Elizabeth George oder Der Eggtimer-Plot.
Ich weiß, man glaubt es mir kaum, aber: Ich habe Elizabeth George erst im Herbst vergangenen Jahres für mich entdeckt - und war sofort Feuer und Flamme.
Daher war ich vielleicht der einzige Besucher der Lesung, der die Fernsehserie nie gesehen hatte.
Es war für mich auch der erste Besuch im Theaterhaus in Stuttgart. Hatte sich einfach nie ergeben.
Der an eine Universitäts-Aula erinnernde Saal war voll bis auf den letzten Platz. Frauen waren in der Mehrzahl, altersmäßig war eine sehr große Spreizung zu beobachten. Irgendwo im Saal brüllte mitunter ein Baby und wenigstens eine Dame war hochbetagt.
Meine Frau und ich saßen in Reihe 4, direkt vor den beiden aufgebauten Stühlen, wodurch wir Mrs. George in die Augen sehen konnten.
Zwei Damen kamen aus der Kulisse - und der Gedanke an Pat und Patachon drängte sich sofort auf. Die eine ein (blonder) Koloß, die andere sehr zierlich, sehr viel zerbrechlicher, als man sie von den Fotos ihrer Website kennt.
Zunächst einmal las Elizabeth Georg 4 Seiten aus ihrem neuesten Buch (What came before he shot her). Das wurde zwar mit Applaus belohnt, war aber nur ein Vorgeplänkel, der Abend wurde danach immer besser.
Im Wechsel sprachen Mrs. George und Frau Lux (Luchs? Fuchs? Ich hab den Namen nicht richtig verstanden und sie wurde auch in keiner der Vorankündigungen benannt, was schade ist, denn sie war wirklich gut - ohne sie und ihre an Humor kaum zurückstehenden Übersetzungen wäre der Abend nur halb so amüsant gewesen. Auf Foto 5 ist sie in der Mitte des Hintergrunds zu sehen). Sie erzählte, wie es zu diesem neuen Buch gekommen war, dass es eigentlich eine Parallelhandlung im vorangegangenen hätte sein sollen, aber der Umfang dann viel zu enorm geworden wäre.
Dann ging sie auf die Struktur ein und meinte, die Handlung hätte sich wie ein Hourglass entwickeln sollen. In der Übersetzung wurde daraus Eieruhr (was ja nicht falsch ist, denn in dieser Funktion trifft man die Stundengläser/Sanduhren heute noch am häufigsten an). In der Rückübersetzung Eggtimer. Das macht im Zusammenhang mit Plot nun gar keinen Sinn, sorgte aber für schreiendes Gelächter - immer wieder im Laufe des Abends.
Schließlich wurde auf Fragen des Publikums eingegangen. Fast alle wurden in Englisch gestellt. Mann, war ich neidisch. Ich verstehe Englisch ohne jede Einschränkung, aber ich habe keine Sprachübung und habe deshalb lieber den Mund gehalten, obwohl ich eine Frage gehabt hätte: "Drängt es Sie nicht, hin und wieder etwas zu schreiben, dass nichts mit Ihrer Lynley-Serie zu tun hat?" Ich selbst wechsle zwischen den Maria & Ralf-Romanen, den Rex-Cordoba-Romanen und Einzelwerken. Immer nur Rex Cordoba, wäre mir auf die Dauer zu langweilig, so sehr ich die Figur (und natürlich Suzette Byrne) auch mag. Den meisten Schriftstellern ging und geht es ähnlich.
Aufgrund diverserer Fragen, erläuterte sie, wie sie einen Roman entwirft. Ihre Arbeitsweise unterscheidet sich bestenfalls graduell von meiner, die ich mir im Lauf der Jahre selbst angeeignet habe.
Ach ja, von beiden Frauen wurde es vermieden, zu verraten, welche der Hauptfiguren zu Tode kommt. Aber natürlich gab es einen Idioten, Kurzhaarschnitt, dunkler Anzug, Krawatte, Hornbrille, der in seiner Frage den Namen nannte - und völlig zurecht schon nach der ersten Silbe niedergebrüllt wurde. Wie kann man nur so unsensibel sein? Mrs. George meinte, es gäbe in jeder Veranstaltung einen solchen Spielverderber.
Die Autogramme gab sie im recht dunklen Foyer - immer freundlich, immer lächelnd und immer sich für das Kommen bedankend.
Ein gelungener Abend mit einer sehr sympathischen Schriftstellerin. Falls Sie in Ihrer Nähe gastiert, sollten Sie unbedingt die Gelegenheit wahrnehmen, selbst wenn sie schlecht oder kaum Englisch können. Es lohnt sich auf jeden Fall.
