabel - und hervorragend gleichzeitig.

Zumindest macht es neugierig auf die TV-Sendereihe - und damit ist dann doch viel erreicht.


Mail an Ralf H.