Ich weiß, man glaubt es mir kaum, aber: Ich habe Elizabeth George erst im Herbst vergangenen Jahres für mich entdeckt - und war sofort Feuer und Flamme.Daher war ich vielleicht der einzige Besucher der Lesung, der die Fernsehserie nie gesehen hatte.
Es war für mich auch der erste Besuch im Theaterhaus in Stuttgart. Hatte sich einfach nie ergeben.
Der an eine Universitäts-Aula erinnernde Saal war voll bis auf den letzten Platz. Frauen waren in der Mehrzahl, altersmäßig war eine sehr große Spreizung zu beobachten. Irgendwo im Saal brüllte mitunter ein Baby und wenigstens eine Dame war hochbetagt.
Meine Frau und ich saßen in Reihe 4, direkt vor den beiden aufgebauten Stühlen, wodurch wir Mrs. George in die Augen sehen konnten.
Zwei Damen kamen aus der Kulisse - und der Gedanke an Pat und Patachon drängte sich sofort auf. Die eine ein (blonder) Koloß, die andere sehr zierlich, sehr viel zerbrechlicher, als man sie von den Fotos ihrer Website kennt.
Zunächst einmal las Elizabeth Georg 4 Seiten aus ihrem neuesten Buch (What came before he shot her). Das wurde zwar mit Applaus belohnt, war aber nur ein Vorgeplänkel, der Abend wurde danach immer besser.
Im Wechsel sprachen Mrs. George und Frau Lux (Luchs? Fuchs? Ich hab den Namen nicht richtig verstanden und sie wurde auch in keiner der Vorankündigungen benannt, was schade ist, denn sie war wirklich gut - ohne sie und ihre an Humor kaum zurückstehenden Übersetzungen wäre der Abend nur halb so amüsant gewesen. Auf Foto 5 ist sie in der Mitte des Hintergrunds zu sehen). Sie erzählte, wie es zu diesem neuen Buch gekommen war, dass es eigentlich eine Parallelhandlung im vorangegangenen hätte sein sollen, aber der Umfang dann viel zu enorm geworden wäre.
Dann ging sie auf die Struktur ein und meinte, die Handlung hätte sich wie ein Hourglass entwickeln sollen. In der Übersetzung wurde daraus Eieruhr (was ja nicht falsch ist, denn in dieser Funktion trifft man die Stundengläser/Sanduhren heute noch am häufigsten an). In der Rückübersetzung Eggtimer. Das macht im Zusammenhang mit Plot nun gar keinen Sinn, sorgte aber für schreiendes Gelächter - immer wieder im Laufe des Abends.
Schließlich wurde auf Fragen des Publikums eingegangen. Fast alle wurden in Englisch gestellt. Mann, war ich neidisch. Ich verstehe Englisch ohne jede Einschränkung, aber ich habe keine Sprachübung und habe deshalb lieber den Mund gehalten, obwohl ich eine Frage gehabt hätte: "Drängt es Sie nicht, hin und wieder etwas zu schreiben, dass nichts mit Ihrer Lynley-Serie zu tun hat?" Ich selbst wechsle zwischen den Maria & Ralf-Romanen, den Rex-Cordoba-Romanen und Einzelwerken. Immer nur Rex Cordoba, wäre mir auf die Dauer zu langweilig, so sehr ich die Figur (und natürlich Suzette Byrne) auch mag. Den meisten Schriftstellern ging und geht es ähnlich.
Aufgrund diverserer Fragen, erläuterte sie, wie sie einen Roman entwirft. Ihre Arbeitsweise unterscheidet sich bestenfalls graduell von meiner, die ich mir im Lauf der Jahre selbst angeeignet habe.Ach ja, von beiden Frauen wurde es vermieden, zu verraten, welche der Hauptfiguren zu Tode kommt. Aber natürlich gab es einen Idioten, Kurzhaarschnitt, dunkler Anzug, Krawatte, Hornbrille, der in seiner Frage den Namen nannte - und völlig zurecht schon nach der ersten Silbe niedergebrüllt wurde. Wie kann man nur so unsensibel sein? Mrs. George meinte, es gäbe in jeder Veranstaltung einen solchen Spielverderber.
Die Autogramme gab sie im recht dunklen Foyer - immer freundlich, immer lächelnd und immer sich für das Kommen bedankend.
Ein gelungener Abend mit einer sehr sympathischen Schriftstellerin. Falls Sie in Ihrer Nähe gastiert, sollten Sie unbedingt die Gelegenheit wahrnehmen, selbst wenn sie schlecht oder kaum Englisch können. Es lohnt sich auf jeden Fall.
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